Eine verlässliche Frau – Robert Goolrick
Verlag: btb | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-442-75272-0
Seiten: 352
Ausgabe: Hardcover
Preis: 19,99 €
ET: 09.2010
In den harten Wintern Wisconsins, wo das Land für ein halbes Jahr unter einer Schneedecke verborgen liegt, türmen sich in den Wintermonaten Verbitterung und Wahnsinn.
Mütter erhängen sich vor den Augen ihrer Kinder.
Männer erschlagen ihre Töchter.
Söhne ertränken ihre Väter im eisigen Wasser eines Brunnen vor ihrem Haus.
Das sind Dinge, die passieren eben…
Auf den Beerdigungen dieser Toten ist steht’s ein Mann anzutreffen: Ralph Truitt.
Ein Mann mittleren Alters, der es durch das Erbe seines Vaters und durch seinen eigenen Fleiß zu großem Reichtum gebracht hat.
Jeder in der Stadt hat, direkt oder auch indirekt, mit Ralph Truitt zu tun. Entweder arbeitete man führ ihn, empfing Spenden oder kannte zumindest seine tragische Geschichte.
Die Geschichte seines Scheiterns, seiner Frau die reich aber elendig ihrem Tode zusteuerte und sein Sohn, der sich in jungen Jahren schon von ihm abgewannt hatte und nichts mehr hören und sehen wollte von ihm.
Gegen keine dieser Geschichten konnte Truitt etwas tun, keine kann er mehr ändern außer jener einen. Der Geschichte seiner Einsamkeit.
Abgesehen von seinen beiden Bediensteten, lebt er seit Jahren schon alleine in seinem bescheidenen Anwesen, ein Umstand den er für änderungswürdig hält und eine schlichte Heiratsannonce in eine Zeitung setzt in der er einfach -eine verlässliche Frau- sucht.
Seiner Situierung entsprechend melden sich natürlich viele Frauen, die sich eine Ehe mit einem völlig unbekannten, aber sehr reichen Mann, durchaus vorstellen könnten. Aber Ralphs Blick fällt auf das Bild einer nicht wirklich hübschen, schon etwas älteren, Frau die ihm versicherte -einfach und ehrlich- zu sein. Ihr Name war Catherine Land.
Nun steht er am Bahnhof, von allen Leuten angegafft, auf den Zug wartend in dem die von ihm gewählte Frau saß. Eine Frau die er sich kommen lässt wie ein bestelltes Möbel aus der großen Stadt. Eine völlig Unbekannte, die er gar nicht lieben will, die ihm nur die Einsamkeit vertreiben soll…
…eine Unbekannte die ihm helfen soll, einen schwierigen Plan auszuführen. Daß schaffen soll, was ihm all die Jahre über versagt geblieben ist. Seinen Sohn, seinen Erben, wieder nach Hause zu holen.
Da Catherine jedoch nicht die ist, die sie zu sein vorgibt, ahnt Ralph nicht, dass ihre Beziehung auf einer Lüge aufbaut. Einer Lüge die nur ein Teil von Catherines perfiden Plan ist diesen eisigen Flecken Erde, im Jahr 1907, als reiche Witwe wieder zu verlassen.
Auch das sind Dinge die eben passieren…
Der doch schon etwas in die Jahre gekommene Schriftsteller Robert Goolrick legt mit Eine verlässliche Frau seinen bereits zweiten Roman vor, und damit den ersten, der es auch in eine deutsche Übersetzung geschafft hat.
“Was für ein Glücksfall!”, möchte man fast nach dem zuschlagen des Buches ausrufen. Und das auch noch im Land der Dichter und Denker. Wirkt doch Goolricks Erzählung wie der Versuch eines Cormac McCarthys Friedrich Schiller zu interpretieren. Eine urklassische Geschichte über Rache, Hass, Intrigen, Liebe, Sex und natürlich den Tod. Alles gehalten von einem Rahmen einer eisigen Landschaft im Winter des Jahres 1907.
Goolricks Erzählstil ist wie die Illusion einer frostigen, vom Vollmond erhellten Winternacht, in deren Kälte man den Eindruck hat alles gestochen scharf zu sehen. Wo das Land still unter einer alles verschlingenden Schneedecke liegt und man im knirschenden Schnee einen Schritt nach dem anderen macht…ein Satz reiht sich an den nächsten. Aber Vorsicht. Genau so wie man unter dem ebenmäßigen Schnee keine Untiefen ausmachen kann und es uns steht’s Überraschung abnötigt, wenn wir weiter als üblich im Schnee versinken, so sind auch die Untiefen im Roman gut verborgen und werden erst sichtbar wenn man schon hinein getreten ist.
Der Autor schreibt knapp und nur das Nötigste, er verschwendet keine Worte die ihn nicht ans Ziel führen. Wodurch er auf den ersten Blick etwas unterkühlt und distanziert wirkt. Aber gerade jenes, im Zusammenspiel mit der Kulisse ewig scheinenden Winters, wirkt dadurch sehr homogen.
Er versteht es so etwas wie Spannung einzubringen, obwohl das Buch alles andere ist als ein Krimi oder Thriller. Das führt dazu das man sich dem Sog nicht entziehen kann, der sich mit dem Fortschreiten der Geschichte, bis zu ihrem tragischen Ende hin, zunehmend aufbaut.
Einzig mag man sich vielleicht an den, sporadisch auftretenden, dezent expliziten Beschreibungen seiner lüsternen Fantasien stören. Die meist durch seine, Ralphs, Entbehrungen sexueller Kontakte herrühren aber nie wirklich in eine pornographische Ecke abgleiten.
Der Roman ist ein dunkles Kammernspiel zwischen Schein und Sein. Eine Geschichte um Vertrauen, Hass und Liebe zwischen drei Menschen die scheinbar zufällig aufeinander treffen. Goolrick überzeugt dabei als wacher Beobachter und ausgezeichneter Architekt kleiner Dramen…Dingen die eben passieren.
Eine Empfehlung.
Vielen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Nein es wundert mich nicht das Du das Buch vorstellst und gut findest^^ bei mir steht es nämlich auf der Wunschliste ziemlich weit oben *g* Ich bin gespannt ob es mir auch gefallen wird, bin aber momentan ziemlich sicher^^
Hallo Daniel,
mir gefällt Ihre Rezension sehr gut.
Auch ich konnte die Geschichte nicht aus der Hand legen.
Aber fehlt bei allen Rezensionen, die ich gelesen habe, nicht die Erwähnung der Figur der Alice? Die Schwester, die das Leben führt, das Cathrine ebenfalls hätte passieren können? Oder interpretiere ich das falsch und der Autor meint es so, wie er auch schreibt, nämlich, dass Alice einfach zu dumm und zu gefallsüchtig ist, um die Chancen zu nutzen, die Cathrine ihr bietet?
Einen guten Start in das neue Jahr wünscht Ronni.