Hüte dich vor deinem Nächsten – Lisa Unger
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-8025-8235-6
Seiten: 448
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 09.2010
Isabel und Marcus Raines sind das perfekte Paar. Seit fünf Jahren verheiratet und noch immer wie frisch verliebt. Doch dann kommt Marcus eines Abends nicht von der Arbeit nach Hause, und Isabel kann ihn nicht erreichen. Sie fährt zu seinem Büro und gerät dort mitten in einen Einsatz des FBI. Kurz darauf erfährt sie das Unfassbare: Marcus Raines ist seit Jahren tot. Sie war mit einem Mann verheiratet, der ein anderer ist, als er vorgab zu sein. Eine gefährliche Suche nach der Wahrheit beginnt …
Meine Rezension
Aufmerksam geworden auf das Buch bin ich durch das ansprechende Cover. Der verheißungsvolle Klappentext hat mich dann dazu bewogen, das Buch letzten Endes unbedingt lesen zu wollen.
Damit hört die Erfolgsstory von „Hüte dich vor deinem Nächsten“ dann auch schon auf. Der lobende Klappentext ist nichts weiter als die Beweihräucherung eines langweiligen und mit persönlichen Psychodramen eines jeden handelnden Charakters überschwemmten Plots.
Dieses Buch ist das beste Beispiel dafür, dass zuviel Biografie der Protagonisten ebenso zu einem miserablen Ergebnis führen können, wie zuwenig Biografie.
Wo wir schon bei Biografien der Charaktere sind:
Es ist schön und lobenswert, wenn sich der Autor Gedanken um seine Persönlichkeiten macht. Es macht Spaß, einen gut beschriebenen HAUPTcharakter auf seinem Weg zu begleiten. Aber irgendwo muß Schluß sein. In diesem Buch wimmelt nur so von „kranken“ Charakteren. Privatangelegenheiten von ermittelnden Dektives sind nur so lange interessant, wie sie auch zum Thema des Buches passen. Bei den ganzen privaten Psychodramen, die sich auf diesen 448 Seiten abspielen, hätte ein ganzes Team von Psychtherapeuten Jahrelang zu tun, wenn es diese alle aufarbeiten wollte.
Die Eheprobleme der Schwester nehmen einen extremen Fokus in einer Geschichte ein, in der sie überhaupt nichts zu suchen haben. Immerhin geht es hier um Isabels verschwundenen Mann und ihre Suche nach ihm. Das Isabel sich im Verlauf der Ermittlungen gegenüber Polizei und FBI in erster Linie egoistisch und unbelehrbar zeigt, könnte man ja noch als Charakterzug ihrerseits geltend machen. Das sie aber bei jedem menschlichen Wesen, das ihren Weg kreuzt mal kurz darauf verweisen muß, dass sie Bestseller-Autorin ist und darum einen besonders scharfen Blick für ihre Mitmenschen aufbringt, wirkt irgendwann nur noch einschläfernd. Wenn sie tatsächlich ein so intelligenter Charakter wäre, wie es die Autorin ihren Lesern gegenüber glauben machen möchte, dann wäre ihr doch vielleicht mal aufgefallen, dass sie ihren Mann gar nicht kennt.
Gut, das mag jetzt ein bisschen sehr subjektiv von mir betrachtet sein. Ich fühle mich als Leser sowohl von der Autorin als auch von den handelnden Charakteren … nennen wir es mal vorsichtig … vereimert.
Der ganze Plot wirkt konstruiert. Ein wirklicher Spannungsbogen will nicht aufkommen, weil er wirklich jedes Mal durch unnötige Rückblenden in die Vergangenheit der Schwestern, erstickt wird, wenn er sich leise muckt.
Natürlich sollen diese Rückblenden Fragen beantworten oder das eine oder andere Problem erklären. Doch leider sind die Rückblenden so lang gehalten, dass man an deren Ende zwar die Antwort auf eine Frage bekommt, die Frage allerdings schon wieder vergessen hat. Der so aufgebaute und durch die komplette Handlung aufrecht erhaltene Teufelskreis ist eine weitere unerwünschte Konstante in diesem allumfassenden Drama.
Die eigentliche Geschichte um einen Mann, der eine falsche Identität angenommen hat und zwei Leben parallel zueinander führt, bleibt damit voll und ganz auf der Strecke.
All das führt dazu, dass dieses Buch reine Geldverschwendung ist. Es gibt deutlich bessere Bücher auf dem Markt, die ähnliche Themen haben und deren Autoren sich glücklicherweise auf einen Plot beschränken.
Meine Bewertung
Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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