Archiv für die Kategorie „Krimis & Thriller“
Die Bibliothek der Schatten – Mikkel Birkegaard
Verlag: Page & Turner | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-20362-8
Seiten: 512
Ausgabe: Hardcover
Preis: 19,95 €
ET: 03.2010
Dass Bücher mehr vermögen, als nur Geschichten zu erzählen, war Luca Campelli schon lange bewusst. Als er an diesem Abend in seinem Antiquariat »Libri di Luca« zu lesen beginnt, spürt er einmal mehr ihre magische Kraft – doch schon wenige Minuten später ist er tot. Sein Sohn Jon will mit dem Geschäft zunächst nichts zu tun haben, aber sehr schnell kann er die mysteriösen Ereignisse nicht mehr ignorieren, die um ihn herum passieren. Und er ist fassungslos, als er die Wahrheit über seinen Vater erfährt: Luca Campelli versammelte regelmäßig Menschen um sich, die eine besondere Gabe verband. Eine Gabe, die auf wundersame Weise die Welt verändern könnte und die dazu die Macht der Bücher nutzt. Doch nun will jemand diese geheime Gesellschaft vernichten. Und Jon ahnt, dass er es mit einem Gegner zu tun hat, der ihm weit überlegen ist …
Meine Rezension
Das Wort „Bibliothek“ im Titel, ein Buch auf dem Cover und dazu noch eine Kurzbeschreibung, in der es offensichtlich um Bücher und eine geheimnisvolle Gabe geht… Ganz klar, dass ich diesen Roman lesen musste. Insgesamt konnte mich „Die Bibliothek der Schatten“ schon begeistern, aber gerade diese mysteriöse Gabe, war letztendlich die schwächste Komponente des Romans.
Vom ersten Moment an hat sich der Roman wie von selbst gelesen. Mikkel Birkegaard schreibt angenehm und flüssig und ich konnte das Buch oftmals kaum noch aus der Hand legen. Der Spannungsbogen ist gelungen, auch wenn es zu Beginn dauert bis das Buch richtig Fahrt aufnimmt. Mich persönlich hat das nicht gestört, da ich auch die ruhigeren Töne mag und mir hat der Aufbau im Prinzip gut gefallen.
Der Einstieg in die Handlung fiel unsagbar leicht. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der Autor gerade zu Beginn offensichtlich weiß, worüber er schreibt und die Liebe des Luca Campelli zu Büchern absolut teilt. Ich konnte mich eindeutig wiedererkennen, als Luca durch sein Antiquariat streift, Bücher hervor holt, sie betrachtet, andächtig berührt und an ihnen riecht. Die Bücher-Szenen sind einfach wundervoll und sprechen mich zu hundert Prozent an. Jede bibliophile Atmosphäre hat Mikkel Birkegaard meisterlich eingefangen und zu Papier gebracht.
Die Thriller- und Verschwörungselemente gefielen mir gut, sie waren weitestgehend plausibel, durchdacht und spannend, auch wenn es nun keine großen Neuerungen auf diesem Gebiet gegeben hat. Ab und an entwickelt sich die Handlung zu konstruiert, aber ich persönlich konnte darüber gut hinweg sehen, zumal der Autor unglaublich originelle Ideen hat, vor allem was das tägliche Einerlei seiner Figuren angeht. Mehr als einmal habe ich mich in alltäglichen Dingen wiedergefunden und ein Schmunzeln war nicht mehr zu vermeiden.
Mit dem Mysteriös-Phantastischem hatte ich allerdings so meine Probleme. Ich konnte zwar in etwa nachvollziehen, was mir der Autor in Sachen „Gabe“ versucht näher zu bringen, allerdings konnte es mich nicht richtig erreichen. Insgesamt waren die Ausführungen dazu einfach zu abstrakt und schwammig. Die Idee dahinter ist prinzipiell nicht schlecht, nur vermochte es der Autor nicht, sie nachvollziehbar und greifbar umzusetzen. Zum Ende hin nimmt diese Gabe immer mehr Raum ein, so dass ich mich nicht mehr 100%ig auf den Roman einlassen konnte. Das vermutlich als fulminant geplante Finale ließ mich zudem eher unberührt, und anstatt das Buch ausklingen zu lassen, hat sich der Autor für ein ganz abruptes Ende entschieden. Das riecht möglicherweise nach einer Fortsetzung. Ein paar Seiten mehr nach dem großen Showdown hätten dem Buch sicher gut getan und mich vor allem zufriedener zurück gelassen.
