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ES läuft: Sei stark, Schweinehund! – Marvin Running
Verlag: Sportwelt Verlag | Leseprobe (.pdf)
ISBN:978-3941297067
Seiten: 307
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,95
ET: 11.2010
Marvin ist ein Schweinehund. Ich weiss, dass es nicht sehr nett ist, den Autor eines Buches als Schweinehund zu bezeichnen, noch bevor man auf das eigentliche Buch zu sprechen gekommen ist, aber in diesem Fall hat es schon alles seine Richtigkeit. Marvin ist wirklich ein Schweinehund und hat das große Pech einen Laufenthusiasten als Herrchen zu haben. Statt faul auf der Couch zu lümmeln und sich mit Chips voll zu stopfen, was ja ganz nach Marvins Geschmack wäre, läuft sein Herrchen sich die Seele aus dem Leib und das nicht nur in aller Herrgottsfrühe bevor der eigentliche Arbeitstag überhaupt begonnen hat.
Der kleine, grummelige aber doch recht sympathische Schweinehund wird auch in schöner Regelmäßigkeit in die wildesten Laufabenteuer verwickelt.
Seien es Canyon- Durchquerungen in Amerika, der Sturm auf einen Tafelberg in Südafrika oder einfach nur ein Survival- Trip im hohen Norden, Marvin muss mit und kann sich einfach nicht dagegen wehren. Wie auch?
Das Einzige was er machen kann ist seinen Frust in einem Buch Luft zu machen, um der Welt zu zeigen, was er doch für ein armer Schweinehund ist. Er ist sogar so arm, dass sein Herrchen ihn auch noch malträtiert, auch wenn es verletzungsbedingt nicht laufen kann.
Seine Memoiren, über 8 der haarsträubendsten Laufabenteuer (bisher), hat er in diesem 300 Seiten starken Büchlein niedergeschrieben. Was den Leser am meisten überraschen wird ist das Marvin einen recht passablen Schriftsteller abgibt, der es wirklich versteht seine Leser gut zu unterhalten. Mit meist bissigen Kommentaren und Seitenhieben versucht er sein Herrchen immer wieder auf die “dunkle” Seite zu ziehen. Ihm doch Faulheit und Schokocrossies schmackhaft zu machen und ihn vom tugendhaften Weg, bestehend aus Dauerlauf und Müsliriegeln, abzubringen.
Leider zündet hier nicht jeder Witz oder jede Bemerkung, was aber auf Grund der hohen Pointendichte in diesem Buch leicht zu verschmerzen ist, so das man sich doch recht oft dabei ertappt über Marvins Leidenswege zu schmunzeln.
Das Buch als solches beschäftigt sich weniger mit dem Laufen selbst, sondern mehr mit den Erfahrungen, die einem als passionierten Läufer so unterkommen können.
Es erzählt über Land und Leute und auch die Unbilden, die einem das Wetter, oder die Natur generell, beim Laufen so aufbürden kann. Somit fällt das Buch eher in das Segment der Unterhaltungsliteratur und richtet sich nicht nur an (Hobby-) Sportler sondern auch an Leser, die vielleicht auch mal einen Abstecher weg von der üblichen Belletristik machen wollen.
Den Einzigen kleinen Mangel, den ich als Leser ausmachen konnte, ist, dass es mir manchmal zu wenig “Drumherum” war. Damit meine ich das Marvin zum Beispiel in Amerika war und den Crand Canyon durchlaufen, aber all dies auf gerade mal 33 Seiten abgehandelt hat. Gerade weil ich dem inneren Schweinehund hier gerne zugehört habe hätte ich mir hier doch gewünscht etwas mehr über Land und Leute zu erfahren.
Sieht man aber mal von diesem subjektiven Punkt ab, so ist es ein wirklich unterhaltsames Büchlein, das den interessierten Leser, gerade jetzt zur heißen Sommerzeit am Badesee, doch gut unterhalten wird.
