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Die fernen Stunden – Kate Morton
Verlag: Diana Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3453290945
Seiten: 716
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 21, 99
ET: 12.2010
Es beginnt mit einem verloren geglaubten Brief. Ein halbes Jahrhundert hat er darauf gewartet, gelesen zu werden. Die Suche nach dem Absender führt die junge Edie nach Milderhurst Castle, wo seit Jahrzehnten die exzentrischen Blythe-Schwestern leben. Als Edie das verfallene Schloss betritt, beginnt sie zu ahnen, dass hinter den alten Mauern der Schlüssel zur rätselhaften Vergangenheit ihrer Mutter liegt.
London 1939: Als die ersten Bomben auf die Stadt fallen, befindet sich die zwölfjährige Meredith mit einer Gruppe evakuierter Kinder auf dem Weg nach Kent, wo sie Zuflucht bei einer fremden Familie findet. Staunend und eingeschüchtert zieht sie auf das herrschaftliche Milderhurt Castle, wo die siebzehnjährige Juniper mit ihren Zwillingsschwestern und ihrem Vater, dem bekannten Schriftsteller Raymond Blythe, lebt. Sie taucht ein in eine Welt der Geschichten und der Fantasie — bis etwas geschieht, das das Leben des Mädchens für immer verändert. Nie ist sie nach Milderhurst zurückgekehrt, doch das Auftauchen eines lange verschollenen Postsacks führt ihre Tochter Edie auf die Spur einer geheimnisvollen Vergangenheit. Innerhalb der düsteren Gemäuer kommt mehr ans Licht, als Edie sich je hätte vorstellen können. Damals geriet auch die Welt der jungen Juniper Blythe aus den Angeln, doch vielleicht ist es noch nicht zu spät, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu versöhnen.
Wieder erschafft Kate Morton eine Welt voller Zauber und Geheimnisse, die einen bis zur letzten Seite fesselt.
Meine Rezension
Manchmal nimmt das Leben merkwürdige Wendungen: 50 Jahre nach Ende des 2.Weltkrieges findet eine Tochter einen Sack alter Briefe auf dem Dachboden ihres verstorbenen Vaters. Dieser hat damals nach einer durch zechten Nacht die Briefe nicht ausgeliefert und so gelangen die Empfänger erst ein halbes Jahrhundert später in den Besitz ihrer Einladungen, Geburtstagskarten und Liebesbriefe.
Auch Edie Burchills Mutter ist Empfänger eines solches Briefes und mit dem Brief lernt Edie ihre Mutter erst kennen. Und mit ihr die Blytheschwestern, die immer noch auf Schoß Milderhurst leben….
Als ich die letzte Seite dieses 700 seitigen Schmökers aus der Hand gelegt hatte, hatte ich immer noch eine Gänsehaut. Kate Morton erzählt die Geschichte einer Familie, die in ihrer eigenen Welt lebt auf eine spannende, mysteriöse und schaurig schönen Weise.
Der Roman beginnt mit einem Brief, der 50 Jahre verschollen war. Mit diesem Brief tritt Edie Burchill eine Reise in die Vergangenheit ihrer Mutter, aber auch in die Vergangenheit einer interessanten und verschrobenen Familie an.
Diese Familie besteht zum Zeitpunkt, als Edie diese auf ihrem Schloss besucht, aus den drei Schwestern Blythe: Percy, Saffy und June. Alle drei sind nun betagte Damen und durch und durch verschroben und exzentrisch. Es ist nicht leicht mit ihnen auch nur eine normale Unterhaltung zu führen und man fragt sich wie Edie, warum die Drei so sind wie sie sind und was sie erlebt haben, dass sie sich auf ihrem Schloss verkriechen und sich in der Welt kaum blicken lassen.
Gemeinsam mit Edie geht man auf Spurensuche und taucht ein in eine andere Welt: ins England der vierziger Jahre.
Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil die Tage des zweiten Weltkrieges wieder auferstehen zu lassen und man meint beinah, dass man neben den Schwestern steht und die deutschen Bomber, die England bedrohen selbst hören kann. Kate Morton nimmt ihre Leser so mit auf eine Zeitreise und gewährt Einblicke in die Geheimnisse einer Familie.
Diese Geheimnisse legt die Autorin erst zum Schluss offen, sodass man als Leser selbst wie Edie rätseln kann und darf.
