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Die merkwürdigen Fälle des Dr. Irabu – Hideo Okuda

Verlag: btb
ISBN: 987-3-442-74060-4
Seiten: 256
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 08.2010

Neue Geschichten vom japanischen Kult-Psychiater Dr. Irabu

Der Chef einer großen Tageszeitung und Besitzer einer eigenen Baseballmannschaft, der Angst vor der Dunkelheit hat. Ein äußerst erfolgreicher Geschäftsmann der IT-Branche, dem plötzlich die einfachsten Wörter nicht mehr einfallen. Eine berühmte Schauspielerin, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere panische Angst vor dem Alter bekommt. Und ein Tokioter Verwaltungsbeamter, der in die Provinz versetzt und unvermittelt mit den rauhen Sitten seines Landes konfrontiert wird. Sie alle suchen Hilfe bei Dr. Irabu, dem eigenwilligen Psychiater. Und siehe da – seine unkonventionellen Behandlungsmethoden zeigen Wirkung!

Meine Rezension

Der Titel könnte durchaus zu einem Krimi gehören, doch weit gefehlt. Hier geht es um die Fälle eines Neurologen, der aber irgendwie auch eine Art Psychologe ist. Er ist 40 Jahre alt und nennt den Besitzer der Klinik in der er arbeitet Vati… er hat einen schrägen Humor und ist schon als Figur schräg genug um ihn irgendwie zu mögen. – Aber aufgepasst, irgendwie kann er einem auch schnell auf den Keks gehen!  Er hat eine eigene Krankenschwester, die in einer Punkband spielt und immer ein wenig gelangweilt wirkt. Ich finde aber, sie passt total zu Dr. Irabu und bremst auch so manche Situation aus, in dem sie ihr ein Teil der Lächerlichkeit nimmt. (Was ab und an für die Handlung ganz gut ist, sonst wird es ein bissl zu viel des Guten.) Das Buch ist kein zusammenhängender Roman, sondern besteht aus 4 Geschichten. Jede dieser Geschichten ist einem Patienten gewidmet. Deshalb werde ich auch zu jeder Geschichte einen eigenen Kommentar abgeben und dann ein Fazit ziehen.

Der Clubbesitzer
Um ehrlich zu sein, zu Beginn hatte ich das Gefühl, Dr. Irabu hatte nicht mehr alle Tassen im Schrank. Erst scheint als würde er sich über seine Patienten, den Besitzer einer Zeitung, lustig machen, ihn weder ernst nehmen noch respektieren. Irabu ist wirklich eine Persönlichkeit für sich. Aber dennoch gelingt es ihm, seinen Patienten zu überzeugen, wenn auch auf einigen Umwegen. Der Clubesitzer heißt aber deshalb so, weil dieser Zeitungsbesitzer einen eigenen Baseballclub hat. In plagt die Angst vor der Dunkelheit, der er sich aber zunächst nicht stellen möchte.
Mir hat die Geschichte vor allem deshalb gefallen, weil die Ängste die der Clubbesitzer hat, nicht so weit hergeholt sind und der Autor mit der Lösung am Ende einen schönen Ausblick für die Zukunft der Figur gibt und ihr die Möglichkeit lässt, auch im Alter den Sinn des Lebens nicht verloren zu haben. Mag sein, dass in der Realität viele Menschen – gerade auch Workaholics – nicht rechtzeitig die Notbremse ziehen. Zudem kann ich mir gut vorstellen, dass Dr. Irabu mit seiner Krankenschwester anstößt, dass er einmal mehr recht hatte!

Anpomann
Taokaki Anpon ist Schriftsteller aber eigentlich ist er ein junger Selfmademillionär aus der IT Branche. Als er beginnt einfachste Dinge zu vergessen (zum Beispiel Schriftzeichen), muss er sich Hilfe bei Dr. Irabu suchen.
Für diese Geschichte würde es wohl durchaus ein wenig helfen, selbst Japaner zu sein oder sich ein wenig mit den Kanji aus zu kennen. Andererseits kann man sich schon auch vorstellen, was es bedeutet, einfach zu vergessen wie ein bestimmter Buchstabe aussieht. Wobei Japanische Schriftzeichen ja schon sehr viel komplizierter sind.
Hier fand ich es spannend, die Gründe für die Krankheit des jungen Mannes zu erfahren. Sind wir durch den Gebrauch von Computern zu rational geworden? Ist das Schreiben mit der Hand nicht ein Ausdruck von Persönlichkeit und Kultur? Vielleicht in Japan sogar noch stärker als in Europa?
Das sind die Fragen, die der Autor hier anschneidet. Vielleicht nicht unbedingt neu aber durchaus schön umgesetzt.
Ich wurde hier mit Dr. Irabu doch noch warm. Dieses Mal, weil er seine fiese Ader durchscheinen lässt, so was gefällt mir an passenden Stellen immer mal wieder ganz gut.  Irgendwie hat er immer sehr merkwürdige Methoden seine Patienten zu “heilen”. Statt sie auf die Couch zu legen, bringt er sie in unmögliche Situationen und reist ihnen auch schonmal hinterher.  Ich würde ja fast sagen er stalkt…

