Buchcouch-Projekte
Bücher-Challenges

Buecher-Challenges-Banner rund

Ein Gemeinschaftsprojekt mit
Steffis Bücherkiste
Buchcouch-Forum
Buchcouch bei…
Buchcouch-Partner

Buchcouch-Archiv

Grim: Das Siegel des Feuers – Gesa Schwartz

Grim, Teil 1

Verlag: Egmont-Lyx | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-8025-8303-2
Seiten:
688
Ausgabe:
Gebunden mit Umschlag und Lesebändchen
Preis:
€ 19,95
ET:
03.2010

“Sie fürchten und beschützen uns seit uralter Zeit. Sie sind der kalte Hauch, der in einer warmen Sommernacht deine Wange streift, wenn du schläfst, und sie sind der schwache Duft von Dunkelheit im Morgengrauen. Sie sind die gefallenen Engel unserer Zeit, sie sind – die Gargoyles.“

Der Gargoyle Grim wahrt das steinerne Gesetz, nach dem niemals ein Mensch von der Existenz seines Volkes erfahren darf. Doch dann wird dieses Gesetz aufgrund eines rätselhaften Pergaments gebrochen. Gemeinsam mit der jungen Sterblichen Mia, einer Seherin des Möglichen, will Grim das Geheimnis des Pergaments ergründen. Sie ahnen nicht, dass sie einem Rätsel auf der Spur sind, welches das Schicksal der ganzen Welt bedroht …

Meine Rezension

Grim ist eine Gargoyle, eines jener steinerner Wesen, die der Menschen auf den alten Brunnen, Kirchen und Gebäuden sieht – aber nicht mehr als Lebewesen wahrnimmt. Gargoyles leben mitten unter uns, sie geben sich uns aber nicht zu erkennen, genauso, wie auch alle anderen Wesen der Anderwelt: Vampire, Kobolde, Elfen, Dämonen, … Außerdem liegt auf den Menschen “Der Zauber des Vergessens”: Magie aus uralter Zeit hat zu einer Trennung der beiden Welten geführt und hält die Menschen davon ab, die Andere Welt wieder zu entdecken. Nur die Gargoyles wachen über die Grenzen.
Grim ist ein waschechter Gargyole: er ist stark, stolz, macht seine Arbeit ordentlich – er ist ein richtiger Held aus Stein mit Flügeln. Allerdings hat er auch schon immer seinen eigenen Kopf und damit auch seine eigene Auslegung der Gesetze gehabt. Das bringt ihn immer wieder in Konflikte mit seinem Vorgesetzten (er Arbeitet bei einer Art Gargoyle-Polizei) – und auch mit seinen Gefühlen den Menschen gegenüber.
Und so verspricht die Geschichte eigentlich richtig spannend zu werden, als Grim auf Mia trifft… Sie ist ein Mensch – und sie sieht ihn. Mia ist eine Hartidin, eine Sehende… und alleine diese Tatsache und die Erkenntniss über die damit zusammenhängenden magischen Kräfte brigen schon genug Ärger für beide – da taucht auch noch ein geheimnisvolles Pergament auf, das Grim und Mia zur Zusammenarbeit zwingt.

Es fällt mir schwer ein ausgewogenes Urteil zu diesem Buch abzugeben. Als es anfing, dachte ich “Wow”. Total toll, so wie ich es mir vorgestellt habe… vom ersten Moment spannend, mitreissend, ein bißchen düster und mit zwei starken und interessanten Protas, deren Geschichten erstmal parallel erzählt werden.

Doch dann änderte sich irgendwas… und das Buch fing an Stirnrunzeln beim Lesen hervorzurufen: Mia verhielt sich anders, als am Anfang – während ich anfangs das Gefühl hatte es mit einer über 20-jährigen, jungen Frau zu tun zu haben – wurde sie zu einem 16-jährigen Görr, teilweise trotzig und unsympatisch. Auf einmal hatte ich das Gefühl mich mitten in einem Wolfgang Hohlbein Jugend-Buch wieder zu finden. Also, hatte ich mich wohl im Genre geirrt, es ist kein Urban-Fantasy, es ist ein Jugend-Fantasy! Das erklärte vieles: Sprache, Umgang, Naivität, Erwartungen…
Dann auf ein Mal: Boom! Totale Brutalität, Gewalt, Blut, augerissene Gelenke, Tote, Terror… Hm, irgendwie sehr unangenehm und hat mich beim Lesen sehr abgestoßen. OK, doch kein Jugend-Buch, dafür ist es zu brutal… aber die Sprache und der Eindruck von der Geschichte und den Protas änderte sich nicht: immer noch ein Hohlbein-Echo.

