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Weltliteratur für Eilige – Henrik Lange
Und am Ende sind sie alle tot
Verlag: Knaur | Leseprobe
ISBN: 978-3-4267-8331-3
Seiten: 186
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 7,95
ET: 06.2010
Wer kennt das nicht: zu viele Bücher und zu wenig Zeit. Auch das eigene peinliche Schweigen, wenn der Gesprächspartner plötzlich Proust, Thomas Mann oder Tolkien erwähnt. Dieses einzigartige Buch für Vielleser und Lesemuffel setzt klug und geistreich 90 erfolgreiche Werke der Weltliteratur in Szene.
Meine Rezension
Neunzig Bücher der Weltliteratur auf den Punkt gebracht, Henrik Lange hat es geschafft.
“Mit Weltliteratur für Eilige. Am Ende sind sie alle tot” fasst der Autor diverse Bücher in jeweils vier Comicbildern zusammen, wovon ein Bild allein nur für den Titel herhalten muß.
Egal ob Science-Fiction, Thriller, Abenteuer, Historisch, Krimi, jedes Genre wurde bedacht und umgesetzt.
Ich habe einige Bücher selbst gelesen die Herr Lange bebildert hat (“Per Anhalter durch die Galaxis”, “Der Ruf der Wildnis”, “20.000 Meilen unter dem Meer”), von anderen Bücher wusste ich worum es geht (“Romeo und Julia”, “Ayla und der Clan des Bären”, “Robinson Crusoe”) und es gab auch Bücher von denen ich nie gehört habe (“Der Alchimist”, “Hunger”, “Wer die Nachtigall stört”), von daher konnte ich mir ein eigenes Bild machen wie gut oder schlecht die Zusammenfassung dieser Romane ist. Völlig klar ist es, dass einige wichtige Stellen aus den Bücher komplett unter den Tisch gefallen sind, aber der Roman wurde meistens auf den Punkt gebracht und man weiß in groben Zügen, um was es in dem Buch geht und wie es endet.
Außerdem hat es der Autor geschafft, eine dicke Portion Humor in Bild und Schrift mit einfließen zu lassen. So sorgen gerade oftmals die abschließenden Sätze seiner Buchinterpretationen für einen massiven Angriff auf die Lachmuskeln.
Den eigentlichen Roman ersetzen die Comics natürlich nicht und manche Bücher sind mir zu oberflächlich beschrieben. Mir unbekannte Werke haben sich in zwei Lager geteilt: Die einen habe ich schlichtweg nicht verstanden, bei den anderen schaffte es der Autor jedoch, mir zumindest den roten Faden der Handlung verständlich zu machen.
Die Comiczeichnungen stammen von Henrik Lange selbst, womit er künstlerisch gesehen keinen großen Preis gewinnen wird; aber die schwarz-weiß Comicstrips machen durchaus deutlich, worum es geht und erfüllen damit ihren Zweck.
Vorne im Buch befindet sich ein Inhaltsverzeichnis über alle Bücher die Henrik Lange umgesetzt hat. Vor jedem Titel befinden sich kleine Kästchen, die den Leser dazu einladen, die gelesenen Comics „abzuhaken“.
Abhaken ist hier wohl auch das Wort der Stunde. Der Titel „Weltliteratur für Eilige“ setzt ja schon fast voraus, dass der potentielle Leser diese neunzig Bücher schlicht hinter sich lassen, also abhaken, möchte.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Das Calderon Imperium – Léa Cohen
Verlag: Zsolnay | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-552-05490-5
Seiten: 384
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 21.50
ET: 02.2010
Anfang der 1940er Jahre kooperierte das bulgarische Zarrentum unter Boris dem III mit den Nationalsozialisten und beugte sich ebenfalls den neuen antijüdischen Gesetzen. Die Folgen waren nicht nur das jüdische Arbeitnehmer von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit und Wohnung verloren, auch jeder selbstständig geführte, jüdische, Betrieb musste per einer Frist von 4 Wochen den Nationalsozialisten übereignet werden. Das selbe Schicksal drohte auch Jules Calderon, Großindustrieller der im Besitz einer Tabakfabrik, einer Bank und einer Versicherungsanstalt war und Unmengen an Barvermögen angehäuft hatte. Nur jener alte Mann wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Mittels eines unglaublichen Planes und mit Hilfe seines Sohnes, seines Prokuristen und eines Anwalts schaffte er es sein gesamtes Vermögen außer Landes zu schaffen und alle Liegenschaften einem anonymen Konsortium zu überschreiben das seinen Sitz, weitab vom politischen Geschehen und untastbar, auf Zypern hatte.
