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Archiv für Februar 2010

Gezeichnet – P.C. und Kristin Cast

House of Night, Teil 1

Verlag: Fischer FJB | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-5968-6003-6
Seiten:
464
Ausgabe:
Hardcover
Preis:
€ 16,95
ET:
12.2009

HOUSE OF NIGHT: die einzig legitime Nachfolge-Serie der Bis(s) Romane

Als auf der Stirn der 16jährigen Zoey Redbird eine saphirblaue Mondsichel aufscheint, weiß sie, dass ihr nicht viel Zeit bleibt, um ins House of Night, das Internat für Vampyre, zu kommen. Denn jetzt ist sie gezeichnet. Im House of Night soll sie zu einem richtigen Vampyr ausgebildet werden vorausgesetzt, dass sie die Wandlung überlebt. Zoey ist absolut nicht begeistert davon, ein neues Leben anfangen zu müssen, so ganz ohne ihre Freunde das einzig Gute ist, dass ihr unerträglicher Stiefvater sie dort nicht mehr nerven kann.
Aber Zoey ist kein gewöhnlicher Vampyr sie ist eine Auserwählte der Vampyrgöttin Nyx. Und sie ist nicht die Einzige im House of Night mit besonderen Fähigkeiten…
House of Night hat bereits über 8 Millionen Fans in den USA und erscheint in über 41 Ländern. Die Verfilmung von House of Night ist bereits in Vorbereitung – und jetzt erscheint der erste Band der neuen Bestseller-Serie endlich auch auf Deutsch.

Meine Rezension

Zoey Montgomery ist ein ganz normaler Teenager. Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem sie vor ihrem Schulschließfach von einem Späher gezeichnet wird. Der blaue Halbmond auf ihrer Stirn, der für alle Menschen weithin sichtbar ist, zeichnet sie nun zum Jungvampyr. Und Jungvampyre haben nur noch ein Ziel: Die House of Night Akademie, das Internat in welchem die gezeichneten Jungvampyre lernen sollen sich wie ein Vampyr zu benehmen und wo sie ihre Wandlung zum Vampyr beenden werden – wenn sie nicht vorher sterben…

Die House of Night Serie wird Land auf Land ab als eine Art Mischwerk aus Harry Potter und Twilight promotet. Sicherlich liegt ein Vergleich zu den beiden überaus erfolgreichen Jugendbuch Serien nahe, doch wird er diesem Werk auch nicht ganz gerecht.

P.C. und Kristin Cast, das Autorenduo, welches aus Mutter und Tochter besteht, haben sich für ihre Vampire einige Neuerungen ausgedacht. Ähnlich dem Zaubererinternat Hogwarts gibt es in Tulsa eine schulische Einrichtung mit Internatsflair, eben das House of Night. Hier lernen die Jungvampyre sich an ihr neues Dasein zu gewöhnen und sich in die vampirische Gemeinschaft einzugliedern. Doch während Harry Potter in einem streng geführten Internat lebt, hat Zoey das Glück, sich eher auf einem Universitätscampus aufzuhalten.

Einen direkten Vergleich kann man ebenfalls nicht zwischen den doch eher weichgespülten Vampiren von Stephenie Meyer und den Vampyren des Mutter – Tochter – Gespanns ziehen. Während Edward und Co doch eher das Leben eines „normalen“ Vampirs führen, wird im House of Night doch auch viel Wert auf das Spirituelle gelegt. Regelmäßige Zeremonien und Rituale gehören zu dem Alltag dieser Vampire dazu wie schlafen und wachen.

Da das Buch ganz offensichtlich ein Jugendroman ist, versteht es sich fast schon von selbst, dass das ganze Drumherum auch mehr an eine typische High School Geschichte erinnert. Doch auch hier trifft dieser Vergleich den Nagel mal wieder nicht auf den Kopf. Während in der Regel diese Geschichten alle eher prüde daher kommen, stehen in diesem Buch Themen wie Homosexualität, Drogen, Alkohol und Sexualität an sich nicht auf der Tabu Themenliste. Ganz im Gegenteil werden diese Dinge hier bei Namen genannt und mal mehr und mal weniger deutlich angesprochen.

