Buchcouch-Aktuell

Bitte kontaktieren Sie uns, um Rezensionswünsche zu besprechen, bevor Sie uns Rezensionsexemplare zusenden!!

Zum Mitnehmen gibt es auch einige Buchcouch-Banner.

Buchcouch-Archiv

Constanze Wilken – Sturm über dem Meer

3442483492.03._SCMZZZZZZZ_

Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-48349-5
Seiten: 480
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,99
ET: 12.2015

Meine Rezension

Spannung bis zur letzten Seite

In einem kleinen Dorf an der walisischen Küste hat ein Sturm eine versunkene Burganlage frei gespült. Dr. Samantha Goodwin, erhält den Auftrag diese zu untersuchen. Sie hat ihre Ferien immer in diesem Ort Namens Borth verbracht, denn Ihre Großmutter Gwen lebt dort. Aber bei ihren Untersuchungen findet sie nicht nur altes Historisches, sondern auch eine Leiche eines deutlichen jüngeren Datums. Ihre Großmutter ist sogar überzeugt davon, hierbei könne es sich um die Leiche ihres Ehemannes Arthur handeln. Dieser verschwand vor fast 60 Jahren spurlos auf dem Meer. Sam handelt sofort und stellt Nachforschungen an, aber nicht jeder in dem kleinen Fischerdorf ist davon begeistert, und so begibt sie sich selbst in Gefahr, ohne es auch nur zu ahnen.

Constanze Wilken erzählt hier ihre Geschichte in zwei Handlungssträngen. Zum einen ist sie bei Samantha Goodwin, der jungen Archäologin. Sie berichtet von deren Arbeit und ihrem Leben. Natürlich auch von der Suche nach der Identität des Toten und den dafür Verantwortlichen. Sie hat ihre Spuren dabei so gut gelegt, dass bis zum Schluss einfach nicht klar ist, wer hier welches Spiel treibt. Nicht nur Sam wird in die Irre geführt, auch für den Leser erschließt sich lange nicht, wer für was verantwortlich ist. Es hat richtig Spaß gemacht diesen Krimi zu lesen, denn ein solcher ist es.

Der zweite Erzählstrang erzählt dann von dem Leben der Großmutter. Gwen hat den 2.WK mitgemacht und vor allem auch die Nachwirkungen auf die Bevölkerung erlebt. Sie erzählt von ihrem Leben mit ihrem Mann Arthur und davon, dass dieser plötzlich verschwand und Gwen mit drei Kinder zurückblieb. Das schwere Leben in der Nachkriegszeit, vor allem in einem kleinen Dorf wie Borth, wird gut geschildert. Denn auch wenn auf den ersten Blick die Dorfgemeinschaft zusammenhält, bei näherem Hinsehen sieht man doch auch Neid und Missgunst.

Dadurch, dass die Autorin die Handlungsstränge immer wieder wechselt, entsteht eine zusätzliche Spannung, die kaum auszuhalten ist. Man muss einfach immer wieder wissen, wie es mit Gwen weitergeht, oder wie es bei Sam aussieht, was sie herausgefunden hat und wie es in ihrem Leben weitergeht. Sam forscht ja nicht nur im Watt nach den historischen Überresten die gefunden worden, oder versucht mehr über ihren Großvater herauszufinden, sie lernt hier auch neue Menschen kennen. Vor allem Max und Luke haben es ihr angetan.

Max ist ein kleiner Junge der sich sehr für ihre Arbeit interessiert und Luke ist sein Vater, dieser interessiert sich wiederum für Sam. Luke lebt in dem kleinen Fischerdorf und betreibt dort eine kleine Werft. Er steht Sam bald mit Rat und Tat zur Seite. Überhaupt sind die Protagonisten gut ausgearbeitet worden. Manche, wie eben Sam, Luke und Max sind sofort sympathisch, andere wiederum sind eher düster und nicht wirklich greifbar, sie sorgen aber auch für die nötige Spannung. Der bildhafte Erzählstil sorgt dann auch dafür, dass man sich die raue Landschaft Wales an der Küste gut vorstellen kann. Es fröstelt einen schon mal, wenn Sam so im Watt unterwegs ist.

Das Cover stimmt gleich in die Geschichte ein. Abgebildet ist die Küste von Wales, zwar ein etwas düsteres Bild aber hier ist ja auch von einem Sturm die Rede. Gleich zu Beginn gibt es eine kleine Karte der Gegend, in der die Geschichte angesiedelt ist, so findet man sich beim Lesen schnell zurecht. Der Roman selbst beginnt zur Einstimmung mit der Legende von dem versunkenen Königreich Cantre`r Gwaelod. Spannend zu lesen und gut gewählt. Die Frage bleibt also nur, sind die gefundenen Überreste vielleicht wirklich die Überreste dieses Königreiches? Und was geschah in Borth wirklich vor 60 Jahren? Eben Spannung bis zur letzten gelesenen Seite. Am Ende klärt noch ein Nachwort Fiktion und Wahrheit und beschließt diese wunderbare Geschichte.