Zurück blieben somit nicht nur leere Kassen sondern auch viele Fragen.
Allen voran jene warum sich der alte Calderon, nach Abwicklung des großen Coups, mit seiner Frau selbst das Leben genommen hat?
50 Jahre lang war es still um das Calderon Imperium geworden bis Eva, Tochter des damaligen Anwalts und Beteiligten, 1992 Besuch von einem alten Freund ihres Vaters bekommt, der ihr unmissverständlich zu verstehen gibt, dass sie sich aufmachen muss die, wie durch Zauberhand verschwundenen, Millionen wieder ausfindig zu machen.
Jene Aufgabe bewerkstelligt sie dadurch, dass sie mit den beiden anderen Töchtern, der damals beteiligten Männern, Kontakt aufnimmt.
Zugleich unternimmt die Schriftstellerin Léa Cohen hier eine Reise in die jeweiligen Biographien dieser Frauen. Sie erzählt vom Leben in einem sozialistischen Bulgarien. Erzählt von der Immigration zweier Frauen. Eine verschlägt es nach Israel und die andere in die Schweiz. Die dritte bleibt ihrer Heimat, sei sie noch so irreal und hässlich, treu.
Trotz der klaren Trennung der Biographien beginnen sich die Schicksale an manchen Eckpunkten zu überschneiden, was vor allem am vierten und letzten Teil des Buches liegt, wo sich viele Puzzleteile zusammenfinden und in dem der Lebensweg eines Mannes nachgezeichnet wird, der dem Calderon Millionen sein Leben lang auf der Spur war.
Was ich so in Erfahrung gebracht habe ist Das Calderon Imperium der Erstling der gebürtigen Bulgarin Léa Cohen. Und so liest sich das Buch auch.
Auf den ersten 80 Seiten spürt man doch eine gewisse Unsicherheit, was den eigenen Stil betrifft. Es werden, zum Teil, mit allgemeinen Aushilfsfloskeln einige stilistische Löcher gestopft was sich aber mit Fortschreiten des Buches gibt und erst auf den letzten 20 Seiten wieder auffällt.
Ein viel größerer Kritikpunkt ist der inhaltlich missratene Klappentext, der dem potenziellen Leser suggeriert, sich hier einen Thriller ins Regal zu holen, was so aber nicht stimmt. Es werden zwar die Millionen gejagt, aber dies macht gerade mal 20% des Buches aus. Im Vordergrund stehen dagegen die Lebensgeschichten der Frauen, die Cohen mit einem wirklich raffinierten Gespür für Details dem Leser näher bringt. Wie eine gute Köchin weiss die Autorin wie viel, oder wenig, sie ihre Geschichte an dieser oder jener Stelle mit Kleinigkeiten würzen muss.
Auch sehr gut hat mir die Tatsache gefallen dass, als Eva mit den anderen Frauen Kontakt aufnahm, mit einem mal die Seiten gewechselt wurden. Sonst wird ja in anderen Büchern immer mit einem dunklen Geist aus der Vergangenheit geworben der den oder die Protagonist/in wieder einholt und meist auch ein Alibi für 400 voll geschriebene Seiten liefert. Hier ist es aber Eva, die mit ihren Briefen in das Leben längst verblasster Bekanntschaften eindringt und somit dem Buch eine reizvolle Komponente hinzufügt.
Der Stil ist, nach den kleinen Startschwierigkeiten, sehr gut lesbar, klar und meist auch auf den Punkt geschrieben. Zwar hat man anfänglich auch etwas Mühe die ganzen Charaktere, mit denen man zugeschüttet wird, einzuordnen, aber auch hier hat man sich schnell eingelesen.
Das einzige was mir am Buch nicht gefallen hat, war eigentlich diese angedeutete Thrillerkomponente. Zwar gibt es spannende Momente und die kleinen Spannungsbögen sind von Cohen auch geschickt in die Handlung eingebettet, aber gerade dadurch wirken die letzten 20 Seiten etwas arg aufgepfropft. Man liest das Ende mit dem faden Beigeschmack, dass hier jetzt noch mit Zwang die letzten Fäden zusammengeführt werden müssen. Das ist etwas was ich sehr schade finde, da es den guten Gesamteindruck doch etwas stört.
