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Haut – Mo Hayder

Verlag:Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442311309
Seiten:
484
Ausgabe:
Hardcover
Preis:
€ 19, 95
ET:
11.2009
Sechs Jahre hat es gedauert bis Mo Hayder mit einem neuen Roman rund um Jack Caffery aufwarten konnte. Nach “Die Behandlung” (2002) war es lange still geworden. Hayder schrieb noch zwei in sich geschlossene Thriller bis sie mit der Planung und Konzeption des Bristol-Zyklus begann, dessen erster Band (“Ritualmord”) 2008 erschien, und in dem sie, zur Überraschung vieler, Jack Caffery wieder die Hauptrolle zukommen lies.
Nach der Freude um einen neuen Fall, mit dem vom Leben geschundenen Ermittler, setzte jedoch schnell Ernüchterung ein.
Hayder versetzte Caffery von London ins ländliche Bristol wo er in Zukunft bekloppte Serientäter jagen soll und ihm zur Seite wurde noch ein weiblicher Hauptcharakter gestellt. Die Polizeitaucherin Flea. Sie, ebenfalls vom Leben durchgewalkt, trägt auch ordentlich Seelenballast mit sich der in eher langatmigen Passagen vor sich hergewalzt wurde. Im Eingedenk dessen und der Tatsache, dass kein wirklicher Killer gejagt wurde und der Spannungsgehalt eher spärlich gesät war, bezog das Buch ordentlich Schelte von der Leserschaft, die nun schon glaubte das auch Hayder in die Unart der Fliessbandschreiberei verfallen sei.
Mit all dem im Hinterkopf ging ich mit keinerlei Erwartungen an “Haut” heran so das mich die erste Überraschung schon nach den ersten 20 Seiten ereilte.

Nach der Festnahme der Täter in “Ritualmord” sind gerade mal vier Tage vergangen, da sitzt Caffery schon wieder an seinem Schreibtisch und guckt sich immer und immer wieder die Aufzeichnung der Enthauptung des vermissten jungen Mannes an. Zwar ist der Fall, rund um den Handel menschlicher Körperteile, offiziell abgeschlossen, aber Jack glaubt, dass da ein Detail nicht ganz ins Bild passen will. Das noch jemand in diesem Raum war, der in all dem Trubel entkommen konnte und das gerade dieser jemand sich kurz vor der Enthauptung am Kopf des Mannes zu schaffen gemacht hatte. Bei der Obduktion wurde nämlich festgestellt das dem Opfer ein kleines Büschel Haare abrasiert wurde.
Sollte mit dem Entkommen des Unbekannten der Spuk noch nicht vorbei sein?
Gerade dieses Büschel Haare ist es das Caffery zu einer anderen Obduktion führt. Eigentlich nichts besonderes. Die Leiche einer Frau die durch einen Suizid ums Leben gekommen war. Jack hoffte auf eine kahle Stelle am Hinterkopf, aber Fehlanzeige. Dennoch beginnt ihn der Fall zu interessieren. Gerade weil es wie ein Mustersuizid aussieht, gerade so als ob jemand wollte das es wie ein Selbstmord aussah.
Wenn es aber nach Jacks Boss ginge hätte er nun für solchen Firlefanz keine Zeit. Alles was zwei Beine hat wurde auf den Fall des noch immer verschwundenen Starlets Misty Kitson angesetzt und da man nicht alle Tage einen abgängigen Promi zu suchen hat, will man den Fall so rasch und sauber wie möglich über die Bühne bringen.
In der Zwischenzeit plagen Flea ganz andere Probleme. Ihr Bruder steckt in einem ordentlichen Schlamassel in das sie, wohl oder übel, mit hineingerutscht ist, als sie ihren Bruder in der fraglichen Nacht, wo er ihr Auto borgte, vor dem Streifenpolizisten gedeckt hatte. Er war nämlich nicht betrunken sondern stand unter schweren Schock…

Abgesehen von diversen Details, die es Lesern die Teil 1 nicht kennen, leichter machen soll in die Geschichte reinzukommen, schreibt Hayder als hätte man nur eine Seite umgeblättert um ein neues Kapitel zu beginnen. Und tatsächlich ist “Haut” auch nur ein weiteres Kapitel in der Erzählung um den Tokoloshe. Zwar werden in diesem Buch die mythischen Motive weitgehend zurückgeschraubt, es steht wieder mehr die Jagd nach einem Killer im Vordergrund, aber dennoch fügen sich auch in diesem Band wieder einige Puzzleteile zusammen. Generell nimmt Mo Hayder diverse Fäden aus “Ritualmord” wieder auf und spinnt sie weiter und mildert etwas die Kritik, die sie für den Vorgänger einstecken musste. Denn erst jetzt werden manch uninteressante Passagen erklärt und bekommen ihren Sinn.
Auch wenn diesmal wieder Jack die Aufgabe der Serienkillerjagd zufällt, ist doch eindeutig Fleas Erzählstrang der interessantere. Mit zwei, drei geschickten Storytwists lässt Hayder den Leser ständig an die Sofakante rutschen und hält in so mit Kurzweil bei der Stange.
Hayder wird immer wieder vorgeworfen das ihre Geschichten etwas zu viele Zufälle beinhalten. Das ist natürlich etwas was man nicht von der Hand weisen kann, aber in diesem Buch halten sich jene angenehm in Grenzen und darüber hinaus sind mir einige Zufälle lieber als 200 Seiten lang einem vorhersehbaren Ende entgegen zu lesen. Und auch davor kann sich die Schriftstellerin nicht ganz retten.
Denn gegen Ende werden die Seiten rasch weniger aber die Geschichte scheint es nicht sehr eilig zu haben erzählt zu werden, so das man auch hier wieder ein klein wenig in der Luft hängen gelassen wird.

Dennoch, kurz und knapp, ist Mo Hayder mit dem zweiten Band eine deutliche Steigerung gelungen. Da alle Charaktere bereits eingeführt sind, gestaltet sich das Lesen von “Haut”, im Gegensatz zum Vorgänger, deutlich kurzweiliger und spannender. Und darüber hinaus hat man, nach dem Lesen der letzten Seite, eindeutig Lust auf mehr von ihr.
Ach ja: Es ist zwar keine Pflicht “Ritualmord” gelesen zu haben um der Geschichte folgen zu können, aber dennoch, wegen diverse Details und der Stimmung, empfehlenswert.

Vielen Dank dem Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Letztes Update: 18. September 2011

Autor des Artikels

Daniel
Rezensent

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