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Archiv für April 2009

Die Lilien von Frankreich – Ellen Alpsten

Verlag: Heyne | Leseprobe (.pdf)
ISBN: 978-3-453-47045-3
Seiten: 355
Ausgabe: Taschenbuch
ET: 11.2006
Preis: € 8,95

Frankreich im Hundertjährigen Krieg

Das Land ist gespalten. Unerbittlich kämpfen die Burgunder und die Armagnacs um die Macht. Königin Isabeau hat die Herrschaft im Lande übernommen. Yolanda von Anjou steht ihr scheinbar zur Seite, doch in Wirklichkeit verfolgt sie ihre eigenen machtpolitischen Ziele. Als die Lage sich immer weiter zuspitzt, tritt eine dritte Frau auf den Plan: die Jungfrau Johanna von Orleans…

Meine Rezension

Mich interessiert der Hundertjährige Krieg brennend und da ich bisher meist nur darüber aus englischer Sicht gelesen habe, musste ich dieses Buch aus der französischen Perspektive einfach lesen. Mit großen Erwartungen bin ich an „Die Lilien von Frankreich“ heran gegangen und schnell musste ich feststellen, dass diese viel zu hoch gesteckt waren.

Stilistisch und sprachlich hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Es ist recht anspruchsvoll geschrieben und man fühlt sich gut in die Zeit zurück versetzt. Auch sind die Beschreibungen sehr detailliert, so dass eine gewisse, manchmal sogar dichte, Atmosphäre aufkommt. Gestört hat mich allerdings, dass nur einige französische Personennamen ins Deutsche übersetzt werden, aber nicht alle. Ich mag es generell nicht, wenn Eigennamen eingedeutscht werden, aber wenn es denn zwingend erforderlich scheint, dann erwarte ich auch, dass das konsequent umgesetzt wird. Das war leider hier gar nicht der Fall und was ich am wenigsten verstanden habe, wieso werden französische Klosternamen und Redewendungen nicht übersetzt? Selten habe ich eine solche Inkonsequenz erlebt.

Obwohl ich damit gerechnet hatte, dass der Roman hauptsächlich die Zeit Jeanne d’Arcs behandelt, war ich äußerst begeistert, dass „Die Lilien von Frankreich“ wesentlich früher ansetzt (es beginnt 1413) und damit einen deutlich größeren Handlungsrahmen um den Hundertjährigen Krieg zieht. Erzählt wird die Geschichte vor allem aus zwei Perspektiven: aus der Sicht Königin Isabeaus und  Yolandas von Anjou. Beide Parteien verfolgen unterschiedliche Pläne für Frankreich. Beide wollen das beste für ihr Land, wobei sie völlig verschiedene Vorstellungen davon haben, was das beste ist und beim Verfolgen ihrer Ziele gänzlich unterschiedliche Wege einschlagen. Von daher war es spannend, beide Seiten ausführlich betrachten zu können. Allerdings konnte mich Yolandas Geschichte bei weitem nicht so ergreifen, wie Isabeaus. Bis zum Schluss konnte sie mich nicht für sich einnehmen.

Die Erzählung um Königin Isabeau und ihre Tochter Katharina, die spätere Ehefrau Henry V.,  hat mich tief bewegen und beschäftigen können. Isabeau ist eine faszinierende Frau und ich konnte gar nicht genug über sie lesen. Und Katharina hat durch ihre spätere Rolle als Ehefrau des englischen Königs eine ganz eigene Faszination auf mich ausgeübt. Leider verschwindet Katharina nach ihrer Hochzeit fast gänzlich aus der Handlung, so dass nur noch Isabeau mich an das Buch binden konnte. Yolandas Erlebnisse hingegen werden ein wenig lieblos herunter erzählt und konnten mich eigentlich nie packen. Ihre Sichtweise ist zwar wichtig für den Roman, hat mich aber stellenweise doch eher gelangweilt. Von daher war ich jedes Mal froh, wenn die Perspektive wieder zu Isabeau und den ihren umschwenkte. Sehr gelungen fand ich außerdem die eingeschobenen Briefe von Jehanne, der Hofdame Isabeaus, an ihre Mutter. Dadurch bekommt man ein wundervolles Bild der Königin und auch der Zeit, in der sie lebte. Die Alltagsbeschreibungen des Hoflebens haben es mir ebenso angetan, da sie eine wunderschöne Atmosphäre schaffen, in die ich ohne Probleme eintauchen konnte.

