Frühstück mit Proust – Frédérique Deghelt
Verlag: Rütten & Loening
ISBN: 978-3-3520-0792-7
Seiten: 286
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 16,95
ET: 09.2010
Das Schicksal führt die achtzigjährige Mamoune und ihre umtriebige junge Enkelin Jade unter einem Pariser Dach zusammen. In ihrer merkwürdigen Zweier-WG lernen Großmutter und Enkelin sich neu kennen. So entdeckt Jade, die am liebsten Schriftstellerin wäre, eines Tages, wie ihre scheinbar ungebildete Großmutter heimlich hochliterarische Bücher verschlingt – über die gemeinsame Leidenschaft fürs Lesen kommen sich die beiden Frauen immer näher.
Meine Rezension
Wenn Menschen älter werden, werden sie häufig in ein Altersheim geschickt. Entweder, weil die Familie keinen Platz hat oder aber, weil der lästige Angehörige, der immer mehr Hilfe braucht abgeschoben werden soll…
Ein ganz ähnliches Schicksal droht Mamoune nach einem Schwächeanfall: Ihre Töchter wollen sie in ein Hospiz geben.
Doch ihre Enkelin Jade holt ihre Mamoune aus dem kleinen Dorf in die Großstadt Paris. Dort lernen sich Großmutter und Enkelin ganz neu kennen.
Der Roman „Frühstück mit Proust“ von Frédérique Deghelt greift ein Thema auf, dass in unserer Gesellschaft immer wichtiger wird: Wie wollen wir mit unseren älteren Mitbürgern umgehen? Welche Rolle wollen wir ihnen in der Gesellschaft zuweisen? Wirklich nur die der Störfaktoren, die in ein Heim abgeschoben werden müssen?
An dem Beispiel von Mamoune und ihrer Enkelin Jade zeigt die Autorin, dass es auch anders gehen kann: Die beiden Frauen beginnen ein neues, gemeinsames Leben in dem es zu Beginn natürlich ein paar Schwierigkeiten gibt. Allerdings gelingt es den beiden durch gemeinsame Gespräche diese aus dem weg zu räumen.
Es ist herrlich zu sehen, wie die beiden sich annähern und eine Gemeinschaft werden und ihr Leben zusammen meistern.
Einziger Wermutstropfen: Mir hat stellenweise die Umsetzung dieser durchaus herrlichen Idee nicht gefallen.
Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht Jades als auch aus der der Großmutter erzählt. Dies ist auf der einen Seite schon vorteilhaft, da man die Gedanken und Gefühle beider Parteien kennenlernt, aber: Die Autorin wiederholt sich gerade bei den Gedanken von Mamoune sehr häufig. Die alte Dame hat immer wieder die Sorge, dass sie ihrer Enkelin zur Last fällt und das, obwohl sie doch unbedingt nützlich für ihre Enkelin sein möchte.
Ich hatte ständig irgendwie das Gefühl, dass sich gewisse Gedankengänge wiederholen und man nicht vom Fleck kommt.
Das führte dazu, dass ich das Buch erst sogar eher langweilig fand und ein wenig enttäuscht war.
Aber „Frühstück mit Proust“ ist ein Buch, dass erst wirkt, wenn man es zu Ende gelesen hat und eine Kleinigkeit im Prolog erfährt. Diese Kleinigkeit, die ich hier nicht verraten möchte, verhilft einem zu einer ganz anderen Ansicht und sorgt dafür, dass das Buch einen wirklich zum Nachdenken anregt.
Fazit
„Frühstück mit Proust“ ist sicherlich ein Buch, dass von der Umsetzung her nicht hundertprozentig überzeugen kann, aber die Idee, die hinter diesen Seiten steckt ist aktuell und lesenswert. Daher lohnt sich ein Blick in dieses Buch!
![]()
Vielen Dank an Rütten & Loening für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Verwandte Artikel:
- Der Besucher – Sarah Waters
- Komm zurück, Como – Steven Winn
- In fremden Räumen – Damon Galgut
- Ich habe sie geliebt – Anna Gavalda
- Die merkwürdigen Fälle des Dr. Irabu – Hideo Okuda









