Paradies in Flammen – Charlotte Sandmann
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-24728-3
Seiten: 352
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 13,90
ET: 09.2009
»Diesen Mann soll ich heiraten?«
Ein fesselnder historischer Frauenroman vor der exotischen Kulisse Javas 1883. Um ihren bankrotten Vater zu retten, stimmt die junge Helena von Odenhofen einer Ehe mit dem reichen Jonah Aldermann zu, dessen Familie auf Java eine Plantage besitzt. Doch auf der Reise in das ferne Land erfährt Helena, dass ihr weitaus Schlimmeres bevorsteht als die Ehe mit einem unbekannten Mann. Allein und schutzlos, wird sie zum Opfer einer teuflischen Intrige. Da bricht die Katastrophe über die javanischen Küstenstädte herein: die Jahrhunderteruption des Vulkans Krakatau. In dem Inferno aus Feuer, Asche und tödlichen Tsunamis gelten keine Konventionen mehr ..
Meine Rezension
Im Mittelpunkt der Geschichte „Paradies in Flammen“ steht Helena von Odenhofen. Die junge Hamburgerin, nach einem dramatischen Erlebnis verstummt, soll nach Java reisen, um den reichen Jonah Aldermann zu heiraten. Schnell einmal durchschaut Helena ihren Vater, der sie zu dieser Verbindung drängt, um an dringend benötigte neue Geldmittel zu kommen. Die junge Frau sträubt sich gegen den Gedanken an eine Ehe, gibt aber nach, als ihr eine Einweisung in die Irrenanstalt droht, wenn sie nicht einlenkt. So macht sie sich 1883 zusammen mit ihrer Adoptivschwester Mathilda auf den Weg zu ihrem aufgezwungenem Bräutigam. Auf dem Schiff begegnet ihnen der undurchschaubare aber galante Ruben Kosminsky. Dieser soll sich im Auftrag eines Unbekannten Helena geneigt machen, um über sie an den sagenhaften Schmuck der Familie Aldermann zu kommen. Schmuck, den der mit einem gravierenden Handicap behaftete Jonah erben wird, wenn er sich rechtzeitig vermählt. Weder Helena noch Mathilda ahnen, dass Ihnen in Java ein schweres Leben bevorsteht.
Weniger der Handlungsstrang selber, der sehr geschickt aufgebaut ist, als die „Dreingabe“ machen diesen Roman zu etwas Besonderem. Charlotte Sandmann umrahmt den Plot mit vielen Details zu gesellschaftlichen Konventionen, zur politischen Situation in Java und vor allem zur grossen Naturkatastrophe, dem Ausbruch des Vulkans Krakatau. Hier zeigt die Autorin ihre wahre Grösse. Die Ereignisse sind so subtil beschrieben, dass sich kaum jemand dem Sog entziehen kann. Unvermittelt gerät der Leser mitten ins Inferno, glaubt Schwefel und Brände zu riechen, spürt die sich erschütternde Erde, erlebt Ascheregen und Verzweiflung. Doch ist es nicht einzig das dramatische Naturschauspiel, von dem der Roman lebt. Die Welt, in die Helena gerät, ist das Abbild eines Machtgefüges im 19. Jahrhundert, das Menschen manipuliert und missbraucht.
Die Liebesgeschichte selber, die natürlich nicht fehlt, kommt ohne klebriges Zuckerwerk aus und ist so aufgebaut, dass sie durchaus auch männlichen Lesern entgegen kommen dürfte. Charlotte Sandmann setzt bei „Paradies in Flammen“ auf ein unglaubliches Erzähltalent und schafft dichte Atmosphäre und interessante Charaktere.
Fazit
Nachdem ich mich zunächst aufgrund des Titels etwas schwer getan habe, zu diesem Buch zu greifen, habe ich einige Stunden wunderbarer Unterhaltung erlebt. Meine Skepsis, eine allzu süssliche Geschichte serviert zu bekommen, hat sich schnell gelegt, ich konnte mit den Figuren mitleben und habe in Sachen Vulkanausbruch atemlose Spannung erlebt. Für mich eines der Bücher, die ich gerne weiter empfehlen werde.
Sehr angenehm ist das Buchformat, das als “grosses” Taschenbuch ein optimales Handling erlaubt.
Meine Bewertung
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