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Das Mondamulett – Linda Holeman

Verlag: Goldmann TB | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-442-46557-6
Seiten: 640
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 11.2007
Preis: € 9,95

Eine mutige junge Frau kämpft gegen alle Widerstände für ihre Freiheit und um ihr Glück.

Afghanistan, Mitte des 19. Jahrhunderts: Brennend verzehrt sich die junge Daryâ nach Freiheit, aber die archaischen Regeln ihrer kleinen Welt verlangen von ihr Demut und Gehorsam. Als sie dagegen aufbegehrt, ächtet ihre Familie sie mit einem tödlichen Fluch. Eine abenteuerliche Flucht beginnt, die Daryâ von den kargen Hügeln ihres Heimatdorfes in das betörende Bombay und schließlich nach London führt. Und trotz aller Widerstände, auf die sie während ihrer Odyssee stößt, hält Daryâ unbeirrbar an ihrem Willen zur Freiheit fest – und an einer Liebe, die jeden Fluch zu bannen weiß …

Meine Rezension

Beginn der Geschichte ca. 1850 in Afghanistan, Verlauf über mehrere Jahre, außerdem in Indien und England.

Darya ist ein außergewöhnliches und sehr energisches Mädchen in einer Welt voller Zwänge. Der Glaube, Ihrer, der Ihrer Eltern und Ihrer Umgebung, sieht in den Frau wertlose Geschöpfe: sie haben nichts zu sagen, nichts zu empfinden und nicht glücklich zu sein. Es gibt feste Vorschriften, wie ein Mädchen bzw. eine Frau sich zu benehmen hat und sehr harte Strafen, falls sie von diesen abweichen sollte. Darya fiel es schon immer sehr schwer sich an Regeln zu halten – sie ist anders als alle Mädchen in ihrem Dorf: sie denk und sie fühlt – und das macht es ihr unmöglich dazu zu passen, zu den Menschen, die sie so nicht akzeptieren wollen.
Die Situation spitzt sich dramatisch zu, als Daryas Vater ohne die Erstfrau darüber in Kenntnis zu setzen, sich eine Zweitfrau nimmt. Doch ist sie, Sulima, nicht irgendjemand: sie ist eine Ungläubige, sie verschleiert sich nicht und benimmt sich unverschämt, in den Augen der gläubigen Gemeinschaft. Das führt zu sehr vielen Konflikten in der Familie. Darya sieht in Sulima einen bösen Dschin und fürchtet sie… doch alle Rücksicht hat keinen Sinn, als Darya die Zweitfrau ihres Vaters mit einem Liebhaber im Haus ihrer Eltern erwischt und die Geschichte bekannt wird. Sulima belegt Darya mit einem furchtbaren Fluch: Sie soll für immer unfruchtbar sein und damit nichts mehr wert. Eine Frau, die keine Söhne gebären kann, ist nicht mehr wert, als der Staub unter den Hufen eines Kamels.
Aus Not und um seiner Tochter zumindest irgendeine Art von Zukunft zu ermöglichen, verkauft Daryas Vater sie an einen Nomaden, einen Paschtunen, der noch nichts von dem Fluch wissen kann. Doch auch hier findet Darya keine Ruhe: sie ist bereits die dritte Frau die ihrem Ehemann keine Kinder gebärt und auch wenn ihr klar ist, dass es nicht nur an ihr liegen muss, büßt sie ziemlich furchtbar für diese Tatsache. Ihr Mann schlägt sie regelmäßig beinahe zu Tode, bis sie sich eines Tages gezwungen sieht zu fliehen – mit nichts mehr, als den Kleidern an ihrem Leib.
Damit beginnt ein weiterer Abschnitt ihrer schweren Geschichte. Der Leser kann sich immer wieder nur wundern, woher Darya die Kraft nimmt weiter zu machen und wie sie nicht an den Erlebnissen, die ihr zustoßen eingeht.

“Das Mondamulett” ist meine zweites Buch dieser Autorin und eine Art indirekter Fortsetzung zu “Smaragrvogel”. Indirekt weil wir einige der Hauptprotagonisten des ersten Teils hier wieder treffen. Auch wenn man “Smaragdvogel” wahrscheinlich nicht zum besseren Verständnis von “Das Mondamulett” braucht, so war es doch sehr schön Linny und David zu begegnen und zu wissen, wie es ihnen geht. Denn beide Bücher enden ziemlich abrupt, mit einer nur sehr kurzen Sequenz des Glücks, nach einem sehr langem Leidensweg… sodass man doch ganz gerne wissen möchte, ob das Glück denn diesmal auch anhält. Ich muss allerdings sagen, das die zu kurze Glücksequenz der beinahe einzige Mangel dieses Buches war und damit hat mir “Das Mondamulett” besser gefallen, als “Smaragtvogel”, welches deutlich härter war. Ein weiterer Mangel ist, das ich mir nicht so ganz sicher bin, was der Name des Buches mit dem Inhalt zutun hat.. das war mir bereits bei “Smaragtvogel” aufgefallen und nun erst recht: es taucht einfach kein Mondamulett auf, sodass die Bedeutung nicht ganz klar ist… höchsten in irgendeinem übertragenen Sinne.