Wer mit Mission Marathon von Lothar Koopmann durch ist findet mit Es läuft einen wirklich guten Nachfolger.
Vielen Dank an den Sportwelt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Boston Run – Frank Lauenroth
Verlag: Sportwelt Verlag | Leseprobe
ISBN: 978-3-941297-05-0
Seiten: 224
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 08.2010
Das amerikanische Militär trat eines Tages an die NSA heran und bat um die Entwicklung einer Möglichkeit einen durchschnittlichen Soldaten mehr Leistung zu verschaffen. Er soll schneller, stärker und ausdauernder im Kampf werden.
Viele Möglichkeiten wurden auf den Tisch gebracht bis sich die NSA für die Forschung an einem Serum entschied. Das Serum war mehr ein Dopingmittel als eine Droge, die es dem Probanden ermöglichte übermenschliche Ausdauer aufzuwenden.
Der Kopf hinter dieser Forschung war Christopher Johnson, ein brillanter aber auch recht eigenwilliger Geist, der sich jedoch kurz vor der Präsentation des Mittels mit der NSA überwarf und einfach aus dem Staub gemacht hat.
Und mit ihm ging auch das neue Wundermittel, denn keiner seiner Assistenten hatte je daran gedacht etwas aufzuschreiben oder die Arbeitsabläufe aufzuzeichnen so das Johnson der einzige Mensch war, der die genaue Zusammensetzung kannte.
Dies liegt nun Jahre zurück. Auf Johnsons Name ist zwar noch immer ein Haftbefehl ausgestellt, aber keiner glaubt mehr wirklich daran das Genie fangen zu können, bis zum heutigen Tag.
Ein anonymer Tipp lässt das NSA Team in Boston hellhörig werden, denn Johnson soll nicht nur in der Stadt sein, sondern auch etwas mit dem diesjährigen und genau heute stattfindenden Boston Marathon zu tun haben. Und lange muss das Team um Rachel Parker nicht warten, denn ein völlig unbekannter Läufer deklassiert bereits am Anfang des Laufes die Weltspitze des Marathonsports.
Parker weiss, wenn sie den unbekannten Läufer mit der Nummer 368, der höchstwahrscheinlich mit dem verschwundenen Serum gedopt ist, schnappen dann würden sie auch an Christopher Johnson und damit an das Rezept des Serums kommen.
Parker weiss aber auch um die Schwäche des Serums. Selbst wenn Johnson das Mittel noch weiter verbessert und dessen Wirkungsgrad erhöht hat, so würde es sich dennoch innerhalb von weniger als 2 Stunden im Körper des Läufers völlig abgebaut haben, rückstandslos und ohne die Möglichkeit eines Nachweises oder gar einer Analyse.
Somit beginnt nicht nur ein gnadenloser sondern auch heikler Wettlauf gegen die Zeit, da weder der Läufer verletzt werden darf noch die öffentliche Ordnung, durch den Einsatz des Geheimdienstes bei dieser Großveranstaltung, gestört werden soll.
Zugegeben, es ist schon eine interessante Mischung die Frank Lauenroth hier abliefert. Einen Thriller rund um eine Marathonveranstaltung zu stricken ist mal etwas ganz anderes als immer nur den selben gleichen Terroristen, Verschwörungstheoretikern oder durchgeknallten Massenmördern hinter herzujagen.
Auch die Tatsache, dass er sein Charakterensemble schön kompakt hält und die Geschichte auf gut 200 Seiten unterbringt spricht für die Qualitäten des Autoren. Es wird nie langweilig, ständig ist die Handlung und somit auch das Buch in Bewegung und wo andere Bücher erst mal kleine Pausen dazwischen schieben müssen, um diverse Gegebenheiten oder frische Charaktere einzuführen startet Boston Run erst richtig durch. Bei dem Tempo fällt es dann auch fast nicht auf das sich Lauenroth an manchen stellen im Buch, vorzugsweise in der ersten Hälfte, auch dogmatisch an das 1 mal 1 des Creative Writings hält und erfahrene Leser doch recht rasch die Strukturen und den Aufbau des Buches durchschauen.
