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Lea Korte im Interview
Herzlichen Dank, Lea, dass Du Dir die Zeit nimmst und der Buchcouch ein paar neugierige Fragen beantwortest.
Buchcouch: Im Februar 2010 wird, nach „Die Nonne mit dem Schwert“, Dein zweiter Roman, „Die Maurin“, erscheinen. Kannst Du uns ein wenig über die Handlung verraten?
Lea Korte: Der Verlag kündigt den Roman so an: „Andalusien im 15. Jahrhundert: Zwischen Mauren und Christen toben erbitterte Kämpfe – Kämpfe, die auch das Leben der jungen Zahra nicht unberührt lassen. Als Hofdame und enge Vertraute Aischas, der Hauptfrau des tyrannischen Emirs, gerät sie in ein grausames Spiel dunkler Intrigen und rücksichtsloser Machtkämpfe. Dann verliebt sie sich ausgerechnet in den Spanier Gonzalo – eine Liebe, die sie in tödliche Gefahr bringt … Eine spannende historische Epoche und eine verbotene Liebe.“
Ich denke, schon in dieser kurzen Beschreibung klingt an, dass „Die Maurin“ ein vielschichtiger und komplexer Roman ist: Im Mittelpunkt steht Zahra, eine junge, bisweilen allzu impulsive Maurin „mit bestürzend blauen Augen“. Genau wie ihr Vater und ihr Bruder Raschid setzt sie sich für die Verständigung zwischen den muslimischen Mauren und den christlichen Kastiliern ein, wobei sie sich naturgemäß anderer Mittel als die Männer bedienen muss, und bringt sich dabei immer wieder in Gefahr. Noch bedrohter wird ihr Leben, als sie sich in einen Christen verliebt, denn dadurch macht sie sich endgültig auf beiden Seiten Feinde …
Buchcouch: Wie bist Du auf die Idee gekommen, einen Roman über Mauren und Christen zu schreiben?
Lea Korte: Ich finde schon allein den historischen Hintergrund superspannend: die Mauren herrschten damals seit 800 Jahren über weite Teile der iberischen Halbinsel. In der Zeit, über die ich schreibe, regierten sie immer noch über einen großen Teil Andalusiens, den sie „al-Andalus“ nannten. Für sie war dies nicht einfach nur ein Stück Land, sondern ihr Herz, ihr Leben. Aber unter den Katholischen Königen wurde Kastilien immer mächtiger und sie wollten „die Heiden“ aus ihrem Land haben. Es ging also nicht nur um reine Landgewinne, sondern auch um einen Kampf zwischen den beiden großen Religionen – womit der Roman zugleich auch einen sehr aktuellen Bezug hat. Es ist überhaupt ein wundersames Ding, wie brandaktuell Geschichte sein kann.
Buchcouch: In „Die Nonne mit dem Schwert“ hattest Du als Protagonistin eine reale, historische Persönlichkeit, was vermutlich einige Schwierigkeiten beim Schreiben mit sich gebracht hat. Wie ist es bei „Die Maurin“? Ist Deine Hauptfigur dort real oder fiktiv?
Lea Korte: Wahr sind in diesem Roman nur die historischen (Hintergrund-)Figuren und die geschichtlichen Ereignisse. Zahra und ihre Familie sind fiktiv; aber diese Familie hätte es real geben können und genau das war mir beim Schreiben auch ein wesentliches Anliegen. Ich wollte eine Figur kreieren, die diese aufwühlende Zeit der Wiedereroberung der iberischen Halbinsel durch die Kastilier für den Leser zu neuem Leben erweckt – und die zugleich auch ihre eigene Geschichte erzählt, die natürlich mit den äußeren Wandlungen im Zusammenhang stehen. Im Laufe des Romans wird Zahras Leben immer wieder tief erschüttert: es geht um Liebe und Verzweiflung, Vertrauen und Verrat, Würde und Verachtung, die eigene Wahrheit und die der anderen – und darum wie sie ihren eigenen Weg zwischen diesen Wahrheiten findet. Durch diese Kombination war ich in meiner Arbeit und meinen Kreationsmöglichkeiten viel freier als bei der „Nonne mit dem Schwert“, obwohl die historischen „Eckdaten“ und Ereignisse natürlich auch gewisse Vorgaben darstellen – zumal ich es mit der historischen Wahrheit sehr genau nehme.
Buchcouch: Hattest Du beim Schreiben einen ganz besonderen Moment? Einen, der richtig unter die Haut ging?
Lea Korte: Allerdings. Obwohl ich diesen Roman mit mehr Elan als irgend einen anderen zuvor geschrieben habe und sehr gut vorankam, bin ich in der Mitte des Buches auf einmal stecken geblieben. Es ging einfach nicht mehr weiter. Tagelang hockte ich da, löschte Passagen, schrieb neue – aber irgendwie kam ich nicht mehr voran. Nachdem ich dann ein paar Tage gar nicht gearbeitet und mir dann alles noch einmal angesehen hatte, wurde mir endlich klar, was die Ursache war: Ich hatte mit meinen Figuren einen Weg eingeschlagen, der diesen nicht „passte“ – aber ich wusste leider nicht, warum er ihnen nicht passte und auch nicht, an welcher Stelle ich von „ihrem“ Weg abgekommen war.
Mit seinen Figuren im Hader zu liegen ist ein ziemlich unangenehmes, um nicht zu sagen besch…eidenes Gefühl für einen Autor: Es war, als würde ein Teil von mir auf einmal gegen mich kämpfen. Ein Freund hat mir schließlich den rettenden Hinweis gegeben. Eigentlich waren es nur zwei Sätze von ihm, dann hat es bei mir „Klick!“ gemacht – und ich wusste endlich, wo der Fehler lag. Mit einer einzigen markieren-löschen-Aktion katapultierte ich achtzig Manuskriptseiten in den virtuellen Müll und konnte endlich weiterschreiben. Schon nach den ersten neuen Zeilen spürte ich, wie zufrieden die Figuren jetzt waren und konnte es dann auch selbst wieder sein. Wenn man so einen Knoten aufgelöst hat, ist das ein unglaublich gutes und befreiendes Gefühl – und dieser Moment ging mir allerdings unter die Haut!
Buchcouch: Wie gehst Du bei Deiner Recherche vor? Besuchst Du die Originalschauplätze?
Lea Korte: So weit es möglich ist, mache ich dies immer, ja. Bei der „Nonne mit dem Schwert“ bin ich ins Baskenland gereist und habe mir Catalinas Geburtsstadt San Sebastian und das Kloster angesehen, aus dem sie dann geflohen ist, und einige der spanischen Städte, durch die sie in ihrem bewegten Leben kam, kannte ich ohnehin sehr gut. Nur nach Südamerika konnte ich meiner Catalina leider nicht folgen.
Die Handlungsorte der „Maurin“ hatte ich fast vor der Haustür: Granada, Malaga, Cordoba – zu all diesen Städten habe ich es nicht weit, und habe sie mir dann natürlich auch alle angesehen. Außerdem bin ich auch durch Marokko gereist: ursprünglich kamen die Mauren von dort und viele von ihnen sind in späteren Jahren in das Land ihrer Ahnen zurückgekehrt. Diese Reise hat mir viele wichtige Einsichten und Erkenntnisse beschert. Darüber hinaus lese ich sehr viel. In Geschichtsbüchern findet man oft nur Beschreibungen der äußeren Umstände einer Zeit. Deswegen lese ich darüber hinaus auch historische Reisebeschreibungen, Werke von Autoren, die zur Zeit meiner Helden gelebt haben und in diesem Fall auch einige Aufzeichnungen der Berichterstatter am kastilischen Hof. Solche Bücher vermitteln mir einen sehr tiefen Eindruck davon, wie die Menschen damals wirklich gelebt haben.
Buchcouch: Was war dein schönster Recherche-Moment (auf beide historische Romane bezogen)?
Lea Korte: Ich liebe die Recherchearbeit, und das so sehr, dass sie für mich ohnehin schon eine einzige Anreihung von schönen Momenten ist: Für mich gibt es nichts Spannenderes, als herauszufinden, wie Menschen in früheren Zeiten gelebt haben! Das Reizvolle an dieser Arbeit ist für mich, dass ich alle Informationen, die ich über diese Zeit aufnehme, sogleich in Verbindung mit meinen Romanfiguren bringen kann. Wenn ich zum Beispiel etwas darüber lese, wie die Mauren damals ihre Toten bestattet haben, dann weiß ich gleich, in welchem Kapitel ich diese Information brauchen werde und sofort entstehen dann die entsprechenden Bilder in meinem Kopf. Manchmal ist es auch gar nicht so einfach an alle Informationen zu kommen, die man für sein Buch braucht, was mir vor allem bei „Die Maurin“ zu schaffen machte. Die Kastilier haben sich vor allem im 16. Jahrhundert redliche Mühe gegeben, alles, was an die Mauren erinnerte, auszuradieren. Deutsche Quelle helfen mir bei so meinen Thema ohnehin selten weiter, aber diesmal sind mir sogar die spanischen oft genug versiegt. Gott sei Dank habe ich diese „Lücken“ dann aber doch noch füllen können: Der Bruder einer guten Freundin von mir ist Arabistikprofessor, und er und seine Frau haben mir mit sehr großem Engagement und viel Spaß an der Sache geholfen, auch noch die schwierigsten Fragen zu beantworten. Anfangs lief der Kontakt über Telefon und Mails ab, aber dann haben wir uns auch persönlich kennen gelernt. Die Zusammenarbeit mit ihnen wird mir als ein besonders schöner Teil meiner Recherchearbeit in Erinnerung bleiben! Und auch für das nächste Buch haben sie mir schon ihre Hilfe zugesagt.
