Die Götter von Amyrantha – Jennifer Fallon
Gezeitenstern-Saga, Teil 2
Verlag: Lyx | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3802581793
Seiten: 576
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 14,95
ET: 09.2008
Auf Amyrantha steigen die Gezeiten. Die Unsterblichen spüren, dass die Stunde ihrer Macht wieder näher rückt. Sie verlassen ihre Verstecke und versuchen, unerkannt einflussreiche Positionen zu besetzen, um die Menscheit zu unterwerfen. Arkady, die junge Fürstin von Lebec, erkennt die Gefahr. Auch Declan, der Erste Spion des Königs, weiß, was hinter den Kulissen vorgeht. Beide wollen der geheimen Bruderschaft des Tarot helfen, die den Unsterblichen seit Jahrhunderten Widerstand leistet. Doch die Macht der Gezeitenfürsten wächst unerbittlich…
Meine Rezension
Arkady und Desean sind nach Torlenien geschickt worden. Prinz Mathu, dem sie diese “Verbannung” zu verdanken haben, heiratet während dessen die Nichts des Herzogs von Lebec, von Arkadys Mann. Doch weder die selbsternannte Nichte noch der ehemalige Geliebte des Herzogs sind die, für die sie gehalten werden. Nur wenige Menschen wissen das – und Arkady ist eine von ihnen. Arkady ist sich nicht sicher was schlimmer ist: den beiden Betrügern das Land überlassen zu müssen oder ihr neues Leben in Torlenien. Denn hier herrschen gänzlich andere Regeln: die Frauen haben keinerlei Rechte, müssen sich verschleihern und blind gehorchen. Arkady ist am verzweifeln, bis sie der Königin von Torlenien begegnet und sich mit ihr anfreundet. Alles scheint gut zu laufen, doch die Gezeiten steigen weiter und nichts kann mehr so bleiben wie es ist. Die Unsterblichen erstarken, strecken ihre Hände nach der Macht aus und Arkady ist mal wieder mitten drin.
Die Fortsetzung der Gezeitenstern-Saga setzt unmittelbar am Ende des ersten Buches an. Arkady und Desean sind unterwegs nach Torlenien, Declan und die Bruderschaft ringen um eine Möglichkeit gegen die Unsterblichen und der Leser ist wieder inmitten sämtlicher Verstrickungen. Jedes Kapitel berichtet eine neue Geschichte aus einer anderen Sicht: mal sind wir bei Arkady, mal bei Declan, dann wieder bei Cayal oder einigen neuen Protagonisten, wie dem bereits bekannten Caniden Warlock und der neue Crasii Tiji, eine Camäloide. Die Geschichte nimmt also nicht nur an Ereignissen und Orten zu, an denen sie spielt, sondern auch an der Zahl der Beteiligten… glücklicherweise schafft es die Autorin aber alle sehr gut und lebendig einzuführen, sodass der Leser nicht einen Augenblick den Überblick zu verlieren fürchten muss.
Ich möchte an dieser Stelle auf einige Parallelen hinweisen, die Jennifer Fallon zu unserer Welt zieht. Diese lassen sich bereits im ersten Band vermuten, nun aber treten sie sehr deutlich zu Tage: die Autorin zeichnet in der Gezeitenstern-Saga eine neue Schöpfungsgeschichte. Nicht nur das, sie läßt auch alle Völker dieser “Erde” neben den bereits bekannten mehreren Weltuntergängen und wieder Neuaufleben der Kulturen auch die Religion und geschichtlichen Zusammenhänge ähnlich den unseren erleben. So ähnelt Glaeba, das Land, aus dem Arkady kommt stark dem europäischen späten Mittelalter bzw. Aufklärung. Die Frauen sind zwar noch nicht gänzlich akzeptiert, dürfen aber bereits bestimmte Fächer studieren etc. Torlenien dagegen scheint stark “islamisch” geprägt: verschleiherte Frauen, ohne Rechte, Frauengemächer etc… ebenfalls eher in einer altmodischen Version, dennoch sind die Parallelelen klar erkennbar. Spannend sind allerdings Jennifer Fallons Erklärungen – da es sich ja um ihre eigene Schöpfungsgeschichte handelt – für diese Entwicklungen. In vielen Punkten kann man wohl einige ihrer Geschichten als moderne Gesellschafts- oder sogar Kirchenkritik empfinden – oder aber man enspannt sich und genießt mal ein richtig gutes Buch, das ein paar alte Geschichten mit neuen Ideen großartig umsetzt.
Um Vergleich zu Band eins sind im zweiten Band einige Dinge einfacher zu erraten – was vermutlich Absicht ist. Auf andere Zusammenhänge dagegen wäre ich so einfach nicht gekommen, was der Spannung sehr zuträglich war. Generell empfand ich das zweite Buch dieser Reihe als besser als das erste, spannender, durchdachter und überraschender – insbesondere meine ich das Ende: dieses hat mich wirklich gänzlich unerwartet getroffen! Ich kann es kaum noch erwarten den dritten Band in die Hände zu bekommen, denn wie nicht anders zu erwarten ist auch dieses Ende äußerst offen.
Meine Bewertung
Vielen Dank an den Lyx-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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