Wege in die Dunkelheit – Jeanine Krock
Licht und Schatten, Teil 1
Verlag: Ubooks
ISBN: 978-3-935798-07-5
Seiten: 213
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,95
ET: 08.2003
Braunschweigerin veröffentlicht Vampirroman: ‘Wege in die Dunkelheit’ hat die gebürtige Braunschweigerin Jeanine Krock nicht beschritten, als sie mit dem Vampirroman gleichen Namens kürzlich ihr schriftstellerisches Debüt gab. Vielmehr häufen sich seitdem die Angebote und ein neues Buch ist bereits in Arbeit. Der Roman erzählt von einer Unsterblichen, die in Braunschweigs Subkultur der 80er Jahre ihre Freude am Dasein zurückgewinnt. Nach Jahrzehnten der Trennung trifft sie wenig später ihre untote Familie, und gemeinsam planen die Blutsauger, einen herrschsüchtigen Gegner zur Strecke zu bringen. Während die Vampire diese Familienzusammenführung dazu nutzen, alte Zwistigkeiten aus der Welt zu schaffen, gewähren sie den LeserInnen in historisch fundierten Rückblenden Einblick in ihre faszinierende Existenz.
Meine Rezension
Shamina ist eine 200 Jahre alte Vampirin, es ist also noch gar nicht so lange her, dass sie “erweckt” worden ist. Sie streunert durch die Welt – momentan durch Deutschland der 80iger Jahre. Die Punk-Kultur wird immer mehr von Gothik verdrängt und so ist die Vampirin sowohl durch ihre Gemütsverfassung, ihr Aussehen (vor allem die blasse Haut) als auch modisch total im Trend. Sie vermißt verlorene Freunde und vor allem ihren Geliebten… da begegnet sie dem attraktiven Nik – der Shamina natürlich sofort verfallen ist und gar nicht merkt, worauf er sich eigentlich einläßt. Doch Liebe und Leideschaft sind nur nebensächliche Vergnügungen, angesichts der Gefahr, die auf einmal aus der Zwischenwelt droht und sowohl die Existenz der Sterblichen als auch der Unsterblichen brutal verändern könnte…
“Wege in die Dunkelheit” ist eigentlich mein erster wirklicher Vampir-Roman. Man sollte also denken, dass die Einflüsse auf mich nicht stark genug waren, um diesem Buch gegenüber voreingenommen zu sein. Ob ich das war, oder nicht, werde ich hoffentlich im Laufe dieser Rezension selbst noch herausfinden.
Zum einen fand ich die Vampirgeschichten dieses Buches sehr faszinierend. Vor allem super fand ich die “Entstehungsgeschichte” der Vampire – wirklich toll. Ich liebe ja solche Theorien und bin für alle Schlüssigen zu haben Lächeln Weiterhin spinnt die Autorin im Laufe des Buches um jeden Vampir-Prota (und um jeden angehenden Vampir-Prota) eine oder auch mehrere Geschichten – das fand ich wirklich gelungen. So hat jeder Protagonist sowohl eine story, die wir im Jetzt mit ihm/ihr erleben, als auch im Damals, also zur Zeit der Verwandlung… Was teilweise im 15. oder 18. Jahrhundert gewesen sein kann. So bekommt das Buch auch einen Touch von Gesellschaftsroman, irgendwie toll. Die Protagonisten haben dadurch Charakter und Ausdrucksstärke gewonnen, man verstand viel besser was sie antrieb und warum sie so geworden sind, wie sie nun mal sind.
Leider ging diese Entwicklung nur bis zu einem gewissen Grad. Also kommen wir “zum anderen”: die Übergänge der einzelnen Kapitel oder Geschichten waren nicht immer glücklich und stören den Lesefluss. Nicht doll, aber doch so, dass es auffällt. Und da man die Protas so super verstehen gelernt hat, findet man letztendlich schnell darauffolgende Handlungen widersprüchlich – nun, da man weiß, was sie antreibt, sollten diese doch anders handeln… ??? Jedenfalls bin ich darüber gestolpert und musste mir selbst zusammenreimen, warum das nun so und nicht anders läuft. An solchen Stellen hab ich mir ein bißchen erklärende Unterstützung seitens der Autorin gewünscht.
Die Geschichte selbst ähnelt leicht einem Musik-Histo-Roman Lächeln Gothik ist da ganz oben und es werden viele Konzerte und Bandnamen erwähnt (mit denen ich zwar nichts anfangen kann, aber ich bin ja auch eher im House angesiedelt ) Die Beschreibung der Locations sowie der Mode ist ziemlich detailreich und läßt bereits das Potetial der Autorin erahnen. Da es sich hierbei um ihr erstes Buch handelt, kann man auch über viele Kleinigkeiten durchaus hinwegsehen.
Zum Thema Romatik und Erotik soll hier noch was angemerkt sein: Das Buch ist NULL EROTISCH. Wirklich gar nicht. Es bauen sich zwar leichte romantische Spannungen auf, aber von Erotik kein Spurr und so richtig romantisch wirds eigentlich auch nicht. Ich fand das irgendwie erleichternd. Ich möchte durchaus auch mal einen Vampir-Roman lesen können, bei dem es um die Sache an sich geht und nicht immer nur um erotische Schwingungen und Stimmungen.
Interessanter Weise ist das Buch zwar durchaus spannend geschrieben, aber ich hatte doch keinerlei Schwierigkeiten es aus der Hand zu legen, oder auch mal nicht zu lesen. Ich fand auch, dass das Ende ziemlich an Spannung verliert. Außerdem steht alles mögliche im Vordergrund, nur nicht den Bösewicht zu erwischen… aber das hat mich eigentlich weniger gestört, dafür fand ich die einzelnen Geschichten dann doch zu faszinierend… und: obwohl das Buch so wahnsinnig dünn scheint (ca. 180 Seiten), trügt der Schein gewaltig Lächeln denn hier hat der Verlag den Platz einer Seite bis aufs Äußerste ausgenutzt – kaum Rand und eine kleine Schrift, lesbar aber überraschend, wie lange man für 180 Seiten braucht. Und dann, auf einmal, ganz plötzlich, unerwartet und mit dem Ende des Geschehens – endet das Buch. Ein plötzliches, klares Ende. Ich hätte gerne noch ein bißchen was gewußt, vor allem, wie es allen geht etc. aber nichts da, das Buch war dann zu Ende.
So und deshalb bin ich hin und her gerissen. Es fehlt ein bißchen was, um einfach nur ein gutes Buch zu sein. Aber es waren auch super viele gute und extravagante Gedanken und Theorien, und vor allem Entwicklungspotential drin, um das Buch nicht zum Lesen weiterzuempfehlen. Damit sollte sich besser jeder selbst sein Urteil bilden und das Buch bekommt von mir
Meine Bewertung
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