Archiv für Januar 2010
Die Tränen der Königin – Christopher W. Gortner
Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3442467747
Seiten: 532
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 08,95
ET: 03.2009
Mit 13 Jahren erlebt Johanna von Kastilien die Vereinigung des Königreichs Spaniens unter ihren Eltern Isabella und Fernando mit. Intelligent, schön, und stolz auf ihre Herkunft kämpft Johanna gegen ihr Schicksal an, als sie als zukünftige Braut des Habsburgers Philip des Schönen auserwählt wird. Aber als sie in Flandern dem attraktiven und sympathischen Prinzen gegenübersteht schlagen ihre Gefühle um. Doch weiß sie noch nicht, dass dieser Mann, nicht nur die größte Liebe ihres Lebens sein wird, sondern auch ihre bitterste Enttäuschung …
Meine Rezension
Johanna ist gerade mal 17 als sie Philip von Flandern heiratet.
Beide empfinden viel für einander, doch schon bald werden sie zu großen Feinden, als klar wird, dass beide in ihrem Leben etwas gänzlich anderes wollen: Philip will Macht und Reichtum, während Johanna nur eines will – ihre Heimat beschützen.
Der überwiegende Teil der historischen Romane spielt in Ländern wie England, Deutschland oder Frankreich.
Christopher W. Gortner entführt uns in Die Tränen der Königin in ein Stück Geschichte Spaniens.
Der Einstieg in den Roman fällt sehr leicht. Dem eigentlichen Roman ist ein Prolog voran gestellt, in dem Johanna selbst auftritt und ‘ankündigt’ ihre Geschichte aufzuschreiben.
Ab dem Zeitpunkt geht es komplett chronologisch im Leben Johannas weiter: sie schildert ihre Kindheit, wie sie ihren Mann trifft, was die beiden erleben und auch, wie ihr Leben endet.
Nach dem doch leichten Einstieg fällt es auch nicht schwer, die noch folgenden Seiten regelrecht zu verschlingen.
Bei der Gestaltung der Geschichte hält sich der Autor, wie er in einem Nachwort betont, genau an die historischen Fakten und Begebenheiten. Lediglich zum Schluss hat er die Zeit etwas gerafft.
Als fiktive Biographie von Johanna ist das Buch in der Ich-Form erzählt.
Dies hat natürlich starken Einfluss darauf, wie die im Roman vorkommenden Personen wirken, da sie vom Johanna für den Leser schon fertig eingefärbt wurden.
Das führte dazu, dass ich doch relativ häufig unzufrieden mit der Erzählperspektive war. Ich hätte mir öfter gewünscht, auch mal ein paar Seiten z.B. aus Philips Sicht zu lesen, um so Johannas Schilderungen so weit als möglich zu objektivieren.
Christopher W. Gortner ist dennoch ein unglaublich fesselnder Roman gelungen, der einem Spanien und eine seiner Königinnen, Johanna von Kastilien, näher bringt.
Der Autor erzählt ihre Geschichte auf eine einfühlsame und doch eindringliche Art und sorgt dafür, dass man den Roman so schnell nicht wieder aus der Hand legen kann.
Ich freue mich schon auf seinen nächsten Roman, der auch hoffentlich bald in einer deutschen Übersetzung erscheint!
Meine Bewertung
![]()
Verwandte Artikel:
- Die Vertraute des Königs – Emma Campion
- Die Sehnsucht der Krähentochter – Oliver Becker
- Mord unter den Linden – Tim Pieper
- Die Schwestern von Sunneck – Martina Frey
- Hinter der Nebelwand – Jörgen Bracker
Rausch – John Griesemer
Verlag: Mare Verlag
ISBN: 978-3-936384-86-4
Seiten: 685
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 24,90
ET: 09.2003
Das erste Transatlantikkabel soll gelegt werden, doch es reißt wieder und wieder. Das größte Schiff aller Zeiten soll zu Wasser gebracht werden, doch es weigert sich, vom Stapel zu laufen. Wir schreiben das Jahr 1857, und die Welt windet sich in den Geburtswehen der Moderne. Die Welt, das ist zunächst der amerikanische Ingenieur Chester Ludlow, der sich mit Haut und Haaren der Idee verschrieben hat, das erste Telegraphenkabel durch den Atlantik zu verlegen; Chester ist unglücklich verheiratet mit der ehemaligen Schauspielerin Franny, die der gemeinsamen Tochter Betty nachtrauert, die einem epileptischen Anfall zum Opfer gefallen ist. Ludlow begibt sich mit einer illustren Theatertruppe und einem verspielt-naiven Stück, das die Verlegung des Atlantikkabels zum Thema hat, auf Reisen, um Geld für das Projekt zu sammeln. Geleitet wird die Truppe von dem Deutschen Joachim Lindt und dessen wunderschöner Frau Katerina, zu der Ludlow alsbald in heißer Liebe entbrennt, derweil Franny daheim in Maine zusammen mit Ludlows Bruder Otis versucht, Bettys Geist im Jenseits zu beschwören.