Bei all der Geheimniskrämerei kommen aber die Gefühle nicht zu kurz: Man liest von Wünschen, Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen. So werden vor allem die Schwestern lebendig und man hat am Ende des Romans ein wenig das Gefühl, sie zu kennen, mit ihnen ein Stück ihres Lebens zusammen gegangen zu sein.
Als ich das Buch zugeklappt habe, hatte ich sogar ein paar Tränen in den Augen. Nicht nur, dass die Geschichte etwas tragisches hat, ich musste mich auch von lieb gewonnen Figuren verabschieden und in meine eigene kleine Welt zurückkehren, die mir mit einem Mal etwas trostlos vorkam ohne die Geschwister Blythe.
Fazit: „Die fernen Stunden“ ist ein faszinierender Schmöker, der zum träumen einlädt und einen in eine anderen Welt entführt. Leser, die gerne Familiengeschichten lesen und verschrobenen Charakteren etwas abgewinnen können, werden das Buch lieben!
Meine Bewertung
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Das Geheimnis des Notizbuchs – Eva Haas
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-4536-0170-3
Seiten: 288
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,00
ET: 02.2011
Vier Frauen, ein Notizbuch und ein unglaubliches Familiengeheimnis
Deutschland 1934: Eve ist neun, als sie mit ihren Eltern von Berlin nach London emigriert. Sie glaubt, aus einer jüdischen Familie zu stammen. Als Eve – Jahre später – beschließt, ihrer Herkunft auf den Grund zu gehen, entdeckt sie jedoch eine ganz andere Geschichte: Ihr Ururgroßvater war Prinz August von Preußen, der seine Tochter zum Schutz vor Neidern als Kind seines jüdischen Schneiders ausgab. Diese Entscheidung, die Eves Urgroßmutter 1843 das Leben rettete, wird ihrer Großmutter – ein Jahrhundert später – zum Verhängnis…
Über die Autorin
Eve Haas wurde 1924 in Breslau geboren. 1934, ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, emigrierte sie mit ihrer Familie nach England. Schon früh begann sie, zu schreiben und als freie Autorin für Zeitschriften zu arbeiten. Sie war über 42 Jahre verheiratet und hat drei Söhne. Eve Haas lebt in Hampstead bei London.
Meine Rezension
Eve Haas hat sich dafür entschieden „Das Geheimnis des Notizbuchs“ in der Ich-Perspektive zu schreiben. Auf diese Weise gelang es ihr mich sofort in ihren Bann zu ziehen. Der Leser erlebt nun selbst ihre Suche nach der Vergangenheit ihrer Familie mit. Und genau wie Fr. Haas wurde auch ich in den Bann gezogen von Prinz August von Hohenzollern. Normalerweise lese ich ein Buch ohne zwischendurch das I-Net zu nutzen, hier aber musste ich doch gleich einmal googeln was es über diesen Hohenzollerprinzen so zu lesen gibt. (Es war sehr interessant).
Im Prolog erfährt der Leser gleich als erstes wie die damals noch junge Eve, an das Notizbuch geraten ist und genau wie Eve war ich sofort neugierig und wollte wissen was in diesem Buch steht und wer genau es verfasst hat. Erst Jahre später macht sich Fr. Haas auf den Weg das Geheimnis zu lüften. Gleichzeitig hat sie ihre Gedanken und Erlebnisse aufgeschrieben, und so kann der Leser nun den Weg den Eve gegangen ist Nachverfolgen. Ich selbst war beeindruckt von der Hartnäckigkeit mit der die Autorin vorgegangen ist. Letztendlich hat es Jahre gedauert bis sie alle Rätsel um ihre Vorfahren entschlüsselt hatte und das Puzzle ein ganzes ergab.
So erfährt der Leser sehr viel über das Leben von Fr. Haas und ihrer Familie. Die bedrückende Atmosphäre z.B. die Eve und ihren Mann umgab als sie zu Recherzwecke 1973 in die ehemalige DDR fuhren war zum greifen nah. In diesem Roman geht es nicht nur darum herauszufinden was es mit dem Notizbuch auf sich hat, es ist auch eine Reise durch die Vergangenheit Preußens und war sehr beeindruckend.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Buches ist Fr. Haas bereits 85 Jahre alt und hat ein großen Teil ihres Lebens damit verbracht, dass Geheimnis um dieses Notizbuch zu lüften.