Meine Bewertung
4,5 von 5 Büchern


Verwandte Artikel:


Mac P. Lorne – Die Pranken des Löwen

3927454222.03._SCMZZZZZZZ_
Robin-Hood-Reihe „Priquel“

Verlag: Dorfmeister
ISBN: 978-3-927454-22-4
Seiten: 560
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 14,90
ET: 03.2014

Wie alles begann oder ein Leben für die Kaiserin

Anfang des 12. Jahrhunderts in England nimmt das Leben für Robert Fitzooth eine unerwartete Wendung. Er wird zur Leibwache der englischen Prinzessin Matilda bestimmt. Er begleitet sie auf ihrem Weg an den Hof des deutschen Königs Heinrich V. Bleibt an ihrer Seite, als sie zur Kaiserin gekrönt wird, und steht ihr auch bei, als sie Deutschland wieder verlässt und für ihr Recht als englische Thronfolgerin kämpft. Robert Fitzhooth erhält für all seine Bemühungen und Treue Dienste am Ende seinen gerechten Lohn. Was für ihn aber wohl noch viel wichtiger ist, er findet auch die Liebe und so erblickt Jahre später sein Enkel das Licht der Welt und wird als Robin Hood weltberühmt.

In „die Pranken des Löwen“ schildert Mac P. Lorne die Lebensgeschichte von Robert Fitzooth. Er ist der Großvater des legendären Robin Hoods. Hier erfährt der Leser sozusagen, wie alles begann. Denn ohne Fitzooth könnte es auch keinen Robin Hood geben, er muss ja schließlich auch irgendwie entstanden sein. Eine Familie gehabt haben, sowie eine Erziehung genossen haben. Lorne hat es geschafft, hier einem Mythos ein nachvollziehbares Leben zu geben. Das vorliegende Buch ist eigentlich Band 1 der Reihe um den legendären Helden, auch wenn die Bücher in einer anderen Reihenfolge erschienen sind.

In „Die Pranken des Löwen“ wird vor allem die historische Geschichte um Matilda erzählt. Zunächst ihr Leben in Deutschland an der Seite des Kaisers und eben auch ihren eigenen Aufstieg zur Kaiserin. Später wechselt der Schauplatz dann nach England und erzählt von den politischen Gegebenheiten dort. Robert der Ältere ist immer an ihrer Seite oder in ihrem Auftrag unterwegs. Es ist spannend zu lesen, was er alles erlebt haben könnte und wem er auf seinen Reisen begegnete.

Die gute Recherchearbeit, die hier im Vorfeld geleistet wurde, ist deutlich spürbar. Die Verwicklungen und politischen Ränkespiele sind wunderbar und verständlich erklärt. Lorne hat sie gekonnt mit seiner fiktive Geschichte um die Familie Fitzooth verwoben. Es ist eine glaubwürdige und vor allem nachvollziehbare Geschichte entstanden. So wie hier geschildert könnte die Familie gelebt haben und so könnte Robin tatsächlich zu den Gesetzlosen gekommen sein. Der Autor unterstützt hier die These, dass die Familie Fitzhood aus dem 12. Jahrhundert die Familie von Robin Hood gewesen sein könnte. So wie er es hier schildert, ist es glaubhaft und könnte so gewesen sein. Selbst wenn es nicht so war, hat mich diese Geschichte doch wunderbar unterhalten. Der historisch belegte Teil um die Kaiserin war sehr spannend und informativ.

In diesem historischen Roman ist alles vorhanden, was ein guter historischer Roman braucht. Eine spannende Geschichte, Protagonisten die einen berühren und mitreißen. Außerdem Karten, ein Personenregister, am Schluss ein Glossar der fremden Begriffe und eine Zeittafel. Auch ein Nachwort ist vorhanden, welches noch kurz Fiktion und Wahrheit trennt. Für alle Fans von Robin Hood und die Legende, die um ihn rangt, eine unbedingte Leseempfehlung. Aber auch wer einfach nur etwas aus dem 12. Jahrhundert über England lesen möchte, ist hier gut beraten. Mir hat dieses Buch außerordentlich gut gefallen.