Die Charaktere an sich sind ihrem Wirkungsgrad nach gezeichnet. Je wichtiger sie für die Handlung sind, desto besser sind sie ausgearbeitet. Zoey bleibt einem nicht fremd und auch ihre liebenswerte Mitbewohnerin Stevie Rae kommt nicht zu kurz. Erfreulicherweise verzichten die Autoren darauf, für die Handlung uninteressante Personen lang und breit zu beschreiben.

Was zu Beginn ein bisschen stören kann, ist der übertriebene Teenie-Slang. Umgangssprache an sich ist ja etwas ganz nettes, aber Umgangssprache in dieser Masse ist etwas woran man sich als Erwachsener doch erst ein bisschen gewöhnen muß. Ausdrücke aus dem Gossenjargon wie „verfickt“ muss sich der Leser schon bieten lassen. Allerdings nimmt die Intensität der Ausdrücke im Laufe des Buches ab. Oder man hat sich einfach daran gewöhnt. Wie dem auch sei. Gezeichnet lässt sich flüssig lesen und ist ein Pageturner wie ich ihn lange nicht in Händen hatte.

Auf die Aufmachung des Buches möchte ich noch etwa genauer hinweisen. Das Cover alleine ist schon sehr schön, doch was mich besonders gefreut hat ist, dass sich die Muster vom Cover auf den Seiten jeweils in der unteren äußeren Ecke wiederfinden, auf denen ein neues Kapitel startet. Eine kleine aber doch sehr feine Aufmachung vom Verlag.

Ich freue mich jedenfalls auf den zweiten Band der Reihe und kann jedem das Buch nur empfehlen, der ein bisschen Zerstreuung sucht und einfach mal wieder ein nettes Vampirbuch lesen möchte.

Meine Bewertung

4,5 von 5 Büchern

Vielen Dank an den Fischer Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Evernight – Claudia Gray

Verlag: DAV | Hörprobe
ISBN:
978-3-898-13942-7
CDs:
5
Ausgabe:
Hörbuch
Preis: € 19,99
ET:
01.2010

Hochnäsige Eliteschüler bevölkern das ehrwürdige Internat Evernight. Bianca ist neu und ahnt, dass sie nie dazugehören wird. Erst als sie sich in den unnahbaren Lucas verliebt, bekommt ihr Leben auf Evernight einen neuen Sinn. Zwischen den beiden herrscht eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Doch bald schon muss Bianca erkennen, dass ihrer Liebe ein unheimliches Geheimnis im Weg steht …
Mit ihrer fesselnden Lesung entführt Nana Spier, die deutsche Stimme von »Buffy«, in die entlegensten Winkel von Evernight.

Meine Rezension

Die Evernight Akademie ist seit ein paar Wochen Biancas neues zu Hause. Nicht nur sie wurde dort als neue Schülerin aufgenommen, auch ihre Eltern haben in dem wenig anheimelnden, düsteren Gebäude eine Anstellung als Lehrkräfte bekommen. Doch Bianca fühlt sich in dem uralten Gemäuer nicht wohl und auch als endlich der Unterricht beginnt, und die Schule von den Internatsschülern bevölkert wird, bleibt ein gewissen Unwohlsein. Sie scheint nirgendwo so recht dazu zu gehören und selbst unter die Außenseiter gehört sie nicht. Als sie an ihrem ersten Schultag auf Lucas trifft, scheinen sich allerdings die dunklen Wolken über Evernight ein wenig zu verziehen. In seiner Nähe kann Bianca vergessen, dass sie eigentlich schüchtern und ängstlich ist. Sie fühlt sich zu dem jungen Mann sofort auf eine unbeschreibliche Weise hingezogen – und ist entsprechend enttäuscht, als er sie schon ein paar Stunden nach diesem ersten Treffen nicht mehr zu kennen scheint.

Evernight ist der Auftakt zu der Evernight – Akademie Reihe von Claudia Gray und hat mir schon in Buchform gut gefallen. Die gleiche Geschichte, sehr zu meinem Gefallen wurde das Hörbuch nämlich nicht gekürzt, nun noch ein weiteres Mal zu erleben (nämlich als Hörbuch) war eine ganz andere Erfahrung für mich.

