Die linke Hand Gottes – Paul Hoffman
Verlag: Goldmann | Leseprobe ISBN: 978-3-442-31232-0
Seiten: 480
Ausgabe: Klappenbroschur
Preis: € 17,95
ET: 05.2010
Cale wurde, wie so viele andere Jungen, als kleines Kind in die Obhut der Bruderschaft der Redeemer gegeben. In deren Kloster, Mitten in einem Wüstengebiet, werden Knaben jeglichen Alters zu Soldaten gegen die Ungläubigen, die Antagonisten herangezüchtet. Es ist eine archaische Welt innerhalb der Klostermauern wo Züchtigung zum Alltag gehört und auch der Tod junger Aspiranten in Kauf genommen wird. Es ist eine Welt in der einem sein Name genommen wird, in der es verboten ist Freunde zu haben und in der niemandem, aus Ermangelung an Türen, Privatsphäre zugesprochen wird. Man isst, schläft, betet und trainiert mit allen anderen. Von früh morgens bis spät abends, sechs Tage die Woche.
Und Flucht ist ausgeschlossen, denn hat man wirklich das Glück die Klostermauern zu überwinden wird man von Bluthunden zu Tode gejagt…selbst wenn dies Wochen dauert.
Aber gerade solch eine Flucht ist Cale gelungen. Mit einigen Weggefährten, mehr Zwangsgemeinschaft als richtige Freunde, im Schlepptau hat er die Suchtrupps und die Bluthunde an der Nase rumgeführt und macht sich nun auf nach Memphis. Dies ist die Hauptstadt des Reiches, wo man sich Zuflucht erhofft, bis Gras über die Sache gewachsen ist, die Cale erst zur Flucht veranlasst hat.
Aber bevor man sich überhaupt auf den Weg Richtung Hauptstadt machen kann, werden Cale und seine Gefährten von einem Massaker aufgehalten. Weder wissen sie, wer es begangen hat, noch wer all die Toten sind und so machen sie daß, was sie für das Beste halten, sie plündern die Leichen. Nur ein einziger Mann hat das Gemetzel überlebt, jener wurde jedoch von den Angreifern bis zum Hals in den Boden vergraben womit ihm ein langsamer Tod sicher gewesen wäre.
Nach einigen Irrungen und Wirrungen stellt sich heraus, dass es sich bei dem Überlebenden um den Botschafter von Memphis handelt und Cale und Konsorten alle Hände voll zu tun haben den anrückenden Wachen ihre Unschuld zu beteuern.
Die kleine Gruppe Ausreißer hat ihr Ziel nun schneller erreicht als erwartet, wenn auch nicht ganz in der Art wie man sich erhofft hat. Denn die Kerker von Memphis können ganz schön ungemütlich sein…
Ich will jetzt nicht zu viel verraten, würde den Spaß verderben. Nur so viel sei noch gesagt. Cale wird zum Waffenknappen eines Elitesoldaten befördert, wo er Gelegenheit hat eine unbekannte Schöne kennen und lieben zu lernen. Und als gerade eben jene Holde von den Redeemern mit dem Tod bedroht wird, gibt es für ihn kein Halten mehr.
Der Schriftsteller Paul Hoffman ist in literarischen Belangen eher ein unbeschriebenes Blatt, abgesehen von zwei (Sach-)Romanen. Auf dem Gebiet der Fantasy ist Die linke Hand Gottes sein erster Gehversuch, den er nicht mal so schlecht meistert.
Als Dreiteiler konzipiert und vom britischen Verleger Penguin Books in Auftrag gegeben wurde das Buch schon lange vor Veröffentlichung als einer der wichtigsten Titel des Verlages der letzten zehn Jahre beworben.
Geholfen hat es alles nichts und Penguin Books musste Anfang 2010 feststellen, dass man einen Hype nicht kaufen kann. Auch zwanghafte Versuche, Cale immer wieder in die Nähe eines Harry Potters zu rücken, erwiesen sich als wenig fruchtbar und entpuppten sich, nach dem Lesen des Buches, als absoluter Schwachsinn.
Auf Grund eher manch ruppiger Textpassagen und dem ungenierten Morden werden All Age-Fans sicher die Nase rümpfen und auch das völlige Fehlen von Magiern, Orcs und Elfen wird so manchen Highfantasy Fan vergrätzen.
