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Das Spiel der Könige – Rebecca Gablé

Waringham-Saga, Teil 3

Verlag: Lübbe | Leseprobe
ISBN: 978-3-404-16307-6
Seiten: 1196
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 10,99
ET:
08.2009

England 1455

Der achtzehnjährige Julian of Waringham ist der Schandfleck der Familie, weil er lieber den Duke of York auf dem Thron sähe als den jämmerlichen König Henry aus dem Hause Lancaster. Erst als der Kampf um Englands Krone offen ausbricht und Julian unverhofft Earl of Warinham wird, erkennt er, auf welche Seite in diesem bitteren Konflikt zwischen Lancaster und York er gehört. – Auch Julians Zwillingsschwester Blanche ist ein schwarzes Schaf: Auf der Flucht vor dem englischen Gesetz verschlägt es sie nach Wales, wo sie ausgerechnet mit Jasper Tudor, König Henrys Halbbruder, eine Liaison eingeht. In England wie in Wales führen die Lancastrianer einen verzweifelten Kampf, bis schließlich mit Edward IV. der erste König aus dem Hause York die Krone erringt. Für Julian und Blanche brechen schwere Zeiten an, und mit dem Widerstand gegen das neue Regime riskieren sie nicht nur ihr eigenes Leben. Denn in den Klauen der Yorkisten wächst in Wales ein Junge heran, der Englands letzte Hoffnung sein könnte …

Meine Rezension

„Das Spiel der Könige“ ist der Abschluss der Waringham-Trilogie und hat mir fast genauso gut gefallen wie seine Vorgänger. Rebecca Gablé zeigt wieder einmal, dass sie zu Recht die Königin des historischen Romans genannt wird. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich fasziniert, gefesselt und vor allem in das ausgehende Mittelalter Englands versunken.

Julian Waringham – ein Enkel Robins und Sohn Johns – steht im dritten Teil im Mittelpunkt des Geschehens. Julian lebt mitten in den Wirren der Rosenkriege und ist hin und her gerissen, auf welche Seite er sich schlagen soll: auf die der Lacastrianer mit ihrem schwachen König Henry VI., wie seine Ahnen es immer getan hatten, oder auf die der Yorkisten, die ihren Thronanspruch um jeden Preis in die Tat umsetzen wollen. Julian entscheidet sich und steht zu seiner Entscheidung, was mir an ihm am meisten imponiert hat. Wem er seine Gefolgschaft schenkt werd ich nicht verraten, das soll jeder schön selbst herausfinden.

Zu Beginn fehlten mir ehrlich gesagt ein wenig die altvertrauten Gesichter. Mit Julian hatte ich ein wenig Anlaufprobleme, aber mit seiner Zwillingsschwester Blanche war ich sofort warm. Sie zählt definitiv zu meinen Lieblingsfiguren, genau wie der junge Henry VII.
Auch wenn ich Julian erst im Laufe der Geschichte ins Herz schließen konnte, hat Rebecca Gablé wieder einmal bewiesen, welch großartige, facettenreiche Figuren sie schaffen kann. Nie sind sie nur schwarz oder weiß, jede Figur hat ihre guten und auch schlechten Seiten und strahlen allesamt so viel Leben aus, als wären sie real. Ich liebe die Charaktere der Autorin sehr. Nicht nur, dass sie keine Stereotypen schafft, sie versucht auch durch vererbte Charaktereigenschaften die Familienbeziehungen zu verdeutlichen und gibt mir damit das Gefühl, dass die Waringham tatsächlich gelebt haben könnten. Selten habe ich eine so gut durchdachte bis ins kleinste ausgearbeitete Familiensaga gelesen, die drei Generationen umfasst.

Die Handlung, also die der Rosenkriege, ist äußerst fesselnd, wenn auch manchmal durch die vielen ähnlichen Namen etwas verwirrend. Zwar hat sich Rebecca Gablé bemüht, die ganzen Edwards und Margarets so zu charakterisieren und mit Spitznamen zu versehen, dass es dem Leser leichter fällt, ihr zu folgen, aber hin und wieder musste ich wirklich eine Weile überlegen. Zumal ich zu den Lesern gehöre, die die Generationen und Verwandtschaftsbeziehungen aufdröseln müssen. Dank der Stammbäume der York, Neville, Tudor und Lancaster viel mir das nicht allzu schwer.
Die Geschichte ist in sich schlüssig, glaubwürdig und wirklich sehr packend. Zwischenzeitlich musste ich als eingefleischter Lancastrianer doch sehr stark sein, denn auch ich konnte mich dem Charme von Edward IV. nicht ganz entziehen. Ich finde es sehr gelungen, wie Rebecca Gablé versucht, den Leser so zu „manipulieren“, dass er nachvollziehen kann, warum sich so viele Anhänger des Hauses Lancaster dann doch noch Edward zuwandten.

Was mich ein wenig gestört hat ist, dass es bei diesem dritten Teil am schwersten ist, auseinander zu halten, was erfunden ist und was den historischen Tatsachen entspricht. Gerade die Szenen, in denen es um Richmond (Henry VII.) geht, konnte ich nicht als wahr oder fiktiv einordnen. Was an seinem Exilleben war wohl erfunden? Zwar gibt es auch dieses mal wieder ein Nachwort, aber ausnahmsweise war es mir nicht ausführlich genug und kann meine Frage nicht beantworten. Ich glaube, aus diesem Grund, kann „Das Spiel der Könige“ nicht an seinen Vorgänger heranreichen.

Neben der erwähnten Stammbäume und dem Nachwort, hat der Roman ein ausführliches Personenverzeichnis und im Schutzumschlag einen ausklappbaren Stammbaum der Waringham zu bieten. Ich bin froh, dass ich die gesamte Trilogie als Hardcover besitze, sie sind einfach so wunderschön aufgemacht.

Das Ende war gelungen, wenn ich auch nicht ganz zufrieden war. Für mich hätte das Buch durchaus noch ein oder zwei Jahre weitergehen können. Dann wäre ich mit einem zufriedenen Seufzer in die Gegenwart zurück gekehrt. Ich bin unendlich traurig, dass die Trilogie nun beendet ist. Ich kann mich nur schwer von den Waringham und Lancaster lösen und hoffe sehr, dass sich Rebecca Gablé einen Ruck gibt und irgendwann einen vierten Teil schreibt, über Henry VII. und einem Sohn Julians.

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern


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Letztes Update: 18. September 2011

Autor des Artikels

Melanie Vogelsang
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