Meine Rezension
Für mich war “Rausch” von John Griesemer ein Lesegenuss. Gerade diese Mischung aus geschichtlichen Ereignissen und die Verbindungen der einzelnen Figuren zueinander hat mich fasziniert. Wie die Ereignisse diese Figuren beeinflusst haben, kam für mich sehr gut rüber.
Gerade dadurch dass der Autor sich nicht auf eine Person beschränkt, bekommt der Leser ein lebendiges und vielschichtiges Bild präsentiert.
Die verschiedenen Personen sind für meinen Geschmack super dargestellt und ihre Handlungen sind jederzeit nachvollziehbar, auch wenn sie mir nicht alle sympathisch sind. Was ich aber auch als eher seltsam empfunden hätte. Besonders mag ich Jack Trace, der einfach herrlich skurril ist. Trotz der insgesamt eher düster daher kommenden Handlung, kommt der Humor nicht zu kurz und ist wunderbar rabenschwarz^^
“Rausch” habe ich teilweise wirklich als eine Art Rausch erlebt. In diesen geraten alle Figuren und können sich ihm nicht entziehen.
Meine Bewertung
![]()
Verwandte Artikel:
- Die Vertraute des Königs – Emma Campion
- Die Sehnsucht der Krähentochter – Oliver Becker
- Mord unter den Linden – Tim Pieper
- Die Schwestern von Sunneck – Martina Frey
- Hinter der Nebelwand – Jörgen Bracker
In der Mitte der Nacht – Michael Cox
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-63728-9
Seiten: 752
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,95
ET: 12.2007
Der Mann, den Edward Glyver kurz vorm Austernabendessen im Fischlokal Quinn’s in einer abgelegenen Ecke im London zur Mitte des 19. Jahrhunderts tötet, hat einfach Pech gehabt. Seine roten Haare wohl waren es, die den Unbekannten aus der Masse herausstechen ließen, deshalb fiel die Wahl auf ihn. Der rothaarige Fremde ist für den adeligen Glyver nur die Generalprobe für den eigentlichen Mord an seinem ehemaligen Freund und jetzigen Todfeind Phoebus Daunt, den er, wohl ganz zu Recht, für den Verlust seiner großen Liebe, von Bildung und Erbe verantwortlich macht. Dafür will Glyver sich rächen. Das Duell zweier intellektuell überaus gerissener junger Männer entbrennt: zweier Männer zudem, die bereit sind, bis zum Äußersten zu gehen ….
Meine Rezension
Edward Glyver ist ein begnadeter Buchliebhaber, gebildet, jung, voller Tatendrang, ein reisender Student und ein Mörder…
Edward Glyvers Leben erfährt eine radikale Änderung als er in jungen Jahren von einem Freund betrogen wird. Phoebus Daunt sorgt durch eine Intrige dafür, dass Edward aus der Schule geworfen wird und so nie die Chance erhalten wird, in Cambridge studieren zu dürfen. Der Junge schwört Rache. Die Jahre vergehen und Edward hat seinen Schwur nie vergessen. Doch dann scheint sich eine neue Möglichkeit in seinem Leben aufzutun: Edward findet heraus, dass er der wahre Erbe Lord Tansors ist… Der zukünftige Adoptivvater von Phoebus Daunt.
