Dracula. Die Wiederkehr – Dacre Stoker, Ian Holt
Verlag: Egmont-Lyx | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-8025-8220-2
Seiten: 600
Ausgabe: Gebundene Ausgabe
Preis: € 19,95
ET: 10.2009
Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen, seit die Vampirjäger um Professor van Helsing den gefürchteten Dracula zur Strecke brachten. Doch der Friede ist trügerisch. In London geschehen unheimliche Dinge, und Jonathan Harker wird ermordet am Picadilly Circus aufgefunden. Irgendjemand scheint es auf diejenigen abgesehen zu haben, die damals an der Vernichtung des dunklen Grafen mitwirkten. Harkers Sohn Quincey tritt in die Fußstapfen seines Vaters, um den Mord aufzuklären. Dabei macht er rätselhafte Entdeckungen. Könnte es sein, dass der legendäre Dracula noch unter den Lebenden weilt?
Meine Rezension
Schon der englische Originaltitel „The Undead“ weist darauf hin, dass Graf Dracula im gleichnamigen ersten Roman nicht gestorben ist, sondern immer noch präsent ist und auf der Erde wandelt.
Dennoch sollte man schon den Ursprungsroman von Bram Stoker gelesen haben, um diesem Buch (zumindest anfangs) folgen zu können, da es anfänglich mit all den vielen Charakteren und deren einzelner Geschichten recht verwirrend ist.
So eben Quincey Harker, der neben dem Grafen der Hauptprotagonist ist und der mit der Vergangenheit seiner Eltern zu kämpfen hat. Diese leben in einer zerrüttelten Ehe, und zudem möchte sein Vater, Jonathan, dass er wie er selber eine juristische Laufbahn anstrebt. Doch Quincey möchte viel lieber Schauspieler werden und hat deswegen die Universität von Sorbonne verlassen und geht ans Theater. Dort trifft er Bram Stoker, der „Dracula“ auf der Bühne inszinieren will und ist schockiert, als er in der Geschichte das Leben seiner Eltern wieder findet. Irritiert über diese Tatsache findet er in Basarab einen Mentor, der ihm die Unterstützung entgegen bringt, die er bei seinen Eltern nie bekommen hatte.
Vor allem Quinceys Mutter, Mina Harker, spielt eine entscheidende Schlüsselfigur in diesem Roman. Während ihr Mann Jonathan versucht, seinen Kummer und die gescheiterte Ehe in Alkohol zu ertränken, hat sich Minas Erscheinungsbild, noch nach über 25 Jahren nach Draculas Tod, nicht verändert. Sie ist durch Draculas Blut nicht gealtert und scheint, wie er für die Ewigkeit bestimmt zu sein. Doch noch immer spürt sie ein Verlangen nach dem dunklen Prinzen, dem sie sich nicht entziehen kann.
Der dunkle Prinz, oder besser gesagt Graf Dracula, verkörpert in seinem ersten Buch das Böse in Person. Er wird als „Monster“ beschrieben, das nach Menschenblut lechzt und umso überraschter war ich (um nicht zuviel zu verraten), dass er in diesem Roman plötzlich als guter Kerl dargestellt wird. Das ruiniert doch ganz klar seinen Ruf.
Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten wie Van Hellsing, Jack Seewald, der inzwischen drogensüchtig ist, oder Arthur Holmwood, der zurückgezogen versucht, seine Vergangenheit abzulegen.
Neben diesen Protagonisten taucht in diesem Roman ein neuer historischer Charakter auf: Baronin Elizabeth Bathory. Ursprünglich lebte die Gräfin im 16. Jahrhundert in Ungarn und es heißt auch, dass sie im Blut von Jungfrauen gebadet habe und es sogar getrunken haben soll.
Mit ihr hat Dracula eine blutrünstige Widersacherin bekommen, die aus Rache an ihm sadistisch veranlagt ist und nicht umsonst den Namen „Jack, der Schlitzer“ trägt. Bei den Charaktereigenschaften der Gräfin merkt man eindeutig, dass hier zwei Männer am Werk waren, um sie zu erschaffen, denn sie lebt in diesem Roman ihre lesbische Veranlagung in abnormalen Szenen aus, die mir persönlich vereinzelt etwas zu heftig waren.
Blutige Szenen, sowie Kämpfe zwischen den Protagonisten und den Untoten, aber nicht unsterblichen Vampiren, sind also vorprogrammiert.
