Unter dem Safranmond – Nicole C. Vosseler
Verlag: Lübbe | Leseprobe
ISBN: 978-3-404-16404-2
Seiten: 591
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,99
ET: 02.2010
Oxford, 1853
Maya Greenwood lauscht wie gebannt den Geschichten eines seltenen Gastes: Ralph Garrett, der in der britischen Armee in Indien dient. Als er ihr den Hof macht, rückt ein abenteuerliches Leben in der Fremde für die junge Frau in greifbare Nähe. Ihre Familie ist gegen die Verbindung, und so brennt Maya kurzerhand mit Ralph durch. Als er nach Arabien entsandt wird, fällt Maya in die Hände von Beduinen. Dort erlebt sie den wahren Orient – und muss sich eingestehen, dass der Anführer der Wüstenkrieger, der charismatische Rashad al-Shaheen, auch ihr Herz gefangen hält …
Meine Rezension
„Unter dem Safranmond“ ist ein bezaubernder Roman über die Liebe, den Wunsch und die Suche nach Freiheit, über faszinierende Welten, unermessliche Abenteuerlust, über das Schicksal und traumatische Schicksalsschläge. Nicole C. Vosseler hat mich für ein paar Tage in eine wunderbare Welt voller Emotionen und Sinneseindrücke entführt.
Stilistisch und sprachlich kann ich einfach nichts aussetzen. Zeit zum Einlesen brauchte ich keine, sofort war ich in der Geschichte um Maya gefangen und habe die ersten hundertachtzig Seiten in einem Rutsch verschlungen. Es war einfach nicht möglich, das Buch vorher aus der Hand zu legen, zu sehr habe ich mitgefiebert und gehofft. Die Autorin schafft mit ihrer Sprache einfach wunderschöne Bilder und Atmosphären, die einem vorgaukeln, die exotischen Gerüche wirklich wahrzunehmen, Hitze und Sand zu spüren, die Handlungsorte selbst zu bereisen.
Einzig in Aden konnte mich Nicole C. Vosseler nicht erreichen. Aden und seine Bewohner wollten sich mir leider nicht so recht erschließen. Alle anderen Schauplätze konnten mich hingegen verzaubern und berauschen.
Die Handlung ist spannend aufgebaut, Zeit zum Durchatmen bleibt eigentlich keine, außer vielleicht kurz in Aden, wo mich auch der einzige kleine Hänger im Griff hatte. Dadurch dass Nicole C. Vosseler auch historische Persönlichkeiten, allen voran Richard Francis Burton, reichlich und geschickt mit einbezogen hat, gewinnt der Roman unglaublich an Authentizität und so war ich oft versucht zu vergessen, dass Maya und Rashad fiktive Figuren sind. Neben der eigentlich Handlung – Mayas Suche und Weg nach Freiheit und Abenteuern, nach Wissen und Liebe – vergisst die Autorin nicht, dem Leser auch ein wenig die jeweiligen Landes- und Lokalgeschichte, sowie die unterschiedlichen Kulturen mit ihren Bräuchen, Sitten und Riten näher zu bringen.
Das Ende des Romans ist rundherum gelungen und hat mich äußerst zufrieden zurück gelassen. Der Epilog überrascht positiv und rundet das Finale einfach perfekt ab.
Die Figuren haben mich ausnahmslos zutiefst berührt und ich kann nicht behaupten, dass ich über eine oder sogar mehrere nicht gerne gelesen hätte. Selbst über die etwas unnahbare und strenge Martha Greenwood, Mayas Mutter, habe ich mit Vergnügen gelesen.
Erstaunlich facettenreich hat die Autorin ihre Charaktere geschaffen, selbst die Nebenfiguren schillern in den unterschiedlichsten Farben und versprühen jede Menge Lebensfreude. Äußerst interessant, glaubwürdig und beeindruckend fand ich die Entwicklung der Figuren im Laufe der fast fünfzig Jahre, die die Handlung umfasst. Und dabei lässt die Autoren nicht nur ihre Protagonisten am Leben wachsen und sich verändern, sondern auch die weniger präsenten Charaktere, wie zum Beispiel Mayas Schwester Angelina. Die Schicksalsschläge, die die Familie Greenwood, dabei vor allem Maya, überstehen müssen, haben mich ebenso erschüttert wie die Figuren und haben mich mehr als einmal mit den Ereignissen hadern lassen. Zutiefst bewegt, mit Kloß im Hals, Tränen in den Augen habe ich Maya auf ihren schwersten Wegen begleitet. Aber ich habe auch mit ihr gelacht, mich mit ihr gefreut und auch mit ihr geliebt.
Abgerundet wird dieser Roman durch reichlich Kartenmaterial, was mein Karten-Liebhaber-Herz hat höher schlagen lassen und durch ein Nachwort, das mir eine Gänsehaut beschert hat. Der Titel des Romans passt einfach perfekt zur Handlung, ein anderer Titel wäre dem Roman niemals gerecht geworden.
Nicole C. Vosseler hat einen eindrucksvollen, gefühlvollen und faszinierenden Roman geschrieben, der mir unglaublich schöne Lesestunden beschert hat, mit Figuren und Ereignissen, die mich lange bewegt haben. Nur „Südwinde“ konnte mich noch nachhaltiger beschäftigen.
Meine Bewertung
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