Und so scheint es, als ob Edwards Stunde endlich geschlagen hat und Daunt nun bezahlen wird. Doch im Leben kommt es oft anders als man es sich erhofft und ein weiteres Mal wird sich Edward Glyvers Leben ändern…
Ich habe diesen Roman in Englisch gelesen und muss zugeben, dass ich ihn wohl mit dem deutschen Titel nicht in die Hand genommen hätte… Meiner Meinung nach passt der deutsche Titel nicht wirklich und hat mit dem eigentlichen auch nicht viel gemein. “Die Bedeutung der Nacht” wäre die Übersetzung gewesen und hätte auch inhaltlich gepasst. Nun gut, das nur nebenbei…
Eigentlich hatte ich mir einen kaltblütigen und psychopathischen Mörder vorgestellt, weshalb ich anfangs etwas enttäuscht war, denn Edward entsprach nicht ganz dem, was ich erhofft hatte. Aber nach und nach konnte mich Cox mit seiner Geschichte doch überzeugen. Er schreibt wahnsinnig spannend und packend, so dass ich ausnahmsweise derselben Meinung bin, wie eine der Zeitungskommentare auf der Rückseite des Romans (ich glaube, von der „Times“). Es ist ein absoluter Pageturner! Man möchte so schnell wie möglich wissen was passieren wird. Wie Edwards Leben verlief, weshalb er letztendlich zum Mörder wurde und was es mit seiner Feindschaft zu seinem ehemaligen Freund Phoebus Daunt auf sich hat. Nach und nach erfährt man immer mehr Bruchstücke aus Edwards bisheriger Geschichte und langsam formen diese sich zu einem Ganzen.
Edward selbst ist mir von Anfang an sympathisch, sicher lag das auch daran, dass ich auf bücherliebhabende Mörder stehe, aber die Figur ist auch recht einnehmend konzipiert. Man versteht seine späteren Handlungen, und ich habe bis zuletzt mitgefiebert und gehofft, dass er seine Rache bekommen wird.
Meine Bewertung
Verwandte Artikel:
- Seelenfänger – Rory Clements
- Die Henkerstochter und der König der Bettler – Oliver Pötzsch
- Die Giftmeisterin – Eric Walz
- Der schwarze Papst – Eric Walz
Die letzte Prophezeiung – Roger R. Talbot
Verlag: Rütten & Loening | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-352-00774-3
Seiten: 563
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,95
ET: 07.2009
In Dublin wird ein Computerspezialist entführt, in Rom stürzt sich ein Theologieprofessor aus dem Fenster. Die beiden Fällen haben nichts miteinander gemeinsam, bis auf ein Bindeglied: Liam Brine, Bruder des Einen, ehemaliger Student und Freund des Anderen! Liam glaubt nicht an einen Selbstmord seines Mentors, zumal dieser ihm eine geheimnisvolle Botschaft hinterlassen hat. Zusätzlich muss er sich um das Verschwinden seines Bruders kümmern, wobei er tatkräftige Unterstüzung von seiner Ex-Schwägerin erhält. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens finden die Beiden heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen gibt – und das es hier um viel mehr geht als einen Entführung und einen Mord. Das Ende der Welt, so wie wir sie kennen, steht bevor.
Meine Rezension
Wie Klappentext und Kurzbeschreibung des Buches es schon vermuten lassen, handelt es sich um einen Religionsthriller im Stile von Dan Brown. Aber R.R. Talbor braucht sich wahrlich nicht hinter Dan Brown zu verstecken. “Die letzte Prophezeiung” ist ein spannender Verschwörungsthriller, ein Buch, das einen bis zum großen Finale in seinen Bann zieht!
Das Muster des Buches ist klassisch: ein Mann der durch Zufall in Geschehnisse verwickelt wird mit denen er eigentlich nichts zu tun hat. Eine starke und kluge Frau an seiner Seite! Eine Veschwörung, die weit in die Vergangenheit reicht, eine Geheimgesellschaft und ein großer, böser Feind aus dem Osten, der die Welt, wie wir sie kennen, zerstören will!
