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Bettina Szrama – Das wilde Kind von Hameln

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Verlag: Acabus Verlag
ISBN: 978-3862823611
Seiten: 320
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 13,90
ET: 08.2015

Das Wilde Kind

1724 wird in einem Wald in der Nähe von Hameln ein verwildertes Kind gefunden. Es ist ein Junge und er bekommt den Namen Peter. Zunächst soll sich das Armenhaus um das Kind kümmern. Grete, die Tochter des Aufsehers nimmt sich bald des Knaben an, dieser kann weder sprechen noch kennt er menschliche Nähe, sein Verhalten gleicht dem eines Wolfes. Grete, versucht sein Vertrauen zu gewinnen und ihm zu helfen. Dann taucht Aristide Burchardy auf, er ist ein Kommissar mit Geheimnissen. Auch er interessiert sich für den Knaben, vor allem aber für dessen Herkunft. Ein Stofffetzen den Peter bei sich trug könnte Aufklärung bringen. Schon bald stellt sich heraus, dass Peter und Aristide mehr verbindet als zunächst gedacht. Die Untersuchungen von Aristide gehen bis in die höchsten Kreise.

Spannend wird hier von dem Knaben erzählt, der im 18. Jahrhundert im Wald von Hameln gefunden wurde. Viele Legenden ranken sich um die Geschichte. Die Autorin Bettina Szrama hat ihm nun ein Gesicht gegeben. Aber nicht nur dem wilden Kind, sondern vor allem den Menschen, die es fanden und aufzogen und versuchten ihm ein Heim zu geben. Grete, die Tochter des Aufsehers, sie hatte sich bemüht dem Jungen zu helfen und gleichzeitig zeigt ihr Leben auch, wie die Menschen damals lebten. Grete durfte als Frau nicht über sich selbst bestimmen, sie versucht nun hier ihr eigenes Schicksal zu ändern. Sie setzt sich über so manches Verbot des Vaters hinweg und ist bereit für Peter zu kämpfen aber auch für ihre eigene Liebe und Zukunft. Zu Beginn der Geschichte ist Grete noch ein unbedarftes junges Mädchen aber sie wächst mit ihren Aufgaben und der Verantwortung für den Jungen.

Aristide Burchardy ist ein ziemlich undurchsichtiger Charakter. Er will die Herkunft des Kindes klären und stößt dabei auf noch mehr Geheimnisse vor allem am englischen Königshof von Georg I.. Die Suche nach Peters Herkunft bringt auch für Burchardy einiges an Informationen an den Tag. Immer wieder wird das Kind hin und her geschoben und ausgestellt. Die Autorin schafft es wunderbar, die Hilflosigkeit Peters zu vermitteln. Aber auch die Versuche von Grete, ihn als das zu sehen was er ist, nämlich ein hilfloses Kind, sind wunderbar dargestellt. Es macht einfach Spaß der Geschichte von Peter zu folgen. Es wird spannend und vor allem authentisch erzählt. Mir hat gerade diese Geschichte von Bettina Szrama wunderbar gefallen. Es stehen einem einfach Bilder vor Augen, man sieht förmlich das Kind Peter und dann später auch schon den jungen Mann, der er einmal werden wird. Aber nicht nur Peter ist gut dargestellt auch die anderen Charaktere wie eben Grete und Aristide sind lebhaft und wirken lebendig und echt.

Das wilde Kind von Hameln“ ist eine fiktive Geschichte mit einem realen Hintergrund. Die Autorin hat sie wunderbar ausgearbeitet und lebendig werden lassen. Sie erzählt von dem Leben des Kindes und von den Schwierigkeiten, die gerade das 18. Jahrhundert mit sich brachten. Gleichzeitig ist diese Geschichte voller Geheimnisse, die sich so nach und nach entschlüsseln. Unbedingt lesen, es ist interessant und lebhaft erzählt.

Meine Bewertung

5 von 5 Büchern

Vielen Dank an Bettina Szrama für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.