Mein Fazit
„Das Geheimnis des Notizbuchs“ ist eine Reise in die Vergangenheit nicht nur von Eva Haas und ihrer Vorfahren sondern auch eine Reise durch die deutsche Geschichte. Ich war beeindruckt von diesem zeitgenössischen Bericht und kann es nur jedem ans Herz legen, der sich ein bisschen für historische Persönlichkeiten und Ereignisse interessiert.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Weltliteratur für Eilige – Henrik Lange
Und am Ende sind sie alle tot
Verlag: Knaur | Leseprobe
ISBN: 978-3-4267-8331-3
Seiten: 186
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 7,95
ET: 06.2010
Wer kennt das nicht: zu viele Bücher und zu wenig Zeit. Auch das eigene peinliche Schweigen, wenn der Gesprächspartner plötzlich Proust, Thomas Mann oder Tolkien erwähnt. Dieses einzigartige Buch für Vielleser und Lesemuffel setzt klug und geistreich 90 erfolgreiche Werke der Weltliteratur in Szene.
Meine Rezension
Neunzig Bücher der Weltliteratur auf den Punkt gebracht, Henrik Lange hat es geschafft.
“Mit Weltliteratur für Eilige. Am Ende sind sie alle tot” fasst der Autor diverse Bücher in jeweils vier Comicbildern zusammen, wovon ein Bild allein nur für den Titel herhalten muß.
Egal ob Science-Fiction, Thriller, Abenteuer, Historisch, Krimi, jedes Genre wurde bedacht und umgesetzt.
Ich habe einige Bücher selbst gelesen die Herr Lange bebildert hat (“Per Anhalter durch die Galaxis”, “Der Ruf der Wildnis”, “20.000 Meilen unter dem Meer”), von anderen Bücher wusste ich worum es geht (“Romeo und Julia”, “Ayla und der Clan des Bären”, “Robinson Crusoe”) und es gab auch Bücher von denen ich nie gehört habe (“Der Alchimist”, “Hunger”, “Wer die Nachtigall stört”), von daher konnte ich mir ein eigenes Bild machen wie gut oder schlecht die Zusammenfassung dieser Romane ist. Völlig klar ist es, dass einige wichtige Stellen aus den Bücher komplett unter den Tisch gefallen sind, aber der Roman wurde meistens auf den Punkt gebracht und man weiß in groben Zügen, um was es in dem Buch geht und wie es endet.
Außerdem hat es der Autor geschafft, eine dicke Portion Humor in Bild und Schrift mit einfließen zu lassen. So sorgen gerade oftmals die abschließenden Sätze seiner Buchinterpretationen für einen massiven Angriff auf die Lachmuskeln.
Den eigentlichen Roman ersetzen die Comics natürlich nicht und manche Bücher sind mir zu oberflächlich beschrieben. Mir unbekannte Werke haben sich in zwei Lager geteilt: Die einen habe ich schlichtweg nicht verstanden, bei den anderen schaffte es der Autor jedoch, mir zumindest den roten Faden der Handlung verständlich zu machen.
Die Comiczeichnungen stammen von Henrik Lange selbst, womit er künstlerisch gesehen keinen großen Preis gewinnen wird; aber die schwarz-weiß Comicstrips machen durchaus deutlich, worum es geht und erfüllen damit ihren Zweck.
Vorne im Buch befindet sich ein Inhaltsverzeichnis über alle Bücher die Henrik Lange umgesetzt hat. Vor jedem Titel befinden sich kleine Kästchen, die den Leser dazu einladen, die gelesenen Comics „abzuhaken“.