Auch birgt die kompakte Riege an Figuren seine Tücken, wie man am Ende feststellen muss. Dem Schreiber bleibt keine Zeit die Hauptfiguren etwas ausführlicher vorzustellen, so dass das Ende nicht ganz den gewünschten Effekt bei dem hier schreibenden Rezensenten hatte. Denn unterm Strich blieben nur 3 Charaktere übrig, die sich das Ende dann untereinenader ausmachen mussten, wodurch der wohl beabsichtigte Knalleffekt ausblieb. Für Finten und falsche Fährten blieb einfach kein Platz im Buch, da hätte man sich wirklich mehr trauen können.
Dennoch. Frank Lauenroth besticht in seinem bisslang dritten Buch durch seine Ortskenntnisse und dem Umstand, dass es in seinem Buch nicht an allen Ecken rumst und kracht, aber deswegen nicht minder spannender zugeht, als bei einschlägigen Genrekollegen. Zwar verzichtet er nicht ganz auf Action, aber im Vordergrund steht eindeutig die etwas geradlinige aber unterhaltsam und vor allem sehr gut und flott zu lesende Story.
Wer also was dünnes für zwischendurch sucht wird mit diesem Thriller sicher nicht enttäuscht werden.
Vielen Dank an den Sportwelt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Mission Marathon – Lothar Koopmann
Verlag: Sportwelt | Leseprobe
ISBN: 978-3941297043
Seiten: 251
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 03.2010
Es ist steht’s immer nur eine lapidare Idee, ein Gedankenblitz den man kurz fasst und dann wieder fallen lässt. Aber dennoch ein Gedankenblitz der sich bei vielen ins Unterbewusstsein nistet um dann dort zu einem richtigen Gedanken heranzureifen.
So auch bei Lothar Koopmann dem das Laufen als nette Idee erschien bis er sich dafür ernsthaft zu interessieren begann.
Er und seine ihm angetraute Ehefrau beschlossen sich einem Laufclub anzuschließen um professionell Laufen zu lernen. Der krönende Abschluss ihres Vorhabens sollte eine Wettkampfdistanz von 10 Kilometer sein.
Doch schnell wurde klar, dass sich dies gar nicht mal so einfach gestaltete. Allen voran mussten mal neue Schuhe her, da man mit den ursprünglich für diesen Zweck gedachten Tretern einen ordentlichen Fehlgriff getan hatte. Auch die Kleidung erwies sich als bei weitem nicht so “intelligent” wie gedacht, so dass das schlabrige Baumwollshirt Schweißabsorbierenden Textilien weichen musste.
Hatte man sich nun, unter Aufwand von Zeit und Geld, das richtige Equipment zurechtgelegt ging es daran den Körper an die ungewohnte Belastung zu gewöhnen, was nicht nur hieß, dass man ihn Trainingseinheit für Trainingseinheit immer ein Stückchen weiter trieb, sondern auch, dass man auf ihn hörte und ihm all die benötigten Stoffe mit Nahrung und Flüssigkeit zuführte, die er während des Trainings verlor und ihm auch die nötige Ruhe zusprach, die er braucht um sich zu regenerieren.
Mit all diesen Voraussetzungen und viel gutem Willen für die Sache quälten sich nun Lothar Koopmann und seine Frau wochenlang um ihrem Ziel dem angepeilten 10 Kilometer- Lauf entgegenzurennen.
Doch just vor dem erhofften Tag auf den man so lange hingearbeitet hatte machte eine gemeine Verletzung am Fuß Lothar einen Strich durch die Rechnung, so das lediglich seine Frau am Wettkampf teilnehmen konnte und er in die Zuschauerschaft verbannt wurde.