Dennoch kurz und knapp.
Wer sich von der hier kurz angerissenen Geschichte angesprochen fühlt und mit der Mogelpackung eines Thrillers, der aber in Wirklichkeit ein Erinnerungsroman ist, leben kann, kann hier uneingeschränkt und guten Gewissens zugreifen.
Statt reißerischer und auf Effekthascherei ausgerichteter Massenware bekommt man hier einen überdurchschnittlich guten und wohldosiert intelligenten Roman, der einen schon auf ein neues Buch der Schriftstellerin hoffen lässt.
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Sag ja, Ninon – Maud Lethielleux
Verlag: Goldmann | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-31221-4
Seiten: 219
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 17,95
ET: 04.2010
Meine Rezension
Um ehrlich zu sein, finde ich, Sag ja, Ninon ist einfach ein schlecht geschriebener Roman. Ja, Ninon scheint auf den ersten Blick zauberhaft, auch die Handlung drumherum. Aber irgendwie ist alles zu gewollt erzählt. Der Leser wird fast mit dem Kopf darauf gestoßen, wie zauberhaft das Ganze doch sei und wie toll das kleine Mädchen, das noch dazu eine Leserechtschreibschwäche hat, doch ist, weil sie bei ihrem Vater bleibt. Alles ist so konstruiert, von den Problemen mit dem neuen Mann der Mutter bis hin zum Hippiepapa, der mit seiner Tochter ein Haus bauen möchte. Irgendwie wird hier nichts Neues in dem Sinne erzählt. Man hat schnell das Gefühl, alles schon mal irgendwo gehört zu haben. Zudem nervt eben diese aufgezwungene Zauberhaftatmosphäre schon nach ein paar Seiten gehörig. Man merkt, dass eine Erwachsene versucht, sich in die Gedanken eines Kindes hinein zu versetzen. Das gelingt ihr zum Teil sogar, aber wie gesagt, der Nachteil ist, dass man es eben merkt. Und dadurch wird das Buch ein Stückweit unglaubwürdig.
Ein bisschen soll das Ganze wohl auch an Pipi Langstrumpf erinnern, zumindest von der Art her wie die Eigenheiten von Ninon geschildert werden, und dass sie recht frech gegenüber Erwachsenen ist. Das einzige was irgendwie echt ist, ist die Tatsache, dass sich Ninon von den Erwachsenen oft unverstanden fühlt, und dass ihr keiner richtig zuzuhören scheint. Ich habe den Eindruck, dass das Kindern oft auch so passiert. Irgendwie scheint auch keiner der Erwachsenen wirklich zu versuchen, Ninon einige Dinge vernünftig zu erklären, stattdessen wird verrausgesetzt, dass sie alles versteht. Aber eigentlich bleibt mir das Mädchen fremd und ich habe keinen Bezug zu ihr gefunden. Das Buch versucht ein Kinderbuch für Erwachsene zu sein, ist aber dafür zum Teil zu einfach erzählt, für ein Kinderbuch aber zum Teil wohl zu schwierig, weil man als Kind den wahren Hintergrund der Handlung sicher nicht ganz erfassen kann.
Ansonsten versucht die Autorin wohl auch eine gewisse zauberhafte Amélie Atmosphäre herauf zu beschwören, was ihr meiner Meinung nach aber nicht gelingt.
Wie gesagt, man hat nicht das Gefühl, dass die Autorin etwas völlig Neues erzählt und so bleibt es bei einem netten Versuch, der meiner Meinung nach schnell wieder in der Versenkung verschwinden wird. Bei mir hat Ninon jedenfalls keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Letztendlich hat mich das Lesen gelangweilt und ich war froh, als ich das Buch beenden konnte.
Meine Bewertung
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Vielen Dank dem Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
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Misfit – Vincent Overeem
Verlag: Berlin
ISBN: 978-3-8270-0887-9
Seiten: 236
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,90
ET: 02.2010
Seit Wochen liegt brütende Hitze über der Stadt. Die Menschen sind träge, das Leben verläuft wie in Zeitlupe, und Kaat, die schöne Freundin des Ich-Erzählers, lungert nur noch, kaum verhüllt, auf dem Bett herum. Mit ihm schlafen will sie nicht mehr. Obwohl sie doch zuletzt nichts anderes im Kopf hatte. Nun stöhnt sie über die Hitze. Und vom Haus gegenüber spähen die Dachdecker ins Zimmer.
