Archiv für die Kategorie „Historische Romane“
Die Schlüsselträgerin – Simone Neumann
Verlag: Goldmann | Leseprobe
ISBN: 978-3-442-47291-8
Seiten: 480
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 06.2010
Ein ergreifendes Frauenschicksal im frühen Mittelalter
Sachsen, 825: Gegen den Willen ihrer Familie ist Inga zur Frau des verfeindeten Rothger geworden. Als dieser eines Abends nach einem Saufgelage nicht nach Hause zurückkehrt, findet Inga ihn mit gebrochenem Genick im Wald. Kurz darauf kommt auch Rothgers schwangere Nebenfrau Uta ums Leben. Inga beschleicht ein ungutes Gefühl. Sie fürchtet, mithilfe heidnischer Rituale den Tod der beiden heraufbeschwört zu haben. In ihrer Sorge wendet sie sich an den strengen Mönch Bruder Agius. Schon bald wird deutlich, dass es zwischen Agius und Inga eine besondere Verbindung gibt …
Meine Rezension
Hatte ich noch am Anfang die Erwartung, einen der gängigen historischen Romane zu lesen, in der sich eine mutige Heldin munter durch das Mittelalter liebt, wurde schon nach wenigen Seiten klar, dass “Die Schlüsselträgerin” nicht in diese Schublade passt. Es ist nämlich kein Roman, bei dem es in erster Linie darum geht, wann die Heldin endlich nach vielen Liebesverwirrungen und entsprechenden -szenen ihren Geliebten in die Arme schließen darf, sondern eher ein sehr sorgfältig gezeichneter Einblick in das Leben der freien Sachsen im 9.Jahrhundert. Es hat nicht lange gedauert, bis der nüchterne und klare Schreibstil, mit dem die Autorin das Leben einer Sippe unter einem Dach beschreibt, mir das Gefühl gab, als hätte sich ein Fenster in das düstere frühe Mittelalter geöffnet. Die Lebensumstände scheinen für mich als geschichtlichen Laien sehr gut recherchiert zu sein und runden das sehr realistische Bild, das gänzlich ohne Klischees auskommt, ab.
Neben dem Miträtseln, wer und vor allem warum, ein Interesse daran hat, alle Mitglieder von Ingas angeheirateter Familie nach und nach aus dem Weg zu räumen, war es auch die Darstellung des gesellschaftlichen und vor allem religiösen Umbruchs nach den Sachsenkriegen Karls des Großen, die mich in den Bann gezogen haben. Die Mönche Agius und Melchior, die im Auftrag der Kirche die noch an den alten Göttern und Mythen festhaltenden Sachsen missionieren sollen, scheinen an dieser schier unlösbaren Aufgabe zu scheitern, denn die rätselhaften Todesfälle, mit denen sie es bei ihrem Versuch, bei den einzelnen Sippen Vertrauen zu erwecken, zu tun bekommen, erschweren ihr Vorhaben zusätzlich.
Der Hauptfocus der Geschichte liegt aber auf Inga, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ihre Stellung als Herrin des Hauses verliert und nur noch als Arbeitskraft geduldet wird. Als sich die tödlichen Unfälle in ihrem direkten Umfeld häufen und sie als einzige für ein Motiv in Frage zu kommen scheint, ist sie gezwungen, sich den Mönchen anzuvertrauen. Das verwirrende Geflecht aus einem lange zurückliegenden Unrecht, aus Verrat, Hass, Gewalt und Rache lichtet sich nur langsam, denn die Hinweise werden von der Autorin sorgfältig erst nach und nach platziert. Das Rätselvergnügen hielt somit lange an und das Rangeln der Kirche um das Aufbauen von neuen Machtverhältnissen tat sein Übriges dazu, dass das Lesen ein wahres Vergnügen war.
Im Nachwort wird zudem aufgeklärt, welche Personen des Romans fiktiv sind und welche es tatsächlich gegeben hat. Gleiches gilt für die Handlungsorte rund um das heutige Höxter im Weserbergland.
Fazit
Ein wirklich rundum gelungener historischer Roman, der sich durch die vermittelte Realitätsnähe positiv von anderen Vertretern dieses Genres abhebt.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Scarlet – Stephen R. Lawhead
Robin Hood, Teil 2
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-404-16425-7
Seiten: 461
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,99 €
ET: 04.2010
Britannien im 11. Jahrhundert
Die Normannen halten das friedliche Wales besetzt. König William der Rote hat den Baronen freie Hand gegeben, zu plündern und zu morden. In ihrer Verzweiflung wenden sich die Menschen an Bran ap Brychan, den man den Rabenkönig nennt und dessen Taten Legende geworden sind. Sie wollen Gerechtigkeit und Freiheit, und sie sind bereit, dafür zu kämpfen.
