Archiv für Juli 2009
Wolfsglut – Lori Handeland
Werwolf-Reihe, Teil 3
Verlag: Lyx | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-8025-8207-3
Seiten: 352
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 04.2009
Preis: € 9,95
Seit sieben Jahren gilt Dr. Elise Hanover offiziell als vermisst. Dabei ahnt kaum jemand, dass sie in Wahrheit zu einer geheimen Organisation von Werwolfjägern gehört und im Verborgenen arbeitet. Doch Elise hütet ein noch weitaus finstereres Geheimnis: Einmal im Monat verwandelt sich die Wissenschaftlerin nämlich selbst in eines der haarigen Ungeheuer. Fieberhaft sucht sie deshalb nach einem Heilmittel gegen die Lykanthropie (Gestaltwandlung). Da taucht unerwartet Elises einstiger Geliebter, der FBI-Agent Nic Franklin, auf der Bildfläche auf und stellt ihre Gefühlswelt vollkommen auf den Kopf…
Meine Rezension
Es ist ein Leichtes, sowohl in den Schreibstil, als auch in die Handlung des Romans einzutauchen. Leicht, oft umgangssprachlich & mit einer großen Portion Sarkasmus wird die Geschichte aus Sicht Eliza Hanovers in der Ich-Form erzählt und gleicht damit von Stil und Aufbau den ersten beiden Bänden der Werwolf-Reihe.
Die Handlung ist spannend, die Ideen der Autorin sind interessant und gut umgesetzt. „Wolfsglut“ ist wie seine Vorgänger eine äußerst kurzweilige, wenig anspruchsvolle Lektüre. Für mich zur Zeit genau das Richtige. Ich möchte im Moment auf leichte Art unterhalten werden, meine grauen Zellen nicht zu sehr beanspruchen müssen und in eine spannende Welt abtauchen können. Und genau das bekomme ich von Lori Handeland in ihren Romanen.
Gut gefällt mir die Aufbau der kompletten Serie. In jedem Teil steht eine andere Figur im Fokus. So erzählte im ersten Teil Jessie die Geschichte, während der zweite aus Leighs Sicht und der dritte Teil aus Elizas Perspektive erzählt wurde. Dabei werden aber nie die bis dahin eingeführten Protagonisten aus den Vorgängerromanen vernachlässigt. Bisher gab es mit jeder Hauptfigur auch in den Nachfolgebänden ein Wiedersehen. Daher sollte man diese Reihe auch unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen.
Die Figuren sind lebendig und interessant, geheimnisvoll und durchaus vielschichtig. Alle haben ihren Reiz und sind mir sympathisch gewesen, daher könnte ich auf Anhieb nicht einmal eine Lieblingsfigur nennen. Allerdings stört mich im Laufe der Serie vor allem an den weiblichen Protagonisten ein wenig, dass sie in ihrer Sprache einander recht ähnlich sind, so dass ich tatsächlich manchmal durcheinander kam, wer denn gerade welchen Part in einem Dialog führte: Jessie, Leigh oder doch Eliza. Im dritten Teil fiel das nicht ganz so stark auf, da Jessie und Leigh nicht sehr häufig präsent waren, aber im zweiten Band der Serie kam ich wirklich ständig durcheinander und verwechselte Leigh häufig mit Jessie. Die Männer in dieser Reihe sind wesentlich differenzierter dargestellt. Bei ihnen hatte ich nie Schwierigkeiten, sie auseinander zu halten, da sie auch bei wörtlicher Rede ihre ganz speziellen Eigenarten, Redewendungen etc. hatten. In ihren Charakterbeschreibungen ähneln sich die weiblichen Figuren nicht sehr stark, daher würde ich mir wünschen, dass auch sie sich in ihrem „Mundwerk“ mehr voneinander unterscheiden würden.
Da ich mir in den Rezensionen über Vampir- & Werwolf-Romane mehr Details zur Romantik bzw. Erotik wünsche, gehe ich speziell auch darauf ein wenig ein. Die Liebe kommt trotz aller Schrecknisse in keinem der Bücher zu kurz, wobei man Romantik aber eher vergeblich sucht. In diesen Büchern geht es ganz klar „richtig zur Sache“ und man bekommt als Leser schon eine gehörige Portion knisternder Erotik geliefert. Allerdings hält sich die Erotik in einem gemäßigten Rahmen, ist ausgewogen in die Geschichte eingeflochten, so dass man nicht alle drei Seiten mit den Protagonisten „ins Bett gehen muss“. Die Handlung steht eindeutig im Vordergrund und ist keineswegs schmückendes Beiwerk zu einem „Nackenbeißer“.