Nach einem Drittel des Buches habe ich versucht mich nicht mehr an dieser merkwündigen Mischung zu störren… aber das war auch nicht nötig, es kamen nun viele Dinge, von denen ich mich gestörrt fühlte: Das Buch hat echt alles aus der Welt des Fantasy, auf einen Haufen geschmissen und angezündet… und während ich weiter las und mich langsam dem Ende näherte, habe ich im Kopf schon aufgehört mit zu zählen: Wir haben eine Prota, deren magische Kräfte erst geweckt werden müssen und das erst klappt, wenn sie mit sich im Reinen ist (Abbau von Selbstvorwürfen und Ängsten). Ein Elb, der ihr hilft. Einen Vater und dann einen Bruder mit Selbstmord (und Überraschungen) – das muss sie mit sich rumschleppen und mit Selbstvorwürfe umgehen lernen. Ein Feuerauge, dass über allem schwebt und Böses Bedeutet (Herr der Ringe), der Rattenfänger Zauber (Hohlbein in Dreizehn), eine Monsterarmee, die einem schwarzen Magier folgt (Herr der Ringe), eine riesige Schlange unter der Erde (Elizabeth Haydon), Zeitreise, Leben nach dem Tod, Rückkehr aus dem Reich der Toten, eine Monstearmee, die im letzten Moment im Krieg zur Hilfe eilt … Eine riesige Ansammlung aller möglichen Arten von Wesen: Urban-Fantasy, griechische Mythologie, ägyptische Mythologie – Vampire, Gnome, Elfen, Gargoyles, Kobolde, fliegende Esel, der Fluß des Todes, das Meer der Seelen, ein Schloß aus toten Leibern (wie auf manchen Kirchlichen Darstellungen der Hölle)… mir fehlen die Worte.

Die Handlung selbst sollte eigentlich in mehreren Teilabschnitten mehrere Spannugnsbögen aufbauen. Die Protas sind mal parallel, mal zusammen, mal getrennt… die Elemente sind da, aber daraus wurde nichts gemacht. Keine Spannung… bis zum Schluss: Am Ende hatte ich das Gefühl, es ist endlich Durchbruch und konnte die letzen 200 Seiten am Stück weglesen – aber was für ein schwerer Weg dahin! Vom Gefühl her würde ich sagen: Kaum neue, eigene Ideen – was nicht schlimm wäre, wenn die Autorin eine vernünftige Geschichte daraus gemacht hätte -, schwächelnde Protagonisten, die zum Ende noch mal stark abbauen und Stereotypen entsprechen (auf den letzten Seiten habe ich nicht mehr Grim gesehen, sondern Bruce Willis, wie am Ende von Stirb Langsam), fehlende Spannung, schwache Sprache… Ein Sammelsurium von Ideen und Wesen, der es dem Leser unmöglich macht sich nicht ständig an andere Autoren und Bücher zu erinnern oder zu orientieren, in was für einer Welt wir uns denn nun eigentlich befinden.

Eines ist mir noch an der Sprache aufgefallen: Es sind viele philosophische Phrasen drin. Dann immer der Eindruck: Faszinierend, interessanter Gedanke… und dann macht die Autorin etwas selten Unnötiges: sie erklärt jedes Mal die Philosophie dahinter (als möchte sie unbedingt sichergehen, das wirklich jeder ihre schlauen Gedanken versteht und merkt wie tiefgründig diese sind) und zerstörrt damit den Eindruck und auch die Möglichkeit für den Leser selbst zu sinieren und mitzuschwelgen… er bekommt also nicht nur einen Wink mit dem Zaunpfahl, meistens wird damit auch noch mal ordentlich zugeschlagen, damit es wirklich jeder versteht. Da hätte ich mir mehr Freiheit für Fantasie und Gedanken gewünscht. Ich vermute, dass diese Art die Dinge ganz offensichtlich zu erklären und nochmals zu betonen, ließ in mir den Eindruck eines Jugendbuches entstehen. Nur einem Kind könnte man Dinge so konsequent und über-eindeutig nahelegen.