Einer von Brans Getreuen ist der Bogenschütze Will Scatlocke, der sich selbst Scarlet nennt. Seit vielen Generationen diente seine Familie als Vasallen eines angelsächsischen Adeligen am Ufer des Tyne. Dann enteignete der König sie mit einem Federstrich. So floh Will Scarlet in die Wälder und schloss sich der Schar von Geächteten um den Rabenkönig an. Doch nun hat man Will in den Kerker geworfen, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Ihm droht der Tod durch den Strang. Oder er soll den König der Raben und dessen verschworene Schar von Geächteten verraten. Aber das wird Will Scarlet niemals tun.
Meine Rezension
Robin Hood – eine Legende. Schon oft wurde sie in der Literatur verarbeitet oder auf der Leinwand zu neuem Leben erweckt. Auch Stephen R. Lawhead wagt sich an das Thema, mit einer Trilogie. Dabei erzählt er die Abenteuer Robin Hoods vor einem gewaltigen historischen Hintergrund neu. Der Autor vergisst dabei aber nicht, die Legende mit seiner ganz eigenen Interpretation zu verknüpfen. So erschließt sich dem Leser in „Scarlet“ zum Beispiel, wie es zu dem uns heute bekannten Namen „Robin Hood“ gekommen sein könnte. Und Stephen Lawhead schlägt noch weitere Brücken.
Auch wenn alle drei Teile eine Einheit bilden, wird jeder einzelne aus einer anderen Perspektive und mit einem anderen Schwerpunkt erzählt. So kommen einem nicht nur die wichtigsten Personen deutlich näher, sondern auch die Handlung selbst wird komplexer und schreitet stetig voran. Den Auftakt machte Robin Hood als Bran bereits in „Hood“. Der zweite Teil, „Scarlet“, wird aus Will Scarlets Sicht erzählt, dabei erfährt der Leser vieles über sein Leben, vor und während seiner Zeit bei den „Geächteten“, aber auch immer mehr über das Leben mit Robin Hood/ Bran. Auch hier spielt der historische Hintergrund keine geringe Rolle und ist deutlich verständlicher geschildert als im ersten Band der Reihe, wo ich doch häufig verwirrt war und den Ausführungen Lawheads nicht immer folgen konnte.
Während mir von „Hood“ wirklich nur Bruchstücke in Erinnerung geblieben sind und mich das Buch damals nicht richtig überzeugen konnte, hat mich „Scarlet“ sehr begeistert. Vielleicht liegt es an der Figur selbst, die ich schon immer mehr mochte als Robin Hood. Aber auch der Stil wirkt hier flüssiger. Der Aufbau der Erzählung ist großartig und spannend, da das Feld hier von Hinten aufgerollt wird. Das Buch endet abrupt in einem gewaltigen Cliffhanger, der mich echt schockiert und fassungslos zurück gelassen hat. Hier ist jetzt Schluss?
Die Figuren sind seit „Hood“ deutlich gereift und lebendiger geworden. Bran kam mir im ersten Teil doch sehr starr und konstruiert vor. In „Scarlet“ ist er über seine starren Konturen hinaus gewachsen und kann endlich überzeugen. Will Scarlet, der hier erst seinen Auftritt hat, überzeugt auf Anhieb und ist derart sympathisch ausgearbeitet, dass man gar nicht anders kann, als ihm atemlos zu folgen. Er ist der verwegene, rotzfreche Mann, den ich mir immer vorgestellt habe und ist dabei so amüsant, dass Schmunzeln einfach nicht ausbleibt.
Leider bleiben aber die Nebenfiguren weiterhin farblos. Sie konnten mich nicht immer mitreißen, blieben einfache Charaktere ohne viel Tiefgang. In den einzelnen Szenen haben sie ihre Aufgaben ausreichend erfüllt, aber einen bleibenden Eindruck haben sie nicht hinterlassen. Nach einer Weile verblassen sie einfach in der Erinnerung.