Das Buch selbst ist ziemlich gut aufgebaut und es folgt klaren Linien. Man verliert zwischendurch ein bisschen das Zeitgefühl, aber so muss es der Protagonistin auch ergangen sein und deshalb ist es nur gut und richtig so. Die Geschichte wird aus der Sicht von Darya erzählt, wie so eine Art Erinnerungen an Früher – zu denen sie bereits einigen Abstand gefunden hat. Das macht es mir, als einen für Gewalt (über)empfindlichen Leser, einfacher mit Darya die Geschichte zu erleben und das zum Teil grauenvolle Erlebte auf Abstand zu halten und zu überwinden.

Wir haben nicht viel Ahnung von der moslemischen Kultur in abgelegenen Ländern wie Tadschikistan und Afghanistan im 19. Jahrhundert, deshalb ist dieses Buch mit den guten und eingehenden Erklärungen super zum Schließen dieser Lücke. Es wird auf viele Dinge eingegangen, sodass man beinahe eine Art Verständnis für die Handlungen der Menschen entwickelt. Allerdings heißt es keinesfalls, dass man es gut heißt. Die emanzipierte oder auch nur die Frau von heute in mir schreit vor lauter Ungerechtigkeit und Brutalität, und kann nur unfaßbar den Kopf darüber schütteln, dass es solche Dinge gab und hoffentlich nicht mehr gibt.

Das Buch war spannend und gut geschrieben, ich kann es kulturinteressierten Lesern nur empfehlen. Das “Wörterbuch” am Ende empfand ich als ziemlich hilfreich.

Meine Bewertung

4,5 von 5 Büchern

Diese Rezension ist auch verfügbar auf www.saubereingeschenkt.de


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1 Kommentar zu „Das Mondamulett – Linda Holeman“

  • Meine Rezension aus Oktober 2008

    Obwohl in „Das Mondamulett“ Figuren aus „Smaragdvogel“ einen Platz gefunden haben, muss man letzteres nicht zwingend gelesen haben, um „Das Mondamulett“ zu verstehen. Beide lassen sich gut getrennt von einander lesen.

    Stilistisch und sprachlich hat mir der Roman gut gefallen. Er lässt sich leicht und flüssig lesen und die Seiten fliegen nur so dahin. Der Prolog hat mich vom Stil her allerdings sehr an den von “Smaragdvogel” erinnert, aber vielleicht ist das einfach die Art der Autorin eine Geschichte zu beginnen. Auch wenn ich dadurch zuerst befürchtet habe, nur einen Abklatsch von „Smaragdvogel“ in der Hand zu halten, Thematik und Handlung sind in „Das Mondamulett“ doch ganz anders.

    Linda Holeman erzählt fesselnd, selbst der Alltag ist packend beschrieben und gerade die Zeit in Afghanistan ist hoch interessant. Sehr gut gefallen hat mir, dass man äußerst viel über den Islam, seine Sitten, Gebräuche und Gesetze erfährt. Linda Holeman hat dies wunderbar in ihrem Roman untergebracht, es war faszinierend, lehrreich und dabei nie langweilig.
    Die Handlung ist gerade zu Beginn nicht immer rasant, die Autorin verweilt auch gerne eine Weile im Alltag, was mir persönlich gut gefallen hat, zumal man so die Figuren sehr gut kennen lernen konnte. Mit Daryâs Heirat gewinnt die Geschichte an Tempo, als Leser lernt man immer mehr Kulturen und Lebensarten kennen, zieht durch verschiedene Länder. Mir hat Daryâs Reise gefallen, wenn sie auch nicht immer unbedingt realistisch war. Ab und an war die Handlung vielleicht etwas vorhersehbar, aber es gab auch wirklich überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Auch wenn Daryâs Erfahrungen oft wirklich traurig, teilweise sogar tragisch waren, konnten sie mich leider nicht tief berühren und bewegen. Obwohl ich nahe am Wasser gebaut habe, konnte ich bei diesem Roman auf Taschentücher verzichten. Das Ende des Romans hat mir leider überhaupt nicht gefallen. Es kam zu plötzlich, wenn auch spektakulär, dabei auch leider viel zu übertrieben. Auf den letzten 30 Seiten überschlagen sich die Ereignisse und finden viel zu abrupt ein Ende. Ich habe den Roman nicht mit einem zufriedenen Gefühl, sondern mit unzähligen unbeantworteten Fragen (die allein durch das Finale auf kamen) in mein Regal zurück gestellt.

    Aber mit der Ausarbeitung der Figuren war ich äußerst zufrieden. Linda Holeman hat sich viel Mühe gemacht und ihre Charaktere mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Gerade Daryâ ist unglaublich vielschichtig. Meint man sie zu kennen, zeigt sie plötzlich Seiten, die man noch nicht an ihr kannte. Aber auch die anderen Protagonisten glänzen durch Facettenreichtum und Lebendigkeit. Hier habe ich wirklich nichts zu kritisieren, außer vielleicht Daryâs Unnahbarkeit, die ich aber aufgrund ihrer Religion und Erziehung durchaus nachvollziehen kann.

    Insgesamt hat mir „Das Mondamulett“ wirklich gut gefallen. Allerdings konnte mich „Smaragdvogel“ noch mehr bezaubern und in eine andere Zeit und Welt versetzen. Nicht zuletzt lag es daran, dass ich mich mit Daryâ nicht so identifizieren konnte wie mit Linny und dass das Ende einfach nicht rund war.

    Meine Bewertung

    4 von 5 Punkten

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Letztes Update: 25. August 2010

Autor des Artikels

Aleksandra G.
Rezensentin

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