Die verborgene Kammer – Corinna Kastner
Verlag: Bastei Lübbe | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-404-16279-6
Seiten: 591
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 05.2009
Preis: € 8,95
In meiner Erinnerung höre ich ihn noch heute, diesen Schrei, die beiden lang gezogenen Silben, die gequält über meine Lippen drangen. Als könne meine Stimme sie wieder zum Leben erwecken.
Als Viktoria überraschend die Hälfte einer Villa an der mecklenburgischen Ostseeküste erbt, ahnt sie nichts von der dunklen Geschichte des Hauses. Auch Roman, der charismatische Fremde, mit dem sie ihr Erbe teilen muss, scheint von der Neuigkeit überrumpelt. Warum hat der Verstorbene, den weder Viktoria noch Roman gekannt haben, sie so großzügig in seinem Testament bedacht? Und was hat es mit dem verschlossenen Zimmer auf sich und den Gerüchten um die seltsame alte Dame, die einst in der Villa lebte?
Meine Rezension
Corinna Kastner schreibt erst seit wenigen Jahren für den deutschen Buchmarkt und ist bereits jetzt für mich nicht mehr weg zu denken. Ihr Debüt hatte Sie mit ihrem Roman „Eileens Geheimnis“ und gewann bereits damit eine große Fangemeinde. Dieses erste sowie die darauf folgenden zwei Werke „Das Erbe von Ragusa“ und „Die geheimen Schlüssel“ werden vom Verlag als Romane verkauft, gehören aber eindeutig in den Bereich Mystic Crime und vielleicht ein bisschen in den Bereich Roman. Das vorliegende vierte Buch von Corinna Kastner ist dem Genre nach zwar anders als Ihre vorhergehenden Werke, aber auch hier überrascht die Autorin durch viele Wendungen, Rätsel und eine neue, ungewohnte Schreibweise.
Die verborgene Kammer erzählt die Geschichte zweier Erben: Viktoria und Roman. Beide bekommen jeweils die Hälfte eines Hauses von einem ihnen völlig unbekannten Mann vermacht. Um ihr Erbe auch tatsächlich antreten zu können, müssen Sie „nur“ 2 Monate gemeinsam in diesem Haus im Ostseebad Wustrow leben…
Viktoria ist Schriftstellerin. Sie ist frei in ihrem Leben und hat vor nicht allzu langer Zeit ihre Beziehung mit dem Bruder ihrer besten Freundin beendet. Roman ist für sie genauso ein Fremder, wie der Mann, von dem sie das Haus erben. Das Haus selbst ist ein wahrer Goldschatz, denn es liegt an der Ostsee – nur leider in einem heruntergekommenen Zustand… Doch warum hinterlässt jemand einer Schriftstellerin und einem ihr Unbekannten eine Villa an der Ostsee? Welches Geheimnis gilt es hier zu lüften? Und was hat Romans Familie mit diesem Haus zu schaffen? Das und vieles mehr sind Fragen, denen sich Viktoria und Roman andauernd stellen müssen. Als Sie dann ein altes schwarz-weiß Foto von Zwillingsmädchen und ein altes Tagebuch von einer der beiden Mädchen finden, ist für Fragen keine Zeit, denn sie sind mitten in einer Geschichte, die verspricht, in nicht nur einer Hinsicht ihr Leben zu verändern.
Auch das vierte Buch von Corinna Kastner überzeugt durch einen flüssigen, aber überraschend neuen Schreibstill, der den Leser durch die Zeilen fliegen lässt. Die Protagonisten sind in ihren Charakteren stark und klar ausgeprägt. Der durchgehende rote Faden wird von dem permanent ansteigenden Spannungsbogen der Entwicklungen überlagert. Hinter allem lauert mindestens ein Rätsel und mehrere Schock-Elemente, welche es dem Leser bereits nach 50 Seiten unmöglich machen, dieses Buch aus der Hand zu legen. Corinna Kastner bedient sich auch hier unterschiedlicher Stillelemente und Zeitpassagen.