Obwohl die Bücher chronologisch aufeinander aufbauen, ist es nicht zwingend erforderlich, „Hood“ gelesen zu haben, um auch mit „Scarlet“ auf seine Kosten zu kommen. Wie bereits erwähnt, hatte ich kaum noch Erinnerungen an den ersten Teil, und kam mit „Scarlet“ doch ganz wunderbar zurecht und hatte äußerst kurzweilige, spannende Lesestunden.
Fazit
„Scarlet“ ist deutlich spannender und fesselnder als sein Vorgänger „Hood“, dabei außerdem plausibler und merklich ausgereifter und komplexer. Man merkt, Stephen R. Lawhead ist in seine Geschichte hineingewachsen und lebt sie nun aus. Mit der Figur des Will Scarlet ist dem Autor ein großartiger, einprägsamer Charakter gelungen, der mich wirklich beeindruckt und mitgerissen hat und den ich nicht so schnell vergessen werde.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an Bastei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Die Dichterin von Aquitanien – Tereza Vanek
Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-442-47226-0
Seiten: 704
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,95 €
ET: 07.2010
Mitte des 12. Jahrhunderts, nahe Paris
Die junge Marie wächst in einfachen Verhältnissen auf. Kurz nach dem Tod ihres trinkfreudigen Vaters erhält sie die Nachricht, sie sei die illegitime Tochter von Geoffrey VI, dem Bruder des englischen Königs Henri II, und wird nach England an den Hof gebracht. Es fällt ihr schwer, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, und um ihre Einsamkeit zu vertreiben, beginnt Marie schließlich, heimlich zu dichten. Als Königin Eleonore von Maries Gedichten erfährt, wird diese bald zu einer ihrer Lieblingsdamen. Aber Marie zieht nicht nur Bewunderung, sondern auch viel Neid auf sich …
Meine Rezension
Da der historische Hintergrund – Eleonore von Aquitanien, Richard Löwenherz & Co. – absolut meinem Beuteschema entspricht, war ich wirklich gespannt, was Tereza Vanek aus einem meiner Lieblingsthemen gemacht hat. Auch hatte ich bereits eine Trilogie über Marie de France gelesen – wenn auch zum Fantasy-Genre gehörend -, die mich seinerzeit sehr begeistert hat. Somit war die Messlatte recht hoch angesetzt, aber Tereza Vanek hat es geschafft, mich bis auf wenige Kleinigkeiten restlos zu überzeugen. „Die Dichterin von Aquitanien“ war mein erster Roman, den ich von der Autorin gelesen habe und eines steht fest: es wird definitiv nicht mein letzter gewesen sein.
Tereza Vanek schreibt in einem wunderbar flüssigen und anschaulichen Stil, der mir problemlos das Mittelalter in plastischen Bildern vor Augen entstehen lassen konnte. Leider gibt es aber auch einige kleinere Fehler, die dem Lektorat nicht hätten entgehen dürfen. Vor allem zu Beginn werden einige Wörter verwechselt, was meinen Lesefluss beträchtlich gebremst hat, da der Satz plötzlich keinen Sinn mehr ergeben hat. So wird aus einem Ritter plötzlich ein Richter und statt “deiner Mutter” heißt es “meiner Mutter”. Auch stimmen auf den ersten Seiten eine Zeit- und Altersangabe nicht miteinander überein. Im weiteren Verlauf der Handlung sind mir solche Ungereimtheiten nicht mehr aufgefallen und ein stolperfreies Lesevergnügen ist garantiert.
Die Handlung selbst ist von Beginn an spannend und interessant erzählt. Sie beginnt mit Maries Kindheit und obwohl ich oft Schwierigkeiten habe, Kinder bei ihren Abenteuern zu beobachten, habe ich mich hier rundherum wohl gefühlt und Marie sofort ins Herz geschlossen. Als Marie zur Frau heran wächst und sich ihr Schicksal abzeichnet, war es dann endgültig um mich geschehen. Ich habe Marie auf ihrem steinigen, abwechslungsreichen Lebensweg jeden einzelnen Moment gerne begleitet. Tereza Vanek versteht es, ihre Leser mitzureißen und in ihre Geschichte einzuschleusen und zu integrieren. Der Unterhaltungswert des Romans ist enorm und ich hatte wirklich jeden Abend große Schwierigkeiten, das Buch zum Schlafen aus der Hand zu legen. Atmosphärisch dicht erzählt und emotional berührend ist „Die Dichterin von Aquitanien“ ein historischer Roman, der sich deutlich von der Masse abhebt, auch wenn am Ende einige Handlungsverläufe etwas unglücklich und zu bemüht erscheinen. Hier hätten manche Wege gerne anders beschritten werden dürfen, vielleicht auch, um den Leser nochmal zu überraschen oder zu schockieren.