Nana Spier als Sprecherin finde ich eigentlich wirklich gut. Doch war es für mich manchmal ein wenig irritierend, weil ich plötzlich Drew Barrymore oder wahlweise Sarah Michelle Geller vor meinem inneren Auge hatte. Wobei die Assoziation zu Drew Barrymore (gerade in „50 erste Dates“) doch deutlich stärker hervor trat. Wer sich also von deutschen Synchronstimmen schnell verwirren lässt, sollte sich hier Zeit nehmen um einen ordentlichen Einstand in das Hörbuch zu finden.

Wie schon erwähnt war dieses Hörbuch für mich eine ganz andere Erfahrung. Konnte ich Bianca in der geschriebenen Form noch ganz gut leiden und auch nachvollziehen, warum sie oft etwas „Jugendlich überzogen“ reagierte, wurde sie mir hier ein wenig unsympathisch. Ich denke, das liegt vor allem an der Sprecherleistung von Nana Spier. Wenn man selber etwas liest und für sich interpretiert, ist es etwas anderes, als wenn jemand fremdes den Charakteren eines Buches seine Stimme leiht.

Da sich das Hörbuch inhaltlich nicht von dem gebundenen Buch unterscheidet, ändert sich natürlich auch nicht der Aufbau der Geschichte. Der Beginn ist und bleibt ein bisschen „Hanni und Nanni-artig“ doch ab der Hälft des Buches fügen sich die Puzzleteile nach und nach ein. Hier wird es bestimmt für den einen oder anderen Hörer eine interessante Wendung der Dinge geben.

Wirklich empfehlenswert ist das Hörbuch wahrscheinlich doch nur für Hörer im Teenageralter. Sie werden sicher gerne über die etwas naive Bianca hinweg blicken und das Hörbuch im Ganzen sehen.

Fazit

Diese Hörbuch bietet für alle Internatsgeschichten Liebhaber genau die richtige Mischung aus Spannung, Liebe und Freundschaft.

Meine Bewertung

4 von 5 Büchern

Vielen Dank an den  Audio Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Vlad – C.C. Humphreys

Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-453-52597-9
Seiten:
624
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 8,95
ET:
12.2009

Sein Name heute: Dracula. Sein Name damals: Vlad …Rumänien im Jahre 1431. In der eisigen Kälte des Winters wird dem Fürsten der Wallachei ein Sohn geboren und auf den Namen Vlad getauft. Noch viele weitere Namen werden dem jungen Fürsten verliehen, doch es sind zwei Titel, die ihn zur Legende machen: Dracul, Sohn des Drachen – und Vlad, der Pfähler …

Ein noch nie da gewesener Roman über den dunkelsten Mythos unserer Zeit …

Meine Rezension

„Ich bin gefangen. In diesem Käfig aus Fleisch. Und doch behaupte ich, ein Falke zu sein und frei zu fliegen.“ (Jalaluddin Muhammad Akbar)

Auf einer Burg in der Walachei im März 1481 soll das Leben von Vlad III. Drăculea, Fürst der Walachei niedergeschrieben werden, dazu werden Ion Tremblac, Freund und Kampfgefährte Vlads, Ilona Ferenc, die Mätresse Vlads und sein Beichtvater Bruder Wassili zur letzten Beichte befohlen. Die Geschichten der drei werden von Kardinal Domenico Grimani (päpstl. Legat), Graf Janos Horvathy von Pécs und Petru Iordache, Spartar, der Burg Poenari gehört, und von drei Mönchen zeitgleich aufgeschrieben.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1446, wie Vlad als Geisel der Türken unter dem Sultan von Rum, Murad Han II., ausgebildet wird. Sein Erzfeind, Mehmet Celebi, Sohn des Sultans, sieht dabei gar nicht gern, dass sich Vlad bei den Lehrern behaupten kann und angesehen ist. Aus Dankbarkeit näht Vlad seinem Lehrer Hamza Agha (später Hamza Pascha) einen Falknerhandschuh, wo er auch ein Zitat von Jalaluddin Muhammad Akbar einnäht.