Buchcouch: Was wird die Zukunft bei Dir bringen? Wirst Du weiterhin ausschließlich historische Romane schreiben, oder hast Du schon konkrete Vorstellungen für andere Genres?
Lea Korte: Ich habe auch bislang nicht ausschließlich historische Romane geschrieben, allerdings liegen mir die historischen Romane ganz besonders am Herzen. Sie haben nur einen „Nachteil“: sie sind unglaublich zeit- und arbeitsaufwändig, vor allem, wenn man so akribisch recherchiert wie ich.
Derzeit bin ich dabei, einen weiteren historischen Roman zu schreiben, die ersten hundert Seiten für eine Leseprobe sind schon so gut wie fertig. Aber ich möchte auch – wieder – etwas anderes „nebenbei“ schreiben: derzeit liebäugele ich mit einem Psychothriller.
Buchcouch: Du lebst in Spanien. Wieso hast Du Dich nach Deinem Studium gerade für Spanien entschieden? Was fasziniert Dich so an diesem Land?
Lea Korte: Eigentlich habe ich mich schon vor dem Studium für dieses Land entschieden, um genau zu sein, im zarten Alter von zwölf Jahren.
Da war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal an der Costa Brava. Das Meer, der weite Himmel, dieses ganz besondere Licht, die Sonne, die Menschen, die Sprache – alles hat mich angezogen, und das mit einer Macht, dass ich dachte: Da gehörst du hin! Inzwischen habe ich fast mein halbes Leben dort verbracht. Übrigens würde ich nicht sagen, dass Spanien mich fasziniert. Ich fühle mich dort nur einfach mehr zu Hause als irgendwo anders auf der Welt.
Natürlich wüssten wir gerne, wie bei Dir ein Roman entsteht.
Buchcouch: Schreibst Du chronologisch oder wie Dir die Szenen in den Sinn kommen?
Lea Korte: Bevor ich mit dem Schreiben anfangen kann, muss ich erst einmal die vor allem bei den historischen Romanen sehr umfangreiche Planung hinter mich bringen. Das heißt, ich muss mir einen guten Überblick über die geschichtlichen Ereignisse und Lebensumstände meiner Zeit verschaffen. Danach schreibe ich meinen Plot, das heißt, ich plane den gesamten Roman Szene für Szene stichwortartig durch, dann erstelle ich Charakterstudien, Ablaufpläne und alles, was sonst noch so zum Gerüst meines Buches gehört. Und wenn ich dann endlich mit dem Schreiben des eigentlichen Romans anfangen kann, womit ich jetzt auf deine Frage zurückkomme, dann schreibe ich tatsächlich ganz brav eine Szene nach der anderen. Anders ginge das für mich auch gar nicht: Manchmal entwickelt sich beim Schreiben etwas anders, als ich es geplant hatte, meine Figuren kennzeichnen sich in jedem Buch durch ein ausgeprägtes Eigenleben aus – da wäre es wenig sinnvoll, spätere Szenen schon fertig ausgearbeitet zu haben.
Als ein besonderes Problem bei den historischen Romanen empfinde ich übrigens den Umstand, dass ich, wenn ich eine bestimmte historische Information beim Schreiben brauche, auch noch wissen muss, wo ich etwas darüber gelesen habe. Bei meinem ersten historischen Roman habe ich ziemlich viel Zeit mit Suchen verloren; inzwischen habe ich ein geniales Computerprogramm, in dem ich alles „ablege“, was ich an Informationen, Bildern, Wissen und Notizen zusammentrage – und finde es dann beim Schreiben tatsächlich auch auf Anhieb wieder.
Buchcouch: Hast Du bestimmte Rituale beim Schreiben?
Lea Korte: Eigentlich brauche ich zum Schreiben nur eines: dass ich in Ruhe gelassen werde.
Dies ist der Fall, sobald die Kinder in der Schule sind. Und dann geht es mir wie den meisten, die freiberuflich zu Hause arbeiten: Ich weiß genau, dass die Kinder in so und so vielen Stunden wieder durch das Haus toben, und ich nicht endlos Zeit habe, mein Tagespensum zu erfüllen – und schon steigt mein Adrenalinspiegel und los geht es! „Zum Einstieg“ checke ich meine Mails, beantworte sie und bin damit schon mal „warmgeschrieben“.
Buchcouch: Die Frage hast Du sicherlich schon mehrmals gehört, aber auch wir möchten gerne wissen: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Lea Korte: Mein zwölftes Lebensjahr war, im Nachhinein betrachtet, mein Jahr der existenziellen Beschlüsse: Auch den „Beschluss“, Schriftstellerin zu werden, habe ich damals gefasst – und war damit sicher genauso naiv wie andere, die „beschließen“, Tierarzt, Astronaut oder Bundeskanzler zu werden.
Zumindest meine Mutter hat gewusst, dass es kaum so einfach sein dürfte, einen Verlag für ein Buchprojekt zu gewinnen oder gar vom Schreiben leben zu können. Sie hat mir das Schreiben deswegen zwar nicht ausgeredet, aber zumindest darauf bestanden, dass ich erst einmal das Abitur mache und etwas „Ordentliches“ studiere, damit ich etwas habe, worauf ich im Notfall zurückgreifen kann. Das habe ich dann auch getan, aber kaum hatte ich mein Diplom in der Tasche, habe ich auch schon wieder zu schreiben begonnen. Das ist jetzt über 20 Jahre her. Meine ersten Veröffentlichungen waren Kurzgeschichten in Anthologien. Mein Ziel aber war von Anfang an, Romane zu schreiben. Also machte ich mich auf die Suche nach einem guten Agenten, den ich sogar auf Anhieb fand und der inzwischen sieben Bücher von mir bei renommierten Verlagen untergebracht hat. Kindheitsträume müssen also nicht zwangsläufig Träume bleiben – und ich bin wirklich froh und – so altmodisch sich das auch anhören mag – dankbar, dass ich seit einigen Jahren vom Schreiben leben kann.
Buchcouch: Was ist Dein Lieblingsbuch? Und warum?
Lea Korte: Unter den Autoren historischer Romane mag ich Rebecca Gablé besonders gern. Die Art, wie sie wahre Historie und fiktive Schicksale miteinander verwebt, finde ich hervorragend gemacht – und zudem sind ihre Romane auch noch absolut spannend!
Auch Autoren wie Petra Hammesfahr („Der Puppengräber“) oder Minette Walters („Die Bildhauerin“) lese ich gern – je psychologischer ein Thriller ist, desto mehr liebe ich ihn!
Buchcouch: Kannst Du diesen Satz für uns vervollständigen: “Schreiben ist für mich…”
Lea Korte: … alles!
Ganz ehrlich: ich weiß nicht, wie ich im Leben zurechtkommen würde, wenn ich nicht täglich über viele Stunden in meine eigene Welt abtauchen dürfte.
Und nun noch ein kleines Spiel, bei dem es darum geht, was Du von den zwei Begriffen bevorzugst…
Buchcouch: Sonne oder Mond
Lea Korte: Die Sonne! Zwar „röste“ ich mich nie über Stunden in ihr, aber ich bin trotzdem jemand, der sonnenabhängig ist. An grauen Tagen komme ich kaum in Gang; nur gut, dass es in Spanien nicht allzu viele davon gibt!
Buchcouch: Turnschuhe oder Highheels
Lea Korte: Turnschuhe! Ich trage oft und gern Turnschuhe (noch lieber allerdings gar keine Schuhe) und könnte mit Highheels keine fünf Schritte weit gehen, ohne mir die Hachsen zu brechen!
Buchcouch: Süß oder salzig
Lea Korte: Süß! Wobei ich mir gerade anzugewöhnen versuche, in „Denkpausen“ Reisbrot statt „Madeleines“ zu essen. Zuvor hatte ich die Haribo-Colaflaschen-Phase: Bei unserem Bäcker gibt es unglaublich leckere, dicke, fette Riesencolaflaschen, auf denen man endlos lange herumkauen kann! Dem Himmel sei Dank neige ich nicht dazu, Speck anzusetzen. Ich kann nur hoffen, dass sich das nie ändern wird: Wenn ich beim Schreiben hängen bleibe, kann ich nämlich tonnenweise „Zeug“ in mich reinschaufeln.
Buchcouch: Meer oder Berge
Lea Korte: Meer!!! Wenn ich nach Deutschland fahre, bekomme ich, auch wenn das merkwürdig klingen mag, schon Tage vorher Heimweh nach dem Meer. Es gibt in der Tat kaum einen Tag, an dem ich nicht wenigstens für eine kurze Weile am Meer bin. Wenn ich morgens meinen Jüngsten zur Schule gebracht habe, radele ich weiter zum Hafen. Ganz in der Nähe des Hafens gibt es eine wunderschöne Bucht. Dort setze ich mich gern auf einen Felsen und genieße einfach nur diesen wunderschönen Blick. Ich finde das Meer absolut faszinierend – und beängstigend zugleich.