Die Geschichte um Marie de France ist rein fiktiv, da so gut wie nichts über sie bekannt ist. Einzig ihre Lais haben die Zeit überdauert, in historischen Quellen bleibt sie eine nebulöse Figur, auch wenn es viele Spekulationen über ihre Herkunft gibt. Allerdings ist der historische Hintergrund durchaus plausibel mit Tereza Vaneks Interpretation ihres möglichen Lebens verknüpft. In ihrem Nachwort geht die Autorin ausführlich auf diesen Umstand ein und begründet, warum sie „dieses Leben“ für ihre Marie gewählt hat. Mich hat sie absolut überzeugt!
Die Protagonistin Marie ist eine großartige, starke und ausnehmend sympathische Figur. Dass sie nicht immer die Heldin, sondern auch Opfer oder Zuschauerin ist, macht sie zu einer realistischen und glaubhaften Titelfigur, die ich unheimlich gerne auf ihrem Lebensweg begleitet habe. Zwar konnte ich sie nicht immer verstehen, aber sie handelt immer ihrem Charakter entsprechend und bleibt damit eine plausible Figur. Das männliche Pendant, Jean, hat nicht nur Marie zum Träumen gebracht, sondern auch mich begeistert, obwohl er zunächst so gar nicht der strahlende Held in glänzender Rüstung ist. Aber er entwickelt sich und wird im Laufe seines Reifen zu einem wirklich interessanten, starken Mann, der jedes Frauenherz höher schlagen lässt.
Aber nicht nur die beiden Protagonisten überzeugen, auch die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet und dynamisch, glaubwürdig und faszinierend.
Ebenso die historischen Persönlichkeiten, die durchaus polarisieren könnten. Jeder der bereits Romane über diese Zeit gelesen, sich vielleicht sogar eingehender damit beschäftigt hat, wird sich vermutlich sein ganz persönliches Bild von Henry II., Richard Löwenherz und Eleonore von Aquitanien gemacht haben. So auch ich und an meinen Vorstellungen hat Tereza Vanek zum Teil ganz schön gerüttelt. Gerade Richard hat die Autorin nicht mit verklärtem Blick zurück ins Leben gerufen, sondern zeigt Seiten an ihm auf, die nicht unbedingt liebenswert erscheinen. Auch Eleonore von Aquitanien ist hier der eher überhebliche Typ, auf den bestmöglichen Vorteil für sich und ihre Söhne, vor allem Richard, bedacht. Henry II. ist der bullige, laute, zu starken Temperamentsausbrüchen neigende König, wie er zumeist geschildert wird. Das macht den großen Reiz der historischen Persönlichkeiten aus. Sie sind lebendig und greifbar, nachvollziehbar in ihrem Handeln und äußert wandlungsfähig. Besonders gefreut hat mich, dass sie nicht einfach nur zur Ausstattung des Romans gehören und als Statisten fungieren, sondern beträchtliche Rollen in der Handlung einnehmen und Maries Leben aktiv begleiten und zum Teil sogar lenken.
Der Verlag hat sich viel Mühe gegeben, das Buch ansprechend zu gestalten und hat neben einer zeitlichen Abfolge der wichtigsten historischen Ereignisse, auch einen Stammbaum und eine Karte als unerlässlich angesehen. Das wirklich ausführliche Nachwort der Autorin rundet die Handlung ab, so dass der Liebhaber historischer Romane zufrieden mit dem Buch abschließen kann.
Fazit
Das Buch kam mir unter, als ich gerade so gar nichts mehr mit historischen Romanen anfangen konnte – eigentlich mein bevorzugtes Genre -, aber da mich das Thema reizte, gab ich „Die Dichterin von Aquitanien“ wenigstens eine Chance. Belohnt wurde ich mit einem mitreißenden, überzeugenden Roman, der mich ausnehmend gut unterhalten hat und der mir endlich wieder richtig Lust auf mein Lieblingsgenre gemacht hat. Vielen Dank, Tereza Vanek!
