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Der Junge und die Taube – Meir Shalev

Verlag:Diogenes
ISBN: 978-3-257-23945-4
Seiten:
406
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 10,90
ET:
05.2009

Ein Junge namens Baby wächst ohne Eltern in einem Kibbuz auf und interessiert sich brennend für Brieftauben. Er ahnt nicht, dass ihm neun Jahre später das Wissen über diese Brieftauben von großem Nutzen sein wird, um den sehnlichsten Wunsch seiner Geliebten zu erfüllen. Viele Jahre später: Ein Haus für sich allein will der Touristenführer und Vogelkundler Jair. Denn seit es in Israel nicht mehr viele Touristen durch das Land zu führen gibt, denen man die Schönheiten der Flora und Fauna zeigen kann, steht Jair auf der Lohnliste seiner amerikanischen Frau Liora, die ein Immobiliengeschäft betreibt und ihm jeden Wunsch von den Augen abliest. Und welcher Mann hält das schon aus? Die Geschichte einer alten Liebe, die eine neue wurde, dann zu verlöschen drohte – und doch siegte.

Meine Rezension

Die Lebensgeschichte zweier Menschen

Jair lebt in Tel Aviv und ist Touristenführer und ist vorallem darauf spezialisiert Ornitologen durch das Land zu begeiten. Seine Ehe verläuft alles andere als zufriedenstellend und so verwundert es wenig, dass Jair von dem Geld das ihm seine Mutter auf dem Sterbebett hinterlässt auch wie von ihr gewollt in einer abgelegenden Gegend ein Haus kauft und von seiner Jugendfreundin Tirza renovieren lässt.

Jahre zuvor im Unhabhängigkeitskrieg: der 19 jährige Taubenzüchter ‘Baby’ wird zur Palmach berufen und soll mit ihr in ein Kampfgebiet ziehen. Er lässt sein geliebtest ‘Mädchen’ zurück und nimmt nur ein paar seiner geliebten Tauben mit und ahnt noch nicht, dass es eine Taube sein wird und nicht er, die seinem Mädchen das vielleicht schönste Geschenk auf Erden überbringen wird.

Eine unglaubliche Geschichte!
Shalev erzählt mit viel Feingefühl die Geschichte von zwei Männer und zeigt dabei eine unglaubliche Gabe auch kleinste Details genau wieder zu geben.
Dabei zeichnet der Autor in seinem Roman Der Junge und die Taube vielschichtige Figuren, die von ihrem Hoffnungen, Wünschen und Ängsten angetrieben werden und versuchen sich in schwierigen Zeiten zurecht zufinden und alle sind auf die ein oder andere Weise mit einander verbunden.
Erzählt wird dabei hauptsächlich aus der Sicht von ‘Baby’ und Jair und Shalev zieht in seiner Erzählung die Verbindung der beiden Handlungsstränge bis zum Ende langsam, aber doch kontinuierlich zu. Am Ende ist ein ganzes Bild entstanden, dass wenig zu wünschen übriglässt.
Der Autor erzählt die Geschichte mit einer unglaublich präzisen Sprache, die zwischenzeitlich an ein Märchen erinnert und den Leser in den Band des Buches zieht und ihn ohne Holper von Seite zu Seite trägt. Jedes einzelne Wort hat sich Shalev gut überlegt.

Trotz all der Schwärmerei noch zwei kleine Kritikpunkte:
Taube auf English heißt „pigeon“ und nicht „pidgeon“; kleiner Rechtschreibfehler, bei dem sich aber die Zehennägel als Anglistin aufstellten; und erst recht, wenn man überlegt, dass Shalev sehr gut über Brieftauben recherchiert hat und dann ausgerechnet die englische Bezeichnung falsch geschrieben wird. Ich hoffe, der Fehler ist dem Übersetzer passiert! Dieser Kritikpunkt bezieht sich vor allem auf die gebundene Version des Romans, denn ob der Fehler auch noch im Taschenbuch vorhanden ist, kann ich nicht sagen.
Jair und seine Frau Liora führen keine glückliche Ehe, versuchen, sich aus dem Weg zu gehen. Wieso trennen sie sich nicht? Denn immerhin scheinen beide nur bedingt von einander abhängig zu sein. Shalev hätte hier einfach noch ein bisschen ausführlicher darauf eingehen müssen, warum beide dennoch an ihrer Ehe festhalten. Dies erschloss sich mir bis zum Schluss nicht.

Alles in allem aber ein wunderbares Buch! Shalev habe ich nicht zum letzten Mal gelesen….

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern

Vielen Dank dem Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Letztes Update: 25. August 2010

Autor des Artikels

Rebecca Marbaise
Redaktion

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