Als Vlad seinem Erzfeind Mehmet eine Niederlage einbringt, wird er als Strafe nach Tokat gebracht, in eine Schule wo einem die Kunst des Folterns beigebracht wird. Dort muss Vlad mit ansehen wie ein Mann gepfählt wird, diese Art des Folterns setzt Vlad so unter Schock, dass er sich davon wochenlang nicht erholen kann. 1447 werden Vlads Vater und sein ältester Bruder ermordet. Der Sultan Murad II. lässt Vlad frei und schickt ihn nach Hause in die Walachei wo er seinen rechtmäßigen Thron besteigen kann.

Fürst Vlad III. erlässt das Gesetz das jeder der Unrechtes begeht, gepfählt wird. Dies betreibt er so intensiv, dass er einen goldenen Kelch, mit Diamanten und Rubinen verziert, auf den Brunnen des Marktplatzes von  Târgovişte stellt, so dass jeder seinen Durst stillen kann und dafür diesen Becher benutzen darf. Als einer versucht, diesen Becher zu stehlen wird er gefangen genommen und mit samt seiner ganzen Familie öffentlich auf dem Marktplatz gepfählt.

Als die Türken, angeführt von dem neuen Sultan Mehmet II. der Eroberer, kurz vor der Eroberung der Walachei waren, ließ Vlad mehrere hundert gefangener türkischer Soldaten auf einem Feld vor Târgovişte pfählen, was Vlad den Beinamen Ţepeş einbracht, was soviel wie der Pfähler heißt.

Vlad starb im Jahr 1476 im Kampf gegen die Türken.

C.C. Humphreys recherchierte die historischen Überlieferungen Vlads III. sehr genau und versucht, aus allen Quellen die Geschichte von Vlad Ţepeş III. – so gut wie es geht -  in eine chronologische Reihenfolge zu bringen. Belegbare historische Hintergründe, als auch Legenden um Vlad, hat Humphreys eingearbeitet.
Das Buch liest sich durchweg spannend und flüssig. Ein Pageturner, der das Leben von Vlad so beschreibt, dass man der Meinung ist, genau so und nicht anders verlief das Leben von dem wohl berühmtesten Fürsten der Walachei.
Die künstlerischen Freiheiten hat sich Humphreys nicht nehmen lassen und gerade das Ende des Buches kommt sehr überraschend.
Aufgrund dessen, dass sehr viele Charaktere vorkommen und eine Gegend beschrieben wird wie es sie heute nicht mehr gibt, findet man vorn im Buch ein Personenregister und eine Landkarte an der man sich orientieren kann. Humphreys verwendet in der Geschichte viele Fremdwörter aus der türkischen und walachischen Sprache, die in einem Glossar am Ende des Buches nachzulesen sind.

Im Nachwort des Autors liest man, was C.C. Humphreys nachweisbar recherchiert und welche Legenden er eingearbeitet hat.
Das Cover des Buches zeigt eine Burg auf einen Hügel, was mich an die Burg Poenari in der Walachei erinnert.

Fazit

Ein Buch, was das Leben von Vlad III. sehr spannend beschreibt. Doch wer einen Vampirroman erwartet, der sollte sich besser an Bram Stokers Dracula halten.

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern

Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!


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Der silberne Bogen – David Gemmell

Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-453-53195-6
Seiten: 640
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 07.2006
Preis: € 13,00

Dies sind die Abenteuer von Agamemnon, Hektor, Achilles und der schönen Helena, dies ist die Geschichte des Falls der Stadt Troja – wie Sie sie noch nie gelesen haben! Denn „Der silberne Bogen“ ist keine gewöhnliche Nacherzählung des Homerschen Opus, sondern ein Epochen-Gemälde, das – ähnlich wie Wolfgang Petersens Film „Troja“ – den Leser die Ereignisse hautnah miterleben lässt. Der englische Bestsellerautor David Gemmell hat die alte Sage in eine neue, atemberaubend moderne Form gegossen. Ein einzigartiger historischer Roman!

