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Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer

Emmi & Leo, Teil 1

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-442-46586-6
Seiten: 224
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 7,95
ET: 07.2008

Gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser geschützten Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen? Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Bald scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten persönlichen Treffen kommt, aber diese Frage wühlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinauszögern. Außerdem ist Emmi glücklich verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und überhaupt: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Meine Rezension

Es ist schnell passiert, dass man eine falsche Tastenkombination tippt. Egal ob beim Telefon, oder am PC. Wenn es sich beim tippen um eine Telefonnummer oder eine E-Mail Adresse handelt, dann können schon mal interessante Dinge geschehen. So auch hier.

Emmi Rothner trifft virtuell ungewollt auf Leo Leike. Schuld daran ist eine Zeitschrift, die Emmi abbestellen möchte, und sich dabei wiederholt in der E-Mail Adresse vertut, was zur Folge hat, dass ihre Versuche kläglich scheitern. Dafür ergibt sich ein interessanter Schriftverkehr zwischen Emmi und Leo, der erst oberflächlich ironisch ist, später aber tiefer und intensiver wird. Aus einer Zufalls – Online – Bekanntschaft entwickelt sich mit der Zeit eine Freundschaft zwischen den beiden, die allerdings auf sehr wackeligen Füssen steht.

Man tauscht sich über Alltagsprobleme, Wünsche und Hoffnungen aus, und übersieht dabei, dass es sich schon längst nicht mehr nur noch um eine zufällige Online – Freundschaft handelt, die man gerne pflegt. Beide beginnen, immer mehr in den jeweiligen Adressaten hineinzuinterpretieren, und nähren dadurch den Wunsch, sich auch mal im realen Leben zu treffen – auf ein gutes Gespräch unter Freunden. Doch das ist gar nicht so einfach, denn in einer alkoholgeschwängerten Nacht, müssen beide einsehen, dass es sich nicht mit einer einfachen Freundschaft getan hat…

Daniel Glattauer ist ein österreichischer Journalist und Autor, der in Gut gegen Nordwind das Verhalten der Menschen zu Internet Zeiten beleuchtet. War es früher fast unmöglich, sich auf schriftlichem Wege zu verlaufen und fremde Menschen kennenzulernen, so ist es heute möglich und geschieht wohl täglich. Meistens passiert nichts – aber es kann alles draus werden. Ebenso eindringlich, so authentisch, wie es Daniel Glattauer in diesem Roman beschreibt.

Wir kennen Romane, die in Tagebuchform verfasst sind. Dieser Roman geht einen Schritt weiter. Er besteht aus einer Sammlung von E-Mails, anfangs Oberflächlich, später eindringlich. Somit schafft er es, den beiden Schreibern, die niemals „körperlich“ auftauchen, ein Gesicht zu geben. Wir erleben sie so, wie sie der Empfänger einer E-Mail erlebt. Sowohl Emmi als auch Leo zeigen sich von ihrer Schokoladenseite, treten in Fettnäpfchen und sind Geschäftsmäßig. Sie zeigen sich, wie es der Situation gerade entspricht und geben sich dadurch Konturen, Ecken und Kanten.

Interessant ist, dass alleine durch die Beschreibungen der Hauptcharaktere ihres Lebens und ihrer Selbst, derart viel Atmosphäre geschaffen wird. Das Buch steigert sich in ungeahnte Höhen und birgt durch Witz, Ironie und Intellekt des Autors ungeahnte Perlen. Ein Flirt, eine Liebesgeschichte, die einmal aus einem vollkommen anderen Winkel beschrieben wird, gipfelt in einem Showdown, den das Leben selbst besser nicht hätte fabrizieren können.

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern


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2 Kommentare zu „Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer“

  • Meine Kurz-Rezension zum Hörbuch
    Ich hatte schon einiges über das Buch gehört, allerdings konnte es mich trotz guter Kritiken einfach nicht reizen. Dann bekam ich das Hörbuch zum Geburtstag geschenkt. Naja, wenn ich es jetzt schon mal habe, dann kann ich es mir – ich bin ein absoluter Hörbuch-Muffel – ja auch mal anhören, dachte ich so bei mir. Gesagt getan, das Hörbuch während des Kochens in den CD-Player gelegt und da war es dann um mich geschehen. Es dauerte nicht lange und ich konnte mich dieser außergewöhnlichen Geschichte einfach nicht entziehen, was wohl neben den wirklich originellen, witzigen, teilweise sarkastischen E-Mails, vor allem an der wunderbaren Leseleistung von Andrea Sawatzki und Christian Berkel lag. Abends wollte ich es zum Einschlafen hören, aber weit gefehlt. Können mich normalerweise Hörspiele ruckzuck in den Schlaf spielen, hab ich hier kein einziges Auge zu gemacht. Zwei Stunden habe ich mir mitten in der Nacht um die Ohren geschlagen, weil ich einfach wissen MUSSTE wie es mit Emmi und Leo weiter geht. Ich habe mich selten so gut bei einem Hörbuch amüsiert. Ich habe viel gelacht, geschmunzelt, war aber auch mal nachdenklich und seltsam berührt. Das Ende ließ mich erstarrt zurück (es ist einfach ein Hammer, ein Keulenschlag) und ich gestehe, die Geschichte hing mir noch lange nach und ich musste noch oft an Emmi und Leo denken. Ein wunderbares Hörbuch, das mich von der ersten bis zur letzten Minute unglaublich gefesselt hat.
    Bewertung

  • Aleksandra G.:

    Meine Rezension
    Emmi möchte ein Zeitschriftenabo kündigen und schreibt aus Versehen nicht der Redaktion “Like”, sondern Leo Leike… nach mehreren Mails, reagiert Leo und klärt sie über das Mißverständnis auf. Daraufhin entwickelt sich zwischen den beiden eine E-Mail Freundschaft… und mit der Zeit auch ein bißchen mehr. Doch keiner von beiden schafft es, sich auf ein Treffen einzulassen, sodass es eine virtuelle Beziehung bleibt, bis in Emmis und auch in Leos Leben einige unvorhergesehene Dinge passieren.
    Das Buch ist der Abdruck eines E-Mail Dialogs. Zwei Menschen unterhalten sich. Sie schreiben einander, mal schnell, mal dauern die Antworten ein paar Tage länger. Für den Leser wird relativ schnell deutlich, welch Abhängigkeiten der beiden von einander aufgebaut werden… und auch die Spannung, die damit und mit den wachsenden Gefühlen einhergeht ist nicht zu überlesen. Die Gespräche, Themen und Äußerungen der beiden werden nicht langweilig. Letztendlich ist der Leser sogar äußerst gespannt, was das Ganze denn nun eigentlich soll und wo es hinführen wird. Aber die Turbulenzen der Gefühle nehmen den Leser ebenso mit, wie die beiden Protagonisten.
    Über das Ende möchte ich an dieser Stelle keine wirkliche Aussage treffen. Ich glaube, ich fände es unbefriedigend, wenn ich nicht wüßte, dass es eine Fortsetzung in “Alle sieben Wellen” gibt. So aber hat das Buch mir ausgesprochen gut gefallen: es ist äußerst unterhaltsam, gefühlsbetont und virtuell sehr real.
    Meine Bewertung

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Letztes Update: 18. September 2011

Autor des Artikels

Vanessa Brinker
Rezensentin
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