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Archiv für die Kategorie „Unterhaltung“

Die amerikanische Malerin Emma Dial – Samantha Peale

Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8270-0895-4
Seiten: 304
Ausgabe: Hardcover
ET: 02.2010
Preis: € 22,00

Die zeitgenössische Kunstszene wird von einer auserwählten Elite bestimmt. Die talentierte junge Malerin Emma Dial steht mittendring und doch nur dabei. Sie ist die Assistentin eines weltberühmten Künstlers, hat seit sechs Jahren nichts mehr gemalt. Jedenfalls nicht für sich selbst…

Meine Rezension

Mit einer überaus subtilen Beschreibung steigt die Autorin Samantha Peale in ihren Roman ein. Sie lässt die Leserinnen und Leser gleich zu Beginn teilhaben an der Vollendung eines Furore machenden Bildes. Doch ist es nicht der weltbekannte Maler Michael Freiburg, der “seinem” Gemälde das gewisse Etwas verpasst, es ist seine Assistentin Emma Dial. Diese träumt – für einen Moment – aus dem Fahrwasser von Michael Freiburg heraus zu treten und als Talent erkannt zu werden. Doch der Moment geht vorbei, die Kundschaft im Atelier wendet sich wieder dem eloquenten Künstler zu und vergisst, dass Emma Dial sie in ihr eigenes Atelier gebeten hat, in dem sie nebst ihrer Assistenz für Michael Freiburg arbeitet.

Schnell einmal wird klar, worum es in diesem Roman geht: Um die Wahrnehmung von Kunst und Künstlern. Denn nach und nach deckt Samantha Peale auf, wie wenig dem Namen vertraut werden kann, der unter dem Bild steht. Nicht, dass es etwa nicht vom Künstler persönlich signiert worden wäre, doch gemalt wurde es von einer Assistentin oder einem Assistenten. Dass die Assistenz im Falle von Emma Dial weit über die Malerei hinaus gelebt wird, sie als seine Geliebte aber im Hintergrund bleiben muss, ist er doch verheiratet, macht die Figur Michael Freidorf nicht unbedingt erträglicher.

Samantha Peale pflegt einen schnörkellosen Stil, kommt direkt zur Sache und beleuchtet hemmungslos, was im Dunkeln geschehen sollte. Das gibt dem Roman eine ungeahnte Tiefe. Letztlich geht es nämlich nicht nur um die Scheinwelt der Kunstszene, es geht auch darum, mit welchen Mitteln sich ein bekannter Künstler seine Assistentin gefügig macht. Das manipulative Verhältnis – Emma kann sich kaum aus dem Dunstkreis von Michael lösen – bekommt eine neue Note, als Freiburgs Konkurrent Philip Cleary auftaucht und sich offen für Emma interessiert.

Dem stark auf einer psychologischen Ebene angesiedelten Buch wird durch die skurilen Figuren, die in dieser Künstlerszene auftauchen, eine spezielle Note verliehen. Dennoch gerät die Geschichte letztlich in Gefahr, sich etwas im Kreise zu drehen. Doch die angenehme Länge des Buches verhindert, dass die Story ausfranst und sich im Nichts verliert. So bleibt es, was es schon zu Beginn verspricht: Eine hintergründige Geschichte über Abhängigkeit, Hoffnung, Kunst und letztlich auch Liebe.

Meine Bewertung

4 von 5 Büchern

Vielen Dank dem Berlin Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.


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Englischer Harem – Anthony McCarten

Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3-257-23940-9
Seiten:
582
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 11,90
ET:
05.2009

Eine junge Frau zu ihren Eltern, untere Mittelschicht im Londoner Vorort: »Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Ich heirate, die schlechte: Er ist Perser. Und übrigens: Er hat bereits zwei Frauen.« So beginnt ein provozierender Roman über Heimat, Kochen und die Faszination des Fremden … und eine Liebesgeschichte wie keine andere – für diese Zeit.

Meine Rezension

Tracy’s Eltern wünschen sich für ihre Tochter nur eins: das sie glücklich ist, einen guten Job hat und einen tollen Mann heiratet.
Ihre Hoffnungen und Wünsche bekommen allerdings einen Knick, als Tracy verkündet den locker doppelt so alten Sam zu heiraten, der zu allem Überfluss schon zwei Ehefrauen hat.
Von da an beginnt für Tracy, aber auch für Sam, ein Kampf um Selbstbestimmung und um Toleranz…

Als ich das Buch aufschlug und die ersten Seiten gelesen hatte, war ich direkt gefangen: Anthony McCarten entführt den Leser in eine Geschichte aus 1001 Nacht, die aber gleichzeitig in westlichen Gefilden – genauer gesagt London – spielt.