Meine Rezension

Seit meiner Kindheit übt Troja eine große Faszination auf mich aus, so dass es nur eine Frage der Zeit war, bis ich mich an die große Troja-Trilogie von David Gemmell wagen würde. „Der silberne Bogen“ bildet den Auftakt, und auch wenn ich zu Beginn etwas irritiert war, war ich am Ende derart begeistert, dass ich zu gerne gleich die Fortsetzung gelesen hätte.

Sprachlich gefiel mir das Buch auf Anhieb. Gemmell ist nicht überbemüht, sprachlich ein antikes Flair aufkommen zu lassen, verzichtet aber auch auf moderne Umgangssprache. So liest sich der Roman äußerst angenehm und flüssig, Beschreibungen und Dialoge wirken natürlich und nicht krampfhaft erzwungen und durch seine bildgewaltige Sprache erschafft er wie von selbst eine ungemein dichte Atmosphäre.

Erzählt in der dritten Person, hat sich der Autor ausreichend Raum verschafft, um seine Geschichte nicht allein aus einer Perspektive zu erzählen. So ist der Leser in einem Moment in Troja und im nächsten an einem ganz anderen Ort, begleitet die verschiedensten Figuren und bekommt dadurch einen großartigen Rundumblick auf die Ereignisse.

Mit dem Aufbau allerdings, tat ich mich zunächst unheimlich schwer. Gerade zu Beginn springt Gemmell von einer Figur zur nächsten und wechselt dabei auch noch die Zeiten, so dass ich keinen roten Faden erkennen konnte, an den ich mich hätte halten können. Hier die erzählten Ereignisse in eine chronologische Reihenfolge zu bringen, hat mich einiges an Anstrengung gekostet. Aber, das Dranbleiben hat sich gelohnt. Denn nach knapp hundert Seiten wird einem schlagartig bewusst, warum der Autor diese Erzählweise gewählt hat und der rote Faden liegt deutlich vor einem: Helikaon. Der Autor macht es dem Leser zwar nicht unbedingt leicht, aber er bereitet ihn sehr subtil und durchaus gekonnt auf die Hauptfigur Helikaon mit ihren Charaktereigenschaften vor, so dass man ein äußerst facettenreiches Bild von Helikaon erhält, seine Handlungsweisen nachvollziehen und sich der Geschichte von einem Moment zum nächsten nicht mehr entziehen kann. Spätestens mit dem ersten Auftritt Odysseus’ gab es für mich kein Entrinnen mehr.

Die Handlung baut sich rund um Helikaon auf und nicht, wie ich erwartet hätte, um eine der berühmten Helden des trojanischen Krieges, wie wir ihn von Homer kennen. Gemmell wählt einen anderen Weg, hält sich nicht krampfhaft an die Ilias und auch nicht an die griechische Mythologie. Beides dient ihm mehr als Richtschnur, anhand der er versucht, eine glaubwürdige, nachvollziehbare Version des trojanischen Krieges zu erzählen. Denn wer glaubt schon wirklich, dass die griechischen Götter vom Olymp gestiegen sind und sich unter das Volk gemischt haben? Die Götter haben in „Der silberne Bogen“ keine vordergründige Rolle, die Helden sind keine Halbgötter und dort, wo es nötig ist, verändert Gemmell auch die homerischen „Fakten“. Mich konnte diese Version absolut überzeugen, da sie in sich schlüssig, bildgewaltig und realistisch erzählt ist und dabei vor Spannung und Überraschungsmomenten nur so strotzt.

Wenn auch viele Szenen, vor allem die mit Odysseus, äußert humorvoll sind, geizt Gemmell nicht mit Grausamkeit und Brutalität. Realistische Darstellungen der Ereignisse sind ihm äußerst wichtig und tragen ungemein zu der dichten Atmosphäre bei, schonen den Leser aber nicht für einen Moment. Die Kampf- und Schlachtszenen sind derart anschaulich beschrieben, dass man meint, das Blut riechen, und den Kampfeslärm hören zu können. Sie sind blutig, kaltblütig und grausam und stellen für einen empfindlichen Magen wohl durchaus eine Herausforderung dar. Mir hat diese Anschaulichkeit gefallen, da sie mich ohne Weiteres in die antike Welt transportieren konnte und zur Glaubwürdigkeit des Romans beiträgt.

