Tüte oder so was – Ulrike Sterblich
Wie man als Kunde nervt, ohne es zu merken
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-15609-2
Seiten: 192
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 03.2010
Darf’s auch ein bisschen mehr sein?
Alle Menschen sind verschieden, aber manchmal auch gleich. Nicht nur Kassiererinnen, sondern auch Kellner, Klempner, Taxifahrer und Flugbegleiter, Krankenschwestern und Ärzte, Bestatter und Frisöre, kurz alle, die im sogenannten Tertiärsektor ihren Dienst schieben, müssen damit tagtäglich zurechtkommen. König Kunde kann so unglaublich nerven – aus purer Gedankenlosigkeit oder absichtlich. Vorzugsweise mit dem ewig gleichen Irrsinn. »Ham se mal ne Tüte oder so was?« … Die alltäglichen Leiden der Dienstleister am Kunden in kurzen, witzigen Geschichten – skurril und aufschlussreich.
Meine Rezension
Durch zweierlei bin ich auf das Buch aufmerksam geworden: 1. durch das hübsche Cover und 2. durch den Umstand, dass auch ich jeden Tag in Kontakt mit Kunden komme. Manche sind sicherlich sehr nett und es ist angenehm, mit ihnen zu arbeiten. Aber manche sind schlicht flüssiger als Wasser, nämlich überflüssig.
Natürlich kann man das nicht pauschalisieren und oftmals ist es wohl auch so, dass man als Kunde auch selber dem einen oder anderen Dienstleister unangenehm auffällt. Meistens sind es einfach kleine Gedankenlosigkeiten, vermeintlich unglaublich komische Sprüche oder Scherze. Nur leider kann man das nicht mit jedem machen. Manchmal sind es allerdings handfeste Unhöflichkeiten nach dem Motto: „Ich Kunde, du Service Fuzzie!“ Leider hören viele Kunden immer nur „Der Kunde ist König!“ und meinen damit, sich verhalten zu dürfen wie sie wollen. Dass sich aber auch Könige einem gewissen Niveau bedienen, scheint gerne übersehen zu werden.
Die Beispiele für solche Gedankenlosigkeiten sind schier endlos und finden sich in absolut jeder Sparte der Dienstleistungsunternehmen. Ob Lehrer von Eltern angegangen werden, die grundsätzlich alles besser wissen, die Servicekraft in einem Restaurant, die im besten Fall als Seelsorger herhalten muss, im schlechtesten Fall als Fußabtreter benutzt wird; Ärzte die sich mit Patienten herumschlagen müssen, die sie nur aufsuchen, weil sie selber nicht in der Lage sind sich Rezepte auszustellen oder die Verkäuferin im Supermarkt, der man weder die Tageszeit sagen noch ihr für eine Auskunft danken kann.
„Normal halt!“ ist eine Aussage, über die absolut kein Mitarbeiter im Dienstleistungsbereich glücklich ist. „Normal“ ist reine Definitionssache und was für mich selber normal ist, muss es für meinen Gegenüber noch lange nicht sein. Klar formulierte Fragen und Bestellungen kommen in der Regel gut an und werden auch so aufgenommen.
Ulrike Sterblich zeigt an Hand vieler unterschiedlicher Beispiele und Personen diverse Möglichkeiten, wie ein Kunde zum absoluten Albtraum eines jeden Dienstleisters werden kann. Sie gibt sich Mühe, vieles mit einem Augenzwinkern zu erzählen und stellt manche Begebenheiten bewusst überspitzt dar. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass man auch sich selber ganz schnell in der Rolle des nervenden Kunden wieder findet.
Wer dieses Buch liest, sollte es mit Humor nehmen. Auf beiden Seiten der Dienstleistungsgrenze. Ohne die Kunden hätten die Verkäufer von was auch immer nichts zu tun, und ohne die Verkäufer gäbe es nichts, was man als Kunde kaufen kann. Wenn man sich einfach vor Augen hält, sein Gegenüber so zu behandeln, wie man selber gerne behandelt werden möchte, sollte diese Symbiose durchaus möglich sein.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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