Doch der gute Mann ließ sich nicht davon abhalten und fasste einen für ihn wahnwitzigen Beschluss: -Ich laufe Marathon-
Knapp 2 Jahre sollte es dauern bis Lothar Koopmann diesen Wunsch auch in die Tat umsetzen und bei einem richtigen Marathon über 42 Kilometer ins Ziel einlaufen konnte.
Seine Erinnerungen und Gedanken über diese zwei Jahre hat er in seinem Buch Mission Marathon zusammengefasst. Von den Anfängen über die Rück- und Tiefschläge verletzungsbedingter Schicksale, bis hin zu seinem persönlichen Triumph sein Ziel erreicht zu haben. Dabei schwingt er meist eine recht lockere Feder, wenn er über das Laufen im allgemeinen aber auch über Nordic Walker, Hundebesitzer oder über die Unterstützung seiner Familie bei seinem Vorhaben sinniert.
Auch wenn Humor Geschmackssache ist und der hier schreibende Rezensent nicht immer wirklich was zum Schmunzeln fand, da Pointen oftmals doch etwas gekünstelt und wie mit der Pistole draufgeschossen wirkten, so muss man dennoch sagen dass das Buch nie langweilig wurde und auch bei einem Couchpodato wie mir durchaus, vielleicht jetzt nicht direkt Interesse am Laufsport, aber zumindest eine etwas andere Sichtweise auf Marathonläufer und ihre Intentionen diesen Sport zu betreiben wecken konnte.
Wer Interesse an Büchern mit sportlichen Inhalt und persönlicher Erfahrung hat, dem ist Lothar Koopmanns Buch wirklich zu empfehlen, aber auch Leser, die dieses Buch vielleicht nur zufällig in die Hände bekommen, sollten es nicht ungelesen ins Regal zurückstellen.
Vielen Dank an den Sportwelt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Alles bleibt anders – Siegfried Langer
Verlag: Atlantis Verlag
ISBN: 978-3-936742-95-4
Seiten: 240
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,90
ET: 12.2008
Für Frank Miller ist nichts so wie es sein sollte. Er scheint in einer völlig anderen Zeit festzustecken. Aber kann er das eigentlich beurteilen? Er hat sein Gedächtnis verloren und irrt auf den Straßen eines Deutschlands anno 2008 herum. Aber etwas scheint ganz und gar nicht zu stimmen. Warum fahren z.B. noch immer Droschken auf den Straßen? Zwar hat der technische Fortschritt eine mit Strom betriebene Straßenbahn hervorgebracht aber dennoch können sich nur sehr reiche Leute so etwas wie ein Automobil leisten. Wieso hat Deutschland noch immer einen Kaiser? Schien der erste so wie der zweite Weltkrieg hier gar nicht statt gefunden zu haben?
Aber die wohl wichtigste Frage ist:
Wieso halten ihn alle für tot?
Von allen wird er zwar erkannt aber nur wie ein böser Geist aus anderen Zeiten behandelt. Vor allem von seiner ehemaligen Verlobten für die, nach seinem angeblichen Tod, das Leben weiter ging, die geheiratet hat und nun mit einem reichen Arzt zusammenlebt.
Sie ehelichte Dieter Wiegand, einen ehemaligen Studienkollegen von Frank. Aber exakt dieser Wiegand ist es der Frank etwas aus der Fassung bringt. Nicht nur das sich der Arzt ihm gegenüber abweisend verhält sonder es scheint als ob Dieter mehr über Frank weiss als jener über sich selbst. Nicht nur Franks Vergangenheit ist Dieter bekannt auch der Grund für seine Amnesie und warum ihn alle für Tod halten.
Vor allem aber weiss Dieter ganz genau das Frank ein zweites mal sterben muss noch bevor er die wirkliche Funktion des geheimnisvollen Medaillons, das Frank um seinen Hals trägt, herausfindet.
Ich weiß, dass es unfreundlich ist bei einer Buchbesprechung mit der Kritik als erstes zu beginnen, aber leider lässt einen das Buch keine Wahl. Der Text scheint wie ein Baukasten zu sein, der einfach falsch zusammengesetzt wurde.
