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Archiv für Februar 2009

Luise. Königin aus Liebe – Bettina Hennig

Verlag: Goldmann | Leseprobe (.pdf)
ISBN:
978-3-442-46406-7
Seiten:
704
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 9,95
ET:
11.2009

Berlin, 24. Dezember 1793

Als die blutjunge Prinzessin Luise den Kronprinzen Friedrich Wilhelm in einer prachtvollen Zeremonie heiratet, feiert ganz Preußen das große Ereignis. Denn es ist eine Liebesheirat und die künftige Königin von außergewöhnlicher Schönheit. Mit ihrem Liebreiz erobert sie nicht nur rasch die Herzen ihrer Untertanen, sondern nimmt auch entscheidenden Einfluss auf die bewegte Zeitgeschichte. Der junge russische Zar Alexander I. himmelt sie an. Und Napoleon zwingt sie zur Flucht aus Preußen.

Meine Rezension

Ich habe die gebundene Bücherclub-Ausgabe gelesen.

Angesprochen durch das wunderschöne Cover, dem interessanten Klappentext, einem großartigen Stammbaum und einem ausführlichem Anhang, der kaum Wünsche offen lässt, konnte ich „Luise“ einfach nicht widerstehen. Schon kurz nachdem es bei mir eingezogen war, habe ich es gelesen und wurde nicht enttäuscht. Bettina Hennig erzählt Luises Leben derart packend, dass es mich nicht loslassen wollte und ich mir reichlich Sekundärliteratur notiert habe.

Obwohl ich mich bei jeder Leseetappe erst in den manchmal recht anspruchsvollen Schreibstil eingewöhnen musste, habe ich den Roman mit großer Begeisterung gelesen. Mit ihrer bildhaften Sprache baut Bettina Hennig wunderbare Atmosphären auf und ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie die Figuren zu der Zeit gelebt haben. Hat man sich erstmal eingelesen, liest sich das Buch einfach sehr angenehm und man merkt gar nicht, wie die Seiten verfliegen. Die Autorin hat eindeutig ein großes Sprachtalent und vermag mit nur wenigen Worten wunderschöne Bilder herauf zu beschwören; und hin und wieder hat mich sowohl die Sprache als auch der Stil an Jane Austen erinnert. Ganz besonders gelungen finde ich, dass Bettina Hennig einigen ihrer Figuren Dialekte in den Mund gelegt hat. Dadurch wirken die entsprechenden Charaktere viel lebendiger und greifbarer und es verschafft dem Roman ein ganz besonderes Flair.

Der Aufbau des Romans ist leider etwas unglücklich und unausgewogen. Die erste Hälfte ist unglaublich ausführlich und manchmal ein wenig zu ausschweifend erzählt, während die zweite Hälfte viel zu sehr gestrafft ist. So hat sich Bettina Hennig für etwa sechs Wochen Handlung 300 Seiten lang Zeit genommen, was mir an sich auch gut gefallen hätte, wäre der Roman drei Mal so lang gewesen. Denn damit blieben für die kommenden siebzehn Jahre nur weitere 300 Seiten übrig. Somit musste die weitere Handlung deutlich gestrafft werden. Auch wenn die Autorin es geschafft hat, trotz dieses engen Rahmens einen wirklich runden und auch berührenden Roman zu schaffen, fehlte es mir vor allem zum Ende hin ein wenig an Gefühl und Ausführlichkeit. Ich hätte wirklich gerne auch über diese siebzehn Jahre ebenso ausführlich gelesen wie über die ersten Wochen.

Bettina Hennig erzählt Luises Leben spannend, interessant und vor allem humorvoll. Gerade die Dialekte vermitteln eine ungeheure Lebendigkeit und versprühen ein wunderbares Flair. Nie wurde es mir beim Lesen langweilig, selbst nicht bei den recht ausschweifenden Passagen. Gerade diese lassen den Leser oft tief in die Seele der Figuren blicken und so wurden sie nicht nur zu Wegbegleitern, sondern zu Freunden.
Luises Leben war ein spannendes, aufregendes, aber auch ein entbehrungsreiches und einsames und das zeigt Bettina Hennig intensiv und gefühlvoll auf. Der Leser begleitet Luise auf ihrem Weg von einer verzogenen und starrsinnigen Prinzessin, über eine junge unsichere Kronprinzessin bis hin zu einer schönen, selbstsicheren, gütigen, aber auch lebenshungrigen Königin, die bei den Menschen dieser Zeit tiefen Eindruck hinterlassen hat.
Die Autorin hat sich intensiv mit der Thematik auseinander gesetzt und eine Leidenschaft eingebracht, die man spürt. Man kann heraus lesen wie sehr Bettina Hennigs Herz für Luise schlägt und damit wird „Luise“ nicht einfach nur zu einem biographischen Roman, sondern zu einem kleinen Denkmal, das unbedingt Beachtung finden sollte.