Was sich die Autorin hingegen für Jeanne d’Arc hat einfallen lassen, stieß bei mir auf wenig Begeisterung. Ellen Alpsten ist bemüht eine Geschichte um Jeanne zu erzählen, die plausibler und glaubwürdiger ist, als die, die allgemein bekannt und gängig ist. Für mich ist die Autorin hier teilweise zu weit gegangen, zumal es nicht einmal ein erklärendes Nachwort dazu gibt. Auch wenn ich den Gedanken dahinter nachvollziehen kann, gefiel es mir überhaupt nicht. Zudem bekommt die Jungfrau von Orléans derart wenig Beachtung in diesem Roman, dass ihre Erwähnung im Klappentext nicht einmal gerechtfertigt ist.

Ich fand es sehr interessant über den Hundertjährigen Krieg einmal aus französischer Sicht zu lesen und auch näher zu erfahren, was eigentlich genau zu dem Vertrag geführt hat, der Henry V. von England offiziell als Thronerben Frankreichs einsetzte. Die historischen Fakten hat die Autorin immer gut und verständlich in den Roman eingebunden und ich konnte wieder etwas dazu lernen.
Das Ende des Romans war mir persönlich leider viel zu schnell herunter erzählt. Hier hätte sich die Autorin gerne etwas mehr Zeit lassen dürfen, um den Kreis zu schließen. Auch fehlte mir ein erklärendes Nachwort. Auch ein Personenregister und eine Karte Frankreichs wären eine schöne und nützliche Zugabe gewesen.

Meine Bewertung


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Das Vermächtnis Shivas – Charlotte Wolf

Verlag: editionfredebold | Leseprobe
ISBN: 978-3-939674-16-0
Seiten: 400
Ausgabe:
Hardcover
Preis:
€ 17,95
ET:
10.2009

Indien 1669

Großmogul Aurangzeb, seinem Glauben nach bekennender Muslim, lässt im ganzen Land die Glaubensstätten der Hindus zerstören. Sogar der älteste Tempel Shivas in Benares wird zertrümmert, seine Priester niedergemetzelt. Doch der letzte von ihnen belegt vor seinem Tod den blauen Diamanten aus der dortigen Statue Shivas mit einem Fluch: Unglück und Tod soll er seinen jeweiligen Besitzern bringen, bis er wieder nach Benares und Shiva zurückkehrt.

England 1902

Die unkonventionelle Robyn Fairbanks erbt von einer ihr unbekannten Großtante deren gesamtes Vermögen. Allerdings nur, wenn sie zuvor ein Familienerbstück, einen blauen Diamanten, eigenhändig nach Indien bringt. Zusammen mit ihrem Verlobten und dem Indienkenner Frank Kendell, der ihr die blutige, wechselvolle Geschichte des Diamanten über Kontinente und Jahrhunderte hinweg erzählt, macht sich die junge Frau auf die Reise. Doch diese verläuft alles andere als reibungslos und Robyn geht nur dank Franks Hilfe unbeschadet aus mehr als einer gefahrvollen Situation hervor. Nichtsdestotrotz führt sie der Diamant am Ende nicht nur ans Ziel, sondern auch zu sich selbst.