In herkömmlichen SiFi- oder Thrillerwerken gibt es meist eine kurze Einführung von 10-15 Seiten. Diese Einführung ist dazu da, um den Leser im Gedanken ein bisschen auf das Buch einzustimmen und um bei ihm das Bedürfnis zu wecken weiterlesen zu wollen. Es ist dabei legitim noch nichts von der Story zu verraten und den Leser etwas im Dunkeln tappen zu lassen. Bei Siegfried Langers Buch ist es nicht anders. Man bekommt auch hier eine Einführung, man tappt auch hier im Dunkeln und man hat auch nach diesen Seiten das Bedürfnis weiterzulesen.
Aber im Fall von Alles bleibt anders dauert diese Einführung gut 70 Seiten. Fast ein ganzes Drittel des Buches irrt nicht nur Frank, sondern auch der Leser im Dunkel der Geschichte umher in Erwartung das auf der Coverrückseite versprochene Germania zu sehen und mit dem Mann ohne Gedächtnis eine Zeit zu entdecken in der der Nationalsozialismus gesiegt hat. Das bekommt man später hin auch zu sehen, aber wie gesagt, es handelt sich hier um einen falsch zusammengesetzten Baukasten.
Hier wäre es kein Problem gewesen, die Endsequenz gleich ganz an den Anfang zu stellen. Ein Krüppel und ein junger Mann hinter den feindlichen Linien. Beide werden für Spione gehalten wobei nur der Krüppel Englisch spricht. Als deutsche Spione also völlig ungeeignet. Aber dennoch sind jene hier in England -der Höhle des Löwen anno 1944- um einen ganz bestimmten Mann zu sehen.
Eine einfache Einführung, die dem Leser zwar überhaupt noch nichts verrät ihn aber auf die Thematik einstimmt. 5 Seiten lang, fertig. Danach das Jahr 2004, danach 2008 und die Geschichte nimmt von ganz alleine seinen Lauf.
Denn, und das sieht man dem Büchlein von außen nicht an, die Geschichte die hier offeriert wird, ist äußerst komplex und ihr hätte ein etwas linearerer Aufbau sehr gut getan. Auf diese Art hebt man sich zwar nicht so sehr vom ganzen Einerlei im SciFi-Regal ab aber das hätte die Geschichte, die Idee, einfach dieser wirklich liebevoll erdachte Storykomplex, mehr als wett gemacht.
Wie aus anderen Rezensionen schon ersichtlich ist, handelt es sich hier um einen Roman der das Thema Zeitreisen behandelt.
Siegfried Langer geht nun aber nicht einfach her und wirft eine handvoll Charaktere in einen Topf, stülpt dem ganzen den Deckel des Endsieges und vorherrschenden Nationalsozialismus´ über und sagt: “Nun macht mal das ihr hier wieder rauskommt”. Nein, er nähert sich der Thematik eher vom Standpunkt des Entdeckers. Der Weg scheint bei ihm das Ziel zu sein. Der Weg der Endeckung von Dimensionsabweichungen über das anmessen von sich abspaltenden Dimensionen bis hin zur Theorie von zeitlich unabhängigen Sprüngen in andere Dimensionen einschließlich der eigenen.
Somit bleibt die “Was wäre wenn…”- Frage etwas im Hintergrund. Natürlich arbeitet man darauf hin in einer dieser dimensionalen Abweichungen eine Antwort darauf zu finden wieso gerade im hier und jetzt der Nationalsozialismus gesiegt hat aber in einer anderen nicht? Was war der Grund für das Ende des Krieges und der Niederlage Deutschlands 1945, und ist es möglich die Zeit auch in jeder gewünschten Dimension dahingehend zu beeinflussen?