Das Buch beginnt vom Gefühl her eher langsam, auch wenn zwei einschneidende Ereignisse geschehen, die Liams Leben und auch seinen Glauben für immer verändern werden! Molteni, sein Mentor, stürzt sich aus dem Fenster seine Hotelzimmers. Sein letztes Wort, ein Buch und Andeutungen über die Apokalypse des Johannes lassen Liam an einem Selbstmord zweifeln. Als dann noch sein Bruder entführt wird, reist Liam nach Dublin, wo er auf seine Ex-Schwägerin Alanna trifft. Auch die Entführung von Liams Bruder ist rätselhaft, er wurde von Arabern entführt, aber bis jetzt ist keine Lösegeldforderung eingegangen. Führte Liams Bruder ein Doppelleben oder hat er etwas herausgefunden, das er nicht wissen durfte? Für Liam und Alanna beginnt eine rasante Verfolgungsjagd, die sie quer durch Europa führt.
Häufig wechselt Talbot den Schauplatz der Ereignisse, so dass es als Leser nicht immer einfach ist, der Story zu folgen. In parallelen Handlungssträngen agieren die “gute und die böse Seite”, viele verschiedene Personen werden eingeführt, von denen einige sehr mysteriös und undurchschaubar sind. Andere hingegen sind sehr stereotypisch “böse”. Diese “schwarz” und “weiß” Malerei zieht sich durch das ganze Buch, leider ist mir dabei keine der Personen so richtig ans Herz gewachsen!
In einem weiteren Handlungsstrang wird der Leser in die Vergangheit geführt, zum 1. Konzil von Nicäa im Jahre 325! Geschickt verwebt der Autor Wahrheit und Fiktion und enthüllt eine erschreckende “Wahrheit”, die unsere Welt bedroht!
Was mir besonders gut gefallen hat, sind die sehr aktuellen Bezüge des Buches! Besonders die Technologie der Biometrie spielt eine große Rolle in diesem Roman! Aber es geht auch um große Konzerne, um Scheinfirmen, um Korruption und Kursmanipulationen, um Landerwerb, um Vertreibung von Einheimischen! Und um Katasptrophen, die die Menschheit in den letzen Jahrzehnten durchmachen musste!
Dan Browns Bücher “leben” hauptsächlich in der Vergangenheit, Roger Talbot schafft den Bezug zu aktuellen und erst kürzlich vergangenen Ereignissen. Leider verstrickt er sich meiner Meinung nach dabei zu sehr in Details. Einiges habe ich einfach überlesen, da mir die Fakten irgendwann zu viel wurden. Einige religiös- und sprachwissenschaftliche Erkenntnisse waren für mich als Leser zu kompliziert dargestellt und daher nicht nachvollziehbar. Die vielen Handlungsstränge verwirren und dadurch wird der Fluß der Story gestört. Talbot wollte meiner Meinung nach manchmal vielleicht ein bisschen zu viel und schafft am Ende den großen Bogen nicht ganz, um alle Handlungsstränge zu einem Ende zu führen, und um alle offenen Fragen zu beantworten.
Dennoch ist das Buch sehr spannend und unterhaltsam und hat mich – mal wieder – dazu angeregt, mich mehr mit einzelnen Stellen der Bibel zu beschäftigen. Das Ende der “Haupthandlung” ist ziemlich überraschend , überraschend von der Story und überraschend gut! Und offen genug, um meiner Fantasie freien Lauf zu lassen!
“Die letzte Prophezeiung” ist ein Buch, das – auch aufgrund der aktuellen Besteller von Dan Brown – mehr Aufmerksamkeit verdient.
Auch das Cover meiner gebundenen Ausgabe finde ich sehr gelungen und auch sehr passend zum Buch, was ja leider oft nicht der Fall ist!
Aufgrund der Tatsache, dass ich mit den Personen nicht warm geworden bin und dass mir die Details manchmal zu viel wurden bewerte ich das Buch mit sieben von zehn Punkten.
Zum Schluß gilt mein Dank dem Aufbau-Verlag, der der Buchcouch dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!
Meine Bewertung
![]()
Verwandte Artikel:
- Für immer Tod – Bernhard Aichner
- Der Sterbende Detektiv – Leif GW Persson
- Hüte dich vor deinem Nächsten – Lisa Unger
- Boston Run – Frank Lauenroth
- Steirerblut – Claudia Rossbacher
Moby Dick oder der Wal – Herman Melville
Verlag: Fischer
ISBN: 978-3-596-90195-1
Seiten: 928
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 12,50
ET: 07.2009
Das gewaltige Epos vom großen weißen Wal und Kapitän Ahab, abenteuerliche Reisen durch alle stürmischen Meere und die Geschichte von Ismael, der sich, des Festlands müde, auf den Ozean der Möglichkeiten begibt, indem er auf dem Walfänger Pequod anheuert.