Meine Rezension zur Bücherclub-Ausgabe

Von der ersten Seite an liest sich „Das Vermächtnis Shivas“ ganz wunderbar und die Hauptfigur Robyn war mir auf Anhieb absolut sympathisch. Die Autorin baut von Anfang an eine dichte Atmosphäre auf, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Charlotte Wolf hat ein ganz großartiges Gespür für Stimmungen, Atmosphären und Figuren. Die Handlungsorte sind ausnahmslos gestochen scharf vor meinem inneren Auge erschienen, die Handlungen selbst sind buntes, lebhaftes Kopfkino und absolut in sich schlüssig erzählt, und die Atmosphäre ist derart dicht und überzeugend, dass ich meinte die Sonne zu spüren und das Meer zu riechen. Ganz oft habe ich mich an „Titanic“ erinnert gefühlt, was meine Vorstellungskraft noch mehr angeregt hat und so habe ich viele Passagen leise vor mich hin seufzend gelesen und vermutlich ein sehr seliges Lächeln auf dem Gesicht gehabt.

Ganz besonders gut hat mir gefallen, dass nicht nur Robyns Geschichte erzählt wird, wie sie dafür Sorge trägt, dass der letzte Wunsch ihrer Großtante in Erfüllung geht, sondern auch dass die Geschichte des Diamanten ausreichend Beachtung findet. So begleitet man zum einen Robyn auf ihrer durchaus gefahrvollen Reise nach Indien, und zum anderen erfährt man in zwischendurch eingeschobenen, wunderschön erzählten Geschichten, welchen Weg der Diamant seit seinem Diebstahl im 17. Jahrhundert genommen hat. Dabei werden die Handlungsstränge so geschickt miteinander verbunden, dass es fast etwas märchenhaftes hat und mich ein wenig an „Tausendundeine Nacht“ erinnert: viele Geschichten in der Geschichte. Einfach schön!
Jeder Handlungsstrang hatte seinen ganz eigenen Reiz, aber alle hatten etwas gemeinsam: sie konnten mich nicht mehr loslassen, haben mich berührt und bezaubert und die Ereignisse rund um Robyn haben mich bis zum Schluss in mächtige Verwirrung gestürzt. Spannend und wunderschön erzählt, kann man sich der Geschichte einfach nicht entziehen. Vielleicht hat der Diamant doch ganz spezielle Kräfte…

Die Figuren, allen voran Robyn, haben mich begeistert und sie alle versprühen so viel Leben, als stünden sie einem wahrhaftig gegenüber und wären nicht „nur“ das Produkt der regen Phantasie der Autorin. Robyn ist eine junge Frau, die ihren eigenen Kopf hat, ihrer Zeit voraus ist und aufbegehrt. Sie lässt sich nicht in die Schranken weisen, die ihr die Gesellschaft vorschreibt und wird damit zu einem vielschichtigen, aufregenden und wirklich liebenswerten Charakter. Aber auch die Männer, die ihre Reise begleiten, haben ihre Facetten, wie sich im Laufe der Geschichte heraus stellt und konnten mich letztendlich überzeugen. Ganz großartig finde ich die Großtante, die man durch ihre Briefe an Robyn immer besser kennen lernt. Am Ende ist man sich gar nicht mehr so sicher, ob es nur Briefe von ihr waren, oder ob sie nicht doch leibhaftig auf dem Schiff zugegen war.

Fazit

„Das Vermächtnis Shivas“ ist ein wunderbarer, stimmungsvoller Schmöker, der mir wundervolle Lesestunden geschenkt hat. So lebt das Buch nicht nur von der äußerst sympathischen Robyn und ihrer Reise nach Indien, sondern auch von den Rückblenden, die die Geschichte und den Weg des Diamanten erzählen, sowie von den Briefen der Großtante, die dem Diamanten bei gelegen haben. Ich habe das Buch sehr genossen und konnte mich wunderbar in Robyn hinein versetzen. Am Ende fiel es mir wirklich schwer, mich von der liebenswerten Protagonistin zu verabschieden und ich  hätte gerne noch weiter gelesen. Aber irgendwann ist auch die schönste Geschichte zu Ende und Charlotte Wolf ist ein wirklich runder Roman gelungen, bei dem sich am Ende der Kreis schließt und keine Fragen unbeantwortet bleiben. Ich habe das Buch unheimlich genossen und extra ganz langsam gelesen, damit ich länger davon gut habe.