Des Weiteren werden Liebhaber von kitschigen Vampir-Liebesromanen hier keinen atemberaubenden Superhelden finden, bei dem Frauen nur so dahinschwelgen. Vielmehr geht es hierbei um eine einzigartige, dramatische Liebesgeschichte zwischen dem Grafen Dracula und seiner Mina, die für mich mit einem traurigen, spektakulären und unerwarteten Ende aufwartet.
Der Roman ist in der Erzählform geschrieben worden und die Perspektiven wechseln von einem Charakter zum nächsten. Obwohl Satzbau und Satzstil gut zu lesen sind, ist es an manchen Stellen mühsam, der Geschichte zu folgen, da sie einerseits sehr langatmig geschrieben wurden, und den Protagonisten der für mich charakteristische Tiefgang fehlt. Oft sind es monotone Dialoge, die gesprochen werden und meine Neugierde hat an manchen Stellen gefehlt bzw. wurde nicht richtig geschürt. An der einen oder anderen Stelle hätte die Spannungskurve etwas mehr und vor allem anspruchsvoller sein können.
Auch muss man sehr genau und zwischen den Zeilen lesen, um der Handlung folgen zu können. Aber es lohnt sich auf alle Fälle, bis zum Ende durchzuhalten und zu eErfahren, in welchem Zusammenhang Graf Dracula mit der Baronin Elizabeth Bathory steht. Deswegen: Nicht entmutigen lassen und nicht mittendrin in der Geschichte abbrechen! Es lohnt sich allemal, das eine oder andere Geheimnis zu lüften. Auch wenn ich schon recht schnell gewusst habe, was es mit Basarab auf sich hat und welches Geheimnis Mina Harker hütet. Der Roman sorgt für Überraschungen – auch wenn diese manchmal vorhersehbar sind.
Fazit
„Dracula – Die Wiederkehr“ ist die mehr oder weniger würdige Fortsetzung des Meisterwerks „Dracula“, dass von Bram Stokers Urgroßneffen Dacre Stoker sowie Ian Holt geschrieben wurde, und ist keinesfalls mit den anderen Vampirromanen zu vergleichen, wie sie derzeit zu Hauf auf dem Markt vorzufinden sind. Beide Autoren haben versucht, dem Grafen Dracula neues Leben einzuhauchen, was meiner Meinung nach nicht ganz gelungen ist.
Das Buch ist für jeden klassischen Vampirliebhaber, der nichts über Kitsch- und Glitzervampire lesen will. Es ist eine Mischung aus Liebes- und Gruselroman, sowie Horror, Mystik und Spannung.
Obwohl meiner Meinung nach zu wenig „Dracula“ vorkam, ist es ein spannendes und abwechslungsreiches Leseereignis und kein billiger Dracula-Roman.
Dacre Store hat in einem Interview gesagt, dass er eine Dracula-Triologie anstrebe, was zumindest die noch offenen Fragen ( u.a.: Wer ist Bathorys Mentor?) erklärt und man darf auf diese Fortsetzung gespannt sein. Des weiteren ist eine Verfilmung von „Dracula – Die Wiederkehr“ geplant, wofür sich Produzent und Regisseur Jan den Bont ( u.a. „Minority Report“ und „Speed“) bereits mit den Autoren in Verbindung gesetzt hat.
Meine Bewertung
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Bram Stokers großartiger in Brief- und Tagebuchform verfasster Roman ‘Dracula’ hätte nach meinem Dafürhalten keiner Fortsetzung bedarft. Im Zuge des aktuellen Vampir-Hypes (Twilight etc.) war es nur irgendwie logische Konsequenz, dass sich jemand in die Fußstapfen dieses Genre-Klassikers wagen würde. Ich habe die Fortsetzung noch nicht gelesen, weiß aber schon, dass sie es gegenüber dem Original recht schwer haben wird, zu bestehen. Daher danke auch für Deine Rezension!
Ein kleiner Tip für alle Vampir-Enthusiasten: Dr. Peter Mario Kreuter, seines Zeichens Romanist, hat sich im Rahmen seiner Dissertation mit dem Vampirglauben im Donau-Balkanraum beschäftigt, und gibt in einer Videoaufzeichnung auf wirklich sehr unterhaltsame Weise seine wissenschaftlichen Erkenntnisse über Vampire zum Besten -> http://www.yovisto.com/play/2351