Aber nicht nur der Plot ist phantastisch ausgefeilt, sondern auch die Figuren. Im Laufe der Geschichte machen alle eine Wandlung durch, wachsen oder brechen an den Erfahrungen, die sie machen mussten, verändern sich. Von Seite zu Seite lernt man sie besser kennen, entdeckt neue Facetten und baut eine Beziehung zu ihnen auf. Für nahezu jedes Gesicht, egal ob Protagonist oder Randfigur, hält Gemmell eine Geschichte aus der Vergangenheit bereit, bietet dem Leser ein kleines psychologisches Profil an. Das macht alle Figuren unglaublich greifbar, menschlich und lebendig. Ihr Agieren ist immer nachvollziehbar und plausibel und selbst für schreckliche Taten kann man als Leser noch Verständnis aufbringen. Hier eine Linie zwischen Fiktion und Realität zu ziehen, fiel mir oftmals schwer, und ich musste mir in Erinnerung rufen, dass diese Charaktere nicht existiert haben.

Auch wenn ich zugeben muss, dass Helikaon eine wirklich gelungene und großartige Figur ist, galten meine tiefen, emotionalen Sympathien vor allem einer anderen. Einem Mykener, der zwischen die Fronten gerät. Seine Seele und sein Charakter, seine Glaubwürdigkeit und Lebendigkeit, haben mich unglaublich mitgerissen. Aber auch Charaktere wie Andromache, Kassandra und Odysseus dürfen nicht unerwähnt bleiben, ebenso wie zahlreiche Nebenfiguren, da Gemmell sie derart realistisch wiederbelebt hat, dass man ihm allzu gerne glauben möchte, dass es sie genau so gab.

Fazit

„Der silberne Bogen“ ist ein fulminanter, rundum gelungener Auftakt zu einer äußerst vielversprechenden Trilogie. David Gemmell hat ein wirklich großes Erzähltalent und die Antike konnte vor meinem geistigen Auge problemlos aufleben. Der Roman hat mich emotional sehr bewegt und nachhaltig beschäftigt. Wer einen Roman über Troja lesen möchte, kommt an dieser Trilogie nicht vorbei.

Meine Bewertung


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Die achte Karte – Kate Mosse

Verlag: Knaur | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-426-63162-1
Seiten: 752
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 10.2009
Preis: € 9,95

Als die junge Meredith auf der Suche nach ihren Wurzeln durch Paris streift, stößt sie auf ein seltenes und unvollständiges Set Tarotkarten aus vergangener Zeit. Die geheimnisvollen Abbildungen schlagen sie sofort in ihren Bann, denn eine Figur trägt unverkennbar Merediths Gesichtszüge. Was die junge Frau nicht weiß: Die Karten erzählen von einem schrecklichen Unglück in ihrer Familie – und es scheint, als habe sie die alten Geister wieder geweckt …

Meine Rezension

„Die achte Karte“ ist der zweite Roman von Kate Mosse und ganz ähnlich angelegt wie ihr Erstling, „Das verlorene Labyrinth“. Die Geschichte wird auch hier auf zwei Zeitebenen erzählt: Ende des 19. Jahrhunderts und 2007. Auch hier bieten beide Erzählebenen Thrillerelemente und mysteriöse bis paranormale Phänomene. Und leider gibt es noch eine weitere Parallele zu „Das verlorene Labyrinth“. Auch hier spart Kate Mosse nicht mit französischen Sätzen, die weder im Text noch in einem Glossar erläutert werden.