Kaat. Die schöne Kaat mit den feurigen Augen. Sie ist ihm ein Rätsel. Und je schärfer er sie beobachtet, desto undurchschaubarer wird sie. Hat Kaat eine Affäre mit Stadig, seinem gutaussehenden Vermieter, den sie doch angeblich nicht ausstehen kann? Und warum lehnt sie es ab, Fotos von seinem Bruder Krijn anzusehen? Während das Misstrauen des Erzählers wächst, beginnt man sich zu fragen, ob nicht auch er etwas verbirgt.
Meine Rezension
In “Misfit” geht es um den Ich-Erzähler und seiner Freundin Kaat. Es ist zu heiß und nirgendwo eine Abkühlung in Sicht. Und so verhalten sich auch die Charaktere, vorallem Kaat. Während er etwas unternehmen will und keine Lust mehr hat, nur in dem Zimmer zu hocken, blockt sie ab und er gehorcht. Während die beiden Protagonisten nicht handeln, denkt er vor allem an Sex, etc. oder aber über seine Familie nach…
Die Geschichte braucht sehr lange bis sie in Fahrt kommt und dann ist das Buch eigentlich auch schon zu Ende. Der Inhalt klingt eigentlich ganz nach meinem Geschmack, doch die Ausführung hat mir gar nicht gefallen. Zwei Protagonisten, die nichts machen außer Rumsitzen. Zwar waren seine Gedanken über seine Familie, über seine Vergangenheit sehr interessant, vor allem was seinen Bruder betraf, aber irgendwie habe ich mir mehr erwartet. Ich habe die ganze Zeit gewartet, dass noch etwas passiert, was so aber nicht der Fall war.
Die beiden Hauptcharaktere, der Ich-Erzähler und seine Freundin Kaat, haben mir beide nicht gefallen. Normalerweise finde ich Charaktere mit Ecken und Kanten toll, die nicht stereotyp sind, sondern sich aus der Masse herausheben. Doch hier hat es der Autor etwas übertrieben.
Kaat, die wunderschöne Kaat mit tollen Brüsten, der jeder Kerl hinterherstarrt und der Ich-Erzähler nicht weiß, wieso sie ihn genommen hat. Ein furchtbarer Charakter, zu sehr ich-bezogen, unnahbar und man kann sich nicht mit ihr identifizieren. Ganz im Gegenteil. Man verflucht sie und hofft, dass sie endlich verschwindet.
Der Protagonist selbst erscheint passiv und ihr sehr hörig. Von einer großen Liebe, die zwischen den beiden herrschen soll, habe ich nichts bemerkt, ebenso hätten sie auch einfach nur eine Affäre sein können. Oder aber diese große Liebe besteht nur aus Blödsinn machen und Sex. Gefühle gab es hier keine, nichtmal ein “Ich liebe dich” hat Kaat über die Lippen bringen können.
Bei ihm konnte man schon eher vermuten, dass er sie wirklich liebt – doch spiegelte sich diese Liebe dann doch in einer Abhängigkeit wider.
Die Sprache hat mir insgesamt ganz gut gefallen. Sie vermittelt eine sehr drückende Atmosphäre, durch die man die Hitze als Leser fast schon selbst spüren kann. Dennoch fand ich es ab und zu etwas zu ordinär und ich hätte mir eine etwas mildere Wortwahl gewünscht.
Der Inhalt von “Misfit” klingt zwar interessant und vielversprechend, jedoch konnte mich dieses Buch nicht überzeugen. Die Charaktere sind zu überzogen, wirken unecht und ich war froh, als die 200 Seiten endlich vorbei waren. Eine kurze Geschichte, die zwar unterhält, aber nach kurzer Zeit wieder aus dem Kopf verschwindet.
