Archiv für die Kategorie „Liebesromane“
Die Töchter der Familie Faraday – Monica McInerney
Verlag: Goldmann | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-46811-9
Seiten: 640
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,95,- €
ET: 12.2008
Die zwanzigjährige Maggie Faraday bekommt überraschend Besuch von ihrem Großvater Henry, der sie um Hilfe bittet: Sie soll ihn dabei unterstützen, ein Treffen mit seinen fünf Töchtern zu arrangieren. Doch als die Faraday-Schwestern aus allen Ecken der Welt anreisen, merkt Maggie schnell, dass etwas nicht stimmt. Sie kommt einem langgehegten Geheimnis auf die Spur, das das Leben der Familie Faraday von Grund auf verändern wird …
Meine Rezension
Fünf Schwestern verlieren in frühen Kinderjahren ihre Mutter. Mehrere Jahre später können nur die ältesten der Geschwister sich an die Mutter überhaupt noch einiger Massen erinnern. So ist es für den Vater, Leo, ein Einfaches den Schwestern sein Bild von ihrer Mutter “aufzudrängen” und damit ein Bild von ihr aufrechtzuerhalten, von dem der Leser bereits zwischendurch mitbekommt, dass es nicht ganz stimmen kann. Leo selbst ist nach wie vor sehr verliebt in seine Frau, hat ein sehr positives und lebenslustiges Bild von ihr und versucht alle Traditionen und Einfälle von ihr weiterhin zu erhalten. Sein dringenster Wunsch, nach dem Aufrechterhalten des Andenkens an seine Frau, ist der Zusammenhalt der Familie – er will seine fünf (und später sechs) Mädels nicht verlieren und denkt sich allerlei aus, um sie bei sich zu behalten bzw. sie wieder zu sich zu bringen.
Sowohl der erste, als auch der zweite Teil des Buches gibt dem Leser einen Einblick in die jeweilige Persönlichkeit der einzelnen Protagonisten. Jedes Kapitel erzählt dem Leser etwas, was die Schwestern nicht von einander wissen. So ist schnell klar, dass das Bild der heilen, glücklichen Familie nur eine Oberflächlichkeit ist – darunter brodeln und wachsen Geheimnisse und Lügen. Dabei ist auch (negativ) anzumerken, dass jede Schwester einem Klischee entspricht: die eine ist die geborene Hausfrau, die andere ein Drama-Queen, die dritte sportlich, die vierte hat kein richtigis Profil, und die letzte wird früh Mutter, stellt sich aber als verkappte Forscherin raus. Zeitweise kam ich mir von wie bei “Sex and the City”, vor allem weil die Drama-Queen Miranda heißt… (zwar nicht gleichnamig mit der Drama-Queen aus Sex and the City, aber ebenfalls ein Name eines der Mädels dort).
Im ersten Buch sind die einzelnen Familienmitglieder so sehr in ihren gegenseitigen Zwängen und von einander beeinflusst, dass es dem Leser tatsächlich “die Luft zum Atmen” nimmt. Im zweiten Teil wird es etwas besser – jede von ihnen erhält die Chance sich mehr oder weniger außerhalb der Familie zu entwickeln, wobei ich sagen muss, dass ich nicht das Gefühl hatte, das diese Chance wahrgenommen und genutzt wurde. So werden die Geheimnisse und die Lügen immer mehr, immer größer und von immer stärkerer Bedeutung.
Die überzeugnesten Personen in der Geschiche waren (tatsächlich) die beiden Männer: Myles und Gabriel. Beide tauchen erst relativ spät auf, hinterlassen aber einschlagende Wirkung, und zwar auf alle.
An sich habe ich von diesem Buch ein bißchen “leichte Kost” erwartet – aber es ist alles andere als das. Es liest sich zwar gut und ist recht spannend geschrieben (allein die ganzen Geheimnisse!!!), allerdings hat es mich emotional ziemlich belastet. Ca. 30 Seiten von Ende musste ich es für ein paar Tage weglegen, da ich keine Lust mehr auf dieses Getue hatte. Alles in einem ist das Buch ganz OK, vor allem für alle, die Familien-Dramen mit Happy End mögen.