Meine Bewertung

4 von 5 Büchern


Verwandte Artikel:


Die Verführung der Arabella Fermor – Sophie Gee

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-442-46768-6
Seiten: 398
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
8,95 €
ET:
03.2009

London, 1711

Arabella Fermor ist klug, attraktiv und auf der Suche nach einem reichen Ehemann. Dabei kann sie es sich nicht leisten, ihren untadeligen Ruf durch unachtsames Verhalten zu gefährden. Doch als sie den charmanten und gut aussehenden Baron Robert Petre trifft, wird sie unvorsichtig. Schon bald ist die Affäre der beiden Stadtgespräch in der feinen Gesellschaft Londons, die sich liebend gern den Mund zerreißt, während sie von einem Maskenball zum nächsten eilt. Doch die Liebe kann alles überstehen – fast alles …

Meine Rezension

Der junge, ehrgeizige Alexander Pope geht mit großen Hoffnungen im Gepäck nach London. Er erhofft sich hier seinen großen Durchbruch als Dichter. Aber bis es soweit ist, führt ihn sein Freund Charles Jervas in Londons Gesellschaft ein, wo er unter anderem auf Arabella Fermor trifft, die schönste Frau der Saison und auf der Suche nach einem Ehemann. Dabei stolpert die junge Frau in eine Affäre mit Robert Petre, einem gut aussehenden, reichen Baron, der seine ganz eigenen Ziele verfolgt. Alexander Pope beobachtet und lernt. Er beobachtet wie es auf dem gesellschaftlichen Parkett zugeht, wie Männer und Frauen miteinander kokettieren, sich betrügen, sich verstellen und hinter einer Maske der Oberflächlichkeit leben. Und genau das macht er sich zu nutze, um endlich ein berühmter Dichter zu werden…

„Die Verführung der Arabella Fermor“ ist vom Verlag leider nicht optimal auf den Markt gebracht worden. Nicht nur das Cover ist absolut irre führend, sondern auch die Kurzbeschreibung des Buches weckt völlig falsche Erwartungen. Ich war gerade in der Stimmung, einen seichten, unterhaltsamen, wenig anspruchsvollen Roman zu lesen und habe aus diesen Gründen zu diesem Buch gegriffen. Ich war mehr als erstaunt, dass es mit Englands größtem Dichter, Alexander Pope, beginnt, hatte ich doch erwartet, sehr zügig auf besagte Arabella Fermor zu treffen. Aber bis es zu einem ersten Zusammentreffen zwischen ihr und dem Leser kommt, begleitet man erst Alexander Pope nach London und auch dort konzentriert sich die Handlung nicht auf die schönste Frau der Saison, sondern schwenkt von Popes eigenem Liebesleid und seinem Weg zum großen Dichter, über Robert Petres Machenschaften, zu Arabella Fermors Verführung. Dabei wird der Leser  ständigen Szenen- und Perspektivenwechseln ausgesetzt, die durchaus Schwung in die Geschichte bringen. Allerdings habe ich mich oft gefragt, um was es eigentlich in dieser Geschichte geht, ob sich die Autorin vielleicht übernommen hat und zu viel auf einmal in ein einziges Buch quetschen wollte. So behandelt der Roman Alexander Pope, das gesellschaftliche Leben Londons, die Jagd der Frauen nach einer guten Partie, die Probleme und Nöte der Katholiken, passend dazu die Jakobiten und deren Verschwörungen. Erst am Ende schließt sich der Kreis, dann zwar plausibel und man versteht den Roman in seiner gesamten Tragweite. Alles ergibt einen Sinn und letztendlich ist der Roman eine große Leistung der Autorin, die sich eingehend mit Pope und seinen Werken auseinandergesetzt hat.  Aber vielleicht hätte man das Ende des Romans als Prolog voran stellen sollen. Denn hätte ich von Anfang an gewusst, dass der Roman die mögliche Entstehungsgeschichte von Popes größtem Werk „The Rape of the Lock“ („Der Lockenraub“) beschreibt, hätte ich ganz anders an das Buch heran gehen können, hätte es unter anderen Voraussetzungen lesen und genießen können. Meiner Meinung nach ist der Roman in diesem Punkt äußerst unglücklich aufgebaut und spricht dadurch eine recht kleine und zudem vermutlich falsche Zielgruppe an. Einen klassischen Liebesroman darf man mit „Die Verführung der Arabella Fermor“ nicht erwarten. Es ist zwar ein Roman über Liebe und Verführung, wie es der Klappentext verspricht, aber auch ein wundervolles Gesellschaftsportrait und beschreibt Alexander Popes Weg zum Ruhm und was ihn inspiriert hat. Fast alle Figuren in diesem Roman – selbst Arabella Fermor und Robert Petre – sind historisch verbürgt und zum Teil große Persönlichkeiten der Kulturgeschichte, wie z.B. Jonathan Swift (Autor von „Gullivers Reisen“) oder Charles Jervas (offizieller Hofmaler). Erfreulicherweise hat sich Sophie Gee am Ende des Buches die Mühe gemacht, kurz zusammen zu fassen, was aus den historischen Persönlichkeiten geworden ist. Das hat den Roman wunderbar abgerundet.