Der Schreibstil ist relativ einfach gehalten und vermag es, den Leser mitten in die Geschichte zu ziehen. Einer Geschichte, in der es um Träume, Wünsche, Verpflichtungen und das Leben geht.

Die Figuren selbst sind ziemlich einfach gestaltet, daher wirken die Handlungen aller oftmals vorhersehbar. Alle Charaktere scheinen aus einem begrenzten Kontingent an Möglichkeiten zu schöpfen, dennoch sind alle auf ihre eigene Art liebenswert und man versucht jeden einzelnen zu verstehen, aber auch, sie mal bei den Schultern zu packen und sie zu bitten, die Augen zu öffnen.
Die oftmals von mir empfundene vorhandene Oberflächlichkeit der Charaktere ist alles andere als schlimm: denn es geht nicht um die Charaktere an sich – diese sind nur liebenswerte Mittel zum Zweck – , es geht um die Gesellschaft und wie sie mit „anders“ Lebenden umgeht.

Englischer Harem vereint viele Facetten: es ist ein Gesellschaftsroman, eine Komödie, aber auch ein Drama.
Der Autor zeigt auf eine einfache, aber logische Weise, wie die Gesellschaft mit anderen Kulturen und Lebenskonzepten umgeht, wie Vorurteile das Leben der Betroffenen tangiert und dieses oft auf eine unglaubliche Art beeinflusst.

Der Roman ist ein Plädoyer für Toleranz und Akzeptanz. Dabei erhebt der Autor nie den moralischen Zeigefinger. Nein, er beobachtet und lässt den Leser sich selbst sein Urteil bilden.

Englischer Harem hat mich auf eine nicht zu beschreibende Art beeindruckt und in seinen Bann gezogen.
Ich bin gespannt auf weitere Romane des Autors und kann diesen nur wärmstens empfehlen!

Meine Bewertung

4,5 von 5 Büchern

Vielen Dank dem Diogenes Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Thaddeus und der Februar – Shane Jones

Verlag: Eichborn | Leseprobe
ISBN: 978-3821861074
Seiten:
174
Ausgabe:
Hardcover mit Schutzumschlag
Preis:
€ 16,95
ET:
02.2010

Viele hundert Tage schon währt die kalte Herrschaft des Februars: Der Wechsel der Jahreszeiten ist außer Kraft gesetzt, finstere Priester patrouillieren, Papierdrachen dürfen nicht mehr zum Himmel aufsteigen, Kinder verschwinden im Wald. Traurigkeit legt sich über die Stadt wie der Schnee, der endlos fällt, doch die Erinnerung an warme Tage lebt weiter. Die Stadt beschließt, in den Kampf zu ziehen, den Winter zu besiegen, und Thaddeus, der Ballonfahrer, soll ihr Anführer sein. Doch dann stößt Thaddeus in einer Hütte am Waldrand auf den Februar selbst – und es ist ein Mann, der eine Geschichte schreibt: die Geschichte der Stadt …

Meine Rezension

Es ist kalt und trostlos: der Februar beherrscht schon viel zu lange das kleine Dorf, in dem Thaddeus und seine Familie lebt. Der Februar droht, das Leben lahm zu legen.
Doch das wollen sich die Bewohner nicht gefallen lassen: sie erklären ihm den Krieg.

Es ist jetzt schon zwei Wochen her, dass ich dieses Buch beendet habe und ich kann immer noch nur sagen: Wow!

Es ist verdammt lange her, dass ich so etwas außergewöhnliches wie Thaddeus und der Februar in den Händen hielt und das Buch sprachlos zuschlug.

Shane Jones hat mit diesem gerade mal 174 Seiten starken Büchlein eine Geschichte erschaffen, deren Ausmaß und deren Charme sich erst am Ende offenbaren.
Fairerweise muss aber gesagt sein, dass sich nicht wirklich alles erschließt und aufschlüsseln lässt.
Selbst der Autor sagte in einem Interview, dass auch er wohl nicht alles erklären kann, und das, obwohl er die Geschichte selbst erdachte.