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Die geheime Tochter – Claudia Ziegler
Verlag: Diana Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-453-35485-2
Seiten: 576
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: 9,95 €
ET: 04.2010
Schottland 1715
Seit vielen Jahren lebt die neunzehnjährige Französin Cécile mit ihrem Vater in den schottischen Highlands. Erst als der Vater im Sterben liegt, erfährt sie, warum ihre Familie aus Frankreich floh und welch schweres Erbe sie antreten wird. Ihr Vater, damals ein angesehener Herzog mit großen Besitztümern in Südfrankreich, wurde des Verrats und des Mordes beschuldigt und außer Landes getrieben. Der große Aufstand der Hugenotten gegen den Katholizismus als Staatsreligion war ihm politisch zum Verhängnis geworden. Nun soll Cécile statt seiner die Drahtzieher dieser Verschwörung entlarven und das Erbe der Familie retten. Entschlossen, den Wunsch des Vaters zu befolgen, reist die junge Frau ganz allein nach Südfrankreich. Noch ahnt sie nicht, dass die Widersacher des Vaters auch ihren Spuren folgen …
Meine Rezension
Ich muss zugeben, dass mich „Die geheime Tochter“ vom Thema her nicht so reizte wie der Debütroman der Autorin, „Die Favoritin des Königs“, auch wenn Frankreich, Schottland und das 18. Jahrhundert durchaus in mein Beuteschema fallen. Da ich aber vom Erstling der Autorin so unglaublich begeistert war, konnte ich gar nicht anders, als auch den aktuellen Roman von Claudia Ziegler zu lesen. Leider konnte er mich aber nicht so stark überzeugen wie es die Geschichte über Madame de Pompadour vermochte.
Sprachlich und stilistisch gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Die Geschichte ist leicht und süffig geschrieben, so dass sich die Seiten ganz von alleine umblättern. Man bemerkt gar nicht, wie viel man bereits gelesen hat und ist überrascht wie kurzweilig Claudia Ziegler zu unterhalten vermag. Dabei kann man fast darüber hinwegsehen, dass man mit „Die geheime Tochter“ keinen fundierten historischen Roman in den Händen hält, sondern vielmehr eine Abenteuergeschichte, die an alte Mantel-und-Degen-Filme erinnert.
Leider hebt sich „Die geheime Tochter“ nicht besonders von anderen historischen Romanen ab, die derzeit den Büchermarkt überspülen. Der historische Hintergrund spielt kaum bis gar keine Rolle, dabei wäre daraus unheimlich viel zu machen gewesen. Schließlich befindet sich die Protagonisten Cécile in unmittelbarer Nähe zum französischen Hof und pflegt Kontakte zum Adel, während sich die Schotten auf einen Aufstand vorbereiten und dabei auf die Unterstützung Frankreichs bauen. Ich hätte mir wirklich gewünscht, die Autorin wäre auf diesen interessanten Aspekt schottischer und französischer Geschichte deutlich mehr eingegangen. Die Gelegenheit verstreicht allerdings fast gänzlich ungenutzt. Da habe ich mich beim Lesen schon gefragt, warum die ein oder anderen Handlungsstränge überhaupt nötig gewesen sind, wenn sie doch nur an der Oberfläche kratzen. Einige Szenen und Figuren des Anfangs hätten daher meiner Meinung nach durchaus vernachlässigt werden können, zumal es für den Leser irreführend ist, dass Schottland als Handlungsort aufgeführt wird. Dort handelt der Roman leider wirklich nur sehr bedingt und bringt den Leser doch nur auf falsche Gedanken. Gerade weil ich von dem historischen Hintergrund in „Die Favoritin des Königs“ so begeistert war, habe ich von der Autorin in dieser Hinsicht deutlich mehr erwartet.
Wer allerdings einen Abenteuerroman sucht, der zufällig im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, ist mit diesem Roman wirklich bestens bedient. In dieser Hinsicht lässt „Die geheime Tochter“ kaum Wünsche offen. Die Protagonistin muss einige Abenteuer und gefährliche Situationen bestehen, dabei trifft sie auf Intrigen und Geheimnisse, die sie zu lüften versucht. Lernt Männer kennen, von denen sie sich nicht sicher sein kann, dass sie vertrauenswürdig sind und gerät selbstredend in ein Gefühlskarussell. Auch wenn nicht alle Handlungsverläufe wirklich plausibel und nachvollziehbar sind und sich einige Handlungsstränge nicht überzeugend auflösen, unterhält der Roman abenteuerlich gut.
Die Figuren sind zum Teil wirklich gut herausgearbeitet, wobei das vor allem auf die männlichen zutrifft. Diese konnten mich am meisten von ihrer „Echtheit“ überzeugen. Es sind starke, facettenreiche Charaktere, die die Handlung erst richtig interessant gemacht haben. Hier hat Claudia Ziegler wirklich ein gutes Gespür bewiesen. Cécile hingegen konnte mich nicht richtig überzeugen, da ich ihre Handlungsweisen und Beweggründe nicht immer nachvollziehen konnte. Dann war sie in einem Moment eine wirklich starke Frau und im nächsten doch nur das schutzbedürftige Mädchen, dass einen Fehler nach dem anderen begeht. Leider konnte mir Cécile nicht richtig nahe kommen, aber zumindest habe ich sie doch gerne auf ihrem großen Abenteuer begleitet.
Fazit
Auch wenn „Die geheime Tochter“ den Stempel „Historischer Roman“ nicht wirklich verdient, so ist es doch ein schöner Abenteuerschmöker, der mich gut unterhalten und mir kurzweilige Lesestunden beschert hat. Für Abenteuersuchende genau das Richtige, für Leser des besonderen historischen Romans, nur sehr bedingt zu empfehlen.
Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Diana Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Der Glasmaler und die Hure – Michael Wilcke
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 978-3-7466-2203-3
Seiten: 358
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 2005
Während katholische Truppen das feindliche Magdeburg belagern, wird Martin, ein tüchtiger Glasmaler, überfallen und seine Frau getötet. Ausgerechnet Thea, seine Jugendliebe, die sich als Hure verdingen muss, rettet ihn aus der brennenden Stadt. Obwohl sie alles tut, ihn von seinen Plänen abzubringen, machte Martin sich daran, den Mörder seiner Frau zu finden.
Meine Rezension
Der Glasmaler und die Hure ist in einem leicht zu lesenden Stil geschrieben. Der Autor Michael Wilcke hat es geschafft, in kurzen Sätzen das ganze Grauen des 30jährigen Krieges zu packen. Die Person des Glasmalers Martin Fellinger und seiner Jugendliebe Thea, die mittlerweile als Hure arbeitet, waren mir von Anfang an sympathisch. Ich habe sehr mit ihnen gehofft und gelitten.
Das Buch ist in 4 Teile gegliedert. Im ersten Teil lernte ich die Protagonisten kennen. Der Autor schildert das Leben in der belagerten Stadt Magdeburg anno 1631, was ihm sehr realistisch gelungen ist. Und ich erlebte die Zerstörung Magdeburgs und das Grauen, das damit einherging. Ich bin wirklich froh, nicht in dieser grausamen Zeit gelebt zu haben. Der zweite Teil spielt sich im Tross der Schweden ab. Auch hier schildert Michael Wilcke in knappen Sätzen, das anstrengende Leben im Krieg und im Trosslager. Es ist ihm gut gelungen, die Existenzängste und Not der Menschen zu vermitteln. Trotzdem schafft er es immer wieder, dem Leben auch die positiven Seiten abzugewinnen und uns daran teilhaben zu lassen. Zeitweise ist es aber nichts für schwache Nerven, da auch auf die medizinische Versorgung eingegangen wurde und die Ärzte damals nun mal nicht zimperlich sein durften.
Im dritten Teil versucht Martin nun, die Mörder seiner Frau zu finden und Rache zu üben. Dem Autor ist es gelungen, die seelischen Qualen die Martin durchlebte glaubhaft dazustellen. Ich habe sehr mit ihm gelitten.
Im vierten und letzten Teil findet Martin zu sich selbst zurück und versucht einen Weg zu finden, um mit dem Krieg zurechtzukommen. Auch hier hat der Autor die richtigen Worte gewählt, um sein Leben und seine Beziehung zu Thea glaubwürdig darzustellen. Während des ganzen Buches ging nichts von der Spannung am Anfang verloren, im Gegenteil. Außerdem erfährt man hier so ganz nebenbei noch ein paar Details aus dem 30 jährigen Krieg, was ich sehr interessant fand.
Am Ende geht Michael Wilcke in einem kleinen Nachwort noch einmal auf Wahrheit und Fiktion ein, und außerdem gibt es noch ein kleines Glossar der damals gebräuchlichen Wörter. So etwas gefällt mir immer gut. Der Glasmaler und die Hure hat mir von der ersten bis zur letzten Zeile sehr gut gefallen, ich hatte tolle Lesestunden. Ich kann den Roman nur jedem empfehlen, der gute historische Romane mag.
Meine Bewertung
Vielen Dank an den Aufbau Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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