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Benjamin Monferat – Der Turm der Welt

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Verlag: Wunderlich
ISBN:  978-3805250931
Seiten: 704
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22,95
ET: 08.2016

Rezension

Mischung aus Krimi und historischem Roman

Paris im Jahre 1889 ist Gastgeber der Weltausstellung. Die Stadt läuft über vor Menschen, sie erstrahlt im unbekannten Lichterglanz. Aber niemand ahnt, was sich wirklich hinter der strahlenden Fassade ereignet. Nur wenige sehen die Zusammenhänge, als zwei Agenten der französischen Geheimpolizei tot aufgefunden werden.

Eigentlich ist es eher schwierig eine kurze Inhaltsangabe hier zu machen, dafür geschieht gleichzeitig einfach zu viel. Der Autor hat hier einige Handlungsstränge nebeneinandergestellt und zunächst sieht es auch so aus, als wenn die Protagonisten nicht wirklich viel miteinander zu tun hätten. Die Zusammenhänge erschließen sich erst so nach und nach. Da die Kapitel zudem auch noch recht kurz gehalten sind, hatte ich sogar zu Beginn Probleme überhaupt in die Geschichte zu finden. Es hat zwar einige Zeit gebraucht, aber dann hatte es mich auch gepackt und ich konnte kaum noch aufhören mit dem Lesen.

Etwas ungewöhnlich fand ich die Kapitelüberschriften ja schon, es beginnt mit Zündung in 59 Stunden, 51 Minuten. Also ist von Anfang an klar, etwas Großes wird passieren, nur eben was, ist die große Frage. Diese Frage klärt sich auch wirklich erst zum Schluss. Denn dieser Countdown zieht sich durch das gesamte Buch und sorgt schon damit für Spannung.

Die Geschichte wird getragen durch eine stattliche Anzahl von Protagonisten, die alle irgendwie ein Problem mit sich herumtragen. Da ist zum Beispiel der Fotograf Lucien Dantez. Er ist nicht wirklich erfolgreich, hat aber eine interessante Geldquelle gefunden. Nur ob die für ihn auch zum gewünschten Erfolg führt? An seiner Seite die Kurtisane Madeline Royal. Sie ist wohl die schillerndste Persönlichkeit in dieser Geschichte und verkörpert das lebensfrohe Paris im 19. Jahrhundert, aber auch sie hat einige Probleme.

Dann der Offizier Friedrich von Straten, er ist Deutscher und im Auftrag einer Behörde in Paris unterwegs. Er hat aber auch ein privates Problem, welches er hier klären möchte. Außerdem finden sich zahlreiche Reiche und Adlige Europas ein. Sie alle wollen die Ausstellung sehen und verfolgen ihre eigenen Ziele. Dies sind nur ein paar der zahlreichen Protagonisten, alle wichtigen aufzuzählen, würde schon wieder zu viel vom Inhalt verraten.

Der Turm der Welt liest sich wie ein Agententhriller, eben aus dem 19. Jahrhundert. Der Autor hat die Spuren sehr gut gelegt und die Handlungsstränge gekonnt miteinander verwoben. Erst zum Ende hin kommt ein wenig Licht in die Geschichte. Die Weltausstellung beschreibt er hingegen eindrucksvoll. Der historische Hintergrund wird wirklich gut wiedergegeben. Das Fremde der Ausstellung ist deutlich spürbar. Die neuen Technologien, die vorgestellt wurden und für Aufsehen gesorgt haben, lassen auch den Leser staunen. Überhaupt ist das Staunen der Menschen richtig greifbar. Gerade die Szenen, die die Weltausstellung beschreiben, haben mir besonders gut gefallen.

Auch wenn ich am Anfang so meine Probleme mit der Erzählweise hatte, vor allem mit den kurzen Kapiteln und den ständig wechselnden Handlungssträngen, habe ich mich doch gut unterhalten gefühlt. Es war mal ein etwas anderer historischer Roman. Spannend in der Handlung und nicht zu offensichtlich. Die Protagonisten waren interessante Charaktere, die ihr gesamtes Potenzial eben erst so nach und nach entfaltet haben. Gerne mehr davon!