Jon ist eine wirklich interessante Figur, mit vielen Facetten und dabei auch noch rundherum sympathisch. Es ist schwer, vorherzusagen, was Jon als nächstes tun wird, was sein Agieren stets spannend und zum Teil überraschend macht. Die anderen Figuren sind in meiner Erinnerung leider etwas zurückgetreten und haben keinen großen bleibenden Eindruck hinterlassen. Allerdings waren sie in der Handlung meistens glaubwürdig und lebendig ausgearbeitet, wenn auch ohne einprägsame Charaktereigenschaften.
Fazit
Der Genre-Mix aus Thriller und Fantasy bietet angenehme Unterhaltung, wobei der Fantasy-Part eindeutig der schwächste des ganzen Romans ist. Das Besondere liegt hier in den bibliophilen Bereichen, wo es Mikkel Birkegaard gelungen ist, wundervolle, stimmige Atmosphären zu schaffen, die mich unheimlich berührt haben.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an Page & Turner für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Hingabe – Esther Verhoef
Verlag: btb | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-75238-6
Seiten: 416
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19.95
ET: 05.2010
Margot ist Anfang 30 und hat beschlossen sich von ihrem Freund zu trennen. In den letzten 6 Jahren hat man sich einfach auseinander gelebt, sodass ein miteinander nicht mehr möglich war. Sie bricht alle Brücken hinter sich ab und zieht in eine eigene kleine Wohnung, wagt einen Neubeginn zu dem auch ein Wochenende in London gehört.
In London trifft sie auf Leon. Ein gut aussehender und auch etwas geheimnisvoller Mann, der sich als Kunstfotograf entpuppt.
Man kommt sich näher und auch schon bald funkt es zwischen den beiden.
Margot scheint endlich wieder einen Mann gefunden zu haben, bei dem sie sich geborgen fühlt, der, zugegeben, in etwas abgehobenen Künstlerkreisen verkehrt, aber so völlig anders, interessanter ist als ihr Ex.
Doch das Glück ist trügerisch. Margot fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass Leon vor ihr auch schon eine Freundin hatte die nicht nur, wie Margot selbst, auch rotes Haar sondern auch den selben, seltenen, genetischen Defekt besaß dem sie zwei unterschiedliche Augenfarben verdankt. Und als sie auch noch erfährt, dass Leons Ex sich selbst das Leben genommen hat beginnt ihre neue Beziehung zu bröckeln.
Der Leser weiss jedoch, dass es kein Selbstmord war, so wie er auch weiss, dass Margot bereits ihren Kopf in die Schlinge ihres zukünftigen Mörders gelegt hat.
Ich war am Anfang von Esther Verhoefs Buch Hingabe wirklich angetan. Endlich ein Buch das nicht wieder nur der Auftankt zu einer neuen Endlosserie ist. Man findet darin keine Leichenfläderrein oder Vorgartenblutbäder, wie in den üblichen 20 Metern Krimi-Regal die jeder Buchladen im Sortiment führt. Statt dessen bietet uns Verhoef einen von Charakteren getriebenen Thriller der sich auch nicht davor scheut mit den Perspektiven zu spielen und am Anfang auch immer wieder Einschübe direkt aus der Gedankenwelt des Killers beinhaltet. Das alles klang viel versprechend, aber leider blieb es nur bei einem Versprechen.
Ich weiss nicht genau warum die Autorin das Konzept nicht beibehalten hat und nach gerade mal 70 Seiten einen völlig anderen Kurs einschlägt? Denn ab da rückt sie deutlich die Beziehung zwischen Margot und Leon in den Vordergrund. Dem Umbruch, den Margot in ihrem Leben vollzieht, wird viel Platz eingeräumt. Sie schmeißt ihren alten Job und macht was ihr gefällt, lebt freier und sorgt sich nicht mehr so viel um ihre Zukunft. Sie scheint nun endlich das Leben zu führen dass sie immer wollte.
Diese Passagen sind nicht schlecht geschrieben und beinhalten eigentlich alles was man sich von einem Frauenroman nur wünschen kann. Einen weiblichen Hauptcharakter, der durch seine persönlichen Niederlagen niedergeworfen wird, aber auch an ihnen wächst und am Ende gestärkt daraus hervorgeht.