Buchcouch: Kannst Du uns abschließend noch verraten, woran Du derzeit arbeitest?
Lea Korte: Wie schon erwähnt arbeite ich derzeit an einem neuen historischen Roman, aber mehr kann ich leider noch nicht verraten, weil auch der Verlag noch nicht weiß, was genau ich da in meinem stillen „Kämmerlein“ aushecke. Sobald dem Verlag mein neues Projekt vorliegt und er mir grünes Licht gibt, berichte ich auf meiner Webseite (www.leakorte.com) und in meinem wordpress-blog (www.leakorte.wordpress.com) darüber. Ein Besuch auf beiden Seiten lohnt sich also. Während die Webseite allgemeine Informationen enthält, stelle ich auf dem Blog derzeit viel Informationsmaterial über die Zeit ein, in der die Maurin spielt – und auch so manch anderes Unterhaltsame!
Nochmals vielen Dank für das schöne Interview. Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg als Autorin und freuen uns schon auf die Leserunde mit Dir zu “Die Maurin” im Frühjahr 2010.
Weiterführende Links
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-50230-3
Seiten: 672
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 02.2010
Preis: € 9,95
Buchcouch-Rezension zu “Die Nonne mit dem Schwert”
Lea Korte auf der Buchcouch
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Viola Alvarez im Interview
Herzlichen Dank, Viola, dass Du Dir die Zeit nimmst und der Buchcouch ein paar neugierige Fragen beantwortest.
Buchcouch: Gerade ist Dein neuester Roman, der zweite Teil der „Himmel aus Bronze“-Trilogie, „Das Auge des Himmels“ erschienen. Ist das Erscheinen eines neuen Buches für Dich noch genauso aufregend wie beim ersten Mal, als „“Das Herz des Königs“ veröffentlicht wurde?
Viola Alvarez: Ich glaube, dass nichts so aufregend ist wie das erste Buch. Das zweite oder ein weiteres Buch kann vielleicht „besser“ sein, vielleicht auch klarer oder befriedigender, aber das erste ist – in meinem Fall – die Erfüllung eines Traums gewesen.
Buchcouch: In „Das Auge des Himmels“ erzählst Du die Geschichte von Hayso aus dem ersten Teil, „Die Steine des Gorr“, nahtlos weiter. Im Herbst 2010 wird die Trilogie mit „Die Sonnenstadt“ abgeschlossen sein. Von vornherein war diese Geschichte als Trilogie angelegt und entwickelte sich nicht erst wie bei vielen anderen Reihen. Wie bist Du auf die Idee dazu gekommen? Was war der Antrieb, die Motivation eine Trilogie zu schreiben?
Viola Alvarez: Es war mir ziemlich klar, dass die Bronzezeit in ihrer inneren und äußeren Fremdheit sehr viel Handlung brauchen würde, um sich auch nur bruchstückhaft vor uns zeigen zu können. Vielfach ist mir in Diskussionen zum Buch tatsächlich bezüglich der damaligen Glaubenswelt der Begriff „Aberglaube“ begegnet. Das zeigt schon, wie schwer es fällt, unserer eigenen Vergangenheit unvoreingenommen zu begegnen. Die naïv-abwertende Rezeption der Welt unserer Vorfahren, wie ich sie von vielen LeserInnen gespiegelt bekommen habe, hat mich ehrlich gesagt schockiert. Die animistische Weltordnung und spirituelle Kommunikation, die damals omnipräsent gewesen sein mögen, erschließen sich heute nicht im Vorbeigehen. Von der täglichen Härte des Lebens ganz abgesehen. Außerdem wollte ich eine Geschichte der Übergangsriten und des Reifens erzählen. Auch das braucht Zeit. Mich hat die Idee sehr gereizt, zumal ich in den vorhergehenden Büchern immer auch literarische Mythenadaptionen bearbeitet habe. Die sind naturgegeben etwas anders strukturiert. Der Antrieb war letzten Endes wie immer, dass ich es so, in drei Teilen, für eine gute und realistische Geschichte hielt.
Buchcouch: Beim Lesen der beiden Teile der „Himmel aus Bronze“-Trilogie habe ich mich immer gefragt, wo die Handlung angesiedelt ist, sowohl geographisch als auch zeitlich. Aber auch, woher die für uns ungewohnten Begriffe, Rituale und Namen stammen. Kannst Du uns dazu etwas verraten? Ist alles reine Fiktion?
Viola Alvarez: Ja und nein, natürlich ist alles, was nicht archäologisch verbürgt ist, reine Fiktion. Es gibt auch keine sprachlichen Rudimente der Bronzezeit. Ich habe mir aus altgermanischen, altgotischen und altnordischen Fragmenten Namen konstruiert. Geographisch beginnen wir im Teutoburger Wald, dann hoch nach Haitabu, von dort natürlich zum Mittelberg, wo die Scheibe ja auch wirklich verwendet wurde. Zeitlich (kulturell) zwischen 2000 und 1500 vor der Zeitrechnung in einer quasi kondensierten Form. Die Rituale sind entweder ethnographisch abgeleitet oder aus Funden (dies allerdings europaweit) rekonstruiert.
Buchcouch: Anders als bei Romanen, die z.B. im 18. Jahrhundert angesiedelt sind, lassen sich für die „Himmel aus Bronze“-Trilogie kaum Originalschauplätze aufsuchen oder Originaldokumente lesen. Wie hast Du für die Trilogie recherchiert?
Viola Alvarez: Ich habe ethnographisch gearbeitet, Museen besucht, Fundorte, Ausgrabungsstätten und natürlich Fachliteratur gelesen.
Buchcouch: Gibt es eine Figur in „Der Himmel aus Bronze“, die Dir am meisten ans Herz gewachsen ist? Und welche hat Dir beim Schreiben die größten Schwierigkeiten gemacht?
Viola Alvarez: Socho Pakté, Omnaktar und Meygos sind meine Lieblinge. Schwierig ist die Wema gewesen, aus verschiedenen Gründen, die auszuführen hier zu weit führen würde.
Buchcouch: Vor der Trilogie hast Du drei Romane geschrieben, die sich entweder mit Sagen auseinandergesetzt haben, oder eine historische Persönlichkeit im Mittelpunkt hatten. Wird es nach Abschluss der Trilogie wieder einen Roman geben, der sich mit einer Sage beschäftigt?
Viola Alvarez: Nein. Ich werde dem historischen Roman den Rücken kehren. Dies übrigens sehr gerne und leichten Herzens. Im Moment gibt es da nichts, was mich noch besonders reizen würde zu schreiben. Ich werde mich in die Gegenwart vorarbeiten.
Buchcouch: Kannst Du uns verraten, welches Deiner Bücher Dir am meisten am Herz liegt? Welches hat Dich am meisten gequält, berührt und beschäftigt?
Viola Alvarez: Ich liebe und verfluche sie alle. Die Trilogie war sicher am schwersten zu schreiben, weil unsere Kinder gerade geboren waren und kontinuierliche Arbeitsleistung damals eher ein frommer Wunsch als realisierbar gewesen ist.
Buchcouch: Du hast auch schon für das Theater Stücke geschrieben. Hast Du Pläne, dahingehend weiter zu arbeiten?
Viola Alvarez: Ich habe im letzten Jahr zwei meiner Stücke auf die Bühne gebracht: „Liebeserklärungen“ und die „Therapiste“. Mein neues Stück „Mahlzeit“ ist fast fertig. Ich werde immer weiter in dieser Hinsicht arbeiten.
Buchcouch: Mein Eindruck ist, dass Psychologie und Philosophie in all Deinen Romanen einen hohen Stellenwert einnehmen. Deine Figuren sind in ihren Charaktereigenschaften bis ins Kleinste psychologisch begründet und verlieren sich gerne in philosophischen Betrachtungen. Beides begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Betrachtest Du Dich selbst als Hobby-Psychologin und -Philosophin?
Viola Alvarez: Psychologie finde ich als Hobby gefährlich. Philosophie als Hobby kann einen schnell wunderlich machen. Zweimal nein also. Ich glaube, dass man von Menschen in Extremsituationen sehr viel erfährt und dass sie auch einen direkten Erklärungs- und Verarbeitungsbedarf haben. Daher der Schwerpunkt in den Romanen.
Buchcouch: Gibt es schon Ideen zu anderen Themen, über die Du gerne schreiben möchtest?
Viola Alvarez: Ja, aber dazu möchte ich noch nichts sagen. Gegenwart, habe ich schon verraten.
Natürlich wüssten wir gerne, wie bei Dir ein Roman entsteht.
Buchcouch: Schreibst Du chronologisch oder wie Dir die Szenen in den Sinn kommen?
Viola Alvarez: Ich schreibe stringent, Seite 1, Satz 1 bis Seite Ende, letzter Satz.
Buchcouch: Hast Du bestimmte Schreib-Rituale?
Viola Alvarez: Earl Grey Tee, ein Apfel und Musik, wenn es irgendwie klappt. Manchmal klappt bloß eins.
Buchcouch: Was machst Du mit Deinem Recherchematerial nach Abschluss eines Romans?
Viola Alvarez: Verschenken, Entsorgen, bloß weg damit. Irgendwann reicht es mir.