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Petra Durst-Benning – Bella Clara

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Verlag: List
ISBN:  978-3471350591
Seiten: 560
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 19,99
ET: 06.03.2015

Clara und ihre Freundinnen

1906, Bella Clara ist der dritte Band der Jahrhundertwindtrilogie und diesmal steht Clara im Mittelpunkt. Sie kann endlich aus ihrer ungeliebten Ehe mit Gerhard Gropius ausbrechen. Leider verliert sie mit ihrer Scheidung auch die Kinder, sie werden ihrem Mann zugesprochen. Das Erbe ihrer Eltern ist ebenfalls verloren und so steht sie zunächst mittellos da. Doch dann hat die Freundin Josefine die Idee, Clara könnte an den Bodensee zu einer weiteren Freundin ziehen. (Lilo hat ein gut gehendes Hotel und kann Clara helfen.) Für Clara beginnt ein ganz neues Leben.

Der Erzählstil von Petra Durst-Benning ist leicht und flüssig zu lesen und so fliegen die Seiten nur so dahin. In diesem dritten Teil ist nun Clara die Hauptfigur, sie muss jetzt ihr Leben selbst in die Hand nehmen und stellt sich den Herausforderungen. Auch wenn dies hier der dritte Band ist, man könnte die Bücher auch durchaus einzeln lesen, denn jede Erfolgsgeschichte ist in sich abgeschlossen. Die Autorin hat ihren Charakter der Clara hier weiter ausgearbeitet und sie zu einer Frau werden lassen, die ihr Leben meistern kann. Auch wenn die Schicksale dieser Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts schon etwas ungewöhnlich sind, so sind sie doch wunderbar zu lesen. Gleichzeitig erfährt der Leser so einiges über das Recht der Frau zu dieser Zeit. Eine Scheidung war eben damals nicht alltäglich und Clara bekommt deutlich zu spüren, was die Menschen in ihrer Umgebung davon hielten. Der Prozess zu beginn liest sich wie ein Strafverfahren eines schweren Verbrechens.

Das Hauptaugenmerk von Clara liegt auf der Schönheitspflege der Frauen. Durch sie erfährt der Leser so einiges zu diesem Thema und vor allem darüber, wie schwer es in dieser Zeit gerade für Frauen war, vor allem wenn sie allein und unverheiratet waren. Die Autorin hat mit ihren Protagonisten glaubwürdige Charaktere geschaffen, die von dem Schicksal der Frauen erzählen. Es fällt leicht, mit Clara zu gehen. Auch wenn es einiges gab, was ihr vielleicht ein wenig zu leicht von der Hand ging, für Clara gab es immer eine Lösung und auch Hilfe. Ihre Freundinnen standen ihr zur Seite und waren für sie da. Die Gefühlswelt Claras ist deutlich spürbar, ihre Not, weil sie die Kinder nicht mehr sehen kann, ihre Ängste, weil ihr Geschäftsvorhaben vielleicht nicht klappen könnte, aber vor allem auch ihr starker Wille der dafür sorgt, dass sie vorwärtskommt. Alles zusammen macht die Geschichte zu einem Lesevergnügen. Nicht zuletzt aber auch die Freundschaft der Frauen macht diese Bücher so liebenswert. Diese Freundschaft zeigt, was Freundschaft alles schaffen kann und wie wichtig sie sind, damals wie heute.

Ein kleines Nachwort klärt noch kurz wo die Idee zu diesem Buch herstammt. Es zeigt auch auf, dass es sehr wohl Frauen gab, die so handelten wie Clara in ihrer Geschichte oder es zu mindestens getan haben könnten. Es macht einfach Spaß, die Geschichten der Jahrhundertwindtrilogie zu lesen.