Stilistisch und sprachlich kann ich kaum etwas aussetzen. Das Buch liest sich von Beginn an wirklich flüssig und angenehm. Der Drang, weiterzulesen ist sehr groß. Vor allem der Anfang ist äußerst rasant erzählt, dabei spannend und geheimnisvoll und mit sympathischen Figuren bestückt. Der Einstieg fiel mir damit besonders leicht. Die Sprache passt perfekt in die jeweilige Zeitebene, so dass auch das richtige Gefühl für die entsprechende Zeit aufkommt. Allerdings geizt Kate Mosse nicht mit französischen Sätzen, die ich mit meinem mageren Schulfranzösisch oftmals nicht bewältigen konnte. Vielleicht hat sich die Autorin dadurch französisches Flair erhofft. Leider kann dieses Stilmittel keine besondere Atmosphäre schaffen, sondern hat mich nur frustriert, da es nirgendwo Erläuterungen zu diesen Sätzen gibt.

Die Handlung beider Zeitebenen ist insgesamt spannend erzählt, überzeugender hingegen ist eindeutig das ausgehende 19. Jahrhundert. Es strahlt in meinen Augen wesentlich mehr Atmosphäre aus und ist von der Thematik her deutlich abwechslungsreicher und interessanter. Zwar ist auch das Heute flüssig und durchaus spannend erzählt, allerdings konnte ich mit dem Tarot, das hier zentraler Bestandteil der Handlung ist, wenig anfangen. Der Plot um dieses bestimmte Tarot ist für mich oftmals einfach nicht nachvollziehbar. Zwar nimmt dieses Tarot auch in der Vergangenheit Raum ein, doch ist es nicht das vordergründige Thema. Auch werden im Gegenwartsteil kleinere Handlungsfäden oftmals nicht bis zum Ende ausgeführt, sondern verlieren sich.

Am Ende bleibt hinsichtlich des Tarots vieles ungeklärt bzw. zu flüchtig aufgeklärt. Man kann die Auflösung nicht greifen, hat nur ein unbestimmtes Gefühl und schlägt das Buch eher unzufrieden zu. Ich hatte den Eindruck, es fehle noch was, die Geschichte sei nicht auserzählt. Zu viele Fragen bleiben unbeantwortet. Betrachtet man die Handlung ohne das Tarot und allem, was unmittelbar damit im Zusammenhang steht, hätte sich eine schöne, runde Geschichte ergeben, gerade in der Erzählebene des 19. Jahrhunderts. Hier gibt es viel Potential, auch ohne paranormale Ereignisse. Ich mag Mystery und Fantasy durchaus, wenn sie glaubhaft und verständlich erzählt wird. In „Die achte Karte“ ist das leider nicht immer gegeben.
Sehr befremdet hat mich, dass Kate Mosse es nicht lassen konnte, derzeit populäre Verschwörungstheorien der katholischen Kirche einzubringen. Diese sind für die eigentliche Handlung absolut überflüssig, werden nicht näher verfolgt und wirken daher eher wie Effekthascherei.

Die Figuren fand ich einfach großartig. Sowohl die der Vergangenheit, als auch die der Gegenwart. Sie sind sympathisch, machen neugierig und es fällt leicht, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Vor allem Léonie Vernier und ihr Bruder Anatole haben es mir auf Anhieb angetan. Ein wunderbares, so verschiedenes Geschwisterpaar, das alle meine Sympathien hatte. Aber auch Meredith Martin war mir sympathisch und ich habe sie gerne begleitet. Die Bösewichte der Geschichte waren überzeugend und zum Glück nicht klassisch böse. Bei ihnen konnte man zumindest teilweise eine Begründung für ihr Verhalten finden, was für mich persönlich eine gut ausgestaltete Figur mit ausmacht.

Fazit

Auch wenn es einige, wenig überzeugende Elemente in der Handlung gibt und das Ende eher unbefriedigend ist, konnte mich das Buch die gesamte Zeit über fesseln. Das Buch ist spannend erzählt, die Figuren sind derart sympathisch, dass sie einen Großteil der Handlung tragen und man gerne einige Ungereimtheiten übersieht. Ich hatte mit „Die achte Karte“ kurzweilige Lesestunden und wenn man den Roman nicht allzu ernst nimmt, kommt man gerade in der Vergangenheit durchaus auf seine Kosten.

Meine Bewertung

Vielen Dank an die Verlagsgruppe Droemer Knaur für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.


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