Bewertung: 4 von 5 Büchern

Vielen Dank an Benjamin Monferat und den Wunderlich Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


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Wolf Serno – Die Gesandten der Sonne

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Verlag: Knaur
ISBN:  978-3426653678
Seiten: 624
Ausgabe: Hardcover
Preis: € 22,99
ET: 09.2016

Rezension

Reisebericht durch den Orient

Cunrad von Malmünd ist Mitglied einer Reisegruppe, die im Auftrag Karl des Großen unterwegs nach Bagdad ist. Dort soll die Gesandtschaft mit dem Kalifen einige Abkommen treffen. Der Weg dorthin barg schon viele Gefahren. Viele fremde Eindrücke mussten verarbeitet werden und keiner konnte ahnen, dass der Rückweg noch viel schwerer werden würde. Mit Geschenken beladen, die für den König daheim gedacht sind. Macht sich die Gruppe wieder auf den Weg. Das wohl größte Geschenk ist der Elefant, der die Gruppe nun begleitet. Cunrad schließt schnell Freundschaft mit dem für ihn fremden Tier und auch sein Platz in der Gesandtschaft ist nun ein anderer als auf dem Hinweg. Jetzt ist er nicht mehr nur Begleiter und Arzt, sondern so langsam wird er immer mehr zum Anführer.

Die Gesandten der Sonne erzählt die Geschichte einer Gesandtschaft, die auf ihrem Weg so einige Abenteuer zu bestehen hatte. Wolf Serno lässt Bilder lebendig werden, von fremden Menschen, geheimnisvoller Umgebung und so manch sonderbarer Speise. Serno entführt seine Leser in die Welt des Orient mit all seinen Geheimnissen. Für Cunrad ist es ein aufregendes Abenteuer und für die Leser ein Lesespaß. Natürlich darf dabei die Liebe nicht fehlen. Diesen Platz nimmt die schöne Aurona ein. Cunrad lernt sie in Bagdad kennen und kann sie nicht vergessen.

Der Autor lässt seinen Protagonisten Cunrad von Malmünd seine Geschichte selbst erzählen. So klingt es dann auch so, als ob man einen Reisebericht lesen würde. Einen Reisebericht, der einen in den fernen Orient entführt. Von den Gefahren erzählt, aber auch von der Schönheit des Landes. Während Cunrad seine Reise als junger, unerfahrener Mann begann, wird er in diesen Jahren immer mehr zum richtigen Mann und eben auch zum Anführer seiner Gruppe. Er wächst mit seinen Aufgaben und das hat der Autor eben auch gut dargestellt. Vielleicht ist zu bemängeln, dass es sich hier mal wieder um einen Arzt auf Reisen handelt. Irgendwie scheint es in früheren Zeiten keine anderen Berufe gegeben zu haben. Es mindert aber nicht den Lesespaß und der leichte Erzählstil sorgt auch dafür, dass sich die Seiten quasi von allein blättern. Immer wieder gibt es kleine Szenen mit dem Elefanten, der die Gruppe begleitet. Gerade diese Szenen haben mir besonders gut gefallen. So ein großes Tier sorgt damals immer wieder für Überraschungen. Der historische Hintergrund fügt sich gut in die fiktive Geschichte um Cunrad ein. Dass es diesen Elefanten für Karl gegeben hat, ist nämlich historisch belegt. Nur seine Geschichte, wie er nach Aachen kam und seine Zeit dort verbrachte, ist nicht richtig überliefert. Es ist aber spannend zu lesen, wie es durchaus gewesen sein könnte.

Ein Personenregister zu Beginn sorgt für den nötigen Überblick und eine Karte zum Schluss dafür, dass man auch den Weg, den die Männer genommen haben nachvollziehen kann. Ein Nachwort klärt noch Fiktion und Wahrheit.

Die Gesandten der Sonne ist ein unterhaltsamer Roman aus dem 8. Jahrhundert. Er erzählt von spannenden Abenteuern, der Liebe und von der Freundschaft. Er erzählt von den Strapazen dieser langen Reise und was alles passieren kann. Davon wie schwer es für Mensch und Tier gewesen ist. Kurzum er sorgt für kurzweilige Unterhaltung.