Erst um die Seite 310 herum scheint sich Verhoef wieder auf das Konzept ihres Thrillers zu besinnen, Spannung ist bis dahin nicht wirklich vorhanden, eher nur zu erahnen.
Somit hab ich ein wenig Probleme dieses Buch Thrillerfans zu empfehlen.
Es ist durchwegs solide und kurzweilig geschrieben, beinhaltet aber, auf eine Seitenanzahl von gut 410 Seiten, gerade einmal 80-90 für einen Thriller relevanten Seiten. Der Rest fällt eher in das Genre des Frauenromans.
Wer nun also einen Roman mit weiblicher Hauptfigur sucht, die sich durch die Unbilden des Lebens schlagen muss und nichts gegen einen ordentlichen Schuss Thriller hat wird mit dem Buch auf jeden Fall seine Freude haben.
Wer sich jedoch das Buch auf Grund der Bezeichnung Psychothriller auf dem Schutzumschlag ins Regal stellt, wird wohl eher eine Enttäuschung erleben.
Vielen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars
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Die schwarze Sonne – James Twining
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-15832-4
Seiten: 413
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 8,95 €
ET: 02.2008
Meine Rezension
Der Prolog liefert ein blutiges und grausiges Bild: Ein Arzt und eine Krankenschwester beobachten auf dem Monitor der Videoüberwachung, wie fremde Männer in das Zimmer eines Patienten eindringen und ihn übel mißhandeln. Bevor die zwei sich aus ihrem Schock lösen und den Sicherheitsdienst rufen können, werden sie bemerkt…
Kapitel eins und zwei setzen in anderen Städten mit anderen Szenen fort – allerdings verfolgen beide selbe grausige und brutale Bilder: ein Einbruch in einem Museum, ein Diebstahl und ein brutaler Mord an einem Wächter…
Und Tom Kirk, gerufen von einem Rabbi, wie er sich in einer verwüsteten Synagoge umschaut. Er fotografiert die Zeugnisse sinnloser Gewalt und scheinbarem Nationalsozialismus. Auch bei diesem Einbruch ist etwas gestohlen worden, so erhält er den Auftrag das Bild eines unbekannten jüdischen Malers aus dem Zweiten Weltkrieg zurück zu holen.
Band 02 beginnt ebenso spannend, wie bereits Band 01 war, mit einer sehr bildhaften Sprache und der Mission Impossible Atmosphäre im Hintergrund. Zeitweise hat man das Gefühl ein Drehbuch zu lesen, man ist bereits nach wenigen Sätzen mitten im Film und kann sich alles was passiert sehr gut vorstellen. Jedes Kapitel gibt Ort und / oder Zeit der Geschehens an, wie getippte Schrift unten im Bild eines Krimis, oder eines James Bond Films.
Unser Protagonist Tom Kirk ist wieder mitten in merkwürdigen Wirrungen, einem Verbrechen sowie hinter einem – oder auch mehreren – wirklich schlimmen Bösewichten her. Allerdings ist er diesmal nicht mehr allein. Seine Freunde Archie sowie Dominique sind nie weit weg und helfen meisten mehr in brenslige Situationen hinein, anstatt hinaus. An Spannung mangelt es dem Buch wirklich nicht. Ebenso ist es sehr schlüssig und gut recherchiert. Ich fand es stellenweise nur ein bißchen zu brutal und zu blutig, im Gegensatz zu Band 01.
Kritisch war ich diesmal wegen der gewählten historischen Thematik: Nationalsozialismus aus Deutschland der heutigen Zeit, England, Amerika, Russland… alle in einem Topf und die deutschen Nazis sind die Bösen (unter anderem). Allerdings haben sich jegliche meiner Befürchtungen sehr schnell zerstreut. Der Autor schildert sämtliche Ereignisse nüchtern, stellt historische Hintergründe genau da und man nicht ein Mal das Gefühl, es würde mit Vorurteilen oder schlecht durchdachten oder mißbräuchlichen Stereotypen gespielt. Das fand ich wirklich toll. Am Ende des Buches bekommen in den Themen Nationalsozialismus und zweiter Weltkrieg einfach alle Nationen ihr Fett weg. Das Nachwort klärt auch die letzten geschichtlichen Fragen. Das alles hat mir wirklich gut gefallen.
