Der Besucher – Sarah Waters
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3431038309
Seiten: 571
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 05.2011
Hundreds Hall, ein majestätisches Anwesen im ländlichen England. Hier wohnt die verwitwete Mrs. Ayres mit ihren erwachsenen Kindern Caroline und Roderick. Als der Landarzt Dr. Faraday wegen eines Notfalls herbeigerufen wird, ist er wie gebannt von der geheimnisvollen Atmosphäre des Hauses. Schon bald erfährt er, dass in Hundreds Hall merkwürdige Dinge geschehen: Möbelstücke, die ein Eigenleben führen, kryptische Zeichen, die plötzlich an den Wänden auftauchen, bedrohliche Geräusche, die unerklärbar scheinen.
Dr. Faraday begegnet der wachsenden Panik der Familie zunächst mit Ruhe und Beschwichtigung. Doch das Schicksal der Ayres nimmt unaufhaltsam seinen Lauf – und ist enger mit seinem eigenen verwoben, als er ahnt …
Meine Rezension
Der zweite Weltkrieg ist noch nicht lange vorüber, als Dr. Faraday das Herrenhaus Hundreds Hall betritt, weil man ihn wegen eines Notfalls gerufen hat.
Das alte Herrenhaus, dass der Arzt bereits aus Kindertagen kennt, hat leider einiges von seinem alten Glanz verloren. Überall lauert der Verfall.
Der Arztbesuch an diesem Sonntag soll nicht Dr. Faradays letzter Besuch auf Hundreds sein, denn schon bald geht er nicht nur als neuer Hausarzt der Familie Ayres dort ein und aus, sondern auch als Freund der Familie. Und als solcher wächst Dr. Faradays Besorgnis von Tag zu Tag, denn mit jedem verstreichenden Tag scheint nicht nur das Haus zu verfallen, sondern auch die Gesundheit aller Familienmitglieder. Wobei Dr. Faraday nicht sicher zu sagen weiß, ob alle Ayres dem Wahnsinn anheim fallen, oder ob nicht doch eine geheimnisvolle Macht auf Hundreds lebt…
Es ist bereits 3 Jahre her, dass ich von Sarah Waters „Die Frauen von London“ gelesen habe und wirklich begeistert von dem Roman war. Daher habe ich mich auch schon richtig auf ihren neuesten Roman „Der Besucher“ gefreut.
Doch meine anfänglichen Erwartungen und Freude wurden erst einmal gedämpft und wichen einer leisen Enttäuschung.
Der Roman beginnt beschaulich und ruhig. Man bekommt so die Gelegenheit sich ein eigenes Bild aller Protagonisten und ihrer Lebenswelt zu machen. Doch danach könnte es mir der Handlung ja endlich voran gehen….Denkt man. Doch bis ungefähr Seite 130 tut sich nicht viel in dieser Hinsicht und die Handlung plätschert so vor sich hin.
Erst wenn man sich durch die ersten 130 gelesen hat, nimmt die Handlung endlich an Fahrt auf: Denn auf Hundreds Hall geschehen nun merkwürdige Dinge: Flecken tauchen an Wänden auf, man hört Klopfgeräusche hinter der Wand, Möbel bewegen sich wie von selbst…
Und ab hier wird es interessant. Man wartet als Leser nur darauf, was nun als nächstes in dem Herrenhaus passiert und was die Gründe für die merkwürdigen Vorfälle sein könnten. Man beobachtet die Familie, die die Vorfälle immer ernster nimmt und Dr. Faraday, der für alles immer eine „natürliche“ Erklärung hat. Man stellt sich immer wieder die Frage: Spukt in Hundreds Hall ein Geist oder bilden sich die Ayres alles nur ein?
Was mich an dem Roman sehr beeindruckt hat, war, dass die Autorin nicht nur sehr präzise und lebendig das verfallene Haus schildert und den Personenkreis, der dort ein und ausgeht, sondern gleichzeitig einen sehr guten Eindruck vom ländlichen Leben im Nachkriegsengland vermittelt. Die Autorin ist eine hervorragende Beobachterin und schafft es diese Beobachtungen zu den Beobachtungen des Lesers zu machen; es ist fast so, als sei mal selbst bei jedem Schritt der Familie Ayres auf Hundreds Hall dabei.
Einziges Manko des Romans sind meiner Meinung nach der lange Anlauf der Handlung und das Ende, welches ich unbefriedigend fand. Während die Handlung genug Platz hat, wirkt das Ende so, als wäre der Autorin plötzlich aufgefallen, dass sie nur noch 2 Seiten schreiben darf. Es wirkt gehetzt und nicht komplett. Das ist schade, weil es den guten Eindruck des Romans schmälert.
Insgesamt ist „Der Besucher“ ein solider Roman, der einen sehr gut unterhält. Insgesamt hatte ich mir jedoch mehr erwartet und hoffe auf den nächsten Roman der Autorin.
Meine Bewertung
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Vielen Dank dem Lübbe Verlag für die Bereitstellung des Rezensionexemplars!
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