Tochter der Dämmerung – Claudia Gray
Evernight, Teil 2
Verlag: Penhaligon | Leseprobe
ISBN: 978-3764530525
Seiten: 400
Ausgabe: Gebunden
Preis: € 17,95
ET: 06.2010
Biancas Vampir-Natur drängt immer mehr an die Oberfläche. Dennoch ist sie nicht gewillt, ihre Liebe zu dem Vampirjäger Lucas aufzugeben. Auch nicht, wenn das bedeutet, dass sie alle, die sie liebt, in Gefahr bringt. Schließlich ist nicht nur Bianca ein Vampir, sondern auch ihre Eltern, ihre Lehrer und all ihre Freunde sind Untote. Dabei kann sie nur auf die Hilfe eines einzigen Vertrauten zählen: Balthasar. Er ist ein Vampir von der Sorte, wie ihn sich ihre Eltern immer als Freund für ihre Tochter gewünscht haben. Doch während Bianca und Balthasar gemeinsam versuchen, eine Spur von seiner verschwundenen Schwester zu finden und eines der düstersten Geheimnisse des Evernight-Internats zu enträtseln, kommen sie sich immer näher. So nah, dass Bianca sich schließlich fragt, ob ihre Liebe zu Lucas überhaupt eine Chance hat – und was sie wirklich mit Balthasar verbindet …
Meine Rezension
Das zweite Jahr auf der Evernight Akademie beginnt für Bianca viel entspannter als das Erste, auch wenn sie weiß, dass sie Lucas auf dieser Schule wohl nie wieder sehen wird. Immerhin ist er ein Jäger des Schwarzen Kreuzes und die Akademie wäre für ihn kein sicherer Platz mehr, seit die Vampire wissen, dass Lucas ein Spion ist. Dennoch kann sie ihn nicht vergessen. Lucas und Bianca halten über einen eingeweihten Mitschüler heimlich Kontakt, aber diese ganze Heimlichtuerei ist schwieriger als erwartet.
Als Bianca nach einem heimlichen Treffen von Balthazar, dem Schulschwarm, auf dem Heimweg überrascht und zur Rede gestellt wird, scheint es im ersten Moment, als würden jetzt alle Pläne auffliegen. Doch der smarte dreihundertjahre alte Herzensbrecher der Akademie hat eigene Ziele, die er mit Biancas Hilfe zu verfolgen gedenkt.
Und dann wären da auch noch die Geister, die sich neuerdings in der Evernight Akademie deutlich wohl fühlen. Auch wenn die Lehrerschaft es nicht zugeben will, diese Art Spuk ist mehr als einfach nur unheimlich. Die Geister werden immer dreister und deutlicher und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem auch die Lehrer nicht mehr stillschweigen können…
Der zweite Band der Evernight Reihe schließt direkt an die Geschehnisse aus dem Vorgängerband an. So fällt der Einstieg in die Geschichte nicht schwer, und die Autorin bleibt ihrem flüssigen Stil aus dem ersten Band treu. Flüssig und zügig lässt sich die Geschichte um Bianca, Lucas und Balthazar lesen, allerdings gibt es auch keine großen Überraschungen. Das meiste, was man hier geboten bekommt, hat man in einem der vielen Vampirromane schon gelesen, die den Markt geradezu überschwemmen. Trotzdem schafft es Claudia Gray aber immer, ihre eignen Ideen mit einfließen zu lassen. Durch die verbotene Liebe zwischen Lucas und Bianca ist Spannung vorprogrammiert und durch Balthazar entspinnt sich eine handfeste Dreiecksgeschichte, die nicht ohne Missverständnisse und Folgen bleibt.
Bei den Figuren gibt es keine großen Änderungen im Vergleich zum ersten Buch. Leider machen sie keine deutlichen Entwicklungen durch und bleiben dem Leser mehr oder weniger egal, auch wenn viele durchaus ein großes Potential an Facettenreichtum von Haus aus mitbringen würden. Der Leser erfährt natürlich ein bisschen was aus der Vergangenheit der einzelnen Vampire, aber es ist meistens nicht genug, um herausfinden, was ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist.
Das fällt gerade bei Bianca massiv auf. Im Vergleich zum ersten Buch hat sein kein Stück ihrer Naivität eingebüßt, sie hat nicht mal deutlich aus dem gelernt, was ihr im vergangen Jahr passiert ist. Das kann beim Leser hier und da stummes Kopfschütteln und entsetztes „Mit-der-flachen-Hand-vor-die-Stirn-schlagen“ auslösen. Natürlich ist sie ein Teenager und handelt entsprechend, was sie glaubwürdig erscheinen lässt. Aber zu glauben, dass sich Lucas, ein erklärter Gegener der Vampire, von ihr in ein solches „Monster“ verwandeln lässt, grenzt schon an Blödheit.
Ebenso scheint auch Lucas nicht mit übermäßiger Intelligenz gesegnet zu sein, denn er erwartet von Bianca, dass sie einsieht, dass sie nur als Mensch ein lebens- und achtenswertes Leben führen kann. Ihm fällt es leicht, die Tatsache auszublenden, das nichts und niemand eine Verwandlung Biancas auf die Dauer wird verhindern können.
Nun ja. Diese jugendlichen Verwirrungen führen schließlich dazu, dass dem Leser die oben erwähnte Dreiecksgeschichte geboten werden kann. Die sorgt immerhin für einen immensen Unterhaltungswert, auch wenn sie unweigerlich zu dem Ende führt, das dieses Buch findet. Aus dem Blickwinkel eines Teenagers herausbetrachtet ist es eine logische Entwicklung und ohne die würde es wohl auch den kommenden Band nicht geben.
Des Weiteren findet in diesem Band ein neuer Vampir Zugang zu den Geschehnissen rund um Evernight. Balthazars lange verschollene Schwester taucht wieder auf und sorgt für einigen Wirbel, nicht nur bei ihrem Bruder und Lucas, sondern auch beim Lehrkörper der Schule.
Apropos Lehrkörper: Die Lehrer müssen sich in diesem Jahr nicht nur Sorgen um die Jäger des Schwarzen Kreuzes machen, sondern sich auch noch mit Geistern auf dem Schulgelände herum schlagen, die sich trotz diverser Bann- und Schutzvorrichtungen Einlass geschaffen haben. Und diese Spukerscheinungen haben es ganz klar nicht darauf abgesehen, einfach nur zu spuken, vielmehr haben sie ein erhöhtes Interesse an Bianca. Offensichtlich gibt es hier noch Klärungsbedarf…
Unterm Strich gesehen ist Die Tochter der Dämmerung ein Buch mit großem Unterhaltungswert. Schade finde ich es nur, dass von den ach so großen Gefühlen, die angeblich zwischen Lucas und Bianca herrschen sollen, so wenig beim Leser ankommt. Natürlich ist der ruhige Balthazar kein adäquater Ersatz für den Hau-drauf-Lucas, der erstmal zuschlägt und danach die Fragen stellt. Leider. Denn die Gefühle, die er Bianca entgegenbringt, kommen sehr viel deutlicher beim Leser an.
Trotzdem freue ich mich auf den folgenden Band und bin gespannt, ob Bianca und Lucas dann endlich zu einem für beide Seiten akzeptablen Umgang kommen können.
Meine Bewertung
Vielen Dank an den Penhaligon Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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