Die weiße Jägerin – Rolf Ackermann
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-63166-9
Seiten: 416
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 02.2007
Preis: € 8,95
Als die junge Margarete 1907 mit ihrem Mann Ulrich Deutschland verlässt, wird ihr lang gehegter Traum endlich Wirklichkeit: Sie geht nach Afrika! Und als sie am Fuße des Kilimandscharo steht, weiß sie, dass sie endlich ihre Heimat gefunden hat. Gemeinsam bauen Ulrich und sie eine Farm auf, die zu einem Paradies für die ganze Familie wird. Doch im Gegensatz zu Margarete fühlt sich Ulrich in Afrika nicht wohl. Verständnislos bleibt er zurück, wenn sie auf Löwen- und Elefantenjagd geht. Von den schwarzen Einheimischen als weiße Jägerin verehrt, teilt einzig der Grieche Anthimos ihre Faszination für Afrika. Die beiden verlieben sich leidenschaftlich ineinander und hoffen darauf, irgendwann miteinander leben zu können. Da bricht der Erste Weltkrieg aus, und Anthimos bedrängt sie, mit ihm das Land verlassen. Doch jenseits von Afrika kann sich Margarete kein Leben vorstellen …
Meine Rezension
Mir fällt es sehr schwer, zu diesem biographischen Roman eine Rezension zu schreiben, hat es qualitativ doch viele Höhen, aber auch Tiefen.
Rolf Ackermann beschreibt in “Die weiße Jägerin” einen Lebensabschnitt der legendären Margarete Trappe, die 1907 nach Deutsch-Ostafrika (heute Tansania) ausgewandert ist.
Ihr Leben und ihre sehr starke Persönlichkeit haben mich sehr beeindruckt und die Beschreibungen Afrikas gingen direkt ins Herz, zauberten wunderbare Bilder vor mein inneres Auge. Dieser Teil des Buches ist dem Autor wirklich äußerst gelungen.
Margaretes Charakter ist allerdings teilweise ein wenig widersprüchlich und es geht nicht hervor, ob sie tatsächlich so war, oder ob sich der Autor hier ‚vertan’ ha: Wehrt sie sich einerseits dagegen als Kolonistin gesehen zu werden, kommt in Briefen an eine Freundin doch stark rüber, dass sie kaum anders über Afrika und Afrikaner denkt, als die anderen Deutschen, die in Afrika ein neues Leben beginnen.
Rolf Ackermann hätte sich viel mehr Zeit für Margaretes Leben nehmen und die ersten 150 Seiten, die überwiegend die kolonialpolitischen Ereignisse des Deutschen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts und die Entstehung der Kolonie Deutsch-Ostafrika beschreiben, entweder ganz weglassen oder zumindest kürzen sollen. Sie sind nicht wirklich wichtig für das Verstehen des Romans, auch wenn es historisch gesehen sehr interessant war. Dafür rast Herr Ackermann stellenweise durch Margaretes Leben, reißt Vieles nur kurz an, beschreibt oft oberflächlich und übt sich in vielen Zeitsprüngen. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht.
Leider wurde im historischen Teil ein wenig schlampig recherchiert. Vor allem fiel mir negativ ins Auge, dass bereits 1884 ständig von der schwarz-rot-goldenen Flagge des Deutschen Reiches die Rede war, das Dt. Reich jedoch bis 1919 die Farben schwarz-weiß-rot auf seiner Flagge hatte.
Sprachlich und stilistisch gefiel mir der Roman ansonsten sehr gut. Man kommt sehr schnell in die Geschichte rein und die Seiten fliegen nur so dahin. Zwischenzeitlich schiebt Rolf Ackermann Briefe ein, die als wichtige Informationsquelle dienen.
Schade fand ich, dass man Margarete Trappe nur einige wenige Jahre in Afrika begleitet und ihr übriges Leben aus dem Nachwort des Autors erfährt. Aber zumindest gibt dieses Nachwort Aufschluss über Margaretes Leben und das Schicksal ihrer Farmen. Das hat mich ein wenig getröstet, auch wenn ich gerne mehr gelesen hätte. Schön wäre auch eine Karte und ein Quellenverzeichnis gewesen.
Da die Beschreibungen Afrikas und Margaretes Leben dort tiefe Spuren bei mir hinterlassen haben und das Buch sehr lange in mir nachhallt, kann ich es trotz seiner Mängel noch sehr hoch bewerten und möchte es jedem empfehlen, der sich für Afrika und eine starke Frau interessiert, die gegen alle Widerstände versucht, ihren Traum von einem Leben in Afrika wahr zu machen.
Meine Bewertung
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