Komm zurück, Como – Steven Winn
Verlag: Page & Turner
ISBN: 978-3-442-20365-9
Seiten: 320
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 17,99
ET: 10.2010
Wow! Wau! Dieser freche Terrier erobert jedes Herz!
Steven Winn und seine Frau Sally versuchen vergeblich, ihrer kleinen Tochter Phoebe ihren sehnlichen Wunsch nach einem Hund auszureden – und bringen eines Tages den kleinen Terriermischling Como mit nach Hause. Como sieht allerliebst aus, aber er entpuppt sich schon bald als frechster Hund Kaliforniens.
Das weiß Steven Winn spätestens seit jenem sonnigen Septembermorgen, als Como von zu Hause ausbüxt und sich kopfüber in den Rushhour-Verkehr stürzt. Aber wie unmöglich er sich auch benimmt, niemand kann Como böse sein, der schnell zum Mittelpunkt der Familie und vor allem zum besten Freund Phoebes wird. Denn mit den Hunden ist es wie mit den Menschen: Echte Charaktere machen das Leben zwar nicht leichter, dafür aber um so reicher.
Meine Rezension
Ich lese gerne mal eine Geschichte, in denen Tiere die Hauptrolle spielen. Dabei ist es mir eigentlich egal, ob es Hunde, Katzen, Vögel, Pferde, Löwen oder Elefanten sind. Mir geht es nur darum, dass es Geschichten sind, aus denen Menschen lernen, dass auch Tiere Gefühle haben und Lebewesen sind, die man Respektvoll behandeln sollte. Egal wie sie aussehen. Egal welche „Macken“ sie haben. Sie sind nicht Grundlos so und oftmals haben gerade Tierheim-Tiere Wunden und Narben, die sich nicht so offensichtlich auf den ersten Blick zeigen. Manche sind schwierig, andere launisch. Die einen haben vielleicht Probleme mit Männern, die anderen mit Frauen oder Kindern und die nächsten können keine anderen Tiere neben sich ertragen…
Bei Como ist es ähnlich, er ist ein kleiner Terriermischling aus dem Tierheim und ein ziemlich pfiffiges Kerlchen noch dazu. Der lässt sich so schnell kein X für ein U vormachen und hat ziemlich schnell herausgefunden, dass das neue „Herrchen“ eine ziemliche Pfeife ist. Während Como mit der Tochter des Hauses, Phoebe, ganz gut zurecht kommt und auch mit Sally (Stevens Ehefrau) keine nennenswerten größeren Probleme hat, macht er sich einen Spaß daraus, Steven beständig beschäftigt zu halten. Irgendein Blödsinn fällt dem kleinen Kerl immer ein, und wenn es einfaches „Taubstellen“ ist.
Was sich im ersten Moment nach einer lustigen Geschichte anhört (und es mit Sicherheit auch ist, wenn man die ganze Sache nicht zu Bierernst nehmen möchte), entpuppt sich auf den zweiten Blick dann als ein mehr oder weniger schwieriges Problem. Es fällt einem als Leser nämlich relativ leicht, sich lächelnd in seinem Sessel zurück zu lehnen und feixend eine Seite nach der anderen umzublättern und sich diebisch über die Probleme der Familie Winn zu freuen. Man überlegt sich, mal flott ins heimische Tierheim zu fahren und sich einen netten kleinen Hund zuzulegen. Schlimmeres als das was den Winns mit Como widerfährt, kann einem selber dann wohl auch nicht passieren.
Das aber Como bei einem seiner „Ich-stelle-mich-taub-und-lasse-mich-von-Herrchen-um-den-Block-jagen“ Touren schwer verletzt wird, weil er von einem Auto angefahren wird, ist schnell übersehen. Como überlebt dieses Abenteuer – aber das muß nicht bei allen Hunden so sein. Und damit kommen wir zu dem Punkt, wo mir dieses Buch nicht mehr einfach nur gefallen hat.
Es hat mich nachdenklich gemacht. Steven Winn kann schreiben. Schreiben ist sein Beruf, auch wenn es normalerweise kein Romane sind, sondern Artikel für eine Zeitung. Trotzdem fällt auf, WIE die Winns an ihren Hund kommen. Er wird ausgesucht wie ein Paar Schuhe. Natürlich ist es löblich, wenn sich Menschen schon im Vorfeld Gedanken darüber machen, was sie für einen Hund haben wollen. Doch sollten dabei eher Charakter und Größe eine Rolle spielen denn Fellfarbe oder Fellbeschaffenheit. Und man sollte sich auch im Vorfeld darüber klar sein, dass es zwar eine noble Geste ist, ein Tier aus dem Tierheim zu holen, statt es vermeindlich gedankenlos beim Züchter zu kaufen, aber man sollte sich ebenso Gedanken darüber machen, dass Tiere aus dem Tierheim unter Umständen „Macken“ im Verhalten aufweisen, die Tiere vom Züchter nicht hätten. Denen bleibt in den meisten Fällen nämlich das Trauma von „abgeschoben werden“ und „schlechte Erfahrung“ erspart.
Umso frustrierender war es für mich, als ich lesen musste, dass Steven Winn tatsächlich mit dem Gedanken an ein „30 Tage Rückgaberecht“ spielte, als es mit dem neuen Familienmitglied schwierig wurde.
Leider wird immer wieder deutlich, dass auch in diesem Buch das Tier eher als eine Sache angesehen wird die funktionieren muss, denn als Lebewesen mit Bedürfnissen. Mit Konsequenz und Erziehung hätte man bei Como sicherlich mehr erreichen können als mit wilden Verfolgungsjagden, auch wenn letztere einen vermeintlich größeren Unterhaltungswert haben.
Unterm Strich gesehen ist „Komm zurück, Como!“ zwar ein Buch mit enormen Unterhaltungswert, aber nur dann, wenn man die Dinge sehr oberflächlich betrachten möchte. Wer ein bisschen kritischer und genauer liest, stellt schnell fest, dass Winn die Aufgaben, die Como ihm stellt, immer wieder verhaut.
Vom reinen Unterhaltungswert her hätte diese Buch locker vier Punkte verdient. Mir reicht in solchen Fällen aber Unterhaltung alleine nicht aus. Mir ist der verantwortungsbewußte Umgang mit den vierbeinigen Familienmitgliedern wichtig, und der bleibt in diesem Buch immer wieder auf der Strecke.
Meine Bewertung
Vielen Dank an den Page & Turner Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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