Wer gab dir, Liebe, die Gewalt – Viola Alvarez
Der große Roman um Walther von der Vogelweide
Verlag: BLT
ISBN: 978-3-404-92238-3
Seiten: 603
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 01.2007
Preis: € 9,95
Seine Geburt ist geheimnisumwittert, seine Kindheit die eines Wunderkindes. Er wird der Hofsänger und Dichter des Mittelalters – geschätzt von Fürsten und Königen, begehrt von Frauen. Man nennt ihn Walther von der Vogelweide.
Als enfant terrible und auf dem Höhepunkt seines Schaffens nimmt er sich jede Freiheit, jeden Rausch. Doch sein Herz ist einsam, Genie und Wahnsinn sind nah beieinander. Walthers ganze Liebe gehört einem Mädchen, das er nicht haben kann: Anna. In ihr sieht er das Gute, Reine in einer Welt, die ihm feindlich und verlogen zu sein scheint. Sie ist der einzige Mensch, dem sich der sensible Dichter öffnen kann. Sie begleitet ihn durch seine dunkelsten Nächte – und bis in den Tod …
Meine Rezension
„Wer gab dir, Liebe, die Gewalt“ erzählt die fiktive Lebensgeschichte von Walther von der Vogelweide. Nur seine Gedichte und ein Dokument, das den Kauf eines Pelzmantels für den Dichter belegt, sind uns erhalten geblieben und daraus hat Viola Alvarez eine wunderschöne, ergreifende Geschichte gewebt. Vor allem seine berühmten Gedichte dienten der Autorin als Quelle, die sie wunderbar in den Roman eingeflochten hat. So wirkt das Leben Walthers von der Vogelweide absolut glaubhaft und ich musste mir immerzu in Erinnerung rufen, dass es nur eine Möglichkeit ist.
Stilistisch und vor allem sprachlich hebt sich der Roman deutlich von den durchschnittlichen historischen Romanen ab. Man muss sich auf das Buch einlassen können, es wirken lassen, damit es all seine Facetten entfalten kann. „Wer gab, dir, Liebe, die Gewalt“ ist auf keinen Fall „mal schnell weg zu lesen“, man sollte sich Zeit für diesen anspruchsvolleren Roman nehmen, damit einem nicht nur die Handlung und die Figuren nahe kommen können, sondern auch die Sprache und die Feinheiten ans Herz gehen können.
Viola Alvarez schreibt sehr weich, einfühlsam, ergreifend und vor allem sehr berührend. Mehr als einmal musste ich vergeblich gegen meine Tränen ankämpfen und zum Ende brachen alle Dämme. Aber ich habe auch viel gelacht, denn die Autorin erzählt teilweise sehr bissig und ironisch. Wütend war ich, enttäuscht, traurig, glücklich, ich habe alle möglichen Emotionen durchlebt und dabei war mein Herz immer vollkommen dabei.
Walther ist eine sehr interessante, kaum greifbare Figur. Äußerst facettenreich und mit sehr viel Tiefe. Wenn man glaubt, ihn endlich zu kennen, ihn zu durchschauen, handelt er so widersinnig, dass man feststellen muss, dass man keine Ahnung hatte, wer er ist und was in ihm vorgeht. Nur selten kann man in seine Seele sehen und das macht den Reiz der Figur aus. Er ist grob, in sich gekehrt, scheinbar ohne Liebe. Er sucht sein ganzes Leben nach sich selbst und den Sinn seines Lebens, zweifelt an sich, doch ist in seiner Dichtkunst von sich überzeugt, er liebt nicht, doch wird er von den großmütigsten Menschen geliebt. Er ist ein Sonderling, aber für mich ein sehr liebenswerter.
Aber nicht nur Walther ist als Figur großartig gelungen. Die Nebenfiguren, allen voran die, die Walther geliebt haben und alles für ihn taten, sind ebenso wichtig für die Handlung und vor allem für Walthers Leben, und so hat Viola Alvarez sie auch geschaffen. Figuren mir unglaublich viel Güte und Zuversicht, aber mit eigenen Sorgen und einer eigenen schweren Vergangenheit. Alle haben sie ihr Päckchen zu tragen und doch geben sie noch dem schwierigen Walther Kraft und Mut und ihre Liebe. Diese Figuren haben mich sehr beeindruckt und eine ist mir ungeheuer ans Herz gewachsen: Dietrich.
Charakterisierungen und äußerliche Beschreibungen sind so treffend und prägnant, dass man sich jede Figur, sofort vorstellen konnte. Besondere Spitznamen wie z.B. „das Murmeltier , Umschreibungen wie „Maikäferpersönlichkeit“ oder der schwäbische Dialekt Philipps von Schwaben zeichnen ein unverwechselbares Bild der Figuren.