Weiterhin sind viele Dinge, Geschehenisse und Ereignisse zu einfach gewesen. Mia hat viel zu einfach Magie erlernt (Augen zu, ein bißchen vortasten und zack! da ist sie ja), er gab zu viele Zufälle, wann jemand um die Ecke kam um zu helfen oder zu retten, wirklich auffällig viele und wirklich Zufälle… So einfach hätte man es nicht machen sollen. Teilweise entstand für mich der Eindruck, die Autorin hat ganz viele Ideen – aber keinen Plan, wie man sie umsetzt – und sobald sie diese niederschreibt, endet es mit der Idee – die weitere Ausführung fehlt. Hm. Unnötig sind auch die Auferstehungen von den Toten… nicht nur eine, die klar und tatsächlich nötig gewesen war, sondern auch noch so ein paar, die am Ende kommen. Da hab ich mich echt gefragt, wozu hat sie die Leute dann vorher sterben lassen? Teilweise auch sehr brutal… dann hätte doch eine schwere Verletzung gereicht. Auch hier erschien es mir irgendwie inkonsequent – aber mit Anspielung auf das nächste Buch, vermutlich.

Interessant ist an dieser Stelle vielleicht auch, dass es in diesem Buch außergewöhnlich wenig Romantik und keine Erotik gibt. Das war mal ganz angenehmen. Auch das läßt Schlüße auf ein Jugendbuch zu. Dagegen steht jedoch, wie bereits dargestellt, die häufigen, äußerst brutalen Szenen, die außerdem sehr bildhaft dargestellt werden. Ein solches Buch würde ich keinem Jugendlichen geben, der nicht weiß, worauf er/sie sich einläßt.

Das gesamte Buch hat mir im Endeffekt trotz allem ein “OK” abgerungen. Ich mag den Protagonisten Grim. Er ist mir sympatisch und bei ihm hatte ich (abgesehen von der Schlussszene) das Gefühl eines ausgereiften Charakteres. Ob ich auf dieser Basis allerdings Band 2 lesen würde, bezweifele ich.

Und noch einen Hinweis, an LeserInnen mit anfälligen Handgelenken: es ist nicht möglich dieses Buch im liegen zu lesen. Es ist wahnsinnig schwer und unhandlich (groß und dick). Sehr schade, da das Cover wunderschön ist, aber es empfiehlt sich auf das Taschenbuch zu warten (falls es eines gibt).

Alles in einem läßt sich also folgendes zusammenfassen: Vielleicht bin ich selbst schuld, denn ich hatte eine enorm hohe Erwartung an das Buch – immerhin hatte ich bisher das Glück, nur gute Bücher aus dem Lyx Verlag zu lesen und der Umschlagtext verspricht doch so einiges. Dise Erwatungen wurden relativ schnell zerschlagen und dann ist der Sturz nach unten um so gravierender. Es hätte ein gutes Buch werden können. Da es sich um ein Debüt-Roman der Autorin handelt, ist es wohl als nicht ausgereift, aber ausbaufähig zu betrachten. So ist es im moment eher: “OK”, kann man lesen, durchwachsen… vielleicht sollten sich Fantsy-Liebhaber (vor allem alle, die Hohlbein + Thriller-Elemente mögen) besser ein eigenes Bild machen.

Meine Bewertung

3 von 5 Büchern

Vielen Dank an den Egmont-Lyx Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Verwandte Artikel:


Kommentieren

Buchcouch-Suche
Buchcouch-Rezensionen

Alphabetisch nach Autor:

[A] [B] [C] [D] [E] [F] [G] [H] [I]
[J] [K] [L] [M] [N] [O] [P] [Q]
[R] [S] [T] [U] [V] [W] [XY] [Z]

Buchcouch-Aktuell

Die Gewinner des Sommer-Gewinnspiels stehen fest. Herzlichen Glückwunsch!

Die einzelnen Beiträge & Rezen- sionen lassen sich von nun an über eine Druckversion aus- drucken. Dazu einfach auf "Beitrag drucken" im Kopf des Beitrages gehen und am Ende der dargestellten Druckversion über "Click here to print." drucken.

Auch wenn wir am Aufarbeiten sind, einige alte Inhalte von der ursprünglichen Buchcouch-Homepage fehlen noch.

Zum Mitnehmen gibt es auch einige Buchcouch-Banner.

Letztes Update: 25. August 2010

Autor des Artikels

Aleksandra G.
Rezensentin

Buchcouch-Leserunden

Seit 15.08.2010 mit Autorin:

Ab 20.09.2010 mit Autorin:

Ab 10.10.2010 mit Autorin:

Buchcouch-Tipp

Aktueller Lese-Tipp

zur Rezension

Neuerscheinung September

Buchcouch-Freunde
Bücher-Blogs
Autoren-Blogs