Besonders gelungen finde ich die Überraschungsmomente in den Werwolf-Romanen. Denn nie kann man sich sicher sein, dass das, was man zu sehen glaubt, auch wirklich da ist. Lori Handeland konnte mich stets überraschen, so dass die Spannung bis zur letzten Seite anhielt. In „Wolfsglut“ gefiel mir neben den üblichen Werwolf-Problemen der magische Aspekt besonders gut und auch Eliza Hanover ist eine faszinierende Figur, die mich sehr beeindrucken konnte.
Meine Bewertung
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Der Apotheker – Clare Clark
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43356-4
Seiten: 447
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 8,95
ET: 01.2009
London 1718
Als die unverheiratete, schwangere Eliza die Stadt erreicht, ist sie verzweifelt. Sie setzt alle Hoffnung auf den Apotheker Black, der sie großmütig in seine Dienste nimmt. Doch Black betreibt unheimliche Studien. Was geht in dem Haus vor sich, und welche Rolle soll Eliza dabei spielen?
Meine Rezension
Der Klappentext verrät nicht allzu viel über die Handlung, so dass ich recht ahnungslos in die Geschichte gestolpert bin. Gleich zu Beginn wird man abrupt in Elizas Welt mit all ihren Abgründen, Schrecken und Sorgen, aber auch Hoffnungen hinein gestoßen wird. Gerade diese ersten Seiten, so abstoßend sie einem auch stellenweise vorkommen mögen, vermitteln einen interessanten, aber auch erschreckenden Einblick in das Leben an der Armutsgrenze zu Beginn des 18. Jahrhunderts.
Eliza möchte raus aus der dreckigen, zugigen Kate, weg von ihrer Mutter. Sie möchte ein besseres Leben führen, hat Hoffnungen und Sehnsüchte. Und auch ihre Mutter wünscht sich scheinbar ein besseres Leben für Eliza, setzte alles daran, dass sich ihrer beider Lebensstandard bessert. Letztendlich geht es ihr aber nicht um Eliza, sondern einzig um sich selbst und benutzt ihre Tochter, um ihre egoistischen Ziele zu erreichen. Mit schrecklichen Folgen für Eliza. Schon hier zeigen sich die ersten Abgründe der menschlichen Natur. Die Mutter stellt ihr eigenes Wohl über das der eigenen Tochter, verschachert ihr einziges noch lebendes Kind an den Apotheker Black in London.
Eliza, froh von ihrer Mutter getrennt zu sein, tritt voller Hoffnungen, aber auch Ängsten ihre Stelle als Dienstmagd im Haushalt des Apothekers an und wird in einen Strudel unmenschlicher Forschungen, ungerechten und mitleidlosen Dienstherren und ihrer eigenen Einsamkeit und Angst gezogen.
Clare Clark deutet vieles nur an, arbeitet geschickt mit Aufzeichnungen des Apothekers zu seinen Forschungen, Briefen und Mutmaßungen Elizas, um den Leser in die schaurige Welt des Apothekers Black hinein zu ziehen. Vieles bleibt ungesagt, ein leiser Hauch, ein vager Verdacht. Was Black tatsächlich in seinem Labor treibt, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen. Sehr subtil wird der Leser an dessen Forschungen heran geführt, aber immerhin deutlich genug, um allein durch kleinste Andeutungen eine Gänsehaut zu bekommen und fassungslos mit dem Kopf zu schütteln, was die medizinischen Gelehrten im 18. Jahrhundert meinten über den Menschen, seinen Körper, seinen Geist und seinen Organismus zu wissen.
Neben dem medizinischen Wissensstand des 18. Jahrhunderts, kommt aber auch das Alltagsleben und die Architektur Londons, die Liebe zu Büchern und deren Macht, sowie das bedauernswerte Leben zweier Dienstmägde in den Fängen des Apothekers und seiner Ehefrau und die Macht der Freundschaft nicht zu kurz. Clare Clark erzählt ausgewogen und stilistisch gesehen harmonisch (was auf den Inhalt nun gar nicht zutrifft). „Der Apotheker“ ist spannend, abstoßend, erschreckend, bemitleidenswert, tragisch, schaurig und manchmal auch zum Lächeln.