Walthers Leben ist aufregend, abwechslungsreich und wurde mir nie langweilig. Im Gegenteil, das Buch hätte gerne nochmal so viele Seiten haben können und es wäre mir immer noch nicht genug gewesen. Walthers ewige Suche durchläuft verschiedene Stufen und auch Welten. Seine Begegnungen mit den historischen Persönlichkeiten haben mir sehr gefallen, allen voran seine Begegnung mit Philipp von Schwaben und dessen Frau Irene. Ein tolles Pärchen, das ich sofort ins Herz geschlossen habe. Alle Lebensstationen Walthers empfand ich als sehr spannend und ergreifend.
Die in die Geschichte eingewobenen Gedichte bekommen in dem Roman einen besonderen Platz und sind in Mittelhochdeutsch und einer Übersetzung von der Autorin abgedruckt. Ich persönlich finde, Viola Alvarez hat diese wunderbar ausgewählt und uns durch sie einen wahren Einblick in Walthers Seele ermöglicht.
„Wer gab, dir, Liebe, die Gewalt“ hat mich sehr ergriffen und wird mir unvergesslich in Erinnerung bleiben. Es ist ein Highlight und für jeden Liebhaber historischer Romane absolut zu empfehlen, auch wenn einem das Leben des großen Dichters zunächst nicht als erzählenswert erscheint. Auch ich wurde eines Besseren belehrt und bereue es nicht, im Gegenteil, mir wäre etwas ganz Besonderes entgangen.
Eines meiner Lieblingszitate zum Abschluss (gebundene Ausgabe 2005, Seite 385):
Vielleicht war das Alleinsein gar nicht das Schlimmste am Leben, wenn man das Alleinsein mit jemandem teilte, und dann war dieser Jemand nicht mehr da. Das Schlimmste am Leben, dachte Walther in der Dunkelheit, ist, wenn man jemanden gern hat, der stirbt und zu dem man nie wieder zurückgehen kann.
Meine Bewertung
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Meine Rezension aus August 2008
Viola Alvarez ist mit ihrem Roman um den mittelalterlichen Dichter Walther von der Vogelweide ein außergewöhnlicher Roman gelungen, der mich wütend machte, mich zum Lachen brachte, mich die Verzweiflung spüren lies die Walther durchlebte.
In dem Roman erzählt die Autorin ihre Idee des Dichters, von dem noch nicht einmal bekannt ist, ob er überhaupt tatsächlich gelebt hat.
Walther ist eine facettenreiche, kaum fassbare Persönlichkeit. Jedes Mal wenn man meint Walther endlich durch und durch zu kennen handelt er wieder so, dass man wieder mal erkennen muss, dass man ihn nicht kennt.
Walther ist ein Mensch, der sich noch nicht mal selbst zu kennen scheint; er weiß nur sehr genau wer er nicht ist.
Auch die anderen Figuren werden sehr realistisch und vor allem plastisch gezeichnet. Man kann sie sich sehr gut vorstellen. Das wird vor nicht nur durch detailreiche Beschreibungen geschafft, sondern auch durch Spitznahmen wie „Murmeltier“ oder Umschreibungen wie „Maikäferpersönlichkeit“ oder dem schwäbischen Dialekt von König Phillip unterstützt.
Alvarez bindet in die Geschichte Gedichte von Walther ein, die sowohl in Mittelhochdeutsch als auch in der hochdeutschen Übersetzung zu finden sind. Die zusätzlichen „Wäre ich ein anderer gewesen“-Einschübe runden das Bild ab.
Einziger Wehmutstropfchen: ich rätsel immernoch über den Zusammenhang zwischen Geschichte und dem tollen Titel.
Wer denkt, dass Historische Romane schmonzettig sind, ist an dieser Perle sicherlich vorbei gelaufen! Viola Alvarez erzählt in einer poetischen, ruhigen Sprache ihre Idee von einem Dichter gespickt mit ein paar Fleckchen Ironie und Zynismus.Einfach wunderbar!
Meine Meinung:
Irgendwie weiß man ja das diese Geschichte nur erfunden ist. Über Walther von der Vogelweide ist ja nichts großartig sonst bekannt. Und doch schafft es die Autorin ihn vor den Augen des Lesers lebendig werden zu lassen, erzählt die Geschichte so wie sie vielleicht gewesen sein könnte. Erzählt von einem Mann der mit sich nicht im reinen ist, innerlich zerrissen und einsam- mit der Gabe Worte zu erschaffen und sie in Lieder und Gedichte zu verwandeln. Ein Suchender, sein ganzes Leben lang. Viola Alvarez verwebt die Werke des Dichters mit ihrer Geschichte und lässt den Leser so ganz nah an ihn heran. Fast wünscht man sich es möge doch der Wahrheit entsprechen. Für mich ein wunderbares Buch- schade das es am Ende doch nur Fiktion ist.
[...] meine Rezension dazu lesen möchte, findet sie auf der Buchcouch. Verwandte [...]