Buchcouch: Die Frage hast Du sicherlich schon hundertmal gehört, aber auch wir möchten gerne wissen: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Viola Alvarez: Ich habe immer schon geschrieben. Es dauerte nur ein paar Jahre, bis ich die innere Reife und Geduld hatte, aus ein paar literarischen Skizzen einen Roman zu machen. Dann den klassischen Weg jenseits aller Mythenbildung: Manuskript an Agentur, Agentur schickt Manuskript an Verlag, Verlag sagt ja – hurra. Wer schreiben will, muss den ersten Roman ohne Hilfe oder Versprechen von außen hinkriegen.
Buchcouch: Kannst Du diesen Satz für uns vervollständigen: “Schreiben ist für mich…”
Viola Alvarez: …lebensnotwendig. Und Glück.
Und nun noch ein kleines Spiel, bei dem es darum geht, was Du von den zwei Begriffen bevorzugst…
Buchcouch: Sonne oder Mond?
Viola Alvarez: Sonne
Buchcouch: Meer oder Berge?
Viola Alvarez: Meer
Buchcouch: Sommer oder Winter?
Viola Alvarez: Winter
Buchcouch: Ebook oder Buch?
Viola Alvarez: Buch. Ist das jetzt ein Psychogramm? Wie bei Blöhmeiers in der Paartherapie?
Nochmals vielen Dank für das schöne und aufschlussreiche Interview, und wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg als Autorin.
Weiterführende Links
Verlag: Ehrenwirth
ISBN: 978-3-431-03796-8
Seiten: 476
Ausgabe: Hardcover
ET: 11.2009
Preis: € 19,99
Buchcouch-Rezension zu “Die Steine des Gorr”
Viola Alvarez auf der Buchcouch
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Constanze Wilken im Interview
Herzlichen Dank, Constanze, dass Du Dir die Zeit nimmst und der Buchcouch ein paar neugierige Fragen beantwortest.
Buchcouch: Dieses Jahr ist nach „Die Tochter der Tuchhändlers“ mit „Die Malerin von Fontainebleau“ Dein zweiter historischer Roman erschienen. Beide Romane sind im 16. Jahrhundert angesiedelt. Warum hast Du Dich gerade für dieses Jahrhundert entschieden?
Constanze Wilken: Schon während meines Studiums hatte ich eine besondere Vorliebe für die Kunst der Renaissance, die sich durch wiederholte Italienaufenthalte vertieft hat. Lucca ist eine der schönsten und magischsten Städte, die ich gesehen habe. Als ich dort durch die Gassen streifte, konnte ich mir lebhaft vorstellen, wie Beatrice Rimortelli vom Stoffkontor des Vaters zum Haus des ungeliebten Gatten läuft, wie sich der Ältestenrat der Stadt im Palazzo der Mansi versammelt oder der Turmwächter vom Palazzo Guinigi herunterruft.
Neben einigen der großartigsten Künstler, wie Giotto, Masaccio, Ghirlandaio, Botticelli, Michelangelo, um nur wenige zu nennen, hat die Renaissance Licht in das Dunkel des Mittelalters gebracht und fasziniert mit der Wiederentdeckung der Antike. Endlich kann sich das Individuum von den Fesseln der Dogmen befreien, das Bürgertum steigt auf und die Reformation verändert den Gang der Geschichte. Eine politisch, gesellschaftlich und kulturell atemlos machende Zeit – die unendlich viel Romanstoff bietet!
Buchcouch: Hast Du eine Lieblingsfigur in Deinem Roman „Die Malerin von Fontainebleau“?
Constanze Wilken: Natürlich war mir Luisa besonders nah und gleich danach kam Rosso Fiorentino.
Buchcouch: Warum ausgerechnet Rosso Fiorentino?
Constanze Wilken: Rosso war ein faszinierender Künstlerfürst, ein kontroverser Denker, ein attraktiver und zugleich liebenswerter und von seinen Mitarbeitern geschätzter Mann – was nicht alltäglich war. Dieser Künstler hatte geniale Ideen, die er im Rahmen dessen, was sein königlicher Gönner Franz erlaubte, verwirklichen konnte und zerbrach an seinem eigenen hohen moralischen Anspruch und den Hofintrigen – eine tragische Gestalt. Ich hätte ihn gern kennengelernt!
Buchcouch: Hast Du während Deiner Recherche für „Die Malerin von Fontainebleau“ die Originalschauplätze aufgesucht?
Constanze Wilken: Soweit das möglich ist, besuche ich die historischen Schauplätze meiner Romane. Fontainebleau liegt nur 50km südlich von Paris und ist damit gut zu erreichen.
Buchcouch: Was hat Dich am meisten beeindruckt?
Constanze Wilken: Im Schloss von Fontainebleau in der Galerie des Rosso zu stehen war ein unbeschreiblicher Moment.
Buchcouch: Was war Dein schönster Recherche-Moment (auf alle Romane bezogen)?
Constanze Wilken: Für „Die vergessene Sonate“ bin ich in die Tschechei gereist. Ich stand an einem kalten Dezembernachmittag allein auf dem jüdischen Friedhof in Prag und auf einmal fing es an zu schneien. Die Flocken legten sich lautlos auf die alten Grabsteine und die Geräusche der Stadt erstarben. Plötzlich knarrte das Eingangstor und Schritte kamen näher, hielten inne und dann war es ganz still. Ein verwunschener Augenblick.
Ein unvergessliches Erlebnis war auch ein Besuch im Museo Civico in Volterra, wo ich zum ersten Mal Rossos „Kreuzabnahme“ gesehen habe. Das Gemälde hängt in einem dieser schlicht-eindrucksvollen Räume eines Palazzo, indirekt angestrahlt und bannt den Betrachter durch seine gewaltige Farbenpracht und die emotional berührenden Leidenden vor dem gekreuzigten Christus.
Buchcouch: Bevor Du Dich dem historischen Roman zugewendet hast, hast Du Unterhaltungsromane geschrieben. Hast Du Dich nun gänzlich von diesem Genre verabschiedet oder wirst Du zukünftig sowohl historische Romane als auch Belletristik schreiben?
Constanze Wilken: Ich denke, das eine wird das andere nicht ausschließen, schaun wir mal…
Buchcouch: Wo liegt die größere Herausforderung: beim historischen Roman oder in der Unterhaltungsliteratur?
Constanze Wilken: Beide Genres haben ihre Herausforderungen und sind auf ganz spezielle Art anspruchsvoll. Der historische Roman fordert eine gründliche Recherche und das Entwickeln eines Gespürs für die Epoche, in der man sich bewegt. Ich finde die Anfangsphase, in der ich den Plot entwickle und das Leben von fiktiven und historischen Figuren miteinander verknüpfe, immer besonders spannend. Eine große Herausforderung bei der Umsetzung eines historischen Stoffes ist es, den Leser zu unterhalten und nicht mit Historischem zu überfrachten oder zu langweilen. Im Vorfeld liest man sich durch Berge von Sekundärliteratur und muss dann ganz rigoros selektieren, was einfließen darf und was nicht.
Buchcouch: Du lebst an der Nordseeküste. Hast Du schon darüber nachgedacht, einen Roman über eben diese Region zu schreiben?
Constanze Wilken: Wenn mir ein spannendes Thema begegnet, würde ich auch einen Roman hier an der Küste ansiedeln – bisher bin ich noch nicht fündig geworden.
Natürlich wüssten wir gerne, wie bei Dir ein Roman entsteht.
Buchcouch: Schreibst Du chronologisch oder wie Dir die Szenen in den Sinn kommen?
Constanze Wilken: Eher chronologisch obwohl während des Schreibens viel passieren kann.
Buchcouch: Hast Du bestimmte Rituale beim Schreiben?
Constanze Wilken: Unter anderem höre ich beim Schreiben Musik der Zeit.
Buchcouch: Die Frage hast Du sicherlich schon hundertmal gehört, aber auch wir möchten gerne wissen: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Constanze Wilken: Während meiner Promotion habe ich einige Jahre in Wales gelebt und Land und Leute, Schafe gibt es auch ziemlich viele, kennen und schätzen gelernt. Aberystwyth ist ein charmantes Küstenstädtchen mit dem Flair einer Sommerfrische um die Jahrhundertwende und interessanten, witzigen und skurrilen Bewohnern. Hier entstand die Idee zu meinem ersten Roman „Die Frau aus Martinique“.
Buchcouch: Hast Du ein Vorbild bzw. einen Lieblingsautor?
Constanze Wilken: Lieblingsautoren – Thomas Mann, Isabell Allende, Jane Austen, Dacia Maraini, John Maddox Roberts, u.a.
Buchcouch: Kannst Du diesen Satz für uns vervollständigen: “Schreiben ist für mich…
Constanze Wilken: …wie das Leben durch Worte zu atmen.
Und nun noch ein kleines Spiel, bei dem es darum geht, was Du von den zwei Begriffen bevorzugst…
Buchcouch: Sonne oder Mond?
Constanze Wilken: Sonne
Buchcouch: Turnschuhe oder Highheels?
Constanze Wilken: Turnschuhe
Buchcouch: Süß oder salzig?
Constanze Wilken: süß
Buchcouch: Sommer oder Winter?
Constanze Wilken: Sommer
Buchcouch: Kannst Du uns abschließend noch verraten, woran Du derzeit arbeitest?