Einziger wirklicher Kritikpunkt, der sich aber im Verlauf der Ereignisse im Buch doch immer mal zerstreute, weil das Buch so gut ist, dass man es dem Autor eigentlich doch nicht übel nehmen wollte, war die Vorhersehbarkeit an einigen Stellen. Das Buch hatte immer mal was aus Szenen von Dan Browns Sakrileg oder tatsächlich MI oder auch mal James Bond. Aber manche Situationen lassen sich wahrscheinlich nur schwer neu erfinden. Deshalb gibt es fast die volle Punktzahl.
Meine Bewertung
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Das Spiel des Engels – Carlos Ruiz Zafón
Verlag: Fischer | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-100-95400-8
Seiten: 720
Ausgabe: Hardcover
Preis: 24,95 €
ET: 11.2008
Wir schreiben das turbulente Jahrzehnt vor dem Bürgerkrieg, als alles aus den Fugen gerät. Die Bevölkerung Barcelonas explodiert, die Stadt expandiert, Gaudí erschafft seine Kathedrale, Banden kontrollieren ganze Stadtviertel und die Anarchisten zünden ihre Bomben. Der junge David Martín fristet sein Leben als Autor von Schauergeschichten. Als ernsthafter Schriftsteller verkannt, von einer tödlichen Krankheit bedroht und um die Liebe seines Lebens betrogen, scheinen seine großen Erwartungen sich in nichts aufzulösen. Doch einer glaubt an sein Talent: Der mysteriöse Verleger Andreas Corelli macht ihm ein Angebot, das Verheißung und Versuchung zugleich ist. David kann nicht widerstehen und ahnt nicht, in wessen Bann er gerät…
Mit unwiderstehlicher erzählerischer Kraft lockt uns Carlos Ruiz Zafón wieder auf den Friedhof der Vergessenen Bücher: mitten hinein in einen Kosmos voller Spannung und Phantastik, Freundschaft und Liebe, Schrecken und Intrige. In eine Welt, die vom diabolischen Wunsch nach ewigem Leben und Ruhm regiert wird.
Meine Rezension
Carlos Ruiz Zafón gewann mit seinem Erstlingswerk „Der Fürst des Nebels“ einen spanischen Jugendliteraturpreis. Mit seinem zweiten Buch „Im Schatten des Windes“ hielt er sich wochenlang auch in deutschen Bestsellerlisten. Nun erschien sein drittes Buch: „Das Spiel des Engels“ – das mindestens so viel versprechend scheint wie „Im Schatten des Windes“. Die Geschichte spielt im Barcelona der 1920-1940iger Jahre und lässt den Leser Bilder sehen, wie sie für das Barcelona von Herrn Zafón typisch sind.
David Martín ist ein kleiner Junge, als er seinen Vater verliert und sich ab sofort selbst durchschlagen muss. Dank Barcelonas größtem Wohltäter erhält er einen Job in einer Zeitungsredaktion, wo er den Laufburschen spielen darf, bis sein Schreibtalent entdeckt wird. David wird unter einem Pseudonym bei zwei furchtbaren Verlegern berühmt. Hier fängt die Geschichte an, spannend zu werden: Ein Haus, das eine unvergleichliche Anziehungskraft auf David ausübt, ein dubioser Verleger aus Paris mit einem merkwürdigen Angebot und die ständigen schlimmen Kopfschmerzen, unter denen David leidet… sind alles Dinge, die anfangs scheinbar nicht zusammen gehören. Doch schon bald zieht David in dieses Haus, nimmt das Angebot des Verlegers an und erfährt nach nur einem fFnftel des Buches, dass er einen Hirntumor hat und bald sterben muss. Doch irgendwas stimmt an der Sache nicht und schon nach kurzer Zeit fragt man sich als Leser, welchen Deal David da eigentlich eingegangen ist?!
Das Buch ist sehr spannend geschrieben, mit mehreren sich steigernden Spannungsbögen, sodass man nur selten die Möglichkeit zum Luftholen hat. Es ist durchgehend von einer sehr düsteren Stimmung überlagert, in die nicht nur ein, sondern anscheinend gleich mehrere Geheimnisse verwoben sind. Nur mit großer Mühe gelingt es dem Leser, nicht einfach das Buch hinten aufzuschlagen und schon mal nachzulesen, wie es wohl ausgeht und was des Rätsels Lösungen sein werden…
Ich würde das Buch nicht unter dem Genre „Roman“ im Sinne einer „Liebesgeschichte“ einstufen, sondern eher unter dem Genre „Krimi“ oder vielleicht sogar ein bisschen „Thriller“.