Erzählt wird die Geschichte aus Elizas Sicht. Dabei geht sie nicht mit nüchternem Blick durch die Welt, sondern legt ihr ganzes Sehnen, Fürchten und Herzblut mit in ihre Schilderungen. Elizas Sicht ist offen, ehrlich und sehr direkt. Dass, was sie dem Leser zu erzählen hat, beschönigt sie nicht, zieht sich nicht selbst aus der Verantwortung, hat den Mut auch eigene Fehler einzugestehen, aber auch andere anzuklagen. Mich hat Elizas Geschichte sehr berührt, vor allem, weil man als Leser ständig in ihre Seele schauen kann. Eliza kam mir unglaublich nahe, selbst wenn ich gewollt hätte, hätte ich sie nicht auf Abstand halten können und je weiter sie sich entwickelte, an den schrecklichen Ereignissen wuchs, desto näher kam sie mir.
Aber auch die übrigen Figuren haben ihre ganz eigene Faszination auf mich ausgeübt. Schauerlich wie seine Forschungen kommt Black daher, dabei ist er nie so richtig greifbar. Ein komplettes Bild vom Apotheker lässt sich nicht zusammen setzen, da der Leser immer nur Fragmente von ihm zu sehen bekommt. Seine Frau hingegen hat sich mir als abstoßendes Beispiel eingebrannt. Bis zum Schluss habe ich diese Person nicht verstehen können, dazu fehlen leider zu viele Hintergrundinformationen, wie z.B. Erzählungen aus den jüngeren Jahren des Ehepaars. Nicht alle Figuren glänzen durch ihren Facettenreichtum, aber alle sind auf ihre Weise interessante Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Ambitionen und Wünschen.
Bedauerlicherweise habe ich „Der Apotheker“ zu einer Zeit gelesen, in der ich für dieses Thema nicht immer ausreichend empfänglich war. Aber dennoch hat es Clare Clark geschafft, mich – vor allem zum Ende hin – an dieses Buch zu fesseln und mich tief zu berühren. Ich bin mir sicher, irgendwann werde ich auch „Der Vermesser“ lesen, dann aber zum richtigen Zeitpunkt.
Meine Bewertung
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Das Königsmal – Katrin Burseg
Verlag: fredeboldundfischer | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-939674-06-1
Seiten: 444
Ausgabe: Hardcover
ET: 04.2008
Preis: € 16,95
Drohend ziehen die ersten Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken als Vorboten des Dreißigjährigen Krieges über Holstein hinweg. Da wird einem neugeborenen Mädchen mit einem C-förmigen Mal auf der Stirn von einer Zigeunerin prophezeit, dass es weite Wege gehen müsse, bis es schließlich sein Glück an der Seite eines älteren Mannes finden würde. Jahre später begegnet die zu einer schönen jungen Frau herangewachsene Wiebke König Christian IV. von Dänemark. Der ist von ihr bezaubert. Als Hofdame für seine Frau Kerstin Munk nimmt er sie mit sich an den Hof, wo Wiebke ihm nicht nur das Leben rettet, sondern ihm in den Wirren des Krieges auch eine kluge Beraterin ist. Der König verliebt sich leidenschaftlich in sie. Doch als er seine Frau verstößt und Wiebke als illegitime Frau an seine Seite holt, spricht er damit ihr Todesurteil aus. Denn von diesem Tage an hat sie in Kerstin eine unversöhnliche Feindin, die nur noch ein Ziel kennt: Rache…
Meine Rezension
„Das Königsmal“ war ein Notkauf, als ich im April 2008 meinen Buchclub-Quartalskauf tätigen musste und genauso habe ich es auch fast ein dreiviertel Jahr behandelt, bis ich es im Januar 2009 endlich gelesen habe. Es war keineswegs gerechtfertigt, den Roman so lange Zeit unbeachtet zu lassen, hat er mir doch wirklich kurzweilige Lesestunden geschenkt, mich mit Schauplätzen beglückt, die ich selber kenne und mir unglaublich viel Hintergrundwissen zum Dreißigjährigen Krieg geliefert.
Sprachlich und stilistisch hat mir das Buch wirklich ausnehmend gut gefallen. Ich brauchte keinerlei Eingewöhnungszeit, um in den Schreibstil der Autorin hinein zu finden und bin auch nicht über Umgangssprache oder kleine Ungereimtheiten gestolpert. Besonders gut gefallen hat mir, dass hin und wieder die erste Hofdame, Johanna von Krabbe, durch ihre geheimen Aufzeichnungen zu Wort kommt und man dadurch Wiebkes Leben auch aus einer anderen Perspektive betrachten konnte.