Dieser Gedanke, einfach in der Zeit zurückreisen um Hitler zu verhindern, ist in diesem Buch ein eher zweitrangiger was man auch daran sieht, dass erst auf den letzten 10 Seiten des Buches wirklich durch die Zeit gereist wird.
Dennoch war dies, alles in allem, ein Ansatz der mir sehr gut gefallen hat. Auch die Zweifel am aktiven Verändern der Zeit. Die Reflexion darüber, in wie fern sich eigentlich eine Diktatur, egal welcher Form, von einer Demokratie unterscheidet. Die Aufgabe von Freiheit für ein geregeltes und sicheres Leben oder doch den anderen Weg wählen? Das sind schon kluge Ansätze gewesen von denen ich wirklich gerne mehr gelesen hätte.
Generell hätte ich gerne von allem mehr gelesen. Nicht selten schien mir das Buch sehr gedrungen, was nicht nur am überdurchschnittlich kleinen Schriftsatz lag.
Lässt sich das Buch am Anfang sehr viel Zeit um mit der Story anzuheben werden einem zum Ende hin die Daten, Fakten und Storywendungen um die Ohren gehauen.
Auch wenn das Buch unterm Strich wirklich viele Kanten und Ecken hat so ist es dennoch ein Buch wo ich mir einen zweiten Teil sehr gut vorstellen könnte. Nicht nur um die kleinen Verwirrungen im aktuellen Band etwas gerade zu biegen, sondern vor allem auch weil ich glaube, dass Siegfried Langer hier wirklich mit Einfallsreichtum und geübter Feder etwas aufgeschrieben hat was nicht einfach so wieder in der Versenkung verschwinden sollte.
SciFi- Fans sollten sich also nicht abschrecken lassen und dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.
Und Herrn Langer kann ich nur den Tipp geben sich in Zukunft einfach mehr zuzutrauen.
Vielen Dank an den Atlantis Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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Eine verlässliche Frau – Robert Goolrick
Verlag: btb | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-442-75272-0
Seiten: 352
Ausgabe: Hardcover
Preis: 19,99 €
ET: 09.2010
In den harten Wintern Wisconsins, wo das Land für ein halbes Jahr unter einer Schneedecke verborgen liegt, türmen sich in den Wintermonaten Verbitterung und Wahnsinn.
Mütter erhängen sich vor den Augen ihrer Kinder.
Männer erschlagen ihre Töchter.
Söhne ertränken ihre Väter im eisigen Wasser eines Brunnen vor ihrem Haus.
Das sind Dinge, die passieren eben…
Auf den Beerdigungen dieser Toten ist steht’s ein Mann anzutreffen: Ralph Truitt.
Ein Mann mittleren Alters, der es durch das Erbe seines Vaters und durch seinen eigenen Fleiß zu großem Reichtum gebracht hat.
Jeder in der Stadt hat, direkt oder auch indirekt, mit Ralph Truitt zu tun. Entweder arbeitete man führ ihn, empfing Spenden oder kannte zumindest seine tragische Geschichte.
Die Geschichte seines Scheiterns, seiner Frau die reich aber elendig ihrem Tode zusteuerte und sein Sohn, der sich in jungen Jahren schon von ihm abgewannt hatte und nichts mehr hören und sehen wollte von ihm.
Gegen keine dieser Geschichten konnte Truitt etwas tun, keine kann er mehr ändern außer jener einen. Der Geschichte seiner Einsamkeit.
Abgesehen von seinen beiden Bediensteten, lebt er seit Jahren schon alleine in seinem bescheidenen Anwesen, ein Umstand den er für änderungswürdig hält und eine schlichte Heiratsannonce in eine Zeitung setzt in der er einfach -eine verlässliche Frau- sucht.
Seiner Situierung entsprechend melden sich natürlich viele Frauen, die sich eine Ehe mit einem völlig unbekannten, aber sehr reichen Mann, durchaus vorstellen könnten. Aber Ralphs Blick fällt auf das Bild einer nicht wirklich hübschen, schon etwas älteren, Frau die ihm versicherte -einfach und ehrlich- zu sein. Ihr Name war Catherine Land.