Stilistisch und sprachlich war ich positiv überrascht. Das Buch liest sich ungemein flüssig und keineswegs so oberflächlich, wie ich erwartet hatte. Im Gegenteil, vor allem Alexander Popes Dialoge sind durchaus anspruchsvoll und lassen sich nicht schnell überfliegen. Wenn man den Sinn dahinter erkennen möchte, bedarf es schon ein wenig Aufmerksamkeit. Mich konnte die Sprache begeistern und ich fühlte mich dadurch gut in die Zeit um 1711 zurück versetzt. Allerdings muss ich einräumen, dass mir der Zugang zu dem Roman hin und wieder schwer gefallen ist, vor allem, weil ich eigentlich etwas ganz anderes erwartet hatte, eben auch sprachlich. Aber ich konnte mich daran erfreuen, dass „Die Verführung der Arabella Fermor“ doch um einiges tiefgründiger und anspruchsvoller ist, als es ein seichter Liebesroman gewesen wäre. Vor allem Pope auf seinen Wegen durch London zu begleiten und ihm „zuzuhören“, hat mich fasziniert. Und je weiter ich im Roman fort schritt, desto mehr konnte es mich packen und begeistern. Auf den letzten hundert Seiten war es gar nicht mehr möglich, das Buch zur Seite zu legen, nicht nur aus Spannung, sondern auch der großartigen Dialoge wegen.

Alexander Pope ist mir durch dieses Buch sehr viel näher gekommen, sogar ein richtiger Begriff geworden und ich denke, ich werde mich mal an eines seiner Werke wagen. Im Buch gibt es immer wieder kleine Auszüge aus seinen Gedichten und sie gingen mir teilweise tief unter die Haut. Ein faszinierender Mann, den Sophie Gee dem Leser präsentiert. Zwar haben auch die anderen Figuren durchaus ihre Reize, vor allem, da sie samt und sonders gelebt haben, aber keine konnte mich derart begeistern wie Pope. Mit Ausnahme von Martha Blount vielleicht, die seine treueste Freundin war; ein beeindruckendes Persönchen, der ich viele Sympathien entgegen bringen konnte. Zwar konnte ich nicht zu allen Charaktere richtige Beziehungen aufbauen, dazu waren es auch zu viele, die im Vordergrund standen, aber ich konnte ausreichend mitfiebern und mir ein deutliches Bild von ihnen machen. Manchen der Figuren fehlten ein wenig die Facetten. Da man sie meistens nur im öffentlichen, gesellschaftlichen Leben begleiten kann, ist es selten möglich, hinter ihre aufgesetzten Masken zu sehen. Allerdings kann der Leser in privaten Momenten zumindest einen kurzen Blick auf den wahren Charakter erhaschen. Für mich war das absolut ausreichend, da es die Glaubwürdigkeit des Romans unterstreicht und die Oberflächlichkeit der angesehenen Londoner Gesellschaft hervor hebt und damit ein wunderbares Gesellschaftsportrait zeichnet.

Meine Bewertung


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Letztes Update: 18. September 2011

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