Abhaken ist hier wohl auch das Wort der Stunde. Der Titel „Weltliteratur für Eilige“ setzt ja schon fast voraus, dass der potentielle Leser diese neunzig Bücher schlicht hinter sich lassen, also abhaken, möchte.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Das Calderon Imperium – Léa Cohen
Verlag: Zsolnay | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-552-05490-5
Seiten: 384
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 21.50
ET: 02.2010
Anfang der 1940er Jahre kooperierte das bulgarische Zarrentum unter Boris dem III mit den Nationalsozialisten und beugte sich ebenfalls den neuen antijüdischen Gesetzen. Die Folgen waren nicht nur das jüdische Arbeitnehmer von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit und Wohnung verloren, auch jeder selbstständig geführte, jüdische, Betrieb musste per einer Frist von 4 Wochen den Nationalsozialisten übereignet werden. Das selbe Schicksal drohte auch Jules Calderon, Großindustrieller der im Besitz einer Tabakfabrik, einer Bank und einer Versicherungsanstalt war und Unmengen an Barvermögen angehäuft hatte. Nur jener alte Mann wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Mittels eines unglaublichen Planes und mit Hilfe seines Sohnes, seines Prokuristen und eines Anwalts schaffte er es sein gesamtes Vermögen außer Landes zu schaffen und alle Liegenschaften einem anonymen Konsortium zu überschreiben das seinen Sitz, weitab vom politischen Geschehen und untastbar, auf Zypern hatte.
Zurück blieben somit nicht nur leere Kassen sondern auch viele Fragen.
Allen voran jene warum sich der alte Calderon, nach Abwicklung des großen Coups, mit seiner Frau selbst das Leben genommen hat?
50 Jahre lang war es still um das Calderon Imperium geworden bis Eva, Tochter des damaligen Anwalts und Beteiligten, 1992 Besuch von einem alten Freund ihres Vaters bekommt, der ihr unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie sich aufmachen muss die, wie durch Zauberhand verschwundenen, Millionen wieder ausfindig zu machen.
Jene Aufgabe bewerkstelligt sie dadurch, dass sie mit den beiden anderen Töchtern, der damals beteiligten Männern, Kontakt aufnimmt.
Zugleich unternimmt die Schriftstellerin Léa Cohen hier eine Reise in die jeweiligen Biographien dieser Frauen. Sie erzählt vom Leben in einem sozialistischen Bulgarien. Erzählt von der Immigration zweier Frauen. Eine verschlägt es nach Israel und die andere in die Schweiz. Die dritte bleibt ihrer Heimat, sei sie noch so irreal und hässlich, treu.
Trotz der klaren Trennung der Biographien beginnen sich die Schicksale an manchen Eckpunkten zu überschneiden, was vor allem am vierten und letzten Teil des Buches liegt, wo sich viele Puzzleteile zusammenfinden und in dem der Lebensweg eines Mannes nachgezeichnet wird, der dem Calderon Millionen sein Leben lang auf der Spur war.
Was ich so in Erfahrung gebracht habe ist Das Calderon Imperium der Erstling der gebürtigen Bulgarin Léa Cohen. Und so liest sich das Buch auch.
Auf den ersten 80 Seiten spürt man doch eine gewisse Unsicherheit, was den eigenen Stil betrifft. Es werden, zum Teil, mit allgemeinen Aushilfsfloskeln einige stilistische Löcher gestopft was sich aber mit Fortschreiten des Buches gibt und erst auf den letzten 20 Seiten wieder auffällt.
Ein viel größerer Kritikpunkt ist der inhaltlich missratene Klappentext, der dem potenziellen Leser suggeriert, sich hier einen Thriller ins Regal zu holen, was so aber nicht stimmt. Es werden zwar die Millionen gejagt, aber dies macht gerade mal 20% des Buches aus. Im Vordergrund stehen dagegen die Lebensgeschichten der Frauen, die Cohen mit einem wirklich raffinierten Gespür für Details dem Leser näher bringt. Wie eine gute Köchin weiss die Autorin wie viel, oder wenig, sie ihre Geschichte an dieser oder jener Stelle mit Kleinigkeiten würzen muss.
Auch sehr gut hat mir die Tatsache gefallen dass, als Eva mit den anderen Frauen Kontakt aufnahm, mit einem mal die Seiten gewechselt wurden. Sonst wird ja in anderen Büchern immer mit einem dunklen Geist aus der Vergangenheit geworben der den oder die Protagonist/in wieder einholt und meist auch ein Alibi für 400 voll geschriebene Seiten liefert. Hier ist es aber Eva, die mit ihren Briefen in das Leben längst verblasster Bekanntschaften eindringt und somit dem Buch eine reizvolle Komponente hinzufügt.
Der Stil ist, nach den kleinen Startschwierigkeiten, sehr gut lesbar, klar und meist auch auf den Punkt geschrieben. Zwar hat man anfänglich auch etwas Mühe die ganzen Charaktere, mit denen man zugeschüttet wird, einzuordnen, aber auch hier hat man sich schnell eingelesen.