Nun steht er am Bahnhof, von allen Leuten angegafft, auf den Zug wartend in dem die von ihm gewählte Frau saß. Eine Frau die er sich kommen lässt wie ein bestelltes Möbel aus der großen Stadt. Eine völlig Unbekannte, die er gar nicht lieben will, die ihm nur die Einsamkeit vertreiben soll…
…eine Unbekannte die ihm helfen soll, einen schwierigen Plan auszuführen. Daß schaffen soll, was ihm all die Jahre über versagt geblieben ist. Seinen Sohn, seinen Erben, wieder nach Hause zu holen.
Da Catherine jedoch nicht die ist, die sie zu sein vorgibt, ahnt Ralph nicht, dass ihre Beziehung auf einer Lüge aufbaut. Einer Lüge die nur ein Teil von Catherines perfiden Plan ist diesen eisigen Flecken Erde, im Jahr 1907, als reiche Witwe wieder zu verlassen.
Auch das sind Dinge die eben passieren…
Der doch schon etwas in die Jahre gekommene Schriftsteller Robert Goolrick legt mit Eine verlässliche Frau seinen bereits zweiten Roman vor, und damit den ersten, der es auch in eine deutsche Übersetzung geschafft hat.
“Was für ein Glücksfall!”, möchte man fast nach dem zuschlagen des Buches ausrufen. Und das auch noch im Land der Dichter und Denker. Wirkt doch Goolricks Erzählung wie der Versuch eines Cormac McCarthys Friedrich Schiller zu interpretieren. Eine urklassische Geschichte über Rache, Hass, Intrigen, Liebe, Sex und natürlich den Tod. Alles gehalten von einem Rahmen einer eisigen Landschaft im Winter des Jahres 1907.
Goolricks Erzählstil ist wie die Illusion einer frostigen, vom Vollmond erhellten Winternacht, in deren Kälte man den Eindruck hat alles gestochen scharf zu sehen. Wo das Land still unter einer alles verschlingenden Schneedecke liegt und man im knirschenden Schnee einen Schritt nach dem anderen macht…ein Satz reiht sich an den nächsten. Aber Vorsicht. Genau so wie man unter dem ebenmäßigen Schnee keine Untiefen ausmachen kann und es uns steht’s Überraschung abnötigt, wenn wir weiter als üblich im Schnee versinken, so sind auch die Untiefen im Roman gut verborgen und werden erst sichtbar wenn man schon hinein getreten ist.
Der Autor schreibt knapp und nur das Nötigste, er verschwendet keine Worte die ihn nicht ans Ziel führen. Wodurch er auf den ersten Blick etwas unterkühlt und distanziert wirkt. Aber gerade jenes, im Zusammenspiel mit der Kulisse ewig scheinenden Winters, wirkt dadurch sehr homogen.
Er versteht es so etwas wie Spannung einzubringen, obwohl das Buch alles andere ist als ein Krimi oder Thriller. Das führt dazu das man sich dem Sog nicht entziehen kann, der sich mit dem Fortschreiten der Geschichte, bis zu ihrem tragischen Ende hin, zunehmend aufbaut.
Einzig mag man sich vielleicht an den, sporadisch auftretenden, dezent expliziten Beschreibungen seiner lüsternen Fantasien stören. Die meist durch seine, Ralphs, Entbehrungen sexueller Kontakte herrühren aber nie wirklich in eine pornographische Ecke abgleiten.
Der Roman ist ein dunkles Kammernspiel zwischen Schein und Sein. Eine Geschichte um Vertrauen, Hass und Liebe zwischen drei Menschen die scheinbar zufällig aufeinander treffen. Goolrick überzeugt dabei als wacher Beobachter und ausgezeichneter Architekt kleiner Dramen…Dingen die eben passieren.
Eine Empfehlung.
Vielen Dank an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
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