Constanze Wilken: An einem Historienroman, in dessen Mittelpunkt ein geheimnisvoller Prunktisch der Münchner Residenz steht. Zeitlich bewege ich mich im frühen siebzehnten Jahrhundert. Ein Alchemist und eine neugierige junge Witwe stehen im Mittelpunkt. Mehr kann ich noch nicht verraten…
Nochmals vielen Dank für das schöne Interview und wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg als Autorin.
Weiterführende Links
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-46686-3
Seiten: 704
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 08.2009
Preis: € 9,95
Autoren-Leserunde zu “Die Malerin von Fontainebleau” ab 15.01.2010
Constanze Wilken auf der Buchcouch
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Bettina Hennig im Interview
Liebe Bettina, herzlichen Dank, dass Du unsere Leserunde zu „Luise – Königin aus Liebe“ begleitet hast und Du Dir die Zeit nimmst, der Buchcouch noch weitere, neugierige Fragen zu beantworten.
Buchcouch: „Luise – Königin aus Liebe“ ist Dein erster Roman. Eigentlich arbeitest Du als Journalistin. Wann kam der Wunsch auf, einen Roman zu schreiben, und wann hast Du mit der Recherche und dem Schreiben begonnen?
Bettina Hennig: Es war mehr ein Zufall, als ein gezielter Plan. Ich kannte Königin LUISE durch meine Familiengeschichte. Mein siebenfacher Urgroßvater ist ihr einmal, nämlich 1802, in Memel begegnet, und seine Eindrücke sind in unseren Familienaufzeichnungen erhalten geblieben. Ich wäre aber niemals auf die Idee gekommen, über sie zu schreiben, wenn mich nicht mein damaliger Doktorvater darauf gestoßen hätte. Er ist Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft und riet mir, meine Dissertation über seine Beziehung zu Königin Luise zu schreiben. Sie hat ihm ja Zuwendungen zukommen lassen und ihn quasi durchgefüttert. Mein Doktorvater fand es gut, über Luise zu schreiben, weil sich 2010 ihr Todestag zum 200. Mal jährt.
Aber das erklärt noch nicht, wie es dann zum Roman gekommen ist…
Die Geschichte geht auch weiter: Ich habe meinem Doktorvater versprochen, über seinen Vorschlag nachzudenken. Denn eigentlich fand ich das Thema nicht gut. Und wie das so ist, wenn man über etwas nachdenkt, habe ich die Sache mit einer Bekannten besprochen. Die war Lektorin und hat sofort einen Trend gewittert. Sie war begeistert: „Eine deutsche Autorin über eine deutsche Königin! Schreib einen Roman!“ Und verlangte Probeseiten. Ich war total perplex und überfordert und bin erst einmal zur Volkshochschule gegangen und habe einen Kursus besucht. Die Probeseiten habe ich dann tatsächlich zu Stande gebracht – und irgendwann hatte ich einen Vertrag mit einem Abgabedatum auf dem Tisch. Kurzum: Ich bin eigentlich eher durch die Umstände zu meinem Glück gezwungen worden, als durch eigenes Bemühen. Im Nachhinein bin ich froh darüber. Ohne diese Übertölpelung durch den Zufall hätte ich wohl nie einen Roman verfasst.
Buchcouch: Warum hast Du Dich ausgerechnet für einen Roman über die preußische Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz entschieden? Was fasziniert Dich an ihr?
Bettina Hennig: Mich hat fasziniert, dass ich sie auf den ersten Blick gar nicht so sympathisch fand. Ich mochte diesen Heiligenschein nicht, den man ihr aufgesetzt hat. Mutter, Staatsfrau, Stilikone – ein historisches Superweib eben. Das war alles so grässlich feierlich und pathetisch. Erst als ich festgestellt habe, dass sie ideologische missbraucht wurde und eine ganz andere Seite hat, wurde ich warm mit ihr. Was sie ausmacht, ist das Schillernde ihres Charakters. Sie ist nicht nur oberflächlich mitreißend, sondern auch einfühlsam und sanft. Sie hat Auftritt und Schwäche. Etwas Hoheitliches und etwas total Albernes. Und sie wechselt von einer Seite zur anderen – mühelos. Einmal hat sie in einem Brief eine Szene geschildert: In einem Repräsentations-Raum empfängt sie ausländische Diplomanten, dann geht sie durch eine Tür, wechselt die Garderobe und spielt auf der anderen Seite des Raumes mit ihren Kindern. Dann hängt sie sich schnell wieder etwas Repräsentatives über, geht durch die Flügeltür und hält wieder Hof. Und sie macht sich in diesem Brief lustig darüber.
Buchcouch: Bist Du für Deine Recherchen an die Originalschauplätze gereist? Was hat Dich am meisten beeindruckt?
Bettina Hennig: Ich liebe Schlösser. Ich bin, seit ich denken kann, in jedes Schloss gerannt, von dem ich wusste. Bei den Recherchen konnte ich mich in diesem Sinne voll austoben: Charlottenburg, Kronprinzenpalais, Paretz, Oranienburg
Und dann liebe ich Berlin! Es ist die schönste Stadt der Welt. Ich bin für die Recherche extra nach Berlin gezogen. Manchmal bin ich einfach nur durch die Straßen gegangen, von denen ich annahm, dass sie auch Luise einmal durchschritten hat – und habe versucht nachzuempfinden, was sie beim Anblick dieser Straßen, Häuser und Menschen empfunden haben mag. Ihr Zeitgenosse Jean Paul hat gesagt: „Berlin ist ein eigener Weltenteil.“ Er muss Paris nicht gekannt haben, denn das war um ein Vielfaches imposanter.
Buchcouch: Was war Dein schönster Recherche-Moment?
Bettina Hennig: Luises Briefe zu lesen. Sie sind das Tor zu ihrer Seele. Malve Gräfin Rothkirch (eine geborene Reichsgräfin Medem!), die eine Sammlung Luise-Brief herausgegeben hat, meinte: Luises Briefe sind so lebendig, dass man das Gefühl hat, sie rede persönlich mit einem. Und tatsächlich: Es ist so. Man hört sie förmlich sprechen, wenn sie schreibt. Ihre jeweilige Stimmung bildet sich zwischen den Zeilen voll ab. Mal ist sie albern, schreibt hessisch und benutzt kindliche Worte. Mal ist sie ganz Moll – dann wählt sie das Französische. Mal ist sie aufgeregt und freudig – und dann wechselt sie in alle Sprachregister, die ihr zur Verfügung stehen. Schreibt Englisch, Französisch, Deutsch und Hessisch im Wechsel, holpert durch die Zeilen, und stolpert so manches Mal über die Grammatik. (Zu ihrer Entschuldigung muss man sagen: Vor den Gebrüdern Grimm gab es keine einheitliche Rechtschreibung. Und als Königin konnte man ohnehin schreiben, wie man es für richtig hielt.) Kurzum: Es waren Luises Briefe, die sie mir zur Freundin gemacht haben.
Buchcouch: Gab es beim Schreiben eine Figur, die Dich ganz besonders berührt hat?
Bettina Hennig: Ich liebe sie alle. Und ich liebe besonders ihre Schwächen. Luises Wunsch, sich in der großen weiten Welt zu behaupten. Friedrich Wilhelms Stottern. Prinzessin Polyxenes Sehnsucht nach Gesellschaft. Großmutter Scho’sch gesellschaftlicher Ehrgeiz. König Friedrich Wilhelm II. Konzilianz. Des schmalen Louis Nachlässigkeit. Die Doppelzüngigkeit von Zar Alexander. Napoleons Herablassung, und Wosniaks Krächzen. Und Louis Ferndinand, ach, in Louis Ferdinand habe ich mich total verknallt.
Buchcouch: In „Luise“ hast Du den gängigen Weg verlassen und den Figuren in ihren Dialogen oftmals deren Mundart verwenden lassen. Wie haben Deine Verleger darauf reagiert?
Bettina Hennig: Das mit der Mundart war ja schon in meinen Probeseiten zu sehen, da wusste der Verlag, was auf ihn zukommt. Ich habe es aber noch stark abgemildert. Luise sprach noch viel hessischer. Das habe ich ganz rausgenommen. Und Friedrich Wilhelm musste seinen abgehakten Berliner Dialekt sprechen. Es wäre sonst nicht klar geworden, warum ein gutaussehender, wohlerzogener, herzensguter Kronprinz mit 23 Jahren noch unverheiratet ist. Das ist so ungewöhnlich, denn normalerweise würde er mit 16 schon verlobt gewesen sein. Er musste also eine Makel haben, der nicht erkennbar ist.
Buchcouch: Was hast Du empfunden, als Du den letzten Satz Deines Romans beendet hattest?
Bettina Hennig: Stille – in die leider sehr schnell die Hektik des Lektorats und der Korrekturen eingedrungen ist.
Buchcouch: Es wird sicherlich ein ganz besonderer Moment gewesen sein, als Du „Luise“ das erste Mal als fertiges Buch in den Händen gehalten hast. Kannst Du Dich noch an diesen Moment erinnern? Wie war das für Dich?