Meine Bewertung

4,5 von 5 Büchern


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Sofia Caspari – Im Tal der Zitronenbäume

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Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404172122
Seiten: 480
Ausgabe: Taschenbuch
Preis: € 9,99
ET: 15.05.2015

 

Liebe und Leid in Brasilien

1859, die junge Pauline flieht gemeinsam mit ihrem Vater aus Deutschland. Zunächst führt ihre Flucht sie nach Italien. Auf Sizilien bauen sie sich scheinbar ein neues Leben auf. Aber dann gerät der Vater wieder in Schwierigkeiten. Sie müssen erneut die neue Heimat verlassen. Nun geht es weiter nach Brasilien, in der Hoffnung dort sicher zu sein. Schon auf der Überfahrt lernen sie dann die Familie Hartung kennen. Vor allem Jonas hat es Pauline angetan. Zunächst ist es nur Freundschaft, die die Zwei verbindet, aber haben die Zwei überhaupt eine Chance? In Brasilien sollen sich ihre Wege erst einmal wieder trennen. Der Vater hat viel vor mit seiner Tochter.

Sofia Caspari nimmt den Leser mit auf eine aufregende Reise an das andere Ende der Welt. Mit ihrem bildreichen Erzählstil schildert sie eindrucksvoll die Landschaften und die Menschen die Pauline auf ihrem langen Weg begleiten. Es macht Spaß dem Mädchen bei ihrem Leben zuzuschauen. Pauline macht im Laufe der Geschichte eine Veränderung durch, sie wird nicht nur vom jungen Mädchen zu einer erwachsenen Frau, sondern auch zu einem Menschen mit eigenem Willen und Verstand. Am Anfang befolgt sie noch brav die Anweisungen des Vaters, sie vertraut im blind. Erst im Laufe der Jahre merkt sie, dass nicht alles richtig ist, so wie es scheint und das Vertrauen zum Vater nimmt ab. Diese Wandlung hat die Autorin gut und glaubwürdig beschrieben. Überhaupt sind die Protagonisten gut dargestellt. Paulines Vater Valentin wirkt am Anfang sympathisch, büßt aber so nach und nach seine Sympathien ein. Vielleicht sind es auch einfach die Lebensumstände der Zeit, die dafür sorgen, dass er nicht immer den richtigen Weg nimmt.

Dann die Familie Hartung. Zum einen Jonas Hartung, ein junger Bursche, der sich auch dem Vater fügen muss und zunächst gegen seinen Willen mit nach Brasilien gefahren ist. Auch er wächst mit den Jahren und findet seinen Weg. Sein Vater Kasimir Hartung war als Bauer in der alten Heimat wenig erfolgreich und hofft einfach hier auf ein besseres Leben. Leider muss er erkennen, dass es auch hier nicht ohne die Hilfe anderer geht. So ist er schnell wieder genauso abhängig von Reichen und Mächtigen wie daheim. Dann gibt es noch die Greta, sie ist eine Cousine, die früh die eigene Familie verloren hat und bei den Hartungs lebt. Greta versucht verzweifelt Halt im Leben zu finden. Sie fügt sich wunderbar ein als arme Verwandte. Macht alles mit und versucht eben auch in Brasilien die Familie zusammen zuhalten. Nicht immer mit den richtigen Mitteln. Ihr Schicksal geht ans Herz, auch wenn ihr handeln nicht immer richtig ist. Am Ende kann sie einem nur leidtun.

In Brasilien kommt dann noch Augusto dazu. Er ist Plantagenbesitzer und ein reicher Mann. Ab hier beginnt für Pauline ein Leben in Wohlstand. Caspari schildert die Lebensumstände auf solch einer Plantage gut. Für Pauline ist es nicht einfach, zumal es Sklaven bisher in ihrem Leben nicht gegeben hat. Mit ihrer liebenswürdigen Art schafft sie aber auch hier zu Recht zu kommen. Auch den Unterschied zwischen Arm und Reich hat die Autorin authentisch wieder gegeben.

„Im Tal der Zitronenbäume“ ist ein herrlicher Auswanderungsroman mit Protagonisten, die wachsen und dabei liebenswert sind. Es macht Spaß mit ihnen zu gehen, sie die Fremde entdecken zu sehen und an ihrem Leben teilzuhaben. Die letzte Seite war viel zu schnell gelesen, aber vielleicht geht es ja auch hier weiter und die Autorin entführt ihre Leser noch einmal in das ferne Brasilien.

Meine Bewertung


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