Nach abenteuerlichen Reisen durch alle stürmischen Meere findet er als einziger der Mannschaft nach Hause zurück – im Sarg seines Freundes Queequeg.”Dieses wunderbarste aller Bücher macht uns für ein Weilchen zu anderen Wesen; der ungeheure Rhythmus, mit dem da Erzählung, Hymnus, Walfangtechnik sich abwechseln, die Spannung dann zwischen dem einfachen Bericht einer langen Walfangreise und einem großen individuellen Schicksal (Ahab und sein weißer Wal) mit einem ganzen Bündel.” (Der Roman-Navigator)
Meine Rezension
Ich muss gestehen, ich war etwas überrascht. Ich hatte ein recht sperriges Werk erwartet und war mir nicht so ganz sicher, wie lange ich dafür brauchen könnte. Stattdessen muss ich sagen, dass ich doch recht zügig voran kam und das Lesen nicht als mühsam empfunden habe. Im Gegenteil, es war ein einziger Genuss. Von der ersten Seite an war ich gefesselt. Obwohl in vielen Kapiteln mehr auf die Beschreibung verschiedener Wale, Walfangmöglichkeiten und kleine einzelne Begebenheiten auf der Reise der Pequod eingegangen wird, als auf die Suche nach Moby Dick selbst. Melville scheint hier aus allem Wissen, das es zu dieser Zeit über Wale gab, zu schöpfen und mehr als einmal hätte ich mir Illustrationen zu den Beschreibungen gewünscht. Das hätte die Erzählung sicher bereichert. Ich hatte sie richtig vor Augen, die Stiche und Zeichnungen jener Zeit.
Kapitän Ahab, den viele sicher vor allem aus einer der Verfilmungen im Kopf haben, ist hier zwar eine wichtige Figur, steht aber längst nicht so im Mittelpunkt wie man erwarten würde. Vermutlich habe ich hier wohl eine der Jugendbuchversionen des Romans im Kopf, hier war die Handlung natürlich viel dichter und gekürzt, da konnte der einsame Kapitän natürlich ganz anders auftauchen als im Original. Das Faszinierende ist jedoch, dass sich alles dennoch um Ahab dreht, auch wenn er selbst recht selten in Erscheinung tritt. Denn er allein bestimmt letztendlich, was die Männer tun, er allein sucht nach dem weißen Wal und kann nicht von ihm lassen bis er ihn bezwungen hat. Es scheint, als ob er in Wahrheit gegen sich selbst kämpft.
Keine der Figuren kommt einem Nahe, aber darum geht es auch nicht; man ist Beobachter, sieht das Ganze durch Ishmaels Augen. Seine Gedanken sind aber auch distanziert, so als ob ihm bewusst wäre, dass hier ein Außenstehender zuschaut und sozusagen in seinen Gedanken liest.
Was mich wirklich umgehauen hat sind die wunderbaren, zum Teil auch grauseligen, Beschreibungen des Walfangs. Man hat es richtig vor Augen und alles ist so lebendig erzählt, als ob man selbst dabei wäre. Das gilt auch für den Rest des Romans. Alles ist sehr detailgenau beschrieben, aber, wie ich finde, durchaus wunderbar zu lesen. Mir hat dies jedenfalls sehr gefallen. Alles scheint am rechten Platz, zur rechten Zeit erzählt und fügt sich so ineinander zusammen.
Ich empfand das Lesen jedenfalls als eine große Bereicherung!
Bleibt noch der informative Anhang zu erwähnen, der meiner Ausgabe beigefügt ist. Gerade wenn man sich auch ein wenig für die Entstehungsgeschichte des Romans interessiert, lohnt sich ein Blick. Desweiteren ist auch ein Kommentar des Übersetzers zu finden, so wie der Kindler Literaturlexikonbeitrag.
Meine Bewertung
![]()
Verwandte Artikel:
- Die Farbe Lila – Alice Walker
- Jahrmarkt der Eitelkeit – William Thackeray
- Jahrestage – Uwe Johnson
- Die Glut – Sándor Márai
- Der große Gatsby – Francis Scott Fitzgerald