Bettina Hennig: Ich war begeistert, berührt und überglücklich. Gemein war, dass ein Freund schon vor mir ein Exemplar hatte. Ich war superneugierig. Und er hatte kein Fotohandy, so dass ich überhaupt keine Vorstellung davon hatte, wie es aussieht. Ein Tag später habe ich vom Verlag ein Paket mit Belegeexemplaren bekommen. Ich habe es sofort aufgerissen und habe gejubelt, als ich das wunderschöne Cover sah: Es ist ein Ölgemälde von Elisabeth Vigée-Lebrun. Und mein Lieblingsporträt von Luise.
Buchcouch: Wir waren begeistert von „Luise“ und da liegt die Frage, wann Dein nächster Roman erscheinen wird, nahe. Kannst Du uns dazu schon etwas verraten?
Bettina Hennig: Danke, Ihr Lieben. Ich freu mich, dass Euch meine „LUISE“ gefallen hat. Aber wann mein nächster Roman erscheint, kann ich leider noch nicht sagen. Das hängt von vielen Faktoren ab.
Buchcouch: Worüber wird dieser Roman handeln? Leser von „Luise“ haben da sicherlich schon Hoffnungen und Vermutungen, dass es ein Buch über Luises Schwester Friederike werden wird.
Bettina Hennig: Ich möchte Eure Hoffnungen nicht zerstören, muss mich aber bedeckt halten. Lasst Euch doch einfach überraschen.
Buchcouch: Gibt es schon Ideen zu anderen Themen, über die Du gerne schreiben möchtest?
Bettina Hennig: Eine Menge. Ich hab mehrere Sachbuch-Themen in petto. Eins davon ist kurz davor abgeschlossen zu werden. Und dann möchte ich dringend noch ein Theaterstück schreiben – über eine Prominenten-Ehe, die mich extrem fasziniert.
Buchcouch: Wie geschichtsinteressiert bist Du und was fasziniert Dich besonders?
Bettina Hennig: Ich interessiere mich total für Geschichte, besonders für den Adel, sein Selbstverständnis und seine Lebensweise. Da ist es mir egal, ob die im antiken Rom, in Frankreich, in England oder in Deutschland aktiv waren. Zudem kommt, dass ich nun, da man die Potsdamer Schlösser, ohne langwierige Visumsstress, endlich besichtigen kann, eine große Liebe für die Preußen entwickelt habe. Aber mir ist es egal, welches Land und welches Zeitalter, Hauptsache Adel.
Buchcouch: Hörst Du beim Schreiben Musik oder brauchst Du absolute Stille?
Bettina Hennig: Ich höre gar keine Musik. Auch nicht, wenn ich nicht schreibe. Ich höre wenn überhaupt: Radio. Aber nicht beim Schreiben.
Buchcouch: Gibt es noch andere Rituale, die für Dich unerlässlich beim Schreiben sind?
Bettina Hennig: Ich würde nicht sagen, dass ich ein Ritual zum Schreiben brauche. Aber Freunde von mir behaupten, dass ich ohne Jasmintee und absoluter Stille nicht schreiben kann, ich weiter arbeitsunfähig sei, wenn es zu windig und zu heiß ist, gleichzeitig aber frische Luft und Wärme brauche. Es mir angeblich wichtig sei, dass auf meinem Schreibtisch immer weiße Blumen stehen (am liebsten Rosen) sowie ein Bild meines Mannes, welches nur in Mahagoni gerahmt sein darf – und überhaupt das Ambiente stimmen muss, womit gemeint ist: Bücher, Kunst, antike Folanten und andere Schätze. Ich halte das für eine Festschreibung, die unzulässig ist.
Buchcouch: Hast Du ein Vorbild bzw. einen Lieblingsautor?
Bettina Hennig: William Makepeace Thackeray, Leo Tolstoi, Thomas Mann, Theodor Fontane, Stefan Zweig, und, auch wenn er keine Belletristik verfasst hat: Siegmund Freud. Er ist für mich der Größte.
Buchcouch: Hast Du einen ganz persönlichen Buchtipp für uns?
Bettina Hennig: Die Bibel! Gut geschrieben, mitreißende Konflikte und Dialoge, die auf den Punkt kommen – nicht umsonst ein Longseller von Weltklasse.
Buchcouch: Gibt es eine Frage, die Du gerne einmal in einem Interview gestellt bekommen würdest? Wenn ja, welche ist das und kannst Du sie uns auch gleich beantworten?
Bettina Hennig: Es gibt so eine Frage nicht. Ich bin ganz glücklich mit dem, was kommt.
Buchcouch: Kannst Du diesen Satz für uns vervollständigen: “Schreiben ist für mich…
Bettina Hennig: … das Schönste.
Und nun noch ein kleines Spiel, bei dem es darum geht, was Du von den zwei Begriffen bevorzugst…
Buchcouch: Sonne oder Mond
Bettina Hennig: Wo bleiben da die Sterne, nach denen man greifen kann?
Buchcouch: Turnschuhe oder Highheels?
Bettina Hennig: Weder noch.
Buchcouch: Süß oder salzig?
Bettina Hennig: Beides.
Buchcouch: Ebook oder Buch?
Bettina Hennig: Hier ein klares Bekenntnis – zum Buch!
Nochmals vielen Dank für das schöne Interview und wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg auf Deinem Weg als Autorin.
Weiterführende Links
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-46406-7
Seiten: 704
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 11.2009
Preis: € 9,95
Buchcouch-Rezension zu “Luise – Königin aus Liebe”
Bettina Hennig auf der Buchcouch
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Fragen an Corinna Kastner aus den Leserunden
Während der Leserunden zu Corinna Kastners Büchern haben sich einige schöne Fragen an die Autorin ergeben, die sie zum Glück auch beantworten konnte, da sie alle drei Mystery-Romane begleitet hat. Ich habe diese Fragen in diesem “Interview” zusammengefasst (spoilerfrei natürlich). Herzlichen Dank, Corinna für die wunderbar offenen und ausführlichen Antworten.
Fragen aus der Leserunde: “Eileens Geheimnis”
Jan: Schreibst du nach einem Konzept oder setzt du dich an den PC, schreibst los, so nach dem Motto “Schaun mer mal wo wir landen”?
Corinna: Als ich anfing zu schreiben, habe ich das nach letzterer Methode getan. Das fand ich (und finde es noch) sehr spannend, weil das Schreiben dabei so ähnlich ist wie das Lesen, man weiß eben nie im Voraus, was als nächstes kommt! Zwei Geschichten in Romanlänge sind so entstanden, aber nicht veröffentlicht worden.
Dann habe ich angefangen, Exposés zu erstellen, vor allem auch deshalb, weil mein Agent mir gesagt hat (was ja auch einzusehen ist), dass Verlage gern einen ersten Eindruck haben möchten von dem, was sie angeboten bekommen, und zwar von vorne bis hinten – ohne sich gleich durch hunderte von Seiten lesen zu müssen. Ich habe festgestellt, dass ich nicht gut kurz zusammenfassen kann, daher sind meine Exposés sehr ausführlich und sehr genau ausgearbeitet. Was natürlich nicht heißt, dass sich im Nachhinein beim Schreiben nicht noch das eine oder andere ändert. Du hast “Eileen” ja noch nicht ausgelesen, aber ohne jetzt zu viel zu verraten: Der Schluss war im Exposé noch anders angedacht. Es kann auch passieren, dass Figuren, die eigentlich nur eine Nebenrolle spielen sollen, sich plötzlich ganz anders entwickeln und viel mehr Raum bekommen. Aber bei der Geschichte an sich und die wichtigsten Handlungssträngen richte ich mich doch nach dem Exposé.
Jan: Hast du bestimmte Tageszeiten an denen du schreibst, oder musst du zum Schreiben in einer bestimmten Stimmung sein?
Corinna: Wenn ich könnte, wie ich wollte…
sähe mein Tag so aus: Zwischen 9 und 9:30 an den Schreibtisch (ich finde, niemand sollte gezwungen werden, VOR acht aufzustehen), dann bis mittags arbeiten, bisschen Pause, nachmittags und abens weiterarbeiten, so lange man Lust und Power hat. Und dann Feierabend.
Da ich aber noch einem 8-Stunden-Broterwerbsjob im öffentlichen Dienst nachgehe, muss ich das Schreiben auf die Abenstunden und das Wochenende legen.
Jan: Was inspiriert dich beim Schreiben? Musik? Völlig Ruhe? Oder muss der Fernseher nebenbei laufen?
Corinna: Das hat sich in letzter Zeit etwas gewandelt. Früher konnte ich ohne Musik überhaupt nicht schreiben. Beim Überarbeiten dann allerdings brauchte ich komplette Ruhe. Inzwischen habe ich generell nur noch selten Musik an (vielleicht macht sich das Alter bemerkbar, man kann sich ja mit den Jahren nicht mehr sooo gut konzentrieren, wenn anderes ablenkt…
). Fernsehen geht gar nicht. Nicht nur, weil in meinem Arbeitszimmer keiner steht, ich könnte auch kein Gequatsche beim Schreiben haben, dann würde ich überhaupt nichts zustande bringen.
Jan: Wann “rückst” du zum ersten Mal mit deinem Geschriebenen heraus? Abschnittsweise oder erst wenn du das Buch abgeschlossen hast? Brauchst du quasi eine “Schreibbegleitung”?