Die Charaktere haben mir in ihrer Darstellung ausnehmend gut gefallen. Bettina Hennig hat die Figuren nicht von Anfang an in ein starres „Charakter-Korsett“ gesteckt, aus dem sie nicht ausbrechen konnten, sondern hat ihnen Raum gelassen, um sich mit ihren Erfahrungen entwickeln und wachsen zu lassen. Besonders gefällt mir, dass Luise nicht der klassische Sympathieträger ist. Sie hat durchaus ihre Ecken und Kanten und teilweise weist sie wirklich unsympathische Züge auf. Ihre Schwester Friederike ist auf dem ersten Blick die deutlich angenehmere und sympathischere Person und es war spannend zu beobachten, wie sich die Schwestern im Laufe der Jahre veränderten und deren Vielschichtigkeit mit dem Alter wuchs.
Insgesamt empfand ich alle Figuren als unheimlich aufregend, lebendig und vor allem glaubwürdig und es hat mir viel Freude bereitet, über sie zu lesen, sie ein Stück zu begleiten und ab und an in ihre Seele blicken zu dürfen.

Neben einem großartigen Roman erhält der Leser noch einiges an Zusatzmaterial, das das Buch perfekt abrundet. Hier hat sich Der Club wirklich ins Zeug gelegt. So enthält diese Ausgabe einen hübschen Stammbaum, ein ausführliches bibliographisches Nachwort (das wirklich viele Buchtipps liefert, sollte man sich weitergehend mit dem Thema auseinander setzen wollen) und ein ebenso ausführliches Nachwort, das sich damit beschäftigt, was aus den noch lebenden Personen nach Luises Tod geworden ist. Einzig eine Karte und ein Personenregister habe ich ein wenig vermisst.

Bettina Hennig konnte mich mit ihrem Roman unheimlich packen, bewegen, berühren und für ein Thema interessieren, das mir bis dahin nicht besonders ins Auge gestochen war. Ich habe mitgefiebert, mit gelitten, gebangt, gehofft, geliebt und auch die ein oder andere Tränen nicht unterdrücken können. Die Autorin hat ein großartiges Debüt hingelegt und ich warte gespannt auf ihren nächsten Roman, der sich mit Luises Schwester Friederike näher auseinander setzen wird. Und bis dahin will ich noch mehr über Luise lesen. Luise und ihre Zeit lassen mich einfach nicht los…

Meine Bewertung



Verwandte Artikel:


Der jüngste Spion der Königin – Nicole C. Vosseler

oder: Das Haus der Spione

Verlag: Arena
ISBN:
978-3-401-50110-9
Seiten:
384
Ausgabe:
Taschenbuch
Preis:
€ 8,50
ET:
01.2009

England, 1582

Zwei Königinnen streiten um die Macht im Land, nur eine kann siegen. Zwei Spione arbeiten gegen die Zeit, einer von ihnen ist noch ein Kind. Der Waisenjunge Nicholas Christchurch hätte sich nie träumen lassen, dass er eines Tages als Gehilfe im Haus des berühmten Magiers von Mortlake Aufnahme finden würde, geschweige denn, dass er dort zum Spion ausgebildet werden würde. Zum Spion im Dienste der Königin. Und seine Aufgabe ist keine leichte: Kann ein Kind die Krone retten?

Meine Rezension zur gebundenen Ausgabe, “Das Haus der Spione”

Gelegentlich lese ich zwar ein Jugendbuch, aber meist mit Protagonisten, die mindestens sechzehn sind und das Thema noch nicht in einem Roman für Erwachsene verarbeitet wurde. Weder Nicholas mit seinen dreizehn Jahren, noch das Thema Elizabeth I. passten somit in mein Beuteschema. Über Elizabeth I. lese ich unheimlich gerne, aber hierzu ist die Auswahl an historischen Romanen recht groß, so dass ich vermutlich unter „normalen“ Umständen kein Jugendbuch darüber gelesen hätte. Aber der Name Nicole C. Vosseler verspricht Spannung, sehr gute Recherchearbeit und hohe Qualität, außerdem hatte ich ihre anderen Romane bereits mit großer Begeisterung verschlungen. Also blieb mir ja gar keine andere Wahl, als es mit „Das Haus der Spione“ aufzunehmen. Und Nicole C. Vosseler hat mich nicht enttäuscht, im Gegenteil, meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

Sprachlich ist der Roman angenehm leicht und flüssig geschrieben. Hin und wieder deutet die Sprache durch ihre Schlichtheit und gelegentliche Modernität auf einen Jugendroman hin, wirkt dabei aber nicht oberflächlich oder trivial. Mich hat Nicole C. Vosseler mit ihrem Ton angesprochen und problemlos in die Zeit Elizabeths I. versetzt. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Jugendlichen genauso ergeht. Die Seiten lesen sich quasi von alleine und ich musste mich jeden Abend zwingen, das Buch nicht in einem Rutsch zu beenden, sondern nochmal auf den Nachttisch zu legen.