Dieses Werk wird die CK-Fans nicht enttäuschen – hier ist alles drin, was man braucht und mehr, als man erwartet. Aber auch für alle, die es erst mit Corinna Kastners Büchern versuchen möchten, ist dieses Buch uneingeschränkt zu empfehlen. Ein großartiges Buch!
Meine Bewertung
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Meine Rezension:
Eine Schwäche für Familiengeheimnisse in Romanform hatte ich ja schon immer, weshalb mich Corinna Kastners Roman “Die verborgene Kammer” auch reizte. Im Romantik Thrill-bereich bin ich ja nun nicht unbedingt zu Hause aber ich bereue nicht eine Ausnahme gemacht zu haben. (Zu dem bin ich neugierig ob mir die anderen Romane der Autorin ebenso gut gefallen.)
Ein Familiengeheimnis führt die beiden Hauptfiguren zusammen. Sowohl Viktoria als auch Roman waren mir von Anfang an sympathisch. Viktoria, die Schriftstellerin, offen und neugierig und Roman der eher etwas verschlossene, zurückhaltende, so etwas gefällt mir sehr gut! Aber eigentlich ist es etwas Anderes was mich schließlich förmlich in die Handlung gezogen hat. Diese spezielle Erzählweise, sie war so lebendig, zeitweise hatte ich das Gefühl eine der Figuren zu sein und die Geschichte aus ihrem Blickwinkel zu betrachten. Ich habe alles vor mir gesehen , den Strand, das Meer und vor allem die Kranichenburg, das Haus dass Roman und Viktoria geerbt haben. Eine Art verwunschenes Hexenhaus oder eher Märchenschloss mit einem vernachlässigten Garten, wunderbar, ich persönlich würde sofort einziehen. Aber auch die Handlung selbst hat mich sehr berührt. Ich bin beim Lesen zuweilen sehr emotional und sehe die Figuren oft wie echte Menschen, was meist dazu führt das ich mich laut über diesen oder jenen aufrege. Auch hier ist mir dies nicht nur einmal passiert (Übrigens ein Zeichen dafür das mir dieses Buch wirklich sehr gefällt). Fast hätte ich gerne das es kein Roman wäre…
Sehr gefallen haben mir die Beschreibungen der Kunst die im Roman eine wichtige Rolle spielt. Die beschriebenen Bilder hatte ich lebendig vor Augen, einmal fuhr mir gar ein Schauer über den Rücken. (Die Leser die Die verborgene Kammer bereits gelesen haben, wissen vielleicht welches Bild ich meine…)
Zuweilen war die Handlung durchaus auch voraussehbar. Ich bin aber gerne bereit dies zu verzeihen, einfach weil der Roman so schön erzählt wird und das es deshalb eher Nebensache wird. Ich würde am liebsten an einem rauen Tag am Strand sitzen und den Roman dort lesen, zu so einem Tag passt das Buch am besten. Es passt zur rauen unruhigen See, so empfinde ich es irgendwie. Ein bisschen wie ein Turner Gemälde, obwohl es von der Zeit her nicht passt.
Fasziniert folgte ich Viktorias und Romans Suche nach einer Erklärung für ihr Erbe. Ihre gemeine Entwicklung wird dabei zum Glück nicht verkitscht dargestellt sondern sehr gut nachvollziehbar. Dadurch wirkt es nicht übertrieben und fügt sich nach und nach in die Handlung ein und ergibt ein harmonisches Ganzes. Ich habe mich deshalb sehr wohl gefühlt und konnte gleichzeitig nur schwer aufhören zu lesen.
Zu gute letzt hat es mich am Ende fast ein wenig gefreut das mich mein Detektivisches Gespür nicht im Stich gelassen hat. Das Ende war für mich jedenfalls stimmig, auch wenn ich die Auflösung schon ahnte. Oft macht es mir etwas aus wenn ich schon weiß was passieren könnte, aber diesmal hab ich mich eher gefreut das ich recht hatte, weil mir das Buch so gut gefiel.
Ich fand Die verborgene Kammer ganz wunderbar zu lesen und bin noch ganz gefangen von der Geschichte.