Meine Bewertung
Verwandte Artikel:
Zusammen ist man weniger allein – Anna Gavalda
Verlag: Fischer (Tb.) | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-596-51050-4
Seiten: 800
Ausgabe: Mini-HC
Preis: 11,- €
ET: 05.2009
Philibert ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, gerät er ins Stottern. Camille, magersüchtig und künstlerisch begabt, arbeitet in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Motorräder und seine Großmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat.
Vier grundverschiedene Menschen in einer verrückten Pariser Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen.
Meine Rezension
Gleich zu Anfang begegnen wir vier Leben, vier Schicksalen und vier verlorene Seelen – und gleich zu Anfang wird dem Leser klar, wie furchtbar allein wir auf dieser überbevölkerten Welt sein können.
Paulette ist eine alte Frau, die meistens noch bei vollem Verstand im hier und jetzt lebt. Seit kurzem fällt sie häufig hin oder stößt sich, sodass sie mit blauen Flecken überseht ist. Sie schminkt diese über, denn sie hat Angst, dass wenn jemand sie für noch wunderlicher hält, sie ins Altersheim muss. Camille ist furchtbar dünn, sieht fast aus wie ein Junge und hat irgendetwas Schlimmes erlebt, denn sie lässt niemanden an sich heran. Trotz zu erahnender Fähigkeiten und unglaublicher Intelligenz arbeitet sie als Putzfrau, lebt in einer sehr runtergekommenen Kammer ohne Heizung und hat beim Essen das Gefühl, Steine im Magen zu haben. Frank ist ein Frauenheld – etwas ungehobelt, manchmal sehr ungehobelt, rücksichtslos und laut. Er ist ein brillanter Koch und steht auf Motorräder. Und obwohl er beruflich und in der Liebe ständig Erfolge verzeichnet, ist er unglücklich. Er hat keine Zeit, nicht für sich, nicht für andere und vor allem nicht zum Schlafen. Philibert, ein stotterndes, seltsames, unglaublich leibenswürdiges, intelligentes Geschichtsgenie, ist ein Sohn aus dem verarmten Adel, der von seiner Familie nicht geschätzt wird. Er wohnt in einer riesigen alten Wohnung mit prächtigen originalen Details und versucht sich, irgendwie durchzuschlagen, ohne negative Aufmerksamkeit zu erregen.
Diese vier Seelen, die unterschiedlicher nicht sein können, existieren in Paris und fristen mehr schlecht als recht ihr Dasein, bevor Anna Gavalda es schafft, ihre Schicksale auf wundersame Weise miteinander zu verweben. Man spürt als Leser regelrecht, wie sich hier Menschen finden oder noch finden müssen, die einander in den schwierigsten Situationen helfen könnten, einfach nur weil sie so sind, wie sie sind: unterschiedlich und alle auf ihre Art und Weise wunderlich.
Neben der tollen Geschichte mit viel Stoff zum Nachdenken oder sich einfach nur entspannt zurücklehnen und lesen, erfahren wir in diesem wunderbaren Buch viel über Kunst und Musik – es muss auch bei einem desinteressierten Leser die Neugierde geweckt sein, wenn Werke so gefühlvoll beschrieben werden. Und auch der Schreibstil von Anna Gavalda ist einfach, nimmt auf Reisen mit, fesselt, wo er fesseln muss und lässt los, wo es angebracht ist.
Diese spezielle Ausgabe im Fischer-Verlag hat den Vorteil, dass sie klein und handlich ist. Sie passt nicht nur super in jede Handtasche, sondern liegt auch ganz wundervoll in der Hand. Die dünnen Seiten sind so zart, dass man das Gefühl hat, es muss so sein, sonst würde es nicht zur Geschichte und den zarten Geschöpfen darin passen. Eine wirklich gute Idee vom Fischer-Verlag, Bücher in dieser Auflage zu produzieren.
Als Fazit kann man sagen, dass es sich hierbei um ein unglaublich gutes Buch handelt, voll Gefühl, Raffinesse und Menschlichkeit, das auch noch gut in der Hand liegt.
Meine Bewertung
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