Corinna: Ganz klare Antwort: Wenn’s fertig ist! Irgendwas Halbgares mag ich nicht rausrücken, wenn ich damit selbst noch nicht wirklich glücklich bin! Tu ich mich sehr schwer mit. Wenn “meine” Fassung fertig ist, kriegt das Manuskript als Erster Jörg zu sehen – und umgekehrt übrigens auch, wir sind gegenseitig unsere ersten “Lektoren”.
Jan: Ich finde, dass du deine handelnden Figuren sehr intensiv, aber auch sehr liebevoll beschreibst. Gibt es für diese Figuren konkrete Vorbilder oder sind reine Produkte deiner Fantasie.
Corinna: Fantasie. Was natürlich nicht ausschließt, dass sich in der einen oder anderen Figur der eine oder andere Charakterzug von Leuten, die man auf der Straße gesehen hat/Bekannten/Freunden/Familie wiederfindet oder auch Äußerlichkeiten. 
Jan: Jetzt mal eine ganz dumme Frage, aber es interessiert mich wirklich: Was empfindest du, wenn du das fertige Buch in Händen hälst?
Corinna: Tja, das ist schon ein ganz nettes Gefühl…
Kann ich gar nicht so genau beschreiben. Es ist so eine Mischung aus Fremdheit (weil man das Cover ja bisher nur als jpg kannte und dann plötzlich richtig “echte” 500 Seiten zum Anfassen da vor einem liegen) und Vertrautheit (weil es ja die eigene Geschichte ist, die drin steht und in die man viel Zeit und Liebe “investiert” hat) und Freude (das es jetzt endlich “da” ist, das Kind). Weiß nicht, ob ich mich jetzt klar ausdrücke…
talinka: Wolltest du schon immer ein Buch schreiben, bzw. mit dem Schreiben anfangen? Wie hast du begonnen? Hast du gezielt nach einer Idee gesucht oder kam die einfach von selbst? Wie hat es angefangen?
Corinna: Also, geschrieben habe ich tatsächlich schon immer gern, und ich habe irgendwo noch alte Schulhefte, in denen ich “Romananfänge” nachlesen kann, die ich im Alter von 12 verfasst habe. Nett zum Amüsemang…
Ich hätte aber weder damals noch viele, viele Jahre später je geglaubt, dass ich je mal ein ganzes Buch schreibe oder sogar welche veröffentliche – vor allem, weil ich über die ersten paar Seiten nie hinausgekommen bin. In den 80ern habe ich dann mal zwei Star Trek-Geschichten geschrieben – tatsächlich von Anfang bis Ende, nicht lang, aber immerhin. Und dann Ende der 90er war eine Geschichte einfach “in mir drin”. Das klingt jetzt blöd, war aber so. Die habe ich geschrieben, und Jörg meinte, als er sie gelesen hatte, ich solle sie doch mal seinem Agenten geben. Ich hab mich erst nicht getraut, dann hab ich’s aber doch gemacht. Der fand sie gut und hat sie auch Verlagen angeboten, aber daraus ist dann nichts geworden. Auch aus der zweiten Geschichte nicht. Dann schlug der Agent den Weg über Exposés vor, die man den Verlagen vorlegt. Und so entstand “Eileen”. Ich hatte den Anfang davon schon, es sollte eigentlich eine ganz andere Geschichte werden. Da ich aber Mystery selbst total gern lese und auch gern schreiben wollte, habe ich mich entschieden, den Anfang zu ändern und darauf eine neue Geschichte aufzubauen. Mit dem Exposé, das ich zusammen mit dem für “Das Erbe von Ragusa” eingereicht habe, war der Verlag glücklich – und ich konnte/durfte loslegen!
talinka: Wie bekommst du diese ganzen Zusammenhänge hin? Wenn ich das richtig verstanden habe, setzt du dich ja auch einfach hin und schreibst, da hast du ja noch nicht die ganze Geschichte in deinem Kopf, oder? Schreibst du dann für dich erst ein grobes Konzept, entwirfst eine Skizze oder schreibst du grob, was dir einfällt und fügst dann hinterher was ein? Und wie wird das dann so “rund”? Ich stell mir das irsinnig schwierig vor!
Corinna: Talinka, einfach hinsetzen und schreiben – so habe ich das ursprünglich mal gemacht. Seit “Eileen” schreibe ich relativ ausführliche Exposés, nach denen ich mich im Großen und Ganzen beim Schreiben auch richte – es gibt also schon das Gerüst der Geschichte, wenn ich “richtig” beginne. Wobei es natürlich hier und da durchaus vorkommt, dass ich vom Exposé abweiche. Ab und zu überrascht mich ein Protagonist/eine Protagonistin und entwickelt sich anders als geplant, da bleibe ich dann nicht am Exposé kleben, sondern ändere entsprechend. Wenn’s so sein soll, dann sogar auch das Ende! 
Das Exposé kann auf zwei verschiedene Arten entstehen:
Entweder, ich habe tatsächlich schon viel von der Geschichte im Kopf und füge dann zusammen, was zusammengehört, schaffe Verbindungen, Überleitungen, damit es rund und stimmig wird. Oder – und das trifft ein bisschen häufiger zu – ich habe erst mal nur die Grundidee bzw. einen Anfang. Dann gehe ich in der Tat so vor, dass ich anfange zu schreiben und sehe, was passiert, was machen die Protas, wie entwickeln sie sich? Welche Rolle spielt die Umgebung? Wie lösten die Protas die Rätsel, die wiederum neue entstehen lassen? Diese Entwicklung geschieht dann während des Exposé-Schreibprozesses, und so entsteht nach und nach die komplette Geschichte.
Da ich ja viel mit zwei Zeitebenen arbeite, passiert es auch, dass ich von der einen schon eine bessere Vorstellung habe als von der anderen. Dann kümmere ich mich zuerst um die “fertigere” und widme mich anschließend der, bei der ich noch mehr tun muss. Natürlich passiert’s auch, dass ich mal irgendwo steckenbleibe und dann erst an einer anderen Stelle weitermache. Aber innerhalb einer Zeitebene arbeite ich am liebsten chronologisch, also so, wie es dann später auch im Roman sein soll.
Jan: Wie lange hast du an diesem Buch geschrieben? Gab es auch mal eine Phase wo du das Projekt am liebsten “in die Tonne getreten” hättest? Als du das Manuskript beim Verlag abgeliefert hattest, war die Arbeit mit der Lektorin bzw. Lektor dann nervig oder lief die Zusammenarbeit harmonisch ab.
Corinna: Für ein Buch brauche ich in etwa ein Jahr Schreib- und Recherchezeit. Das geht so ein bisschen Hand in Hand, und ich kann nicht wirklich sagen, wie viel Zeit ich für die reine Schreibarbeit und wie viel für die Recherche brauche. Bei “Ragusa” z. B. habe ich zuerst ganz viel gelesen und erst dann begonnen zu schreiben, zwischendrin aber immer mal wieder gemerkt, was mir noch an Wissen fehlte, und dann halt zwischendrin wieder nachgelesen.
Nein, “in die Tonne” wollte ich “Eileen” nie treten!
Natürlich gibt’s Phasen, in denen man nicht so gut vorankommt, man feststeckt und denkt, es wär besser, wenn ich mal eine Zeitlang was anderes mache, damit ich den Kopf frei kriege. Aber dann sitz ich vorm Fernseher oder bin auf dem Stadtfest unterwegs und während alle Welt vor der Musikbühne abhottet, steh ich da und wälze das Problem meiner Protagonisten oder mein eigenes mit dem Manuskript. Bei “Eileen” z. B. habe ich lange mit der Perspektive/den Perspektiven gehadert, aus der/denen ich schreiben sollte. Irgendwann macht’s dann aber mal “pling”, und man hat die Lösung gefunden.
Zum Lektorat: Bei “Eileen” hatte ich einen Außenlektor, mit dem ich persönlich gar nicht in Kontakt war. Ich bekam vom Verlag das lektorierte Manuskript und habe das meinerseits noch einmal bearbeitet, es gab da also in dem Sinne keine Zusammenarbeit. Seit “Ragusa” ist meine Außenlektorin Marion Labonte. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit ihr ist nicht nur ausgesprochen fruchtbar, sondern macht sehr viel Spaß, und ich lerne auch viel!
Fragen aus der Leserunde: “Das Erbe von Ragusa”
Firnsarnwen: Corinna, inwieweit hat man als Autorin überhaupt Einfluss auf die Covergestaltung ? Werden einem Entwürfe vorgelegt und man kann dann nur noch z.B. sagen: “Bitte den 2. Entwurf, aber mehr grün” ? Oder kann man selber ein Bild skizzieren, was dann graphisch umgesetzt wird ?
Corinna: Ich kann, was das betrifft, natürlich nur von mir ausgehen, wie das bei anderen Verlagen/Autoren ist, weiß ich nicht. Die Leute, die die Cover designen, orientieren sich zuerst mal an der Handlung. Zum Beispiel bei “Die Steinprinzessin” hat der Illustrator explizit nach dem Schauplatz gefragt und dann nach der Beschreibung ein entsprechendes Bild der “Steinwelt” erstellt. Wenn, wie in meinem Fall bei Lübbe, mehrere Bücher eines Autors geplant sind, wird zusätzlich auch darauf geachtet, dass die Cover zueinander “passen”, man die “Marke Autor” also wiedererkennt – am Namenszug, aber natürlich auch an der Art der Titelbilder.