Dennoch steckt dieses doch surreale Buch voller phantastischer Bilder und hat meine Fantasie von Anfang gefordert und angeregt.
Es ist ein Buch, das überrascht und in seinen Bann zieht.

Auch die Aufmachung des Buches ist wirklich fantastisch. Ich muss jetzt noch immer wieder das Buch in die Hand nehmen und es betrachten.
Nimmt man den Schutzumschlag ab, erwartet einen ein wunderschönes Cover: eine schwarz-weiß Karikatur einer Winterlandschaft. Doch auch das Durchblättern ist eine wahre Freude: Ria Brodell versah dieses ungewöhnliche Buch mit wunderschönen Zeichnungen.

Shane Jones hat mit Thaddeus und der Februar (Spike Jonze (Wo die wilden Kerle wohnen) sicherte sich wohl schon die Filmrechte) ein absolut außergewöhnliches Buch geschrieben, dass mir immer noch die Worte raubt, dass ich aber uneingeschränkt weiter empfehlen kann.

Ich kann eigentlich nur sagen: Herr Jones, bitte mehr davon!

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern

Vielen Dank dem Eichborn-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Alle Zeit – Kathrin Gerlof

Verlag: Aufbau
ISBN: 978-3-351-02703-2
Seiten: 229
Ausgabe: gebunden mit Schutzumschlag
Preis: € 18,95
ET: 09.2009

Als Juli und Klara einander im winterlichen Park begegnen, ahnen sie nicht, wie ihrer beider Leben verwoben sind. Die eine ist blutjung, hochschwanger und mutter-seelenallein. Die andere, alt und gebrechlich, verliert mehr und mehr den Bezug zur Welt und weiß, fürs Erinnern bleibt nicht mehr viel Zeit. Warum nur fühlt Juli sich der alten Frau so nah? Spürt sie, was Klara und das Kind in ihrem Leib verbindet? Alle Zeit erzählt, wie ein tragisches Ereignis die ohnehin lose verknüpften Familienbande endgültig kappen konnte und weshalb das Baby und die vergessliche Frau mehr als drei Generationen trennen. Eine berührende Geschichte über das Altwerden, das Neugeborensein und eine Liebe am Ende des Lebens.

Meine Rezension

“Alle Zeit” ist der zweite Roman der Autorin Kathrin Gerlof. In diesem kurzem Roman schildert sie die Geschichte von etwa fünf verschiedenen Frauen. Da wären die an Alzheimer leidende Klara, die zusammen mit Aaron eine neue Liebe im Alter erfährt oder die junge Juli, die hochschwanger ist und Klara zwar an einem winterlichen Tag begegnet, aber nicht weiß, wer sie ist oder was sie eigentlich verbindet.

Zuerst scheint die Geschichte ziemlich durcheinander und merkwürdig, doch je weiter man liest, desto mehr Geheimnisse erschließen sich dem Leser und man erfährt, was in der Vergangenheit der Frauen vorgefallen ist und warum sich die Familienmitglieder immer mehr voneinander entfernten.
Allerdings muss ich aber auch sagen, dass ich ab und zu doch etwas durcheinander gekommen bin, mit den Frauen. Einzig Klara und auch Juli waren für mich klar abgrenzbare Figuren, die anderen jedoch nicht.

Besonders Klara hat mich fasziniert. Sie lebt in einem Heim und leidet unter Alzheimer – was sie auch selbst weiß und auch täglich bemerkt.
Durch die Erzählung der Vergangenheit der Frauen lässt die Autorin auch einen Teil der deutschen Geschichte miteinfließen. Einer Geschichte, die mir persönlich zwar bekannt ist, aber nicht so sehr, wie sie hier angerissen wird.

Sehr auffallend ist auch wie Kathrin Gerlof die Sprache einsetzt. Es gibt wenige Satzzeichen und viele Sätze wirken eher abgehakt. Und vorallem, was vermutlich viele stören könnte, gibt es im ganzen Buch keine Kennzeichnung von wörtlicher Rede, sodass man sich auch vorallem deswegen etwas Zeit mit dem Buch nehmen muss um nicht hinterher etwas zu überlesen.
Und vorallem wenn es um Klara ging, hatte sich der Schreibstil etwas verändert, was zwar zum Teil etwas merkwürdig klang, wenn es z.B. mitten im Satz nicht mehr weiter ging, aber dadurch die Krankheit von Klara sehr gut veranschaulichte.

