Der Lotusgarten – Linda Holeman
Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-442-46782-2
Seiten: 704
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 03.2009
Ein historischer Liebesroman vor exotischer Kulisse
Indien, Ende des 19. Jahrhunderts: Als ihre Eltern sterben, ist die junge Missionarstochter Pree ganz auf sich allein gestellt. Trost findet sie nur bei dem wenig älteren Inder Kai, der die Mission jedoch schon bald verlässt. Dann erfährt Pree, dass sie ein Adoptivkind ist; völlig verunsichert gibt sie ihr Elternhaus auf und geht nach Peshawar. Kurz nach ihrer Ankunft trifft sie dort Kai wieder und beginnt eine leidenschaftliche Beziehung mit ihm. Doch dann wird Kai verhaftet, und Pree muss erkennen, dass ihr Geliebter nicht der ist, für den sie ihn hielt …
Meine Rezension
Pree wächst als Tochter von einem Pfarrer und seiner Frau in einer Mission auf – stationiert in Indien. Die Mission ist sehr abgelegen und in der Umgebung gibt es nur wenige Landsleute (Engländer). Der Pfarrer hat das Missionieren schon lange aufgegeben und betreibt seine Mission als eine Art Krankenstation. Der Leser hat schnell den Eindruck, dass der Referend ein gutmütiger Mensch, allerdings mit einem sehr schwachem Charakter ist. Prees Mutter scheint das genaue Gegenteil: sie ist hart, vor allem gegen Pree, süchtig nach Medikamenten und erweckt den Eindruck, immer mehr dem Wahnsinn zu verfallen. Obwohl Pree in der Krankenpflege ihre Erfüllung findet, reicht ihr dieses Leben nicht – sie hofft auf mehr, hat einen ungebeugten Charakter und eine freie Meinung über ihre Umgebung. Außerdem ist da noch Kai… der Sohn einer Dienerin der Eltern und Pree so nah, wie ein Bruder. Doch keiner der Menschen in Prees unmittlbarer Umgebung bleibt das, was dem Leser Anfangs präsentiert wird… und damit nehmen die Übel ihren Lauf.
Die Protagonisten in dem Buch machen nahzu alle eine stark wahrzunehmen Wandlung durch. Das hat die Autorin schick hingekriegt: man hat Anfangs einen anderen Eindruck von allen, als nach einigen Ereignissen, die sich in Prees Leben einbrennen. Die Hauptprotagonistin Pree ist ziemlich klar umrissen. Dem Leser ist relativ schnell klar, wie sie denkt und was ihre logischen Schritte sein werden. Allerdings auch da täuscht man sich häufig, denn man selbst wäre aus den meisten der Situation schon längst ausgerissen und kann Prees Durchhaltevermögen nur bewundern oder auch sich fragen, wie blöd sie eigentlich noch sein kann…?!
Der Lotusgarten ist das dritte (und wahrscheinlich letzte) Buch von Linda Holeman, welches ich gelesen habe. Dieses Werk ist außerdem eine indirekte Fortsetzung zu “Smaragdvogel” und “Mondamulett” – alle drei Bücher ergeben eine relativ interessant (un-)zusammenhängende Familiengeschichte über mehrere, sehr unterschiedliche Generationen und auch Volksgruppen sowie Länder verteilt. Das ist ein Aspekt, der diese Bücher so interessant macht: man trifft, zwar immer erst relativ spät im Roman, aber dennoch immer im richtigen Moment die “alten” Protagonisten aus dem jeweiligen Buch vorher… ziemlich überraschend und sie schaffen es immer wieder beim Leser Freude über das Wiedersehen auszulösen. Das hat mir an allen drei Büchern gut gefallen.
Was mir an diesem Buch nicht gefallen hat, ist ebenfalls das selbe, wie bei den beiden vorhergehenden: es ist zu viel Leid, zu viel Schlimmes, zu viel zu Ertragen und zu viel, mit dem meine ausartende Fantasy lange zu ringen hatte… Und besonders in diesem drittem Buch ist das Leiden und die lange Spanne der schlimmen Erlebnisse übertrieben lang und scheint kein Ende nehmen zu wollen. Das hat (insbesondere) den Lotusgarten sehr anstrengend gemacht. Das Buch hat eine stark ausgeprägte Spannungskurve (= Leidenskurve). Eigentlich geht diese fast stetig nach oben und gibt dem Leser nur selten und nur für eine sehr kurze mal eine Atempause…
Alles in einem war das Buch ganz gut, wenn auch zu viel… …zu viel von eigentlich allem. Da ist nach wie vor unentschlossen bin, wie ich es bewerten soll, es aber niemals weiterempfehlen würde, außer man mag Dramen, und auch kein weiteres solchen Buch lesen wollen würde, erhält es von mir mit 3,5 von 5 möglichen Punkten.
Meine Bewertung
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