Als Autor selbst was zu gestalten, ist, soweit ich weiß, generell eher unüblich. Ich bekomme das Cover von meiner Lektorin zugeschickt, die mich nach meiner Meinung fragt, und ich muss gestehen, dass ich mich da bisher immer auf die Erfahrung im Verlag verlassen habe (nicht nur die der Illustratoren, sondern z. B. auch die der Vertreter oder der Leute im Vertrieb, die ja auch wissen, was beim Leser ankommt), da ich selber künstlerisch in dieser Hinsicht eher … unbegabt bin!
Katrin: “Das Erbe von Ragusa” ist in der Ich-Form geschrieben. Warum hast Du Dich dafür entschieden?”Eileens Geheimnis” ist – soweit ich mich erinnere – in der 3. Person geschrieben. Ich kann mich wesentlich besser mit der Person identifizieren, wenn in der Ich-Form geschrieben wird und finde das an diesem Buch sehr angenehm.
Corinna: Hm, ich glaub, ich beantworte die Frage mal andersrum, nämlich, warum habe ich mich bei “Eileens Geheimnis” gegen die Ich-Form entschieden. Eigentlich wollte ich auch da Nathalie erzählen lassen. Das wäre aber letztlich doch schwierig geworden, weil ich ja vier Erzählperspektiven hatte, nämlich Nathalie, Daniel, Eileen und Jack. Das heißt, ich hätte entweder alle vier aus der Ich-Perspektive erzählen lassen, das wäre zu viel und wohl auch ein bisschen verwirrend gewesen. Oder nur Nathalie allein und die anderen drei aus der 3. Person. Ich hätte so eine Mischversion verwendet, wenn es nur 2 Personen gewesen wären, aber bei dreien wäre mir die Ich-Erzählerin zu sehr untergegangen.
Bei “Das Erbe von Ragusa” habe ich ja genau diese 2 Perspektiven, einmal Nella und einmal Mirjana, da ging das, ich hatte damit keine Schwierigkeiten und hoffe auch, dass das beim Lesen gut rüber kommt. “Die geheimen Schlüssel” werden übrigens wieder (und ausschließlich) in der Ich-Form sein!
Katrin: Und dann noch eine etwas persönliche Frage (sag, wenn sie zu persönlich ist, ja?) Du hast das Buch Deiner Freundin Louise gewidmet, oder?
Ist sie so, wie die Louise in dem Buch? Und identifizierst Du Dich (ein wenig) mit Nella? Passiert das vielleicht sogar automatisch, wenn man ein Buch schreibt?
Wenn ja, war das bei “Eileens Geheimnnis” auch so? Haben auch noch andere Personen Ähnlichkeiten mit realen?
Corinna Och nö, das ist mir nicht zu persönlich! (Ich hoffe, Louise geht das auch so, aber sie freut sich bestimmt über das rege Interesse an ihrer Person hier!
)
Also, ja, Louise im Buch ist der realen Louise schon sehr nachempfunden. Normalerweise habe ich keine “Vorbilder” für meine Romanfiguren, auch wenn sich natürlich schon mal der eine oder andere Charakterzug des einen oder anderen realen Menschen in einer Figur wiederfindet. Das passiert manchmal bewusst, manchmal unbewusst. Aber so eine kleine Hommage an liebe Menschen – wie hier bei Louise – das gönne ich mir ganz gern und das macht auch Spaß! 
Wie weit ich mich mit Nella identifizere? Also, mit Sicherheit ist in jeder Protagonistin ein Stück von mir – das kann ich mir überhaupt nicht anders vorstellen, und auch da denke ich, dass das ganz automatisch passiert (mir jedenfalls). Während des Schreibens “bin” ich auch die Prota – kein Zweifel. Wenn ich das Notebook wieder ausschalte, bin ich wieder Corinna, aber während ich schreibe, bin ich eben auch Nella oder Nathalie oder oder oder. Die eine mehr, die andere weniger natürlich. Und fühle auch so wie sie. Mal mehr, mal weniger. Und weil das so ist, verleihe ich meinen Protas auch gern mal ganz bewusst Eigenschaften, EigenARTEN, die vollkommen gegensätzlich zu meinen sind. Dann kann “ich” nämlich endlich mal das tun, was ich schon immer mal gern tun wollte, aber im echten Leben nie wagen würde.
Man hat als Autorin ja ziemlich viel Macht. Ich meine, wenn ich merke, dass das, was da der Prota passiert, eindeutig dabei ist, in die Hose zu gehen, weil sie sich in was Unauflösbares reinmanövriert hat – dann kann ich, wenn ich es denn will, einfach alles rückgängig machen und umschreiben. Das geht ja leider im Wahren Leben nicht…
Fragen aus der Leserunde: “Die geheimen Schlüssel”
Cait: Corinna, gehst Du für Deine Romane auf Recherchereise? Sprich warst Du für diesen Roman in Salzburg und Bath oder hast Du Dir die Infos über die Städte woanders beschafft?
Corinna: Ich bemühe mich, die allermeisten Schauplätze meiner Romane auch selbst zu bereisen. Natürlich kommt’s vor, dass ich Plätze, die für die Handlung nicht soooo wichtig sind, auch mal nur landkarten- oder internetmäßig “kenne”, aber doch selten. Ich brauche einfach ein Feeling für die Orte, die Hauptschauplätze, über die ich schreibe, und könnte mir auch nie vorstellen, einen Roman in einer Gegend spielen zu lassen, die mich selbst überhaupt nicht reizt.
Ganz oft steht für mich das “Wo” am Anfang eines Romans – noch vor dem “Was” und dem “Wie”. Entweder, ich kenne einen Ort schon (aber auch dann gibt’s oft eine zweite oder dritte oder vierte etc. – je nachdem
, siehe Guernsey – Reise zur Recherche) – oder ich möchte unbedingt mal hin, und die Recherche ist ein Grund dafür, hinzufahren. 
Cait: Woran schreibst Du denn? Wird es wieder ein Mystery-Roman? Und vor allem, wie lange müssen wir uns noch gedulden?
Corinna: Also, gedulden müsst Ihr Euch noch eine Weile.
Der Erscheinungstermin wird erst Frühjahr 2009 sein. An der Ostseeküste gibt es natürlich wieder ein Geheimnis zu lösen. Ein von zwei einander völlig Fremden gemeinsam geerbtes Haus gibt massenweise Rätsel um ein Familiendrama auf, dem dieses Mal eher unmystisch auf die Spur gekommen wird! 
Wuschl: Wie ging es Dir denn als Du mit dem Schreiben fertig warst, gab es eine Figur von Der Du Dich nur schwer verabschieden konntest?
Corinna: wenn ich mit einem Buch fertig bin, bin ich immer so “zweigeteilt”.
Einerseits stellt sich so ein “Ha! Fertig!”-Gefühl der Erleichterung ein, weil es nach einem Jahr Recherche/Schreiben und anschließender Lektoratsarbeit dann “geschafft” ist und man nur noch auf das Veröffentlichungsdatum warten muss. Dann gönn ich mir meist ein bisschen Pause, und die genieße ich auch, so ein bisschen Urlaub, bis es dann mit dem nächsten Projekt weitergeht.
Andererseits hat man natürlich über ein Jahr alles in allem in die Geschichte und in die Figuren gesteckt, mit ihnen geliebt, gelitten, mitgefiebert – das geht ein bisschen über “Arbeit” hinaus, es ist ein Teil des eigenen Lebens geworden. Das kann man nicht von heute auf morgen los lassen, das bleibt schon noch eine ganze Weile bei mir. Manchmal ist das mehr Protagonisten-gebunden (das können auch mehrere sein), manchmal weniger, und es kann auch Schauplatz-gebunden sein. Bei “Die geheimen Schlüssel” würde ich keine Person besonders hervorheben, von der ich mich besonders schwer verabschieden konnte. Obwohl ich Mortimer Grey mit am interessanten fand…
Jana: Kann man davon ausgehen, dass die weiblichen Hauptprotagonisten in Deinen Büchern immer etwas von Dir haben? Das heisst, findest Du Dich in Ihnen wieder? Ich hatte beim Lesen manchmal das Gefühl, dass es sehr realistisch nach “einer Frau von nebenan” klang. Das klingt jetzt blöd aber vielleicht weißt Du was ich meine.
Corinna: Naja, ein bisschen…
Es würde mir, glaube ich, schwer fallen, über eine Frau zu schreiben (besonders in der Ich-Form), die mir absolut fremd ist. Ich habe schon von vielen Autoren gehört, dass das für sie überhaupt keine Rolle spielt – und das stimmt auch für mich, was die allermeisten anderen Figuren in einem Roman angeht. Aber genau wie ich mich beim Lesen eines Buches mit der Protagonistin oder dem Protagonisten identifizieren können will, muss das bei mir auch beim Schreiben so sein. Das heißt ja nicht, dass ich persönlich alles ganz genauso machen würde wie sie – im Gegenteil, es ist manchmal sehr reizvoll, sie genau das Gegenteil von dem tun zu lassen, was ich in derselben Situation tun würde!
Aber so ein klitzekleines bisschen steckt immer von mir selbst in meinen Protas – nicht immer dasselbe natürlich!
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