Leider fühlte ich mich stellenweise an die Filme „A Beautiful Mind“ und „Fight Club“ erinnert, sodass ich mir nicht immer sicher war, was in diesem Buch als Schein, als Kriminalität oder einfach nur als krankhafter Geist zu definieren war. Und auch das Ende ließ mich in dieser Hinsicht leicht im Dunkeln und noch einige Zeit am Grübeln.
So kann man abschließend sagen, dass es mal wieder ein gelungenes und spannendes Buch geworden ist, mit dem einzigen kleinen Manko eines unbefriedigten Lesers am Ende.
Meine Bewertung
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Miss Mary und das geheime Dokument – Rose Melikan
Miss Mary, Teil 01
Verlag: Goldmann | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-46689-4
Seiten: 480
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 8,95 €
ET: 01.2009
England, 1795
Die junge Mary Finch, Lehrerin an Mrs. Bunburys Schule für junge Damen, ist unterwegs zu ihrem Onkel, der sie auf seinen Besitz White Ladies eingeladen hat. Doch als sie unterwegs einem schwer verletzten Mann begegnet, der eine Uhr mit den Initialen ihres Onkels bei sich trägt, nimmt Marys Leben eine dramatische Wendung. Plötzlich gerät sie in eine Verschwörung, in die auch ihr Reisebegleiter, der hinreißende Captain Holland, verwickelt sein könnte – in dessen Nähe Marys Herz stets ein wenig schneller schlägt …
Meine Rezension
„Miss Mary und das geheime Dokument“ ist der Auftakt zu einer Abenteuerserie um die junge, gebildete und abenteuerlustige Mary Finch. Auch wenn ich nicht ganz glücklich mit dem Roman bin, habe ich mich doch kurzweilig sehr nett unterhalten lassen.
Obwohl sich das Buch wirklich wunderbar weglesen lässt (in drei Tagen hatte ich das Buch komplett gelesen), habe ich leider eine Menge zu kritisieren. Auch wenn man sich schnell in den sehr leichten, wenig anspruchsvollen Stil einliest, wirkt der Erzählstil gerade zu Beginn etwas hölzern und gezwungen, was den Erzählfluss meines Erachtens beeinträchtigt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass Rose Melikan krampfhaft darum bemüht war, Jane Austens Stil in einem gewissen Maße zu kopieren. Dadurch wirkte vor allem der Anfang des Romans oft recht verkrampft und zu sehr gewollt. Im Laufe der Handlung werden Sprache und Stil immer flüssiger. Scheint als hätte die Autorin letztendlich zu ihrem eigenen Stil gefunden. Ganz ohne moderne Umgangssprache kommt Rose Melikan allerdings bis zum Ende nicht aus und leider gibt es immer wieder kleine Erzähllücken in der Handlung. Gelegentlich vergisst sie einfach, dem Leser die für einen plausiblen Handlungsablauf wichtigen Details zu erzählen, was mich im Lesefluss leider zurück geworfen hat.
Ob die diversen Flüchtigkeitsfehler der Übersetzung zu verdanken sind, kann ich nicht beurteilen. So oder so hat es mich genervt, dass aus Miss Finch häufig Mrs. Finch wurde, um nur ein Beispiel anzuführen.