Vielen Dank dem Berlin Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
Meine Bewertung
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Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-05200-9
Seiten: 430
Ausgabe: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Preis: € 22, 95
ET: 02.2009
Als die junge Frasquita das Nähkästchen erhält, das in ihrer Familie seit jeher von der Mutter an die Tochter vererbt wird, gelangt sie zugleich in den Besitz einer besonderen Gabe, die an Zauberei grenzt. Mit den leuchtenden Garnen näht sie wunderbare Dinge und macht Frauen zu Prinzessinnen. Sie bestickt Kleider, auf denen die Magie der Farben Blumen erblühen lässt. Doch die Menschen in dem abgeschiedenen andalusischen Dorf stecken voller Misstrauen und Neid, was Frasquita bei ihrer Hochzeit mit dem wortkargen Schmied José nur allzu sehr zu spüren bekommt. Es folgen stille, einsame Jahre, bis Frasquita irgendwann erkennt, dass sie der Enge ihres Dorfes entfliehen muss. Und so setzt sie eines Tages ihre Kinder in einen Handkarren und bricht auf zu einer weiten Reise durch den trockenen Süden Spaniens in Richtung Meer.
Meine Rezension
Frasquita lebt in einem kleinen, abgeschiedenen andalusischen Dorf. Von ihrer Mutter erhält sie ein Nähkästchen und damit eine unglaubliche Gabe: von nun an näht sie mit leuchtenden Farben und einem ungeheuren Geschick die schönsten Kleider.
Doch die Dorfbewohner sind misstrauisch und gönnen der jungen Frau ihr Talent nicht.
Frasquita verblüht beinah in dem kleinen Dorf, als sie plötzlich beschließt eben jenes zu verlassen…
Fast ein Jahr verharrte Das genähte Herz von Carole Martinez auf meinem Wunschzettel, bevor ich es dieses Jahr endlich in meinem Osterkörbchen liegen hatte.
Und was soll ich sagen? Mir fehlen einfach immer noch die Worte, um dieses Buch adäquat zu beschreiben.
Die Geschichte beginnt mit Soledad. Sie widmet sich einer Aufgabe: die Geschichte ihrer Mutter Frasquita Carascos und den Geschwistern zu erzählen. Und diese beginnt in der Jugend Frasquitas, ihrem Leben bei den Eltern und wie sie zu ihrer Gabe kommt.
Bereits der Einstieg, also der Prolog der sich mit Soledad beschäftigt, fesselt einen regelrecht an das Buch. Die Autorin versteht es, einen honigsüßen Kleber aus Worten auszulegen und man ist sich bereits im Prolog sicher, dass man eine besondere Geschichte in der Hand hält. Der Einstieg in die Geschichte fällt so sehr leicht und man hat sehr schnell einige Seiten gelesen und befindet sich, ehe man es merkt, mitten in der Geschichte.
Die Sprache selbst lässt sich mit der Gabe Frasquitas vergleichen: ebenso geschickt wie überwältigend reiht Martinez die Worte aneinander wie eine Stickerei. Sie ist präzise, kraftvoll, mythisch und poetisch. Jeder einzelne Satz fließt nur so dahin und geht ohne große Brüche in den nächsten über. Das unterstützt natürlich einen angenehmen Lesefluss.
Die Atmosphäre des Romans ist unglaublich dicht: man fühlt beinah die Hitze und Trockenheit Spaniens auf der eigenen Haut, beinah reißen einem selbst die Lippen ein. Man fühlt die Blicke derjenigen auf sich, die noch in einer alten Ordnung gefangen sind und sich gegen alles Neue sperren.
Die Geschichte selbst wimmelt nur so vor Überraschungen. Denn das was die Autorin hier präsentiert ist ein Märchen, in dem es fast an Zauberei grenzende Vorfälle geben kann.
Auffallend sind vor allem die Charaktere: die Autorin schafft es diese so zeichnen, dass sie einem ans Herz wachsen, aber das man sie gleichzeitig mit einer gewissen Distanz betrachtet.
Ich bin restlos begeistert von dem Buch und würde es am liebsten jedem einfach in die Hand drücken, der wirklich gute Literatur lesen will.
Andererseits muss ich eingestehen, dass dieses Buch vielleicht doch ein wenig speziell ist. Man muss sich öffnen für dieses Buch und es an sich heran lassen.
Dennoch hoffe ich, dass es viele Leser finden wird, die ähnlich begeistert sein werden wie ich.
Das genähte Herz hat am Thron meines All-Time-Favourites gerüttelt an den lange, lange kein anderes Buch herranreichen konnte und stellt sich jetzt neben Patrick Süskinds „Parfum“ auf den Thron.
Meine Bewertung
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