Die Prominente
Hier greift der Autor ehrlich gesagt zu so manchem Klischee… Eine alternde Schauspielerin, die sich große Gedanken um ihr Gewicht und das Altern macht, spielt hier die Hauptfigur. Sie hat ein sehr merkwürdiges Verhältnis zu Essen, Fett und sportlicher Betätigung. Sobald sie auch nur ein Gramm zu viel gegessen hat, holt sie ihr Sportgerät aus dem Kofferraum und treibt heimlich extremen Sport, niemand darf davon erfahren, alle sollen glauben, ihr Gewicht sei ganz natürlich und sie würde nichts dafür tun, um es zu halten. Aber sie selbst leidet nur an Schlafstörungen, dessen ist sie sich sicher. Auch hier soll Dr. Irabu Abhilfe schaffen. Dieses Mal geschieht das Ganze auf noch verrücktere Art als in den beiden vorangegangenen Geschichten. Er selbst hält sich beim Essen auf einer Party dann kaum noch zurück . Hier hat aber auch die Krankenschwester Mayumi – die Assistentin von Dr. Irabu- eine etwas aktivere Rolle. Sie spielt ja in einer Punkband und hat ihre ganz eigenen Gedanken über die Schauspielerin und deren Assistentin, einer Bandkollegin von ihr.
Die Prominente fand ich sofern recht lebensnah, da irgendwie jede Frau irgendwannmal ein bissl Probleme mit ihrem Gewicht hat und es dann bei der ein oder anderen auch ganz schön ausarten kann. Andererseits, ob Irabu ihr wirklich geholfen hat bleibt in diesem Fall offen.

Bürgermeisterwahl
Diese letzte Geschichte gefiel mir dann überhaupt nicht. Da sie auch die längste ist, beeinflusst das meine Endbewertung natürlich massiv.
Irgendwie ist Irabu hier zum Teil nicht mehr nachvollziehbar und absolut nicht ernst zu nehmen. Er kommt mit seinem Verhalten nur noch negativ rüber und man fragt sich, was der Autor mit der Geschichte eigentlich bezwecken wollte.
Wie der Titel schon sagt, geht es um eine Bürgermeisterwahl, auf einer kleinen Insel in einem Bezirk der eigentlich noch zu Tokyo gehört. Irgendwie herrschen hier aber dennoch ganz eigene Regeln. Zwei Familien bekämpfen sich wie zu jeder Wahl und hoffen, jeweils den Sieg zu erringen. Dabei schrecken sie vor keiner Methode zurück, um für ihren Kandidaten Stimmen an Land zu ziehen. Im Normalfall geschieht das jedesmal durch Stimmenkauf. Die Hauptfigur wird auf die Insel versetzt und findet sich plötzlich zwischen den Fronten wieder, er arbeitet in der Stadtverwaltung und beide Seiten wollen ihn bestechen. Überfordert wendet er sich an den neuen Dr. der für ein paar Wochen auf der Insel stationiert ist…
Wir ahnen schon das es Dr. Irabu ist…
Die Geschichte selbst ist so absurd, dass ich an manchen Stellen eigentlich keine Lust mehr hatte weiter zu lesen. Zu dem ist sie zu lang geraten, an einigen Stellen hat man das Gefühl sie hört nie wieder auf. Die Rolle Irabus in diesem Fall ist mehr als fraglich. Irgendwie ist auch das Ende nicht sehr überzeugend, auch wenn man einmal mehr sieht, warum er sich wie verhalten hat. Aber alles in allem: die Geschichte hätte straffer sein müssen, um mich überzeugen zu können!

Mein Fazit

Die Geschichten sind bis auf die Letzte nicht all zu lang, 40-60 Seiten, also ideal für eine kürzere Zug oder Straßenbahnfahrt, oder für die Wartezeit beim Arzt (was ja irgendwie Stil hätte). Gemeinsam haben alle Geschichten Figuren, die in ihrem eigenen Leben nicht mehr klar kommen und typische Gesellschaftsprobleme haben. Zudem sind es alle Menschen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Dr. Irabu zeigt allen Wege auf um eine andere Richtung einzuschlagen. Ein weiteres Plus ist, dass die Geschichten völlig unabhängig von einander gelesen werden können. Das würde ich sogar raten, da Dr. Irabu eine Figur ist, die einem schnell auf die Nerven gehen kann. Eine Geschichte und dann eine lange Pause ist die richtige Dosis, um sich das Ganze nicht zu verderben! Das Ganze lässt sich locker leicht lesen, leider konnte mich die letzte Geschichte – wie erwähnt – überhaupt nicht überzeugen. Ansonsten ist “Die seltsamen Fälle des Dr. Irabu” durchaus skurrile Unterhaltung – mehr aber auch nicht!

Meine Bewertung

Vielen Dank an den BtB Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


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Letztes Update: 18. September 2011

Autor des Artikels

Carolin N. Kiener
Rezensentin

Ich bin im Grunde in allen Genres zu Hause, bei Science Fiction und Fantasy bin ich allerdings sehr wählerisch und da kommt mir dann auch längst nicht alles ins Regal.

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