Kleinstadtghetto Ballade – Oliver Becker
Verlag: Plöttner Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3862110049
Seiten: 170
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 13,90
ET: 10.2010
Eine literarisch mutig umgesetzte Geschichte einer Affäre zwischen einem Schüler und seiner Lehrerin. Diese ungleiche Liebesbeziehung bringt eine Wende in den desolaten Alltag des jungen Mannes, er hat wieder den Willen weiterzumachen. Doch die Lehrerin beendet die Affäre und der Schüler, ohnehin ein Außenseiter, stürzt in eine tiefe Krise, die ihn letztlich gänzlich aus der Bahn wirft.
Sein Versuch aus seiner Rolle als Außenseiter in der miefig-erdrückenden Kleinstadt auszubrechen muss letztendlich scheitern.
Meine Rezension
Auerbach lebt mit seiner Mutter am Rande der Gesellschaft und wird von seinen Mitschülern gemobbt.
Es ist kein schönes, es ist aber vor allem kein würdevolles Leben, dass der Schüler führen muss.
Bis seine Lehrerin in sein Leben tritt und alles anders wird….
So oder so ähnlich lässt sich das neue Buch von Oliver Becker, Kleinstadtghetto Ballade, beschreiben.
Klingt nach etwas, dass es schon gegeben hat? Ja, das kann sein und auch wieder nicht, denn das was der Autor hier auf gerade mal 170 Seiten verpackt hat es wirklich in sich.
Und ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll….
Erstmal ist dort diese düstere, schwere Atmosphäre, die der Autor von der ersten Zeile an erschafft. Diese Hoffnungs- und Perpektivenlosigkeit sind von Anfang an greifbar und legen sich dem Leser wie eine zu schwere Wolldecke auf’s Gemüt.
Erst als der junge Schüler ein Verhältnis mit seiner Lehrerin beginnt und er selbst beginnt, wieder an sich und an das Leben zu glauben, wird auch die Atmosphäre leichter. Und dennoch lauert im Hintergrund immer noch etwas Unbestimmtes, das jeden Moment droht, wieder hervorzubrechen und alles mit sich zu reißen.
Neben der Atmosphäre ist es die Sprache, die mich begeistert hat. Auf der einen Seite ist sie sachlich und distanziert und hilft dem Leser in erster Linie in eine beobachtende Haltung zu finden, aber gleichzeitig steckt in ihr viel Gefühl. Es sind diese Gegensätze, die diese Geschichte zu etwas Besonderem machen.
Auch das Cover sei positiv erwähnt. Auf den ersten Blick mag dieses unruhig wirken. Es drückt jedoch in Kombination mit dem Titel bereits sehr gut aus, was der Leser in diesem Buch findet: Liebe, Chaos und Kraft.
Vielleicht interpretiere ich an dieser Stelle ein wenig zu viel in das Buch hinein, aber für mich beschreibt es nicht nur eine Liebesgeschichte, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Oliver Becker beschreibt schnörkellos und ehrlich, dass es Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die an deren Rand leben. Menschen, die wir nicht beachten oder, noch schlimmer, verachten. Für mich ist dieses Buch auch ein Appell, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir mit unseren Mitmenschen, und vor allem jenen, denen es nicht so gut geht, umgehen, ohne dabei den Zeigefinger zu heben.
Für mich ist dieses Buch wirklich etwas außergewöhnliches und ich wünsche ihm viele, viele ebenso begeisterte Leser!
Vielen Dank an Oliver Becker für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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