  1. Die Pranken des Löwen (2014)
  2. Das Herz des Löwen (2011)
  3. Das Blut des Löwen (2012)
  4. Das Banner des Löwen (2015)

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern

Vielen Dank an Mac P. Lorne für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


Verwandte Artikel:


Maria W. Peters – Die Küste der Freiheit

340416735X.03._SCMZZZZZZZ_
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-16735-7
Seiten: 880
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,99
ET: 11.2015

Rezension

Von Liebe und Freiheit spannend erzählt

Alles beginnt im Jahre 1775 in Hessen. Hier lebt Anna Hochstetter gemeinsam mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf. Die Dorfgemeinschaft gehört den sogenannten Wiedertäufern an. Sie sind streng im Glauben und dulden kein abweichen. Für Anna eine schwierige Situation. Sie kennt sich mit Heilkräutern aus und hilft den Kranken und Bedürftigen, sehr zum Missfallen der Dorfgemeinschaft. Dann wird Anna überfallen und fast vergewaltigt, nur dem Freiherrn Lorenz von Tannau hat sie es zu verdanken, dass sie mit dem Schrecken davon gekommen ist. Anschließend stirbt ihr Vater und Anna steht ganz allein da, ausgestoßen aus der Gemeinschaft beschließt sie, sich auf den Weg nach Amerika zu machen. Sie weiß, dass auch der Freiherr, der im Militär dient, auf dem Weg dorthin ist. Getrieben von der Hoffnung ihn wiederzusehen und vielleicht mit ihm eine Zukunft zu haben, beginnt ihr beschwerlicher Weg in eine neue Welt. Anna ahnt nicht, dass sie mitten in einen Krieg geraten wird und sie einige Hürden zu meistern hat.

Der angenehme Erzählstil der Autorin zieht einen sofort in die Geschichte. Schon der Einstieg in dem kleinen Dorf und das Kennenlernen von Anna und Lorenz ist spannend geschildert. Irgendwie nimmt man sofort Anteil an der Geschichte von Anna, man ist direkt bei ihr und hofft und bangt mit ihr. Deutlich entstehen Bilder, die Anna auf ihrer beschwerlichen Reise nach Amerika zeigen und dann dort von ihrem Schicksal erzählen. Ein zweiter Handlungsstrang erzählt von Lorenz, von seinen Gefühlen zu Anna und von seinem Leben. Die Kriegshandlungen werden ebenso geschildert wie das schwierige Leben in diesen Tagen. Der Kampf um die Freiheit ist allgegenwärtig, zumal Anna sich ja als Schuldmagd verkauft hat und so auch das harte Leben als Magd erlebt. Sie muss feststellen, dass sie fast nicht mehr wert ist als eine Sklavin. Die Autorin hat es gut verstanden, das Schicksal von Anna, sowie von den Protagonisten, die sie auf ihrem Weg begleiten, zu verbinden.

Die beiden Handlungsstränge laufen eine ganz Zeit lang nebeneinander her und schildern mal von Lorenz und mal von Anna. Bis sie dann zum Ende hin zusammenlaufen. Es ist eine glaubhafte Lebensgeschichte entstanden, die einiges an Spannung enthält.

Anna wird als eine tief gläubige Protagonistin geschildert und so erfährt man eben auch, wie die Mennoniten in Amerika lebten und wie sie mit den Wiedertäufern verbunden waren. Hier gibt es ein paar interessante Details. Allerdings erwähnt Maria W. Peters den Glauben relativ oft und zwischendurch war es mir schon fast zu viel. Anna versucht ihren Glauben zu bewahren und auch danach zu leben, was in Kriegszeiten verbunden mit der Sklaverei im 18. Jahrhundert eben nicht so einfach war und so kommt es natürlich zu Gewissenskonflikten, die aber dann wiederum gut gelöst wurden. Man spürt deutlich, wie aus der etwas naiven Anna eine Frau wird, die lernt sich durchzusetzen.

Lorenz stammt aus einer ganz andern Familie, er ist adlig geboren und Papist. Er handelt danach, aber er hinterfragt auch so langsam die Gewohnheiten der Familie, zumal er sich in Anna verliebt hat. Haben sie überhaupt eine Chance? Sie kommen aus unterschiedlichen Bevölkerungsschichten und haben einen unterschiedlichen Glauben, kann das überhaupt funktionieren? So wird der Freiheitskampf der Amerikaner auch sein Kampf für seine und Annas Freiheit und ihre Zukunft. Diese Liebesgeschichte vor dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hat mir gut gefallen. Der historische Hintergrund ist gut recherchiert und mit den fiktiven Protagonisten verwoben, auch wenn es vielleicht den einen oder anderen Zufall zu viel gegeben haben mag, macht es doch Spaß, diese Geschichte zu lesen und mit Anna und Lorenz mitzufiebern, zu hoffen und zu bangen.

Ein ausführliches Nachwort beschließt das Buch, es ist sehr interessant zu lesen. Zudem gibt es auch noch ein Glossar der fremden Begriffe so wie ein Personenregister für die historisch belegten Protagonisten, leider wurden die fiktiven Charaktere nicht aufgezählt. Und wer mag, bekommt sogar noch einige Reise und Stöbertips. „Die Küste der Freiheit“ ist ein Auswandererroman mit Protagonisten, die ans Herz gehen, mit einer spannenden Grundgeschichte, interessanten Hintergrundinformationen zum Unabhängigkeitskrieg sowie einer wunderschönen Liebesgeschichte.

Meine Bewertung


Verwandte Artikel: