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Obsession – Hitomi Kanehara

Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3-550-08717-2
Seiten: 224
Ausgabe: gebunden mit Schutzumschlag
Preis: € 18,00
ET: 01.2009

Lin ist zweiundzwanzig, Schriftstellerin und frisch verheiratet. Sie geht in der Ehe und dem Haushalt auf. Sie akzeptiert alles, sie unterwirft sich ihrem Mann, denn für sie ist Selbständigkeit eine Bedrohung. Die Zwangsvorstellung, andere Frauen könnten ihr Liebesglück gefährden, macht sie rastlos und aggressiv. Immer tiefer steigert sie sich in Eifersucht, Wut und quälende Phantasien hinein. Erst als sie sich für ihren neuen Roman mit ihrer Autobiographie beschäftigt, beginnt sie zu verstehen, dass Liebe für sie schon immer ein Machtspiel war. Ein mutiger Roman über das Verhängnis bedingungsloser Liebe.

Meine Rezension

In “Obsession” erzählt die Autorin Hitomi Kanehara die Geschichte von Rin. Das Buch ist in vier Teile gegliedert, die jeweils einen kleinen Lebensabschnitt von Rin beinhalten.
Im ersten Abschnitt ist Rin 22 Jahre alt, Schriftstellerin und verheiratet. Eigentlich könnte sie ein schönes Leben führen – wäre da nicht ihre Eifersucht. Rin kann Lügen, Geheimnisse, etc. nicht ausstehen und reagiert ziemlich extrem darauf.

Die nächsten drei Abschnitte enthalten Ereignisse aus ihrem Leben, als sie 18, 16 und 15 Jahre alt war. Und durch jedes Alter zieht sich ein ähnliches Muster – Rin lebt mit einem Mann/Jungen zusammen und ist ihm hörig. Geprägt wird dieses Verhalten schon früh durch Sex, Drogen und Alkohol.

Das ganze Buch über habe ich mich gefragt, wie wird jemand so abhängig von einem Mann, egal ob man ihn liebt oder nicht. Rin ist nicht in der Lage eigene Entscheidungen zu treffen. Sie lässt sich durch das Leben treiben, ohne öffentlich ihre Meinung zu sagen. Dadurch, dass das Buch in der Ich-Form geschrieben wurde, bekommt der Leser ihre Gedanken mit und durch ein Ereignis als sie 15 Jahre alt war, merkt man besonders ihre Hilflosigkeit. Während in ihrer Kindheit die Eltern über sie bestimmt haben, übernehmen später ihre wechselnden Freunde diesen Part ein. Für mich war Rin selbst mit 22 Jahren keine “ganze” Erwachsene, sondern noch ein halbes Kind.

Rin empfand ich nie als nervig, etc. sondern hatte nur Mitleid mit ihr. Für mich hat sie sich, zwischen all ihren Obsessionen, nach Liebe gesehnt – doch sie war ständig nur einsam. Während der Partner in einer Beziehung in der Regel an erster Stelle steht, fühlte sich Rin immer nachhinten, an 3. oder 4. Stelle versetzt.

Die weiteren Personen, die in dem Buch auftreten, bleiben weitestgehend farblos und Rin selbst, ist kein Charakter, indem man sich hineinversetzen kann. Die fast schon ordinäre Sprache passt zu Rin und ihren Taten und wirkt sehr authentisch dadurch.
Mir hat das Buch gut gefallen und ich konnte kaum aufhören zu lesen. Auch jetzt nach Beendigung des Buches denke ich noch oft über Rin nach. Hätte man ihr Helfen können sich zu ändern, wäre sie an einen “netten” Kerl gekommen? Hätten ihre Eltern verhindern können, dass sie sio wird?
Ein Zitat, dass Rin mit 22 Jahren von sich gibt, charakterisiert sie für mich sehr gut:

“In Wirklichkeit ist niemand vor dem Tod gefeit. Die meisten Menschen vergessen
das bloß und leben in der Annahme, dass ihre Existenz auch für den nächsten Tag
gesichert ist. Ich selbst kann mich nicht in dieser Gewissheit wiegen.”

Wenn man mich fragen würde, ob ich das Buch weiterempfehlen würde, wüsste ich nicht, was ich darauf antworten sollte. “Obsession” ist ein schwieriges Buch und ich kann mir gut vorstellen, dass viele ein Problem mit der Person “Rin” haben. Teilweise erinnerte mich das Buch an “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche, weniger vom Inhalt her, sondern die Sprache. Im Endeffekt muss jeder selbst für sich entscheiden, ob “Obsession” etwas für einen ist oder besser nicht. Ich habe das Buch gerne gelesen und bereue keine Sekunde, die ich mit dem Buch verbracht habe.

Meine Bewertung

4 von 5 Büchern


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