Das Cover ist eher normal gehalten. Gewiss kein “Eyecatcher” oder besonders schön anzusehen, aber dennoch passend zum Buch. Wie ich finde, fängt es gut, die Atmosphäre des Buches ein. Es ist ruhig, erzählt von jung und alt und wirkt dennoch sehr kraftvoll.

“Alle Zeit” ist auf jeden Fall ein interessantes Buch, das zwar “nur” etwas mehr als 200 Seiten hat, aber dennoch keine leichte Kost ist, weder inhaltlich noch sprachlich. Doch wenn man sich die Zeit dafür nimmt, dann lohnt es sich auf alle Fälle.

Vielen Dank dem Aufbau-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Meine Bewertung

4 von 5 Büchern


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Der Teufel und der Kirchenmann – James Robertson

Verlag: Manhattan | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442546367
Seiten: 477
Ausgabe: Hardcover (TB Januar 2010)
Preis: € 19,95
ET: 05.2008

Auf dem Schreibtisch eines Verlegers in Edinburgh landet ein so eigentümliches wie faszinierendes Manuskript. Es handelt sich um die Memoiren eines Pastors der schottischen Kirche, der einige Monate zuvor unter mysteriösen Umständen verschwunden war. In den Aufzeichnungen enthüllt sich die Geschichte jenes Gideon Mack, der als Sohn eines Geistlichen in der frostigen Atmosphäre eines Pfarrhauses aufwuchs, beherrscht von seinem strengen, gottesfürchtigen Vater. Obwohl Gideon selbst schon früh seinen Glauben verliert, tritt er in die Fußstapfen seines Vaters und übernimmt schließlich die kleine schottische Gemeinde Monimaskit nahe der Küste. Und dort, so berichtet er, begegnete er eines Tages dem Teufel …

Meine Rezension

Gideon Mack ist Priester in Monimaskit. Als solcher kümmert er sich nicht nur um den Gottesdienst, sondern auch um seine Schäfchen und während seiner Tätigkeit als Priester erlebt er so manches.
Und so beginnt er, seine Geschichte – die Geschichte seines Lebens – auf zuschreiben.

Man soll ja immer sowohl etwas positives als auch negatives sagen, weil eine Kritik konstruktiv sein soll.
Da ich aber nicht gerne etwas negatives sage – und eigentlich schon gar nicht über dieses Buch – fällt es mir folgender Kritikpunkt schwer: die Übersetzung des Buchtitels. Der deutsche Titel in Kombination mit dem Klappentext weckt leider doch bis zu einem gewissen Grad falsche Erwartungen. Er suggeriert, dass das Buch zum einem nicht unerheblichen Teil von Mack´s Begegnung mit dem Teufel handelt. Es stimmt schon: der Teufel spielt eine Rolle, aber bei Weitem keine so große.
Im englischen Original heißt das Buch „The Testament of Gideon Mack“ (dt.: Das Testament von Gideon Mack). Dieser Titel gibt wesentlich besser wieder was dieses Buch ist: die fiktiven Memoiren eines Priesters.

Und in denen erzählt Mack von seiner Kindheit, seinem Studium, seiner Zeit als Priester und wie er überhaupt Priester wurde. Und auch der Glaube und der Unglaube sind immer mal wieder Thema in seinen Erinnerungen.

Und dies erzählt der Autor frisch, spritzig und frei von der Leber weg. Dabei schlägt der Schreibstil oft einen ironischen, zynischen Ton an.
So ist es kein Wunder, dass das Buch einen in seinen Bann zieht und man es nicht aus der Hand legen mag, bis man durch ist.

Die Geschichte ist darüber hinaus gespickt mit Mythen und Sagen, Folklore und Historie Monimaskit betreffend. Diese sind nicht nur interessant zu lesen, sondern füllen den fiktiven Ort mit Leben.

Schon lange hielt ich kein Buch mehr in der Hand, bei dem ich das Gefühl hatte mal etwas ganz anderes gelesen zu haben und somit eine kleine Perle gefunden zu haben.

Insgesamt ist James Robertson mit Der Teufel und der Kirchenmann ein unglaublich origineller und fesselnder Roman gelungen, dem ich viele Leser wünsche.

Meine Bewertung

4 von 5 Büchern


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