Spionageromane, die in der Zeit von Elizabeth I. handeln, gibt es mittlerweile einige. Nicole C. Vosseler hat es geschafft, sich von diesen allein schon dadurch abzuheben, dass sie sich einer weniger bekannten, aber nicht weniger bedrohlichen Verschwörung zugewandt hat und diese dem Leser phantastisch spannend und verständlich näher gebracht hat. Selbst die kniffeligsten Ereignisse und Zusammenhänge wurden leicht nachvollziehbar erzählt. Ihre fiktiven Figuren, allen voran ihren Protagonisten Nicholas, hat sie grandios mit den historischen Persönlichkeiten und den historisch belegten Ereignissen verwoben. Ihre Handlung passt sich problemlos, nahtlos und vor allem glaubwürdig in den historischen Hintergrund ein und wirkt nie störend oder unplausibel. Die Geschichte ist äußerst spannend und mit viel Humor erzählt, dabei großartig recherchiert und  versetzt den Leser in einer aufregende Zeit, in die man problemlos eintauchen kann. Die Ereignisse zogen so an mir vorüber, als wäre ich selbst mit dabei gewesen und ich konnte mir jede Kleinigkeit glasklar vorstellen. Vor allem John Dees Haus hat mich verzaubert und nicht mehr losgelassen. Hier hat Nicole C. Vosseler eine wunderbar mystische und geheimnisvolle Atmosphäre aufgebaut, in der ich mich verlieren konnte.

Obwohl noch Kinder, hat die Autorin mit Nicholas und Leonore zwei wunderbare Charaktere geschaffen, die laut danach schreien nicht vergessen zu werden und die – wie ich – sicherlich auf eine Fortsetzung hoffen. Es wäre zu schade, diese Figuren nicht weiterleben zu lassen. Ehrlich gesagt, ich hätte nicht damit gerechnet, dass mich Nicholas so in seinen Bann schlagen würde. Aber mit seinem jugendlichen Charme und Charisma hatte er letztendlich leichtes Spiel mit mir. Für ein Kind ist er recht vielschichtig und oftmals nicht so leicht in seinen Beweggründen zu durchschauen, dabei eifrig, wissbegierig und fürchterlich neugierig und nicht zu vergessen, einfach sympathisch und liebenswert.
Aber nicht nur die fiktiven Figuren konnten mich für sich einnehmen, sondern auch – oder gerade -  die historischen Persönlichkeiten haben mich äußerst beeindruckt. Nicole C. Vosseler hat Großes geleistet, als sie z. B. Walsingham, Elizabeth I. und Dee erneut Leben eingehaucht hat. Sie waren greifbar nahe, realistisch, facettenreich und unglaublich lebendig, so als stünden sie direkt vor mir, als könnte ich sie berühren, mit ihnen sprechen. Gerade Dee hat es mir neben Nicholas am meisten angetan.

Das ausführliche Nachwort der Autorin erklärt die historischen Hintergründe noch tief gehender, als es die Handlung des Romans zugelassen hätte und lässt damit wirklich keinerlei Fragen unbeantwortet. Ich habe es mir großem Genuss gelesen und konnte daraus sogar noch Neues für mich heraus lesen und einiges hat mich regelrecht überrascht. Nach dem Nachwort muss man die Handlung noch einmal mehr bewundern, die sich Nicole C. Vosseler ausgedacht und derart gekonnt und plausibel mit den bekannten Begebenheiten kombiniert hat. Unglaublich, was die Autorin hier geleistet hat.

Fazit

„Das Haus der Spione“ (im Januar 2009 unter dem Titel  „Der jüngste Spion der Königin“ als Taschenbuch erschienen) ist ein historischer Jugendroman, der den Vergleich mit  Erwachsenenliteratur wirklich nicht zu scheuen braucht. Auch für jeden Erwachsenen ist das Buch absolut lesenswert und ein wunderbares Lesevergnügen. Von der ersten bis zu letzten Seite konnte mich „Das Haus der Spione“ restlos begeistern. Und dank dieses Romans und des Nachwortes habe ich in Bezug auf einige historische Persönlichkeiten noch etwas dazu gelernt. Nicole C. Vosseler beweist auch mit „Das Haus der Spione“ ihr großes schriftstellerisches Talent und meiner Meinung nach zählt es neben „Südwinde“ zu ihren bisher besten Büchern.

Meine Bewertung



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Letztes Update: 25. August 2010

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