Das einzige was mir am Buch nicht gefallen hat, war eigentlich diese angedeutete Thrillerkomponente. Zwar gibt es spannende Momente und die kleinen Spannungsbögen sind von Cohen auch geschickt in die Handlung eingebettet, aber gerade dadurch wirken die letzten 20 Seiten etwas arg aufgepfropft. Man liest das Ende mit dem faden Beigeschmack, dass hier jetzt noch mit Zwang die letzten Fäden zusammengeführt werden müssen. Das ist etwas was ich sehr schade finde, da es den guten Gesamteindruck doch etwas stört.
Dennoch kurz und knapp.
Wer sich von der hier kurz angerissenen Geschichte angesprochen fühlt und mit der Mogelpackung eines Thrillers, der aber in Wirklichkeit ein Erinnerungsroman ist, leben kann, kann hier uneingeschränkt und guten Gewissens zugreifen.
Statt reißerischer und auf Effekthascherei ausgerichteter Massenware bekommt man hier einen überdurchschnittlich guten und wohldosiert intelligenten Roman, der einen schon auf ein neues Buch der Schriftstellerin hoffen lässt.
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Sag ja, Ninon – Maud Lethielleux
Verlag: Goldmann | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-31221-4
Seiten: 219
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 17,95
ET: 04.2010
Meine Rezension
Um ehrlich zu sein, finde ich, Sag ja, Ninon ist einfach ein schlecht geschriebener Roman. Ja, Ninon scheint auf den ersten Blick zauberhaft, auch die Handlung drumherum. Aber irgendwie ist alles zu gewollt erzählt. Der Leser wird fast mit dem Kopf darauf gestoßen, wie zauberhaft das Ganze doch sei und wie toll das kleine Mädchen, das noch dazu eine Leserechtschreibschwäche hat, doch ist, weil sie bei ihrem Vater bleibt. Alles ist so konstruiert, von den Problemen mit dem neuen Mann der Mutter bis hin zum Hippiepapa, der mit seiner Tochter ein Haus bauen möchte. Irgendwie wird hier nichts Neues in dem Sinne erzählt. Man hat schnell das Gefühl, alles schon mal irgendwo gehört zu haben. Zudem nervt eben diese aufgezwungene Zauberhaftatmosphäre schon nach ein paar Seiten gehörig. Man merkt, dass eine Erwachsene versucht, sich in die Gedanken eines Kindes hinein zu versetzen. Das gelingt ihr zum Teil sogar, aber wie gesagt, der Nachteil ist, dass man es eben merkt. Und dadurch wird das Buch ein Stückweit unglaubwürdig.
Ein bisschen soll das Ganze wohl auch an Pipi Langstrumpf erinnern, zumindest von der Art her wie die Eigenheiten von Ninon geschildert werden, und dass sie recht frech gegenüber Erwachsenen ist. Das einzige was irgendwie echt ist, ist die Tatsache, dass sich Ninon von den Erwachsenen oft unverstanden fühlt, und dass ihr keiner richtig zuzuhören scheint. Ich habe den Eindruck, dass das Kindern oft auch so passiert. Irgendwie scheint auch keiner der Erwachsenen wirklich zu versuchen, Ninon einige Dinge vernünftig zu erklären, stattdessen wird verrausgesetzt, dass sie alles versteht. Aber eigentlich bleibt mir das Mädchen fremd und ich habe keinen Bezug zu ihr gefunden. Das Buch versucht ein Kinderbuch für Erwachsene zu sein, ist aber dafür zum Teil zu einfach erzählt, für ein Kinderbuch aber zum Teil wohl zu schwierig, weil man als Kind den wahren Hintergrund der Handlung sicher nicht ganz erfassen kann.
Ansonsten versucht die Autorin wohl auch eine gewisse zauberhafte Amélie Atmosphäre herauf zu beschwören, was ihr meiner Meinung nach aber nicht gelingt.
Wie gesagt, man hat nicht das Gefühl, dass die Autorin etwas völlig Neues erzählt und so bleibt es bei einem netten Versuch, der meiner Meinung nach schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird. Bei mir hat Ninon jedenfalls keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Letztendlich hat mich das Lesen gelangweilt und ich war froh, als ich das Buch beenden konnte.
Meine Bewertung
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Vielen Dank dem Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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