Die Glut – Sándor Márai
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-23313-2
Seiten: 223
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 8,95 €
ET: 07.2008
Jahrzehntelang war das umfangreiche schriftstellerische Werk des Ungarn Sándor Márai (geb. 1900) in seiner Heimat verboten. Sein Roman Die Glut, der im Jahre 1942 erschien, wird jetzt neu aufgelegt und ruft den exzellenten Literaten wieder ins Gedächtnis zurück.
Nach einundvierzig Jahren erwartet der zurückgezogen lebende General den Besuch seines Jugendfreundes Konrád. Henrik und Konrád waren, trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Herkunft, in der Schule und beim Militär unzertrennlich. Auch später, als Henrik die schöne Krisztina zur Frau nimmt, scheint ihre Freundschaft harmonisch. Bis zu dem Tag, als die beiden Männer zur Jagd gehen und Henrik spürt, wie sein Freund auf ihn anlegt und zielt. Mit diesem Ereignis ändert sich das Leben der drei.
Wußte Krisztina von dem geplanten Anschlag? Hatte sie vielleicht sogar ein heimliches Verhältnis mit Konrád? Sie spricht bis zu ihrem Tod kein Wort mehr mit Henrik. Jetzt, nach einundvierzig Jahren, hat er immer noch Fragen, auf deren Beantwortung er geduldig wartet.
Meine Rezension
Über 40 Jahre haben sie sich nicht gesehen, doch dann sitzt Konrad wieder im Salon und isst mit ihm zu Abend. Henrik möchte ihn so vieles Fragen und doch scheint es als ob es zwischen den beiden Männern nun nichts mehr zu sagen gäbe. Ihr Leben haben die beiden Freunde allein verbracht. Der General Henrik verbittert und allein auf seinem Landsitz, und Konrad allein in den Tropen wo er nach jenem schicksalshaftem letzten Dinner in Henriks Salon geflohen war. Beide verbindet noch immer ein Ereignis, das sie eigentlich trennte… Und so treffen sich die beiden alten Männer ein letztes Mal um mit sich ins Reine zu kommen, und Henrik möchte ein für alle Mal klären warum seine Frau Kristina Konrad damals als Feigling bezeichnete, als er verschwunden war…
Von Zeit zu Zeit findet sich unter all den vielen Büchern, die ich so lese, ein Buch, das mich wirklich berührt. Das mich bis ins Mark trifft, mich traurig, zuweilen verstört zurücklässt. Eine Tiefe Melancholie beschleicht mich dann oft und lässt mich tagelang nicht los. Ich weiß dann oft nicht was es genau war, was mich so getroffen hat. Ich kann es nicht genau festmachen, manchmal auch nach Jahren nicht. Vielleicht wird es mir mit Die Glut ähnlich ergehen. Ich kann nicht so recht beschreiben warum gerade dieses Buch mich zu fesseln vermochte. Vielleicht hat es eine ganz bestimmte Seite in mir angesprochen, die auf dieses Buch gewartet hat.
Sándor Márai schreibt hier zum sterben schön, anders kann ich es nicht formulieren. Ich habe den Wunsch zu Weinen, aber es kommen keine Tränen. Nur der Wunsch ist da.
Die drei Hauptfiguren sind in ihrem Leben gefangen gewesen, letztendlich waren sie alle drei ihr ganzes Leben miteinander verbunden, auch über den Tod hinaus. Vielleicht ist es diese Sehnsucht genau so etwas zu erleben, diese Verbindung, auch wenn etwas vorgefallen ist, das sie eigentlich hätte zerstören sollen, die mich mit diesem Roman verbindet? Vielleicht lässt er mich deshalb nicht los?
Eigentlich hatte ich mit Márais Romanen bereits abgeschlossen, die beiden anderen Romane, die ich bisher von ihm gelesen hatte, haben mich nicht unbedingt begeistern können. Jetzt sehe ich sie in einem ganz anderen Licht und vielleicht werde ich sie einmal wieder lesen. Die Glut hat mir gezeigt, dass ich den Autor bisher unterschätzt habe. Das ich nicht glauben wollte, dass er so schreiben konnte. Ich glaube, ein guter Roman berührt einen und packt einen ohne das man ausmachen kann weshalb es so ist. Es ist eher ein Gefühl, es ist nicht nur die Sprache oder gar der Inhalt. Es sind die Gefühle die einen während des Lesens beschleichen und die einen letztendlich nicht loslassen und auch bei mehrmaligem Lesen nicht wieder verschwinden. Vielleicht verändern sie sich mit den Jahren, aber sie werden immer auf die ein oder andere Weise da sein. Vielleicht kann man nach mehrmaligem Lesen eine Ahnung erhalten, weshalb dieser Roman nun eigentlich gut ist. Aber ich glaube selbst dann ist das nicht die ganze Wahrheit.
Meine Bewertung
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