Inhaltlich verspricht die Kurzbeschreibung leider mehr, als sie halten kann, zumindest was Wiebke Kruse betrifft. In meinen Augen überwiegt eindeutig der Dreißigjährige Krieg, nicht nur als Schauplatz und geschichtlicher Hintergrund, sondern auch als zentrales Thema. Dabei sind die Einzelheiten des Kriegsverlaufs und dessen Hintergründe sehr gut verständlich geschildert, so dass ich wirklich eine Menge dazu lernen konnte. Bisher hatte ich immer so meine Schwierigkeiten, diesem Krieg zu folgen und ihn zu verstehen (soweit man Kriege verstehen kann), aber Katrin Burseg hat es geschafft, mir den Dreißigjährigen Krieg um einiges näher zu bringen und ihn mich begreifen zu lassen. Meine frühere Verwirrung hat sich weitestgehend gelegt. Die Autorin erzählt spannend, historisch fundiert und mit einem Auge fürs Detail.
Ein ganz besonderes Bonbon für mich persönlich sind die vielen Schauplätze in Schleswig-Holstein, von denen ich die meisten kenne. Ich liebe es, wenn ich an Orte geführt werde, die mir ein Begriff sind, vielleicht sogar eine Bedeutung für mich haben. Da der dänische König Christian IV. eine führende Rolle in diesem Roman einnimmt, kommt man häufig auf einen Abstecher in Schleswig-Holstein vorbei. Für mich hat das mit den Zauber des Romans ausgemacht, da es eine ganz wunderbare Zeitreise in mir bekannte Städte war.
Wiebke Kruse erhält leider erst sehr spät eine zentrale Rolle in diesem Roman. Zwar taucht sie von Beginn an immer mal wieder als Figur auf, so dass der Leser die Möglichkeit hat, sie Stück für Stück näher kennen zu lernen, aber eine tragende Rolle erhält sie erst ab etwa der Hälfte der Handlung. Durch ihre zunächst sehr kurzen Auftritte hatte ich große Schwierigkeiten, ihr als Person näher zu kommen, auch wusste ich selten, was ich von ihr und ihren Verhalten zu halten habe. Leider hielt die Distanz zwischen uns bis zum Schluss an.
Insgesamt hat mir der Roman wirklich gut gefallen, auch wenn ich von Wiebke Kruses Geschichte ein wenig enttäuscht war. Ihr Leben kam mir deutlich zu kurz und ich hatte keine Möglichkeit der Protagonistin auf den Grund der Seele zu schauen, sie nahe an mich heran zu lassen, sie zu einer Freundin zu machen. Daher konnte mich die Geschichte nicht so berühren, wie ich gehofft habe, auch wenn ich zum Ende hin doch sehr bewegt war. Ich habe durchaus mitgefiebert und die Handlung war spannend, aber hundertprozentig involviert war ich nicht. Ich habe Wiebke Kruses Geschichte gelesen, aber nicht erlebt.
Eindeutig am besten gefallen hat mir der historische Hintergrund – der Dreißigjährige Krieg –, der doch stark in den Vordergrund gerückt war. Katrin Burseg hat mir hier vieles näher gebracht. Dadurch, dass das Zeitfenster des Romans groß genug war, um den gesamten Krieg zu verfolgen, habe ich ihn endlich in seiner Komplexität und seines Verlaufs zumindest in den wesentlichen Zügen begriffen. Dafür vergebe ich eine Eins mit Sternchen.
Dass Katrin Burseg Legenden und Sagen mit den historischen Fakten verwoben hat, fand ich ein wenig bedauerlich. Aber da die Autorin darauf in ihrem ausführlichen Nachwort eingegangen ist, war dies für mich leicht verzeihlich. Schließlich handelt es sich bei „Das Königsmal“ immer noch um einen Roman und nicht um ein Sachbuch.
Eine Karte hätte ich in diesem Buch äußerst nützlich gefunden, da regelmäßig die Schauplätze gewechselt werden und auch eine Zeittafel zum Dreißigjährigen Krieg wäre durchaus reizvoll gewesen. Aber Lesebändchen, ein wunderschönes Schriftbild, sowie das ausführliche Nachwort konnten mich entschädigen.
Fazit
Ein wunderbares, kurzweiliges Buch, das vor allem etwas für Interessierte am Dreißigjährigen Krieg sein dürfte oder für diejenigen, die ihn endlich verstehen wollen. Spannend, ereignisreich und lehrreich! Ein Roman, der mich leider nicht so tief berühren konnte, wie ich gerne gewollt hätte. Katrin Burseg ist eindeutig eine Autorin mit Potential und ich hoffe sehr, dass wir in Zukunft noch mehr Romane von ihr erwarten dürfen.
Meine Bewertung
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