Die Handlung beginnt recht schleppend, ohne große Vorkommnisse und es dauert eine Weile bis wirklich etwas Schwung in die Geschichte kommt und damit auch Spannung. Obwohl die Autorin diese Spannung dann auch über weite Strecken halten kann, gibt es gelegentlich etwas langatmige Einschübe. Der grobe Plot ist zwar recht leicht zu erahnen, dafür sind die Szenen, zu meiner großen Freude, äußerst selten vorhersehbar. Die Art der Verschwörung ist an sich sehr originell und auch wenn ich gewisse Verdachtsmomente hatte, hatte ich nie wirklich einen Durchblick, sondern war bis zum Ende hin verwirrt. Allerdings ist die Umsetzung nicht ganz optimal, da zum Schluss doch viele Fragen von Bedeutung unbeantwortet bleiben und das Zusammensetzen des Verschwörung-Puzzles dem Leser obliegt. Meine Verwirrung hat sich bedauerlicherweise nicht gänzlich aufgelöst und somit hat mich das Buch etwas unzufrieden zurück gelassen. Die Liebesgeschichte ist eher eine Randerscheinung und der historische Hintergrund beschränkt sich im Prinzip darauf, dass sich Frankreich und England im Krieg miteinander befinden. Zwar wirft Mary hin und wieder ihre Geschichts- und Literaturkenntnisse ein und Captain Holland erzählt ein wenig über Artillerie, aber das Prädikat „historisch“ hat sich der Roman damit nicht verdient. In meinen Augen ist „Miss Mary und das geheime Dokument“ ein unterhaltsamer Abenteuerroman, der zufällig im 18. Jahrhundert angesiedelt ist.
Bis auf Mary Finch haben mich die meisten Figuren leider enttäuscht. Mary ist die einzige Figur die regelrecht vor Leben sprudelt, unheimlich vielschichtig ist und mich recht früh begeistern konnte. Tiefe Beziehungen konnte ich aber auch zu ihr nicht aufbauen. Sehr schön fand ich, dass sie zwar gebildet, aber etwas weltfremd und abenteuerlustig, aber naiv ist. Die Autorin hat es vermieden Mary zu Superwoman des 18. Jahrhunderts zu machen, was ich ihr hoch anrechne. Dennoch hat Mary Finch ihre Stärken. Sie ist tapfer, mutig und hat einen sehr wachen und klugen Verstand.
Zwar gestehe ich neben Captain Holland noch einigen wenigen anderen Charakteren durchaus einige Facetten zu, allerdings wirkten sie dennoch nicht wirklich lebendig und real. Im Laufe der Handlung konnte ich zwar Sympathien für Holland und auch eine Nebenfigur namens Cuff entwickeln, aber in regelrechte Begeisterungsstürme konnten sie mich nicht versetzen. Allerdings muss ich zugeben, dass Holland wirklich mit der Handlung wächst und je näher ich ihn kennen lernen durfte, desto besser gefiel mir diese Figur. Zum Schluss hätte ich beinahe auch mein Herz an ihn verlieren können. Viele der Nebenfiguren sind absolut blass, flach, eindimensional und heben sich kaum von den anderen ab. Ich hoffe sehr darauf, dass es der Autorin gelingt, ihren Figuren in den kommenden Romanen mehr Tiefe zu verleihen.
Fazit
Insgesamt ist „Miss Mary und das geheime Dokument“ eine äußerst unterhaltsame und kurzweilige Lektüre, allerdings ohne großen Anspruch und auch dicht gewebte Atmosphären sucht man hier leider vergeblich. Aber wenn man sich auf leichte Kost einlassen kann, dann findet man hier durchaus ein kleines Lesevergnügen. Trotz der Mängel konnte ich das Buch genießen und für eine kurze Zeit ins 18. Jahrhundert abtauchen. Für mich war es genau das richtige für zwischendurch, auch wenn es stilistisch, sprachlich und inhaltlich durchaus verbesserungswürdig ist. Aber für eine Debüt ist „Miss Mary und das geheime Dokument“ eine durchaus ansprechende Leistung und vielleicht entwickelt sich die Autorin mit ihren nächsten Büchern weiter. Das Buch hat es auf jeden Fall geschafft, mich vor einer drohenden Leseflaute zu retten und ich fühlte mich gut unterhalten, daher gibt es noch eine verhältnismäßig hohe Bewertung. Auch wenn es hier und da etwas hapert, werde ich sicherlich die Fortsetzung lesen, sobald sie in deutscher Übersetzung erschienen ist. In der Originalausgabe ist der zweite Teil bereits unter dem Titel „Counterfeit Guest“ veröffentlicht, der dritte ist für 2010 unter dem Titel „The Mistaken Wife“ geplant. Bleibt nur zu hoffen, dass Goldmann diese Serie auch komplett heraus geben wird und es nicht wie zuletzt bei der Spionage-Serie von Lauren Willig (erschienen bei Blanvalet) nach dem zweiten Teil zu einer Einstellung der Reihe kommt.
Meine Bewertung
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