Beim Lesen weiß man nie ganz in welche Richtung Hoffman nun gehen will. Zum einen ist Cale ein junger Mann, der die erste Liebe entdeckt und auch sonst mit dem Erwachsenwerden zu kämpfen hat. Zum anderen ist Cale aber auch eine gnadenlose Kampfmaschine, dem Terminator gar nicht so unähnlich, der fähig ist, ohne mit der Wimper zu zucken, innerhalb einer Minute sechs Männer zu töten. Und, dem bereits erwähnten Terminator gleich, muss er auch erst lernen was menschliche Gefühle sind und wie man sie zulässt, verbirgt bzw. überhaupt mit ihnen umgeht.
Generell legt der Autor einen sehr starken Fokus auf seine Charaktere und die Beziehungen in denen sie zueinander stehen. Vor allem zwischen Cale und Idris Pukke, einem älteren Mann, den der Leser schnell lieb gewinnt, der ihm, als erster Erwachsener überhaupt, versucht ein Freund zu sein.
Paul Hoffmans Schreibstil ist ein sehr flotter, der sich nicht groß mit den ewig gleichen Klischees aus anderen Romanen schmückt. Der Hauptgrund dafür liegt wohl in der Tatsache, dass Hoffman dem Leser nichts Neues präsentiert. Irgendwie liest sich das alles doch sehr bekannt an und man glaubt, diese oder jene Passage schon irgendwo anders mal gelesen zu haben. Der Schreiberling hat, wie es scheint, hier einfach etliche bekannte (und unbekannte) Fantasyromane aufeinander prallen lassen, was am Schluss noch gestanden ist, hat er dann einfach genommen.
Und wenn man seine Weltenschöpfung betrachtet, macht er auch keinen Hehl aus dieser Sache. So schreibt er zu Memphis einfach das es eine große Stadt mit dicken Mauern ist, fertig, kein unnötiges Zierrat. Den Rest setzt sich der Leser selbst zusammen. Oder auch die Beziehung zwischen Arbell Schwanenhals und Cale. Wer nun ein Romeo und Julia erwartet wird mit Sicherheit enttäuscht, denn die ganze Liebelei mit Standesunterschied spielt sich eher im Hintergrund ab, da muss der Leser auch mit seiner eigenen Fantasie etwas nachhelfen.
Und gerade diese Patchworkhaftigkeit ist es, die dem Roman seine etwas kantige aber dennoch interessante Note gibt. Wie lange saß man nicht schon vor einem Buch, das sich Seite um Seite über Land und Leute ausließ, aber einfach nicht mit der Geschichte vom Fleck kam?
Natürlich geht dieses Tempo auch ein bisschen zu Lasten der Stimmung. Man ist vielleicht nicht ganz so tief mit den Charakteren verwurzelt wie z.B. in den Werken von Tad Williams, wo am Ende von 3800 Seiten eine kleine Welt für den Leser zusammenbricht, weil er gerade das Abenteuer seines Lebens bestritten hat.
Auch hätte ich mir manchmal etwas mehr Grips in den Köpfen der Hauptcharaktere gewünscht, nicht immer scheinen sie von logischen Denkansätzen überrannt worden zu sein.
Dennoch hat dieses Buch seinen eigenen Charme. Gerade wenn Orte wie Memphis, Jerusalem, Venedig oder auch Odessa genannt werden, wenn mit harten Dollars gezahlt wird und unerwartet ein bis zwei Anspielungen auf die Bibel den Weg kreuzen, glaubt man manchmal eher einen postapokalyptischen SiFi Roman zu lesen. Einen Roman, in dem sich die Menschheit in die Steinzeit zurückgebombt hat und nun wieder mit Stock und Stein aufeinander los geht. Aber dies ist nur mein persönlicher Eindruck.
Genau so ist es mein persönlicher Eindruck, wenn ich schreibe, dass der Roman nichts Neues an sich hat, das RaD nicht neu erfindet, aber auch nicht wirklich was falsch macht. Wer die alten Sachen eines David Eddings mochte, wird vielleicht auch hier, in diesem etwas moderneren und leicht unterkühlteren Schreibstil, interessante Fantasylektüre finden.
Aber Vorsicht: das Buch endet Serientypisch mit einem fiesen Cliffhanger und mit einer Fortsetzung wird selbst im englischen nicht vor 2011 zu rechnen sein.
Vielen Dank dem Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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