Hingabe – Esther Verhoef
Verlag: btb | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-75238-6
Seiten: 416
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19.95
ET: 05.2010
Margot ist Anfang 30 und hat beschlossen sich von ihrem Freund zu trennen. In den letzten 6 Jahren hat man sich einfach auseinander gelebt, sodass ein miteinander nicht mehr möglich war. Sie bricht alle Brücken hinter sich ab und zieht in eine eigene kleine Wohnung, wagt einen Neubeginn zu dem auch ein Wochenende in London gehört.
In London trifft sie auf Leon. Ein gut aussehender und auch etwas geheimnisvoller Mann, der sich als Kunstfotograf entpuppt.
Man kommt sich näher und auch schon bald funkt es zwischen den beiden.
Margot scheint endlich wieder einen Mann gefunden zu haben, bei dem sie sich geborgen fühlt, der, zugegeben, in etwas abgehobenen Künstlerkreisen verkehrt, aber so völlig anders, interessanter ist als ihr Ex.
Doch das Glück ist trügerisch. Margot fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass Leon vor ihr auch schon eine Freundin hatte die nicht nur, wie Margot selbst, auch rotes Haar sondern auch den selben, seltenen, genetischen Defekt besaß dem sie zwei unterschiedliche Augenfarben verdankt. Und als sie auch noch erfährt, dass Leons Ex sich selbst das Leben genommen hat beginnt ihre neue Beziehung zu bröckeln.
Der Leser weiss jedoch, dass es kein Selbstmord war, so wie er auch weiss, dass Margot bereits ihren Kopf in die Schlinge ihres zukünftigen Mörders gelegt hat.
Ich war am Anfang von Esther Verhoefs Buch Hingabe wirklich angetan. Endlich ein Buch das nicht wieder nur der Auftankt zu einer neuen Endlosserie ist. Man findet darin keine Leichenfläderrein oder Vorgartenblutbäder, wie in den üblichen 20 Metern Krimi-Regal die jeder Buchladen im Sortiment führt. Statt dessen bietet uns Verhoef einen von Charakteren getriebenen Thriller der sich auch nicht davor scheut mit den Perspektiven zu spielen und am Anfang auch immer wieder Einschübe direkt aus der Gedankenwelt des Killers beinhaltet. Das alles klang viel versprechend, aber leider blieb es nur bei einem Versprechen.
Ich weiss nicht genau warum die Autorin das Konzept nicht beibehalten hat und nach gerade mal 70 Seiten einen völlig anderen Kurs einschlägt? Denn ab da rückt sie deutlich die Beziehung zwischen Margot und Leon in den Vordergrund. Dem Umbruch, den Margot in ihrem Leben vollzieht, wird viel Platz eingeräumt. Sie schmeißt ihren alten Job und macht was ihr gefällt, lebt freier und sorgt sich nicht mehr so viel um ihre Zukunft. Sie scheint nun endlich das Leben zu führen dass sie immer wollte.
Diese Passagen sind nicht schlecht geschrieben und beinhalten eigentlich alles was man sich von einem Frauenroman nur wünschen kann. Einen weiblichen Hauptcharakter, der durch seine persönlichen Niederlagen niedergeworfen wird, aber auch an ihnen wächst und am Ende gestärkt daraus hervorgeht.
Erst um die Seite 310 herum scheint sich Verhoef wieder auf das Konzept ihres Thrillers zu besinnen, Spannung ist bis dahin nicht wirklich vorhanden, eher nur zu erahnen.
Somit hab ich ein wenig Probleme dieses Buch Thrillerfans zu empfehlen.
Es ist durchwegs solide und kurzweilig geschrieben, beinhaltet aber, auf eine Seitenanzahl von gut 410 Seiten, gerade einmal 80-90 für einen Thriller relevanten Seiten. Der Rest fällt eher in das Genre des Frauenromans.
Wer nun also einen Roman mit weiblicher Hauptfigur sucht, die sich durch die Unbilden des Lebens schlagen muss und nichts gegen einen ordentlichen Schuss Thriller hat wird mit dem Buch auf jeden Fall seine Freude haben.
Wer sich jedoch das Buch auf Grund der Bezeichnung Psychothriller auf dem Schutzumschlag ins Regal stellt, wird wohl eher eine Enttäuschung erleben.
Vielen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars
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