Bewertung: 4 von 5 Büchern


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Cornelia Kempf – Der Löwe des Kaisers/Der Fall

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Verlag: Kameru Verlag
ISBN:  978-3906082530
Seiten:
Ausgabe: Broschiert
Preis: € 22,00
ET: 11.2016

Rezension

Eine hervorragende Fortsetzung

1174 – 1185: Die Abenteuer von Einhard und Gunnar, die Zwillinge im Dienst des Kaisers Friedrich Barbarossa und Heinrich Herzog von Sachsen und Bayern, gehen weiter. Es sind die Jahre in denen sich der Kaiser und sein Vetter zerstreiten. Jahre des Krieges und der Machtdemonstrationen. Während Einhard weiterhin treu zu seinem Dienstherren Heinrich dem Löwen steht, bleibt Gunnar an der Seite des Kaisers.

Dieser zweite Teil schließt direkt an den Vorgänger an. Es empfiehlt sich also „Der Löwe des Kaisers-Der Aufstieg“ gelesen zu haben, um hier die Zusammenhänge zu verstehen. War vorher von dem Erfolg Heinrichs zu lesen, geht es nun in die entgegengesetzte Richtung. Immer weiter geht der Streit mit dem Kaiser und damit ist auch der Untergang des Herzogs besiegelt. Soweit die historischen Fakten. Die Autorin hat hervorragende Recherchearbeit im Vorfeld geleistet und so schildert sie das wie und warum genau und vor allem nachvollziehbar.

Das Leben der Zwillinge ist eingebettet in den historischen Hintergrund. Es wirkt fast so, als seien sie gar nicht fiktiv. Sie gehören einfach dazu. Mit Einhard ist der Leser bei Herzog Heinrich, erlebt seinen Untergang mit und wie er mit dem Vertrauensverlust vonseiten des Kaisers umging. Einhard steht treu zu seinem Herzog und hat aber gleichzeitig sein eigenes Leben. Auch wenn er es nicht immer leicht hatte.

Gunnar steht nach wie vor an der Seite des Kaisers. Er ist auch im treu ergeben, mit allen Folgen, die diese Treue bisweilen haben kann. Gunnar erlebt einiges in seinem Leben, nicht nur die schönen Seiten auch die des Krieges.

Ich habe es genossen, an dem Leben dieser eigentlich so ungleichen Zwillinge teilhaben zu dürfen. Ich habe mit ihnen gelacht, geweint und geliebt, sowie um ihre Zukunft gebangt. Der detailreiche Erzählstil unterstrichen durch einzelne Gesten, wie sich die Haare raufen, oder durch den Bart streichen tragen dazu bei, dass ich schnell Bilder im Kopf hatte. Kopfkino pur!

Gekonnt erzählt Kempf von dem, was sich damals zugetragen haben könnte, sie schildert sehr genau, was sich ereignet hat. Kriege und Kämpfe werden geschildert, von Verlust und Verrat, von Vertrauen und Treue. Durch ihre Art des Erzählens werden die Protagonisten lebendig. Sie wirken authentisch und echt. Kurz um, es macht einfach Spaß hier zu lesen. Die Dialoge zwischen den Protagonisten tragen dazu bei, dass es immer mal wieder auch was zu lachen gibt. Vor allem die zwischen Gunnar und dem Kaiser sind immer wieder ein Highlight. Aber auch Einhard versteht es seine Meinung zum Besten zugeben und sich durchzusetzen. Bei solchen Szenen merkt man eben doch, dass sie Zwillinge sind. Bisweilen sind sie bockig und stur, aber dabei auch liebenswert und treu.

Hat mir der erste Band schon gut gefallen, gab es hier tatsächlich noch eine Steigerung. Ich habe jede Seite genossen und Einhard und Gunnar, sowie ihre Familien, gern in mein Leseherz gelassen. Am Ende war ich doch traurig sie gehen lassen zu müssen. Aber vielleicht ja auch nicht für lange, habe ich doch erfahren, dass es noch einen dritten Band geben wird. Ich freue mich jetzt schon darauf, zu erfahren, wie es weitergehen wird.

Bedanken möchte ich mich hier an dieser Stelle bei der Autorin Cornelia Kempf, sie hat mir freundlicherweise eine Vorabversion von „Der Löwe des Kaisers Der Fall“ zur Verfügung gestellt. Ich habe es sehr gern gelesen und mit ihrer Genehmigung auch schon mal eine Rezension verfasst.

Bewertung: 5 von 5 Büchern


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